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Aus meinem Universitätsleben

Erzählung zum Thema Allzu Menschliches


von KayGanahl

Zu jeder Jahreszeit war es möglich, so mancher tat es. Mein Entschluss stand fest:  „Mal alles aus der Höhe betrachten, das könnte ein Erlebnis sein!“ rief ich aus, als ich an meinem gelben, überfrachteten Schreibtisch saß und zum Telefonhörer griff, um ein Fahrticket zu reservieren. „Es heißt ja, dass von oben die Welt ganz anders aussieht. Das werde ich bald feststellen können!“  Amüsiert legte ich nach der Reservierung den Telefonhörer in die Gabel. -
Ich war gerade fertig geworden. Womit? Die Zeichen standen auf Veränderung, es fand auch gerade eine statt. Aber welche Veränderung? Jedenfalls war ich noch keine dreißig Jahre alt und hatte Hunger, unter anderem Hunger auf … Erfahrungen jeder Art. Vielleicht hatte ich etwas nachzuholen. In meinen oft getragenen braunen Boots, den ebenfalls oft getragenen silberfarbenen Leggins und dem gelegentlich getragenen gelben Hütchen mit Straußenfeder  war ich an diesem Ort einer der Paradiesvögel, wollte aber auf jeden Fall eine berufliche Karriere hinlegen. In diesen Tagen hatte ich so meine schönen Hoffnungen, die sich unter anderem auf universitäre Erfolgsmöglichkeiten bezogen. Ohne Zweifel gab es theoretisch diese Erfolgsmöglichkeiten. Oder tatsächlich auch praktisch?

Ich fuhr mit der Höhenbahn hinab, hinauf, was zunächst einmal eine positive, weil mich bereichernde Erfahrung  war. In der Kabine der Bahn war ich nicht allein. Und ich genoss diese zwei Fahrten mit allen meinen Sinnen – doch habgierig, nämlich weil ich mehr und immer mehr Eindrücke aufsaugen wollte! In dieser Stadt, ja in dieser ganzen Region war diese vor rund zwei Jahrzehnten gebaute Höhenbahn eine Sensation der Technik, jedenfalls war sie es bis zum Zeitpunkt, da ich sie begeistert benutzte. Und ich stand mitten in der mit mehreren Sitzplätzen und großen, zum langen Schauen einladenden Scheiben ausgestatteten Kabine dieser in der ganzen Region gut bekannten Höhenbahn und schoss Blicke auf die anmutige grüne Hügellandschaft.
Die unter mir gelegene Universität war weniger eindrucksvoll, musste ich gestehen. Ich konnte mir das auch ganz freimütig gestehen, weil sie mir äußerst kritikwürdig erschien. Als ich sie aus der Höhe während der Fahrt mit der Höhenbahn betrachtete – schlanke, vollschlanke Bauten modernster Architektur zierten sie – hätte ich kein Niesen oder Hüsteln zur Anerkennung der Architektur gewährt, nein danke, so beeindruckend konnte sie auf mich einfach nicht wirken! Meine Mitfahrer in der Kabine, was ich an ihren mündlichen Äußerungen und den aussagekräftigen Gesichtern bemerkte, hatten nur die blinde Glotzerei für die Uni-Architektur übrig. Das war verdammt wenig. Ich vermutete, dass sie die Universität auch von innen gut kannten. Die Fahrt mit dieser Höhenbahn war ein anerkannter Spaß der etablierten wissenschaftlichen Fachkräfte, die in den universitären Fachbereichen ihren wichtigen Tätigkeiten nachgingen – und dabei mit Erfolgen zu ringen hatten, die sie aber emotional bestens verkraften konnten.
Gut, dachte ich, in der Kabine stehend, die finden vielleicht auch, dass die Architektur nichts taugt. Es gibt wahrscheinlich viele Ablehner dieses architektonischen Fehltritts, der das Land, welches die Errichtung der Universitätsbauten stark bezuschusst hatte, viele Millionen kostete. Und es zeichnete eine solche Hochburg der Bildung wahrhaftig nicht aus, wenn lediglich eine Ansammlung von grauen Zweckbauten, die einst als architektonische Innovation gerühmt wurden, die Studentenschaft und den Rest der Bildungswelt zum Eintreten, Studieren und Prüfung ablegen einlud. Enttäuschung über die Missklänge, die wegen der Universitätsarchitektur entstanden, kam bei den politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen für die Errichtung des ganzen Universitätskomplexes auf.  Die ungemein wertvolle Erkenntnis, dass man in Sachen Architektur auf Grund ästhetischer Grundsatzauffassungen verschiedener Meinung sein konnte, brachte keinen weiter. Natürlich war die Finanzierung gut abgesichert gewesen. Das Geld war inzwischen ganz seinen geplanten Verwendungen zugeführt worden, so dass es für architektonische Korrekturen kein Geld mehr gab.

