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Text

Text zum Thema Gedanken


von Hillarts

Anfang April 2009

Die Stadt schreit es mir ins entblößte Gesicht. Sie schreit es so laut und tief,
dass es in meinem Magen grummelt. Sie schreit so laut und doch kann ich
sie schon längst nicht mehr hören. Sie wirkt so kalt und leer obwohl ich vor
lauter Menschen meine Hand vor Augen nicht mehr sehen kann. Meine Hand,
die mich eh schon lang nicht mehr um Erlaubnis fragt.

Ich laufe drei Meter nach rechts. Ich wollte nämlich noch zu dem einen Laden. Ach nee,… ich muss ja noch Geld holen. 6 Meter in die andere Richtung. Shit, ich hab ja schon Geld geholt. 6 Meter wieder nach rechts. Blick auf die Uhr. Shit, der Laden hat schon zu. Na dann ab zur Bahn. 5 Meter weder nach rechts noch nach links- nein, nach vorne.  Hmm…die Bahn kommt nich - warum kommt die nich? Ach ja, die Innenstadt is ja heute gesperrt, ich wollte das nich vergessen!!! Also wieder zu dem Punkt von dem aus ich anfing 3 Meter nach rechts laufen.
Ooh da steht ja eine Bank – die is mir vorher gar nich aufgefallen. Ich setz mich hin.


Es folgt eine unbestimmte Zeit in der ich, auf der Bank sitzend,
mein Gesicht in die Hände lege und heule…

Die Stadt merkt, dass ich sie nicht höre und fängt zu allem Überdruss auch noch an mit zu weinen. Ich weiß nich wie lang ich hier saß. Mein Innerstes sucht den verzweifelten Weg nach draussen doch findet ihn nicht. Leise Stimmen gelangen an mein Ohr, immer dann, wenn keiner in der Nähe ist.

.
.
.
Ich höre nur, wenn es nichts zu hören gibt,
Ich sehe nur, wenn es nichts zu sehen gibt
Und ich rede nur wenn es nichts zu sagen gibt.
.
.
.

Ich laufe und laufe immer tiefer in die Stadt doch es kommt mir vor als würde ich mich keinen Schritt vorwärts bewegen. Meine Füße sind vor Stunden von mir gegangen, wohin? Das weiß ich nicht. Meine Fingernägel wachsen schneller, als ich mein Bier fertig trinken kann, um sie zu schneiden.

Achja ich hab noch 5 Euro und ich weiß sogar was ich damit tun muss. Aber das hat noch Zeit. Mist, jetzt hab ich’s vergessen.

Vor mir türmen sich Berge aus Nichts auf und ich habe Angst,
dass ich sie nicht überwinden kann.
Mist in 40 Sekunden fährt meine Bahn. Jetzt aber schnell. Ach shit, das war vor 24 Stunden. Was hab ich eigentlich solang gemacht? Und was ist mit  meinem Geburtstagsgeschenk, Das ich vor 2 Jahren versprochen bekam?

Hmmm…wo bin ich eigentlich?
Wie komm ich hierher?

Leute um mich rum. Sie lachen, plaudern und gröhlen zur Musik. „Ein Haake Beck bitte!“ Ach ja,…das Haifischbecken. Oooh ich hab noch 5 Euro. „Für mich bitte au eins.“ Wo kommen die denn her? Egal, nur buntes Papier! Hmm… Lecker Bier! Prost! Man, irgendwie grummelt mein Magen gar nich mehr. Mir ist schwindelig. Was mach ich eigentlich in Bremen? Egal ich will einfach nich mehr denken.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von tausendschön (28.09.2011)
wenn man an einen ort keinen anknüpfungspunkt findet (und dafür braucht man wohlwollen, und die kraft zum wohlwollen), dann bleibt man niemand, wenn man sich dort bewegt. dann fehlt der innere sinn: im selbst, im ort; sich zurecht zu finden wird unmöglich. und wenns innen keinen sinn hat, ist es plötzlich legitim, bier gegen das komische gefühl im bauch zu trinken,
aber auf ne verquere weise legitim.

und den absatz in der mitte, den mag ich sowieso sehr, seit mountains of nothing.
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Ephemere
Kommentar von Ephemere (29.09.2011)
Ich hatte diesen Text ja schon einmal lange und ausführlich kommentiert, bevor Du ihn gelöscht hattest. Daher nach dem Wieder-Hochladen nur kurz:

Für mich einer der besten, eindringlichsten Texte zum Thema Desorientierung und Verlorenheit. Also Verlorenheit in der Desorientierung. In sich selbst und in der Flut der Eindrücke, die man nicht mehr zuordnen kann, weil ihnen keine persönlichen Bedeutungen anhaften. Die assoziative Sprache, "spontaneous prose" (J. Kerouac) saugt den Leser selbst in den Wirbel.

Und
"Ich höre nur, wenn es nichts zu hören gibt,
Ich sehe nur, wenn es nichts zu sehen gibt
Und ich rede nur wenn es nichts zu sagen gibt."
sowie die "Berge von Nichts" sind ganz großes Kino.

Aber das weißt Du ja :-)
(Kommentar korrigiert am 29.09.2011)
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