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Wenn das alle machen würden.

Kurzgeschichte zum Thema Erwachsen werden


von pondo

Der Vater lächelte den kleinen Jungen an, nachdem er ihm einen Gutenachtkuss auf die Stirn gegeben hatte. Dem kleinen Jungen war das immer unangenehm, wenn sein Papa ihn küsste und dieser Stoppelbart ihn kratzte, ganz besonders vor seinen Freunden aus der Schule. Manchmal wandte er sich dann, aber nicht allzu sehr. Denn er freute sich jedes Mal riesig, wenn sein Papa die Zeit fand, ihn von der Schule abzuholen oder hinzubringen. Er liebte seine Mama, aber seinen Papa liebte er mehr.
Jetzt hatte der Vater ihm noch eine gute Nacht gewünscht, das Licht ausgemacht und war gerade zur Tür hinausgegangen. Doch der kleine Junge hatte heute arge Probleme mit dem Einschlafen. Er musste nachdenken. Als sie heute einkaufen waren, kurz vor dem Abendbrot, da hatte sein Papa ganz merkwürdig geguckt. Es war, als sie aus dem Supermarkt hinauskamen und ein paar alte Männer auf der anderen Straßenseite sahen, die ganz dünn und traurig schienen. In dem Moment hatte er überlegt, ob diese Männer keine Mütter oder Großmütter hatten, die darauf achteten, dass sie saubere Kleider trugen und sich vorm Zubettgehen wuschen. Er hatte seinen Papa danach gefragt, aber dieser hatte ihn bloß angelächelt (er hatte aber gemerkt, es war kein fröhliches Lächeln gewesen) und nach einer Weile gesagt, dass es manchen Leuten besser ergehe und manchen Leuten schlechter. Manche Leute hätten gar keine Familie und manche wollten sie nicht mehr. Manche seien körperlich krank und manche im Kopf, so dass sie nicht mehr für sich sorgen könnten. Die nachts kein warmes Bett hatten und keine Heizung, wenn es kalt war.
Das hatte er nicht verstehen können. Schon bei ihnen zu Hause war doch so viel Platz, es gab auf der ganzen Welt doch so viel Platz!
Und dann gäbe es noch manche, die könnten sich nicht einmal mehr etwas zu essen kaufen.
Zweifelnd hatte der kleine Junge da auf den Supermarkt gezeigt und gesagt, dass dort doch genug zu essen für alle drin sei. Daraufhin hatte sein Papa aber wieder nur so komisch, irgendwie traurig gelächelt und gemurmelt, dass ein Herr Aldi sich nicht besonders darüber freuen würde. Dieser Herr Aldi, das sei der Besitzer von dem Supermarkt und ein reicher Mann, und um reich zu bleiben, würde er sicherlich nichts verschenken wollen. Da hatte der kleine Junge dann nicht weiter nachgefragt, weil er darüber staunte, dass das alles einem einzelnen Mann gehören sollte.

Aber jetzt, wo er in seinem warmen Bett lag, er die gedämpften Geräusche seiner Mutter und ihrer Arbeit an der Nähmaschine vernahm und noch die warme Stelle spürte, an der ihn sein Papa geküsst hatte, da konnte er einfach nicht glauben, dass manche Menschen nachts draußen bleiben mussten und keine Mutter und kein Vater ihnen half. Und der Supermarkt! So viel zu essen! Er hatte den ganzen Tag an ihn denken müssen. Manchmal, wenn er mit seiner Mama zum Einkaufen ging, da stellte er sich vor, wie es wäre, wenn all die Waren ausgepackt und er und seine Freunde eine riesige Tortellinischlacht machen würden. Auch wenn seine Mutter immer sagte, dass man mit Essen nicht spiele, würde er wahnsinnig gerne einfach die Schuhe ausziehen und auf den Nudeln und Gummibären und Käse, so viel Käse, herumspringen, sich fallen lassen und essen, was immer er wollte. Jetzt aber dachte er nicht daran.
So viel zu essen. Er zog die Stirn in Falten. Warum konnte man denn nicht einfach den Leuten was zu essen geben, wenn die einen so viel davon hatten und die anderen so wenig? Er selbst bekam pro Woche zwei Euro Taschengeld, davon konnte er sich nicht so viel kaufen, wie er ihnen gerne geben würde. Aber wieso musste man Essen auch gegen blödes Metall eintauschen? Was wäre, wenn, na ja, die Frau an der Kasse einfach freundlich helfen würde, die Waren gleichmäßig zu verteilen, anstatt immer so grimmig zu gucken? Das machte sie nämlich immer, seitdem er eine Tüte Gummibärchen an ihr hatte vorbeimogeln wollen. Die alte Ziege hatte ihn aber erwischt, bloßgestellt und ihm mit einer „Wenn das alle machen würden!“-Rede die Leviten gelesen.

Der kleine Junge war nicht dumm. Er wusste, dass irgendjemand das Essen erst einmal machen und verpacken musste. Aber die Menschen, die es bekämen, würden sich doch freuen und bestimmt  ihnen ihrerseits helfen! Da konnte doch auch dieser Herr Aldi nichts dagegen haben. Wenn das alle machen würden! Wenn das alle machen würden, ja, dann hätten alle was davon, anstatt sich immerzu zu streiten. Irgendwo konnten doch bestimmt auch die schmutzigen Männer helfen, auch wenn sie nicht mehr gut laufen konnten. Seiner Mama an der Nähmaschine vielleicht, oder der Oma beim Kochen. Wenn das alle machen würden, dann würde die einsame Tante vom Haus schräg gegenüber vielleicht auch nicht immer so traurig gucken, wenn sie stundenlang am Fenster saß. Oder der Vater von seinem Freund Freddi, der immer so über seinen Rücken klagte, der könnte bestimmt auch Hilfe gebrauchen. Dafür kannte der sich durch seine Arbeit mit Computern ganz gut aus, das könnten bestimmt andere brauchen. Wenn das alle machen würden, dann würde der Hausmeister vielleicht auch nicht mehr so sauer sein, wenn man sich von seinem Baum einen Apfel pflückte. Und der Herr Aldi, der würde sich möglicherweise auch freuen, wenn er dafür umsonst ins Schwimmbad käme oder zum Doktor, wenn er krank war. Wenn das alle machen würden, dann müsste bestimmt niemand da draußen sein, wo der Wind pfeift, es kalt ist, und hungern. Wenn das alle machen würden. Wieso machten das nicht alle? Still kuschelte er sich unter der Bettdecke zusammen. Er roch die Wärme und das Waschmittel seines Frottee-Schlafanzugs, das ihm so vertraut war, und starrte die Umrisse seines Lieblingsteddys an. Wenn das alle machen würden... Danach musste er morgen seinen Papa fragen. Er jedenfalls würde morgen früh auf dem Schulweg den Männern sein Pausenbrot und möglichst viele Äpfel vom ollen Hausmeister vorbeibringen, das nahm er sich fest vor. Vielleicht würden ja eines Tages alle mal sowas machen, überall auf der Welt. Schön wäre das.
Und mit diesem tröstlichen Gedanken schlief er ein.

pondo
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Veröffentlicht am 26.09.2011. Textlänge: 1.000 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.115 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 13.12.2019.
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