Zum ewigen Ruhm

Glosse zum Thema Psyche

von  loslosch

[Heu, quam est timendus, qui mori tutum putat[/b] (Publilius Syrus, 1. Jh. v. Chr.; Sententiae). Ach, wie muss man den fürchten, der im Tod die Rettung sieht.

Der über 2000 Jahre alte Spruch hat in den letzten Jahrzehnten via Flugzeugentführungen, Geiselnahmen, Kamikaze-Attentaten u. ä. traurige Aktualität wiedererlangt. Wenn sich die Vorstellung eines siebten Himmels (wir schreiben "siebten" übrigens klein!) in den Köpfen von Fanatikern erst einmal festgesetzt hat, werden die Träger der Köpfe zu wandelnden Zeitbomben, gleichgültig ob ein Psychiater eine kaum therapierbare schwere Persönlichkeitsstörung orten oder "nur" auf Abhängigkeit von einer kalt planenden Kommandozentrale irgendwo im fernen gebirgigen Afghanistan (Tora Bora) erkennen würde.


Anmerkung von loslosch:

Anfang April 2011 vorbereiteter Text. Aus Anlass des Todes von Osama bin Laden (am 2.5.2011) die Frage: Ist die Kommandozentrale eine Hydra?

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Kommentare zu diesem Text


 AlmaMarieSchneider (03.05.11)
Ich bin ja skeptisch, was den Tod Bin Ladens betrifft.
In den siebten Himmel mag ich aber auch nicht. Dort treiben sich ja mehr Mörder herum als in der Hölle... und sollten sie nicht durch die Himmelpforte dürfen, werden mit Sicherheit eine ganze Menge richtig dumm schauen.

 loslosch meinte dazu am 03.05.11:
Nicht mal in den sechsten Himmel mag ich kommen. Der Unterschied? Im sechsten erfüllt man sich alles, was hienieden von Allah verboten wird: Saufen, Schlemmen, Huhuhur... Kaum noch zu steigern? In den 7. Himmel darf man drei Freundchen seiner Wahl mitnehmen.

Teilnehmende Freude eben.

Die pakistanische Regierung eiert herum, zweifelt den "Erfolg" der Aktion nicht an. Ob es zu einer Palastrevolution dort kommt? Würde mich nicht wundern. Lothar

 Rudolf (03.05.11)
Ich sehe keine Lösung darin, wenn wir islamische Gläubige und ihre Helden als Geistgestörte einordnen und sie dämonisieren. Was war dann Leonidas an den Thermopylen?

Schaue ich mir die Landkarte von den israelischen Siedlungen in der West Bank an, erscheinen mir die dort Kämpfenden wie die Widerstandskämpfer im Dritten Reich, denen wir höchste Achtung entgegenbringen sollten.

 loslosch antwortete darauf am 03.05.11:
Ich teile Deine Einschätzung zur isr. Siedlungspolitik. Die Reaktionäre in der Regierung dort sind aber keine Kamikaze-Leute. Insofern nicht vergleichbar. Vor Politikern und Waffenträgern, die null Angst vor dem Tod haben, sollte man sich fürchten, Rudolf. Lothar

 loslosch schrieb daraufhin am 03.05.11:
Übrigens hat sich Leonidas mit seinen Mannen in einem aussichtslosen Gefecht geopfert, um den Rückzug seiner Landsleute zu sichern. Er wollte andere schützen, nicht die ewige Seligkeit gewinnen, allenfalls ewigen Ruhm bei den Nachlebenden erlangen. Diese Vorstellung prägte in der Antike viele. Lo

 AlmaMarieSchneider äußerte darauf am 03.05.11:
Mir sind diese Männerseligkeitstheorien sowieso suspekt. Ich brauche zumindest weder Selbstmörder noch Mörder (gleich welcher Religion) in meiner Gesellschaft. Ich bin mit den ganz normalen Typen zufrieden.

 loslosch ergänzte dazu am 03.05.11:
Der Vatikan schreckt zurück vor Freundenbekundungen zum Abschuss des Chefterroristen. Man darf nicht in die Kirchengeschichte zurückblicken ... Richtig aber bleibt: Die Transzendenz ist ein Einfalltor für potentielle Terroristen. Lo
(Antwort korrigiert am 03.05.2011)

 Rudolf meinte dazu am 04.05.11:
Ich wollte nur daran erinnern, dass in den Medien Geschichten erzählt werden, die einfach nur die Erwartung der Leser, Zuhörer und Zuschauer bedienen.

Wie würdet ihr reagieren, wenn jemand, der viel, viel stärker ist als ihr, und ohne dass ihn jemand daran hindert, eine Mauer durch euren Garten zieht und sagt: „Ich muss das tun, von eurer Seite kommt immer soviel Lärm.“

Ich kenne nicht viele Muslime persönlich. Die, die ich kenne, sind allerdings dermaßen normal, dass ich Zweifel habe, dass es einen schlüssigen Zusammenhang zwischen islamischer Religiosität und Selbstmordattentätern und –attentäterinnen gibt. Ich sehe mehr unser Bedürfnis nicht über die Ungerechtigkeit nachdenken zu wollen, die wir mitfinanzieren. Da passt es gut, wenn ich Menschen, deren Handeln ich nicht verstehe, als geistesgestört abstempele, es ist immer dasselbe Schema: Entmenschliche Deine Feinde und dann darfst du nach Herzens Lust draufschlagen.

Literarisch habe ich an Deinem Text nichts auszusetzen.
Graeculus (69)
(23.08.17)
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 loslosch meinte dazu am 24.08.17:
ein in die enge getriebener lux kann schon gefährlich sein. ja, wenn man nichts mehr zu verlieren hat ...
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