Bei mir hatte sich ja auch schon Unmut wegen der schrecklichen Architektur geregt, doch war ich nicht der, der sie immer wieder thematisierte. Ich fand mich schnell mit weniger angenehmen Dingen im Leben ab. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften mit dem Forschungsbereich „Sensationsmarketing“ war ich dafür prädestiniert, solche Dinge gelegentlich perfekt zu ignorieren, weil sie mich sonst zu sehr belastet hätten. Meine Psyche musste ich jede Woche mindestens ein Mal sauber kehren, um noch klar denkend durch mein noch ganz junges Berufsleben marschieren zu können --- so war das eben. Deutsches Universitätsleben. Es war noch erträglich. War ich eigentlich wirklich wissenschaftlicher Mitarbeiter oder war ich immer noch nur einer dieser mäkelnden Studenten? Darüber musste ich noch gründlich reflektieren. Jedenfalls hatte ich mein Universitätsdiplom in der Tasche (im Kopf allerdings auch), in der außer dem Diplom leider kaum Zweckmäßiges, an der Realität der Arbeitswelt Orientiertes war, aber immerhin ein Fünfer und ein Zehner, die ich für den kommenden Tag als Nahrungsbeschaffungs-Geld einzusetzen plante. Auch ich war enttäuscht, enttäuscht nämlich gerade darüber, dass ich bislang nur einen Zeitvertrag als wissenschaftlicher Mitarbeiter hatte, was zu wenig war, um mein Universitätsdiplom nachträglich als sehr gute Maßnahme der individuellen Begründung einer beruflichen und privaten Existenz in dieser Gesellschaft rechtfertigen zu können.
In der Höhenbahn-Kabine, in der ich mich aufhielt, zog mächtig der Wind. Die anderen empfanden das wohl auch so, weshalb sie sich die Ohrwärmer anlegten und sich vorerst des Gesprächs über Architektur und so weiter enthielten, wie ich festzustellen die Freude hatte, denn ich wollte in Ruhe den Anblick der Hügelchen und Tälerchen unter mir genießen – der Universitätsgebäude ebenso.
„Ist doch gar nicht so übel, … die Uni mit ihren Röhren!“ stieß ich bedrückt mit einem Unterton der Ironie aus. Einer der anderen in der Kabine lächelte mich freundlich an, verschloss dann aber wieder sein Gesicht ganz rasch. In seinem Gesicht prangte eine hellbraune Warze, genauer gesagt mitten auf der linken Backe, die ich ihm gewissermaßen abguckte, weil sie für mich ein Blickfang war. Da erblickte ich plötzlich einen der Universitätsprofessoren: Professor Dr. Lieberrat, einer der Hochschullehrer aus dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, den ich als Kollegen bislang nur flüchtig kannte. Er bemühte sich auch um so ein Lächeln, verfiel aber schnell in ein Staunen ob der schönen umzäunten Wohnanlagen, die vor Jahren rings um die Universität gebaut worden waren.
Lieberrat: „Von oben sieht alles so beeindruckend wichtig aus!“ Er trug einen Kamelhaarmantel und seine Armbanduhr war eine der Marke Roll-Mich-Auf.
„Dort lebt die Elite unserer Stadt! Wir können auf sie ganz ganz ganz stolz sein!“ gab er dann noch kund. Ich lächelte ihn nun auch an, enthielt mich jedoch einer Erwiderung, weil sie eventuell etwas garstig ausgefallen wäre. Der Professor lächelte nunmehr aus einem der Kabinenfenster, drückte schließlich der Dame links neben sich ein Papiertaschentuch in die Hand, wie ich beobachten konnte. Die in einen feinen dunkelblauen Mantel gehüllte Dame kam aus dem Lächeln nicht mehr heraus.
„Ich bin froh, hier leben und lehren zu dürfen!“ entfleuchte es ihr anmutig, ihr Gesicht verschwand im um ihren Hals geschlungenen roten Schal. Um ihre Stirn herum konnte ich kurz ein (war das eine optische Täuschung?) sensationell deutliches, nur paranormal erklärbares Licht aufscheinen sehen, was mich beunruhigte.
Die beiden Fahrten dauerten nicht länger als der Fahrplan sagte. Besonders viel war während der Fahrten nicht geschehen, aber immerhin hatte ich sie nun durchgeführt. An meinen Mitfahrern, die wahrscheinlich auch die Kabine verließen, kaum interessiert entstieg ich dem Luft-Vehikel mit einiger Gelassenheit. Ich trug mich mit der Absicht, an diesem Tag noch irgendeiner ernsten Tätigkeit nachzugehen.
„Jetzt aber, vielleicht kommt noch was … !“ sagte ich. Der heutige Herbstmorgen war einer der schönsten der letzten Wochen. Ich atmete frische Luft ein und fühlte mich recht wohl. Auf dem Campus der Universität stand ich zunächst einmal unentschlossen ein paar Minuten herum, als mir ein Gedankenblitz kam. - - -

