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... und was wir daraus machen:

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Recht lang:  Parteiengesetz von Aipotu, 1. Abschnitt von Dart (483 Worte)
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Die Falle

Kurzgeschichte


von Jonathan

.
Im Hotel


Ich bin gestern Abend hier angekommen, es war schon nach 21:00 Uhr, und ich bin sofort in das von mir reservierte Zimmer mit dem Fahrstuhl hinauf gefahren. Die letzten Wochen waren ziemlich anstrengend für mich gewesen, und ich hatte keine Lust, noch einmal mein Zimmer zu verlassen; jedenfalls nicht, um irgendwelchen Vergnügungen nachzugehen.
Ich ging später noch einmal hinunter in den kleinen Speisesaal, wo man bis Mitternacht immer noch bescheidene Gerichte bekommt. Ich bestellte eine Flasche Wein und nahm die angebrochene Flasche nach Beendigung meines Nachtmals mit hinauf in mein Zimmer. Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, das ich zwischen zehn und 11:00 Uhr am Vormittag eingenommen hatte, begab ich mich
in die große, vornehm eingerichtete Halle dieses großen, eleganten Hotels. Es saßen hier in der so genannten Lounge mehrere Personen. An einem der Tische, in einem bequemen Sessel lässig zurückgelehnt, saß ein Mann mittleren Alters, elegant gekleidet, und sah interessiert dem Treiben in dieser Halle zu. Da alle anderen Tische mit mehreren Personen besetzt waren, trat ich zu ihm an den Tisch, deutete  eine Verbeugung an und fragte, ob ich mich in den freien Sessel setzen dürfe. Der Mann nickte freundlich und ein wenig herablassend zum Zeichen seiner Zustimmung.
Ich setzte mich, blieb noch eine Weile aufrecht im Sessel sitzen, um meine Umgebung zu betrachten, und lehnte mich dann entspannt zurück.
Der Mann, der schon vor mir an diesem Tisch gesessen hatte , den ich des besseren Verständnisses wegen Herrn A nennen will, deutete nach einer Weile mit einer Handbewegung an, dass er mir etwas mitteilen möchte.
Ich wendete mich dem Herrn zu, und setzte ein aufmerksames Gesicht auf und brachte damit zum Ausdruck, dass ich gewillt war, ihm zuzuhören .
Herr A machte mit seiner Rechten eine ausholende Bewegung, die meine Aufmerksamkeit auf die in der Halle anwesenden Personen lenken sollte.
" Wissen Sie", begann er seine Rede, “Ich bin Psychologe. Und es ist mir immer ein besonderer Spaß, die hier in der Halle anwesenden Personen zu beobachten. Und wenn man so ein geschultes Auge hat wie ich und darüber hinaus über jahrelange praktische Erfahrung in der Beobachtung und Beurteilung von Menschen verfügt, dann ist es immer wieder ein Vergnügen, die anwesenden Personen nach ihrer Herkunft, ihrem Stand, ihrem Beruf und natürlich auch nach ihrem Vermögen zu beurteilen."
Ich gab mir den Anschein, als lausche ich seinen Worten mit großem Interesse.
"Das ist ja wirklich wahnsinnig interessant", sagte ich. " Eine solche Fähigkeit oder ein solches Vermögen wünschte ich mir auch. Aber leider liege ich mit meinen Beurteilungen oft sehr weit von der Wirklichkeit entfernt. Oder um es anders zu sagen, meine Menschenkenntnisse sind nicht überragend. Ich möchte fast sagen, miserabel."
Herr A lächelte verständnisvoll, wobei sich in das gespielte Verständnis auch eine kleine Spur Herablassung mischte.
" Ich will Ihnen gerne ein paar Beispiele geben", sagte er dann." Sehen Sie jene große Frau dort drüben mit den langen blonden Haaren, von denen ich Ihnen mit Gewissheit sagen kann, dass sie gefärbt sind und dass sie in Wahrheit vollständig graue, fast weiße Haare hat.
Diese Frau ist in der Politik tätig. Ich kenne sie nicht. Aber nach ihrem Äußeren und nach der Art, sich zu bewegen, möchte ich mit Sicherheit sagen, dass sie aus den neuen Bundesländern kommt. Ihr selbstbewusstes, respektheischendes Auftreten lässt mich vermuten, dass sie die Vorsitzende einer Partei ist. Solche Leute haben in den bürgerlichen Parteien kaum die Chance aufzusteigen. Und so würde ich sagen und vermuten , dass sie einer der neueren Parteien angehört, zum Beispiel der Partei "Die Linke".
