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Chaoskrieger

Kurzgeschichte zum Thema Liebe, lieben


von Mondsichel

In seinen Augen, so tief und unergründlich, so schwarz wie das Nichts das uns umschlingt, hab ich getroffen jenen alten Krieger, der mir vom neuen Morgen erzählte. Von dem Tag wo sich die gespaltene Existenz wieder einen wird. Wo sich niemand mehr ängstigen oder demütigen muss, wo niemand mehr suchen oder sich peinigen muss.
„Wir werden der Gleichklang sein, den jeder ersehnt in seinem Wahn nach Frieden. Wir werden der Donnerschlag sein, der das Leben vom Tode befreit. Wir werden der bittersüße Schmerz und das lustvolle Schreien sein, das den Horizont mit neuen Farben malt. Wir werden viele und doch nur einer sein. Ein Pulsieren, ein Streben, Millionen Gedanken, eine Erfüllung. Es wird Nichts mehr geben das uns trennt.“

Ein wenig Wehmut lag in seiner Stimme. Er erzählte von der Zeit zwischen Schweigen, verharren und Rebellion der Gezeiten. Vom Sieg und der Resignation, von Niederlage und neuer Hoffnung. Seine Existenz war Kampf.
„Und die Dunkelheit bäumte sich auf. Elektrisiert von neuem Schöpferdrang kam sie über uns, spaltete das Sein in Milliarden und Abermilliarden Lichter. Wir konnten nichts tun, konnten nur schweigend verharren, in der Geburtsstunde der Zersplitterung. In der Geburtstunde des unzähligen Bewusstseins und der Spaltung der Wahrnehmung. Ich verblieb als Wächter der Zeit, in mir gespalten und doch verschont von der körperlichen Zerrissenheit. Ich bin das Mahnmahl der Zersplitterung und die lebende Vollendung. Deshalb bin nur ich fähig dem Vergessen zu trotzen und verflucht der einzig Erleuchtete zu bleiben.
Jedes Mal, wenn die Energien wieder ineinander fließen und ein neuer Kreislauf geboren wird beginnt mein Kampf erneut. Doch das Gleichgewicht der Mächte lässt niemals zu das die Ewigkeit nur einem Streben gehorcht. Und so werde ich nach einer Zeit der reichlichen Ernte erneut dem Lichterfliehen zusehen müssen. Nicht ohne Kampf, doch stets im Bewusstsein, das dies der Lauf der Gerechtigkeit und der Natur ist.
Nein, es ist keine Bitterkeit die mich berührt. Es ist nur die Erkenntnis, dass das große ICH in sich gespalten ist und es ewig sein wird. Es macht mich nicht traurig, da es stets etwas gibt für das es sich zu kämpfen lohnt. Ich bin glücklich mit meinem Schicksal. Egal wie viel Energie es mich kostet, egal wie viele Aeonen ich warten muss bis meine Kraft und die Gewissheit zurückkehrt, dass wieder meine Zeit gekommen ist. Es ist die Liebe zum Sein die meine Seele zusammenhält und meinen Geist überdauern lässt.“

Das Glühen in seinen Augen wurde stärker. Und ich konnte ihn sehen inmitten des Chaos, dort wo Untergang und Neubeginn sich stets begegnen. Seine schwarzen Haare wehten im Sturm der höheren Gewalten. Licht und Dunkelheit hatten sich in ihm gespalten und so stand er dem hellen Spiegelbild seines Selbst gegenüber.
Funken züngelten den blanken Stahl entlang, den er in die Höhe riss. Und er entfachte das Schild gegen die aufkommenden Mächte der Umformung. Das Echo seines Kampfgebrülls legte sich in Wellen auf die Atmosphäre und verzerrte die Welt der Wahrnehmung. Und sein Spiegelbild erhob die Hand, um die Energie seines Willens entgegenzusetzen. Ich wusste, am Ende würde einer der Beiden dem Willen des Wandels unterliegen.
Als ich meine Lider senkte spürte ich einen Energiestoß durch mein Innerstes zucken. Seine Hände legten sich auf meine Schultern. Mein Atem stockte als ich aufblickte. Sein prüfender Blick wandelte sich zu einem Lächeln und entfachte die Fackeln einer Erkenntnis. Als er mich an seine Brust drückte, da wusste ich es. Seine streichelnden Hände ließen meinen Körper wieder zu reiner Energie werden. Der Gedanke und die Sehnsucht. Die verlorene Kraft eines Kampfes. Die Liebe nach der man vergeblich sucht. Kein WIR mehr. Sondern ICH.

©by Arcana Moon

 
 

Kommentare zu diesem Text


franky
Kommentar von franky (03.02.2012)
Hi liebe Arcy,

„Die Liebe nach der man vergeblich sucht. Kein WIR mehr. Sondern ICH.“
Kein Ich mehr, sondern Wir.
Das ist Liebe, nach der du so permanent auf der Suche bist.

Herzliche Grüße

Franky
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Mondsichel meinte dazu am 03.02.2012:
Lieber Franky es hat schon seine Richtigkeit wie ich das schrieb. Es geht in dem Text um mehr als "irdische" Liebe. Es ist ein mehr spirituell geprägter Text in dem es um das "wir sind alle eins" Gefühl geht :)

Mir gehts wunderbar, tanze wie immer nur auf vielen Hochzeiten ;)

Liebe Grüßle
Deine Arcy
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Mondsichel
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Veröffentlicht am 03.02.2012, 3 mal überarbeitet (letzte Änderung am 03.02.2012). Dieser Text wurde bereits 1.213 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 24.05.2018.
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