Warum nicht noch ein zusätzliches Studium anfangen? fragte ich mich in Gedanken. Eine Erstsemester-Studentin rempelte mich versehentlich nahe dem Eingang der Universitätsbibliothek an. Ihre Entschuldigung rührte mich irgendwie. Natürlich wäre ein Zweitstudium nicht unbedingt sinnlos, dachte ich, konnte es doch immerhin als geeignet gelten, meine berufliche Karriere anzuschieben und weitere berufliche Perspektiven zu eröffnen. Ich hoffte. Ich dachte nach. Und ich hoffte wieder. Es würde dabei eigentlich nichts schief gehen können. Die Fortsetzung des Studierens parallel zu meiner beruflichen Tätigkeit an der gleichen Universität war mir jetzt lieb – es durfte jetzt ein Hobby aus der Liebe zum Studieren und zur Wissenschaft werden. Meinen alten, noch nicht zurück gegebenen studentischen Benutzerausweis der Universitätsbibliothek hielt ich in die Höhe und starrte ihn an. Ich wollte mittels der Beschwörung dieses lächerlich-normalen Ausweises ein weiteres Stück Wissenschaft in Angriff nehmen. Dann betrat ich endlich die Bibliothek.

Am nächsten Morgen erwachte ich mit dem festen Willen, mich neu zu immatrikulieren, nur das Studienfach war mir noch unklar. Sicherlich würde ich noch ein bisschen mit der Immatrikulation und dem Studieren warten müssen, es lagen noch schwere Monate als wissenschaftlicher Mitarbeiter vor mir. Wichtigeres würde es zu tun geben als des Spaßes halber zu studieren. 
Nach dem Frühstück machte ich mich zu meiner universitären Veranstaltung auf, die um zehn Uhr anfing. Die Zahl der Studenten, die zu zählen ich mich nicht traute, war sehr gering.  Dann zog ich meinen wissenschaftlichen Stoff, schon mit einer gewissen Routine, durch. Vermerkte aber zu meinem Leidwesen keine besonders große Begeisterung bei den Studentinnen und Studenten, die nach Beendigung des Seminars grußlos den Raum verließen. Meine Enttäuschung darüber konnte ich gerade so vor ihnen verbergen.
Das war ein Arbeitstag, - vier Seminare in der Woche waren durchaus eine Herausforderung für mich! So einiges war an wissenschaftlichem Stoff neu zu erarbeiten. Ernste Zwischenfälle, die meine Autorität als Dozent in Frage gestellt hätten, gab es zum Glück keine (eigentlich recht erstaunlich!). Hier waren die Studentinnen und Studenten in ihrer Mehrzahl auf das Studieren konzentriert und schienen zwar Kritik zu kennen, aber bestimmt nicht Aufmüpfigkeit. Sie waren brav. Von intensiven Arbeitstagen gab es im laufenden Semester (ich sehnte mich geradezu nach dem Beginn eines Zweitstudiums) viele – und auch viele, die so ereignislos-langweilig und frustrierend waren wie man sie sich vorher nicht hätte auch nur vorstellen können! 
