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Bärbel, die Anwältin

Kurzgeschichte zum Thema Alltag


von KayGanahl

Bärbel schreibt in diesen Minuten schreiend einen Aufsatz (oder ist es ein Bericht?) bezüglich ihrer Liebe zum Leben. Wirklich: sie schreit, was mich durchaus einschüchtert. Ich vermeide es jetzt bewusst, Emotionen zu zeigen. Der Tisch, an dem wir in ihrem Büro stehen, wankt ein wenig. Ich darf heute mal danebenstehen. So erinnere ich mich gemeinsam mit ihr.
Was sie hier, werter Leser, zu lesen bekommen, das ist der Versuch einer Nacherzählung (oder ist es ein Bericht?) dessen, was sich so aus Eindrücken zu ihrem Leben zusammenfügen lässt, wenn ich sie als Bärbel, meine Anwältin auch bis heute nicht gerade gut kenne.
Liebe zum Leben - das ist, so denke ich, ein dankbares Thema für eine Anwältin. Viele wollten ihr schon an den Kragen, immer konnte sie sich gut zur Wehr setzen. Was Selbstverteidigung angeht, da ist sie eine Klasse für sich. Den Kampfsport Karate beherrscht sie einigermaßen, daher darf man sie für einen Menschen halten, der das eigene Leben hoch schätzt, ja liebt. Denn sonst würde sie nicht diese enorme Bereitschaft zur Selbstverteidigung aufbringen! Erfahrungen mit anderen Lebewesen könnten auch dafür verantwortlich sein.
Allerdings ihr Haushund Tollo ist so friedfertig, dass sie jeden Morgen zu weinen anfängt, wenn er sie mit einem Schwanzwedeln begrüßt. Tut er ihr was? Nein, er ist dafür viel zu lieb. Sein braunes Fell ist so einladend, immer wieder muss sie ihn streicheln; im Grunde lebt sie für ihn, er für sie.
Aha! Die Herrin Bärbel macht ihm ein schönes Leben, so dass er sich mit hündischer Liebe bei ihr revanchieren kann.
Fragt sich, ob er als Hund dergleichen wirklich bewusst macht. Es wäre dem nachzugehen. Leider bleibt dafür in diesen Tagen zu wenig Zeit!
Und Bärbel ist überzeugt, dieses ganze Leben, welches sie hier und heute fortzusetzen beliebt, macht einiges her. Es lohnt sich, zu leben! Da muss sie nicht erst noch einen religiösen oder pseudoreligiösen Glauben mobilisieren. Innere Festigkeit entsteht bei ihr, der Anwältin, aus sich selbst heraus. Sensibilität und Charakter tun ein Übriges.

Ihr Leben ist komplex, und sogar - wie sie hoffen möchte - literarisch verwertbar. Ihr hat das Berufsleben sogar noch viel mehr zu bieten. Jetzt gibt sie ein bisschen an ...
"Ich bin von mir positiv eingenommen, wenn ich ehrlich bin!!" hat sie gesagt. Sie lächelt.
"Und inwiefern?" wird sie gefragt. Ihr Gesicht, unter ihrem schwarzen, halblangen Haar begraben, hellt beträchtlich auf.
"Das will ich jetzt noch nicht bekennen ... jetzt nicht, einem Unbekannten nicht ...", sagt sie leichthin. Sie grinst mich an. Ihr weiß geschminktes, vor Freundlichkeit strotzendes Gesicht ist nur noch ein Grinsen. Wir könnten nun rausgehen, ihr Büro verlassen. Tollo bellt mich in der Tür an. Die Tür ist nicht mühelos zu öffnen, denn der Riegel ist für die leichte Handhabung zu alt.
Ihr immer noch nicht gepanzerter Pkw steht vor der Haustür. Er wird flankiert von zwei Transportern in Schwarz. Es ist jetzt exakt die Zeit, da ihre Angestellte routinemäßig zur Tür reinguckt, an mir mit einem freundlichen Nicken vorbei huscht. Sie hat es sehr eilig, den Schreibtisch zu besetzen, der nur für sie existiert. Der Urlaub ist vorüber! Es wird wieder gerackert! Gleich geht das Telefon. Ich kann hören, wie sie, die Gehilfin, laut und deutlich mit einem Mandanten spricht.
Erst danach erscheint Bärbel vor der Haustür. Zur Verabschiedung möchte sie mir die Hand geben.
Ich sage: "... wir sehen uns in einer Woche, vielleicht in zwei Wochen wieder!"

Sekunden darauf ist sie ins Büro zurück. Ich stehe allein auf dem Bürgersteig. Mein Wagen steht auf einem etwas weiter entfernten Parkplatz.
Weil der Weg lang ist, muss ich über meine Anwältin einmal ein bisschen reflektieren. Wohin sonst mit den Gedanken? ----

Ihre beiden Leben gehen ineinander über. Sie kann damit leben, dass es so ist. Beruf und Privates. Na ja. Andere könnten es nicht, doch sie ist dazu imstande; stolz darf sie darauf sein, ehrlich! - Jeden Morgen um Neun steht sie auf der Matte, um ihre Arbeit aufzunehmen. Ihre Angestellte guckt sie dann meistens freundlich lächelnd an, - es ist ihre Art der Begrüßung, wenn sie an dem Vorzimmerschreibtisch vorüber rauscht.
Kurze Anmerkungen, Terminerwähnungen, Bemerkungen: Heute, ab jetzt nämlich, könnte es klappen. Dies und das. Vielleicht zahlt ein Mandant mal die Anwaltsrechnung. Und ein Fall vor Gericht kann gewonnen werden, ein Sieg, vielleicht ein glorreicher.
Sie hat sich schon immer viel über die beruflichen Dinge, aber auch Privates, gesorgt. Natürlich durfte sie als Anwälting im Auftrag ihrer geschätzten Mandanten immer clever sein. Und sie verzeichnete hin und wieder einen Erfolg, den sie gerne beiläufig erwähnt, wenn sie einem braven Zuhörer gegenübersitzt.

Ende

Kay Ganahl
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