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Erzählung zum Thema Mobbing


von KayGanahl

Vor ein paar Wochen lernte ich sie, Anna, nach einer abendlichen Parteiveranstaltung persönlich kennen. Darüber berichte ich Ihnen in diesem Text kurz.
Sie war noch keineswegs in dem Alter, in dem Frauen ihre Jugend verloren haben und als Graumähnen durch die Weltgeschichte laufen, so dass man sie im Zeitalter des Jugendwahns viel zu oft nur noch begrenzt ernst nimmt.

Anna beeindruckte mich schon in den ersten Minuten unseres Gesprächs in der Ecke einer Gaststätte dadurch, dass sie mir als einem ihr fremden Menschen (Genossen) offen mitteilte, was sie zu diesem Zeitpunkt innerlich bewegte. Einiges hatte sie durchgemacht. Viel stand auf dem Spiel. Ich hörte ihr über zwei Stunden lang gespannt zu! Es fesselte mich augenblicklich das, was sie mir darbot. Denn: Ihr Leben war nach ihren Äußerungen zu schließen ein Leben der Plagen - vergeblich hatte sie jahrelang auf eine Verbesserung ihrer beruflichen Lage gehofft. Ständig stand sie beruflich unter Druck. Inzwischen war sie so weit, dass sie aufgeben wollte, aber ihr immer noch vorhandenes Selbstbewusstsein hielt sie davon ab. Es war wohl recht solide strukturiert. Anna – als sie das sagte, war sie den Tränen nah - wollte sich auf keinen Fall gegenüber den anderen Menschen eine Blöße geben. Aber der soziale Druck wurde immer größer. Auch ihr engster Familienkreis durfte das nicht mitbekommen. Ganz unproblematisch war das natürlich nicht.
Aber es wäre schlimm für sie gewesen, für schwach gehalten zu werden. Vor den Mitmenschen war kaum zu verbergen, was sie innerlich aufwühlte und als Mensch zu zerstören drohte. Immer befürchtete sie, dass man über sie zu viel Negatives in Erfahrung brachte, das man gegen sie verwenden konnte, um sie in einen See von Problemen zu stürzen. Dies fand ich ganz schrecklich. Der Ober, der mir gerade ein neues Bier brachte, sah mich mit einem fragenden Blick an, auf den zu reagieren ich mir wohlweislich verkniff. Sie war hier bekannt? Als welcher Mensch war sie hier bekannt? Ich fragte es mich ganz schnell, war dann aber wieder bei ihr und ihren immer weiter ausströmenden Gedankenfluten, die ich in mich aufnahm, um sie später, so hoffte ich, durch Errichtung eines massiven Baus einzudämmen.

ÜBRIGENS waren da ein paar von mir im Laufe des Gesprächs in der Gaststätte gestellte recht offenherzige Fragen, die sie zu meinem Erstaunen angesichts ihrer sonstigen Offenheit als Provokation auffasste – als aufreizende, beleidigende Fragen, die sie sofort barsch von sich wies. Diese Fragen, so dachte ich natürlich, leisten sich sonst vielleicht nur ihre Feinde (oder solche Menschen, die sie als solche ansah!) . Und denen würde sie es in der Zeit, die sie noch auf Erden weilen würde, noch ein paar Mal richtig zeigen! Ich versuchte dann bewusst, auf Annas Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. Unser Gespräch nahm einen ruhigen Fortgang. Auch jetzt wurde das eine oder andere von ihr angesprochen, was sie vielleicht besser für sich behalten hätte, aber es musste wohl raus.
Sie linste nun etwas verlegen zu dem korpulenten, grauhaarigen Gastwirt hinüber, der sie blöde grinsend anstarrte, während er Gläser spülte. Ein Gast mit Namen Eugen Flatter (er brüllte seinen Namen durch die Gaststätte, während er auf Anna zukam) schoss dann plötzlich an ihre Seite, stieß sie hämisch an und lachte drauflos. Ich fand das sehr unhöflich, um nicht zu sagen gemein. Gründe für das Verhalten dieser beiden Menschen waren für mich nicht erkennbar.

Diese Anna! Es musste raus, unter anderem: Es war dumm von ihr gewesen, wie sie sagte, in dieser Stadt zu leben. Diese Anna! Da hätte sie ganz andere, objektiv bessere Möglichkeiten gehabt. Sie hätte mehr verdient, hätte näher bei ihrem Zuhause gearbeitet. Aber nein, hier war sie gelandet, und dafür sollte sie jetzt fertiggemacht werden, als wenn sie ein Haufen Scheiße wäre. Das wollte sie nicht auf sich sitzen lassen. Was sind das nur für Idioten, die keinen Funken Anstand und Gerechtigkeitssinn besitzen!
Ich hörte mir das an. Ich wollte es nicht mehr hören!