Das Semester verging flott, worüber ich mich freute, denn ich brauchte nicht viel Erfahrung, die viele Menschen in diesem Land zu glorifizieren neigen, weil sie ihre Berufsqualifikation nicht hoch genug einschätzen. Während des Semesters suchte ich immer wieder Abwechslung vom Arbeitstrott, denn längst (und doch eigentlich recht frühzeitig!) war ich davon geheilt, der Wissenschaft und der Forschung zu viel Bedeutung beizumessen. Ich suchte kein Heil mehr, keine Befriedigung, keinen großen Sinn in den wissenschaftlichen Tätigkeiten. Schon als junger wissenschaftlicher Mitarbeiter am Beginn der Berufslaufbahn war ich gedanklich reif und weise genug, alles nur als Job zu begreifen!
Um meine Schöngeistigkeit nicht verstecken zu müssen, unternahm ich in meiner reichlich vorhandenen Freizeit Ausflüge in die Umgebung, die ich über alles mochte: Rundgänge, Rundfahrten, Rundflüge – auch Rundwanderungen, während deren ich mich auch mal auf einen Selbstfindungstrip begab, wobei ich allerdings keine Begleitung hatte. Lotty van Tutten, meine Freundin, sah sich außerstande, mich auf diesen Ausflügen zu begleiten. Ihre Lust am Studieren hatte voll eingesetzt. Sie war mit ihren 25 Lenzen zu allen universitären Schandtaten um des Erfolgs willen bereit. Mit mir wollte sie nicht allzu viel ihrer knappen Freizeit verbringen, was ich schade fand, doch ich konnte auch allein los. Dazu hatte ich mir die Erlaubnis erteilt.

Die Höhenbahn über der Universität hätte mir wieder die Gefühlswelt besorgen können, doch heute wollte ich die clevere Alternative „Entwicklung meines Selbst durch Bildung“ vorziehen. Die nunmehrige schöne und geistvolle Besorgung meiner gestressten Gefühlswelt hatte ich selbst vorzunehmen. Und eine der öffentlichen Bibliotheken in der Stadt, in einer fabelhaften Ecke der Stadt gelegen, zog mich magisch an, so dass ich sie an einem meiner freien Nachmittage besuchte, um die Bücher zu bestaunen, von denen eine große Anzahl bibliophilen Wert besaß, wie ich gehört hatte. Es gab auch zahlreiche wichtige Fachbücher darunter. Als ich nach dem Besuch dieser Bibliothek zur Schwingtür hinaus schoss, dachte ich daran, wie gut es gewesen war, in der Schlussphase meiner letzten vorlesungsfreien Zeit die verschiedensten Universitätsbibliotheken des Bundeslandes besucht zu haben, weil ich ja neben meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter auch noch um meine Promotion bemüht war und so allerhand wissenschaftliche Quellen zu erforschen hatte. Meiner Gefühlswelt wollte ich ausnahmslos Gutes antun.

Aber würde nicht späterhin die Arbeit an der Promotion wegen zeitökonomischen Problemen zumindest mit meinem geplanten Zweitstudium in Konflikt geraten? Genug Zeit für Ausflüge, einfach auch zum Durchatmen würde es geben müssen. Natürlich hatte ich noch meine Wochenenden … ich wollte alles haben … alles … Freizeit und Beruf, Beruf und Freizeit!

Zum Textende hin erzählt mit dem Titel „Das Lebewesen mit den Eiern“:

