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Die Persönlichkeit

Glosse zum Thema Persönlichkeit


von Jonathan

.
Die Persönlichkeit

Sehr geehrter Herr Garch,
neulich haben Sie einen Satz gesagt, der mich unheimlich lange beschäftigt hat. Und ich habe darüber nachgedacht und habe doch nicht so richtig herausgefunden, was Sie eigentlich damit sagen wollten.
Sie haben nämlich gesagt, der Herr V. wäre eine Persönlichkeit. Sie haben das mit so viel Überzeugung gesagt, dass ich jetzt immer darüber nachdenken muss, was das eigentlich ist, eine Persönlichkeit.
Das Wort kommt ja wohl von Person.
Eine Person ist das Gegenteil von einer Sache, rein juristisch gesehen jedenfalls.
Daneben gibt es dann noch Rechte, aber die kann man hier wohl ausklammern, jedenfalls zunächst einmal.
Dann kennen wir noch das Wort persönlich. Aber das ist zweideutig. Ich kann nämlich sagen, " das mache ich persönlich",  und meine damit, dass es kein anderer machen soll.
Ich kann aber auch sagen, " werden Sie doch nicht immer gleich so persönlich", und meine dann damit ganz etwas anderes.
Aus persönlich wird dann Persönlichkeit, so wie zum Beispiel aus langsam Langsamkeit wird.
Aber das alles bringt mich doch nicht näher an die bedeutungsvolle Bedeutung ihres Wortes Persönlichkeit.
Ich stelle mir also vor, wie es ist, wenn eine Persönlichkeit einen Raum betritt, in dem schon andere Leute anwesend sind.
Das müsste dann so sein, dass plötzlich alle Gespräche verstummen, und die anderen, von denen ich zunächst einmal annehme, dass sie keine Persönlichkeiten sind, machen lange Hälse und schauen, wie die Persönlichkeit des Zimmer füllt.
Die geht dann auch gleich in die Mitte des Raumes und drängt alle anderen an die Wand. Die nicht Persönlichkeiten warten jetzt darauf, dass die Persönlichkeit etwas sagt oder tut. Alles was die Persönlichkeit sagt, hat von vornherein ein ungeheures Gewicht. Der Satz, den die Persönlichkeit sagt, liegt sofort unübersehbar und tonnenschwer im Raum, alle anderen stehen dann drum herum und sind sprachlos. Allein das Gewicht des Satzes hat sie überzeugt und lässt gar keinen Zweifel aufkommen.
Und während dieser Baum von einem Satz noch alle Blicke auf sich zieht, steht die Persönlichkeit daneben oder besser davor und sieht mit Genugtuung, welchen Eindruck er, der Satz (oder Baum oder was auch immer) gemacht hat.
Nicht dass diese Genugtuung deutlich zu spüren wäre, sie ist sozusagen völlig unsichtbar. Denn das Hervorbringen solcher Baumstammsätze  ist ja nichts Ungewöhnliches für ihn (oder sie je nachdem).
Es ist vielmehr etwas vollkommen Selbstverständliches, etwas Alltägliches, und der Ausdruck auf dem Gesicht der Persönlichkeit ist daher auch mehr gleichmütig, und nur ganz entfernt kann man ahnen, dass sie (er) mit der Wirkung zufrieden ist, wenn auch kein Zweifel daran besteht, dass er damit gerechnet hat, oder besser, dass diese Wirkung absolut und ohne Frage selbstverständlich war.
Dann tritt vielleicht auch dieser oder jener Anwesende – nur männliche Anwesende in diesem Falle (nach meiner Meinung) – vor und schaut bewundernd auf die Mächtigkeit des Baumstammes (gemeint ist natürlich der betreffende Satz), versucht wohl auch einmal, aber ohne wirkliche Absicht, den Stamm zu lüften, anzuheben oder mit dem Fuß zu rollen, was ihm natürlich nicht gelingt.
Dann schaut er sich triumphierend um, noch gebückt, mit den Händen am Stammende oder aufrecht, mit dem Fuß auf dem selben, schaut sich also um, kundtuend, das damit ja wohl zu rechnen gewesen sei, dass er nicht und auch niemals anders hier, an diesen Satz, Baum (oder was auch immer) etwas rütteln oder bewegen könne.
Dann tritt er zurück in den Kreis der Umherstehenden, etwas unsicher, weil er ja eben – ganz gewollt natürlich- unfreiwillig  einen Beweis seiner Kleinheit gegeben hatte, im Vergleich zu dem Gewicht der Persönlichkeit.
Und sich verlegen wieder einreihend in den Kreis der anderen, der Nicht – oder Unpersönlichkeiten, ist er froh, sofort wieder in ihm zu verschwinden, wie ein Löffel Brei in dem großen Breitopf, nicht mehr exponiert, auffallend und schutzlos, aber doch stolz, seinen Beitrag zu der Größe der Persönlichkeit geleistet zu haben, damit etwas weniger oder etwas speziellerer Brei zu sein als die anderen.
Wenn die Persönlichkeit dann lange genug den Raum gefüllt hat, etwa wie ein großer Tanker ein zu kleines Hafenbecken, und all die kleinen Hafenjollen haben sich ehrfurchtsvoll um ihn und an ihn herumgedrängt, auch jene etwas größeren Schiffe, die sonst die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen pflegen, Herren mit grauen Schläfen etwa, und offenem Hemd und Goldkettchen, oder tief ausgeschnittene Blondinen, wenn also die Persönlichkeit genug Anwesenheit verbreitet hat, bittet sie um Verständnis dafür, dass sie auch noch anderswo anwesend und persönlich sein muss, und verläßt die Anwesenden wieder.
Was zurückbleibt ist ein völlig gestörtes Beieinander. Der Raum ist plötzlich leer, es ist viel zu viel Platz, die Gespräche gehen stockend, alles klingt banal. Man spricht auch nur noch gedämpft. Genau genommen mag keiner mehr etwas sagen, zu groß ist der Abstand dessen, was man selbst zu formulieren hat, zu jenen erdrückenden und füllenden Aussagen des eben Gegangenen.
So wird sich jeder seiner mangelnden Bedeutung bewusst, und die Gruppen, die willkürlich Beieinanderstehenden, die zurückgelassen wurden, fühlen die Leere hinter ihrem Rücken und im Raum, und drehen sich bisweilen verstohlen um, um zu sehen, ob die Persönlichkeit nicht vielleicht doch noch irgendwo steht, zurückgekehrt ist, vielleicht von irgendeiner Ecke aus heimlich die Hilflosigkeit der Zurückgebliebenen belustigt beobachtet.
Ob das alles aber auf den von Ihnen, Herr Garch, genannten Herrn V. zutrifft, wage ich doch ein klein wenig zu bezweifeln.
Aber vielleicht wissen Sie ja doch mehr als ich.
Ziemlich sicher sogar.

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