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Text zum Thema Abgrund


von ZornDerFinsternis

Die Stadt liegt im festen Griff der Dunkelheit.
Gleich null Uhr - Mitternacht.
In meinem Kopf ist es still. Nur die Bilder kreisen.
Die Bahn ist so ausgestorben, wie eine Geisterstadt.
Hinter der Scheibe fliegen die Schienen entlang.
Verdreckte Schneehaufen. Ab und an leuchten kunterbunte Farben
im schwarzen Himmel auf. Verglimmen.
Meine Hände sind noch ganz rot. Kann sie kaum bewegen.
Ich erinnere mich nicht mehr genau, aber ich schätze ich habe anderthalb Stunden
in der Kälte am Bahnhof gesessen und auf diese verschissene Bahn gewartet.
Allein. Am letzten Abend des Jahres.
Ein sehr gekonnter Abschluss, weil jedes Jahr so zur Neige geht.
Ich habe mich heute wieder den ganzen Tag in meinem verschissenen Elend gesuhlt.
Bei jedem Blick in den Spiegel mit einem mörderischen Brechreiz zu kämpfen gehabt.
Die Vergangenheit mit Alkohol begossen. Ein gescheiterter Versuch, sie hinter mir zu lassen.
Ertrinken zu lassen. Jeden 31. 12. die gleich sinnlose Leier.
Aber dieses Jahr war es schlimmer als sonst. Kälter. Schmerzender. Einsamer.
Die letzten 3 Tage des Jahres hing ich durchgehend an Whisky und Korn. Zwischen jedem Schluck
eine Zigarette. Manchmal auch zwei.
Eine Hand voll Tabletten, einen Joint, ein paar nette Schnitte mit dem Skalpell.
Ja, Kinder sind an sich etwas Wundervolles. Aber nicht jetzt. Nicht für mich.
Nicht, wenn man selbst noch nicht über diese Entwicklungsphase hinausgeeilt ist. Nicht, wenn man keinen Job;
keine Ausbildung hat. Wenn man, wie ich so beschissen Menschenverachtend und depressiv ist.
Alles und jeden hasst - sich am meisten.
Ich bin mit dir alleine. Dein Leben wirst du wohl nie begehen. Kennenlernen, wie die Sonne dein Gesicht kitzelt.
Wie Menschen dich kennen- und lieben lernen. Dem Schmerz des Augenblicks, Tod und Ausweglosigkeit. All diese schlimmen Dinge, die der Mensch im Laufe der Jahrtausende angerichtet und erfunden hat, ich will sie dir alle ersparen.
Wahrscheinlich ist dies, doch bloß eine feige Ausrede, um mich vor der Verantwortung zu flüchten.
Aber weißt du, das macht mir nichts.
Ich würde dir eh keine gute Mutter sein, einzig, weil ich weiß, was meine Mutter war und was ich gewesen sein werde.
Einige Haltestellen zuvor hatte sich ein türkischer Mitbürger neben mich gesetzt, von dem ich wohl nichts mitbekommen hatte, so tief, wie meine Gedanken mich festhielten. Er fuchtelte wie wild mit seinen haarigen Pranken vor meinem Gesicht herum, ich konnte nichts damit anfangen. Vermutlich versuchte er bloß nett zu sein, und mir ein schönes neues Jahr zu wünschen. Wobei das bei allem, was die letzten 19 dreiviertel Jahre so zu bieten hatten, eine absolut beschissene Idee ist. But, who cares...?
Irgendeine nervige Durchsage von wegen "Bla. Es begrüßt Sie heute... Wir fahren über..., ach fick' dich."
An der nächsten Haltestelle stieg ich aus. Sofort die nächste Kippe ins Maul. Der türkische Herr im beigefarbenen, knielangen Mantel war auch aus dem Zug getorkelt.
Ich drehte dem Wind den Rücken zu, vielleicht auch den Gedanken in meinem Schädel. Vermutlich waren auch sie es, die mir diese hämmernden Kopfschmerzen bereiteten und nicht die 2 Flaschen Whisky und die halbe Pulle Korn. Ich musste schlimmer stinken, als der hinterletzte Zuhälter. Endlich leuchtete die Zigarette am Anfang auf.
Ich zog den Rauch noch gieriger und verlangender ein, als all die vorangegangenen Jahre.
Es tat gut. Ich weiß, dass du das nicht wolltest. Mir wehtun. Das Kind. Mich.
Müde und ziemlich angetrunken, ließ ich mich auf die nächste Bank fallen. Die nächste Kippe.
Es war kalt. Neujahr eben. Was für ein verschissen tolles Jahr, was da gerade begonnen hat.
Irgendeine Hand an meinem Arsch und meinen viel zu kleinen Brüsten... der türkische Herr.
Er bat mich einer "Kaffee-Einladung" zu folgen, um 3 Uhr in der Frühe.
Zu voll und verwirrt... raffte ich mich auf. Die letzten 2 Treppen auf das andere Gleis schaffte ich nur mit Mühe und Not.
An der letzten Stufe sackte ich neben dem Geländer auf die kalten Steine. Macht mir keine Mühe, aufzustehen und mich weiter durch die Kälte zu schleppen.
Ich wollte einfach schlafen. Verschlafen. Das Leben, das neue Jahr.

Prost, Neujahr!

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Moritz (28) (05.01.2011)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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ZornDerFinsternis meinte dazu am 05.01.2011:
-lieb knuddel-
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Kommentar von yolanda (45) (05.01.2011)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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ZornDerFinsternis antwortete darauf am 05.01.2011:
Das klingt verständlich. Das hört sich optimistisch an. Und irgendwie doch unreal. Die perfekte Mischung für heute. Tausend Dank für deine Zeilen
Liebe Grüße, Anni
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Kommentar von Skala (21.01.2011)
Ich geb's zu... ich hab getrunken an Silvester. Nicht gesoffen zwar, und weder alleine noch schwanger, aber immerhin. (Meiner Meinung nach ist der letzte Tag des Jahres auch immer der beschissenste...)

Deinen Text finde ich sehr eindringlich. Den Teil mit dem türkischen Herrn und der Dreiuhrnachtskaffeeeinladung finde ich, gesetz dem Falle, dass es sich nicht um eine wahre Begebenheit handelt, ein bisschen zu krass und überspitzt. Hätte die Geschichte vielleicht schon auf der Bank enden lassen, aber na ja... who cares. Trotzdem Sternchen.

In dem Sinne, ich lasse erstmal sacken.
Liebe Grüße, Ranky.
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ZornDerFinsternis schrieb daraufhin am 21.01.2011:
Dankeschön
Ja, in der Tat... der letzte Tag des Jahres deprimiert mich immer am Meisten. Weil ich auf alles zurückschauen muss, was ich nicht erreicht habe. Dass ich nichts erreicht habe. Und es genau so im nächsten Jahr aussehen wird - niederschmetternd.
Danke für deine lieben Zeilen, und im Übrigen, die Geschichte ist zu 100% wahr. Lediglich eine Aufzeichnug aus verschiedenen Erlebnissen, wichtiger Menschen, zusammengerafft, zu einem Gedanken.
Alles Liebe für dich und ein wundervolles We.
Anni
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Skala äußerte darauf am 21.01.2011:
;) Dir auch!
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ZornDerFinsternis
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Veröffentlicht am 05.01.2011. Textlänge: 664 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.585 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 22.06.2021.
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