Dann und wann strebte (an diesen Wochenenden) etwas zwischen meine konkreten Absichten bezüglich Beruf und Freizeit, legte ein braunes Ei, ein schwarzes vielleicht auch, manchmal auch ein rotes Ei. Flugs hob ich sie auf, barg sie gleich wie ein Fischer. Mich umsehend, steckte ich sie unter meinen Hut mit Feder! Dann fiel etwas heraus, mehr und größere Eier fielen aus ihm, diesem Lebewesen unter meinem Hut, heraus. Erstaunlich war das! Nicht erschreckend? Verwunderlich, absurd … was auch immer? Phantastisch-unbegreiflich vielleicht? Ich sammelte diese Eier. Und ich barg sie in mir als Mensch wie einen Schatz, den ich niemandem überlassen würde, komme was da wolle!
Ich ließ mich auch eben nicht nur in Unis, in Bibliotheken … in Höhenbahnen sehen, sondern überall dort, wo ich meine Freizeit sinnvoll verbringen konnte und das Lebewesen – nunmehr „mein“ Lebewesen –  mir immer wieder meine Eier legen konnte, und zwar so lange, bis meine Eier-Sammlung zu einer hochwertigen Groß-Sammlung anwuchs, die zu versteigern oder zu verkaufen ich in Erwägung ziehen durfte.

„Sie haben alle Unvernunft bemüht, Ihre gerade begonnene Universitätslaufbahn auf’s Spiel zu setzen!“ musste ich mir von Professor Dr. Miller (ungefähr 40 Jahre alt, ganz in Jeans, meistens leichte Rötung im Gesicht, schwarze Pädagogik schien klar durch) anhören, als ich von einem meiner Seminare kam. Er war ein Universitätsprofessor, dessen geistreiche, manchmal herablassenden Randbemerkungen zu Personen des Universitätslebens mir bestens bekannt waren. Er sagte dies zu mir, so nahm ich an, weil ich mit meinem Hut mit Feder in einem meiner Seminare aufgetaucht war, dann tatsächlich Eier hervorholte, die ich meinen lieben Studierenden vorführte, als wären sie teure Vorführobjekte meiner Forschung, dabei war ich einer der jungen Geisteswissenschaftler, welche mit dem Unsinn an den Universitäten Schluss machen wollten. Ich war aber im Laufe meines ersten Semesters als Dozent allmählich einem grässlichen primitiven Humor verfallen, der mich ohne Frage im ganzen Fachbereich der Lächerlichkeit übergab, was ich wohl nicht immer voll zu realisieren vermochte. Ich wurde eine lächerliche Figur! Mitunter lachte man mich auf offener Szene aus! Mein Verhalten als Dozent stellte mein berufliches und persönliches Ansehen in Frage - obwohl ich auf einem hohen Leistungsniveau tätig war, verlor ich mit der Zeit. Ich verlor sozial an Boden. Auf Dauer war ich am Fachbereich nicht mehr zu halten, dachte ich jetzt, Professor Miller vor mir, selbstkritisch: Professor Miller hatte mir dies alles nur noch einmal hart in Erinnerung gerufen. Den gleichen Hochschullehrer Miller traf ich in der Höhenbahn, 17 Tage nach dieser obigen Bemerkung.

Ich machte wieder eine schöne Fahrt. Er auch? War er wegen mir hier? Er stellte sich mir genau gegenüber und verzog sein Gesicht zu einer Grimasse, was sicherlich Furcht einflößend auf mich wirken sollte, doch ich konnte mich beherrschen. Meinen Hut trug ich am sonnigen Spätnachmittag dieses Tages gar nicht. Ich wollte ganz ruhig bleiben, sehr beherrscht, geradezu cool, gar nicht papagaienhaft, eine Persönlichkeit des universitären Lebens, die sich aber nun einmal nicht an alles und alle anpassen will, jedoch zum ernsthaften Gespräch immer bereit ist.
„Das ist aber eine schöne Grimasse … sind Sie gegen mich, Herr Professor?“ fragte ich ihn noch recht freundlich, was ihn vermutlich erstaunte. Seine Grimasse blieb mir erhalten, er zappelte aber nicht mehr so herum, sondern gab sich grimassig-cool.
„Wollen Sie nicht endlich aufhören mit Ihren Spielchen in den Seminaren, auf dem Campus, überall … Sie müssen seriös sein, als Wissenschaftler und Dozent Geltung und Autorität bei den Studierenden haben – ist das für Sie problematisch?“
„Nein!“ antwortete ich sofort, auf einmal löste sich seine Grimasse auf.
„Sie werden von der Uni verschwinden, und zwar bald!“
„Soll das ein Scherz sein?“ reagierte ich mit leiser Empörung.
„Nein,“ gab er von sich und lächelte überlegen.


Ende


Kay Ganahl
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