Was für üble Machenschaften rankten sich um sie, diese Anna? Es mussten die übelsten Machenschaften sein, derer Menschen überhaupt fähig waren, so dachte ich, als ich es immer noch nicht wagte, von Anna einfach wegzugehen. Der Gastwirt Otto O. Ocker lachte berstend über die Theke hinweg in Richtung unseres Tisches und schrie den Gast Falter an – den Inhalt dieser Äußerung konnte ich schon akustisch nicht verstehen.
Die Sorgen, die sie hatte, konnte sie nicht verarbeiten. Den Druck, den man auf sie ausübte, schüttelte sie nicht etwa ab, sondern er legte sich wie ein Netz, in dem sie sich immer mehr verfing, über ihr Gemüt. Dieses wollte, im Widerspruch dazu, natürlich dieses Netz zerreißen und ins Freie. Man riegelte ab, wie sie eindringlich sagte, - setzte sie an den Rand der Gruppenkommunikation. Es wurde darum gewürfelt - und dies sollte sie mitbekommen: wer sie zuerst anscheißen, ihr den Dreck ins Gesicht schleudern darf.
Sie sagte mir unter anderem auch, ich gebe es hier als Zitat wieder: „Noch war das Signal zum Zuschlagen nicht erfolgt. Es sollte der passende Moment abgewartet werden. Nur das Allerbeste für die dumme Kuh, schrie man. Aber … stimmungsmäßig ausgelassen war man schon! Man traf sich sogar zuhause, um die nötigen Vereinbarungen zu treffen.“ Derartiges erzeugte in mir viele emotionale Spannungen, die auszuhalten für mich nicht leicht war.
„Wissen Sie, Rudolf“, sagte sie mit Sympathie für mich, „mir ging es noch nie so schlecht! Das ist die Wahrheit! Ich könnte nur noch kotzen, aber ich muss weiterleben, ob ich will oder nicht!“
Und sie erging sich in weiteren Äußerungen: Die Zeit war knapp, bald würde sie an ihrer Arbeitsstelle, wo man sie hasste, gegangen worden sein. Dann wäre jedoch zum Leidwesen ihrer Feinde möglicherweise zu wenig oder nichts an schrecklichsten Gemeinheiten abgerollt worden, was ihre Feinde natürlich gestört hätte. Ihre Feinde diskutierten deshalb bei einem gewissen Herrn B. von Beckersloch über die zu ergreifenden Maßnahmen, die im Rahmen der betrieblichen Gepflogenheiten lagen.
Gern wollte man sie an den Rand des Wahnsinns treiben. Sie galt allen als so bescheuert, dass moralische Probleme noch nicht einmal ansatzweise besprochen wurden. Für die Belegschaft war sie ein Nichts, ein Niemand, eine Wertlose, eine dumme Kuh, die man nur noch abschieben wollte. Aber vorher sollte es noch mal heftig zur Sache gehen.
Sie kamen nicht auf die Idee, dass sie unrecht handelten. Sie verstanden nicht, wieso es idiotisch war, was sie taten. Sie wurden nicht im Mindesten auf ihr Gewissen hin von irgendeinem überprüft. Es war faktisch so, dass sie Anna alles zumuten (wollten und …) durften, was sie persönlich für richtig hielten, denn keiner würde sie dafür zur Verantwortung ziehen. Niemand würde den Gedanken bemühen, das eine oder andere Mal eine andere Stimme anzuhören. 
Eine Stimme, die Humanitätsgedanken äußerte, war an diesem Orte nicht gefragt. Es galt ganz einfach, möglichst rabiat einen Menschen zur Strecke zu bringen. Egal, was mit ihm letztendlich geschah. Es war die unmenschlichste Gleichgültigkeit, die sich offenbarte. Man konnte es eine seelische Grausamkeit nennen. Ohne Skrupel ging man daran, einen Menschen in den Boden zu stampfen.
Angeblich hatte man dafür gute Gründe. Und noch wichtiger war die Tatsache, dass sie es eben verdiente, so behandelt zu werden.  Überhaupt war sie bloß so eine Frau, die sich für was Besseres hielt. Was macht man mit solchen Schlampen?

Schließlich stand ich auf und ging. Anna blieb heulend zurück.


Kay Ganahl
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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von KoKa (42) (30.05.2011)
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Kommentar von Anne (56) (30.05.2011)
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