Ich sah in die angegebene Richtung und wendete meine Aufmerksamkeit der betreffenden Dame zu. Dann nickte ich zustimmend mit dem Kopf und meinte: "Das scheint mir durchaus einleuchtend zu sein."
Diese Zustimmung beflügelte den Herrn A so sehr, dass er sich seine dunkel gerahmte Brille in die Stirn schob, was ihm jetzt ein äußerst gelehrtes Aussehen verlieh, und er deutete mit dem Kopf in die Richtung der Rezeption, wo ein sehr einfach gekleideter Mann stand, der seinen Sommermantel über dem Arm trug. Der Koffer, der rechts von ihm auf dem Boden stand, hatte schon bessere Zeiten gesehen. Er wirkte ein wenig abgenutzt, ja man kann fast sagen, ein bisschen schäbig. Das war in dieser vornehmen Hotelhalle etwas, das in einem deutlichen Widerspruch zu der hier herrschenden Eleganz stand.
" Dieser Mann ," begann Herr A zu dozieren, "den sie dort stehen sehen und der, wie auch Ihnen auffallen dürfte, das Anmeldeformular etwas unbeholfen ausfüllt, dieser Mann hat einen einwöchigen Aufenthalt in diesem Hotel in einem Preisausschreiben gewonnen. Ich würde ihn für einen einfachen, und wie man sieht, schon etwas älteren Angestellten in einem mittelständischen Unternehmen halten. Er könnte Buchhalter sein oder auch in der Registratur arbeiten. Aber wenn ich ihn genau betrachte, und auch den Hut, den er auf seinem Kopf trägt, dann neige ich doch dazu, mit Bestimmtheit zu sagen: er ist ein Buchhalter."
Ich nickte langsam mit dem Kopf, was soviel wie Zustimmung bedeuten sollte. Dann wandte ich mich an mein Gegenüber und sagte: "Ich bewundere Sie. Ich bewundere Sie wirklich. Ich wünschte, ich hätte nur einen kleinen Teil ihrer Menschenkenntnis; dann wäre mir manche Enttäuschung und mancher Rückschlag erspart geblieben. Sowohl in beruflicher Hinsicht, als auch in meinem Umgang mit dem sogenannten schöneren Geschlecht." Ich versuchte ein bescheidenes, Zustimmung heischendes Lächeln.
Herr A nickte langsam mit dem Kopf. Er schwieg eine Weile. Dann sagte er, und wandte sich mir direkt zu: "Ich kann ja dem ganzen noch die Krone aufsetzen," sagte er lächelnd. " Damit Sie sehen, dass das auch wirklich zutrifft, was ich Ihnen da gerade gesagt habe, will ich Ihnen jetzt sagen, was Sie von Beruf sind."
"Da bin ich aber mal gespannt", sagte ich und es wurde mir ein bisschen unangenehm zu Mute. „Das kann ich mir nämlich fast gar nicht vorstellen. So leicht zu durchschauen bin ich nun auch wieder nicht."
"Dann passen Sie jetzt mal genau auf!", sagte Herr A lächelnd.
Er richtete sich in seinem Sessel auf und blickte mir mit einem geradezu hypnotischen Blick in die Augen.
"Nach allem was ich von Ihnen gesehen und gehört habe, sind sie nicht selbstständig beschäftigt, sondern in einem Angestelltenverhältnis; vielleicht auch in einem Beamtenverhältnis. Ja Letzteres würde ich sogar vorziehen. Sie sind ein Beamter im höheren Dienst, oder damit ich nichts Falsches sage, es heißt wohl auch im "gehobenen Dienst". Sie sind mit der Juristerei  beschäftigt. Sie haben es mit Recht oder Unrecht zu tun. Ich meine fast, mehr mit Unrecht als mit Recht. Aber nicht als selbstständiger Anwalt, sondern Sie sind an einem Gericht tätig. Nicht an einem Strafgericht, sondern in einer Zivil-Abteilung. Wenn ich ihre Hände ansehe, und so, wie sie sie halten und damit gestikulieren, scheint es mir vollständig sicher zu sein, dass sie der Chef eines Grundbuchamtes sind, und zwar in einer relativ großen Stadt. In einer Stadt, die auch viel Kulturelles zu bieten hat."
Herr A schwieg und lächelte mir aufmunternd und Zustimmung heischend zu.
Ich nickte mit dem Kopf und lächelte ebenfalls. "Ich bin wirklich überrascht," sagte ich. "Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Vor allem, wenn sie von Recht oder von Unrecht sprechen." Ich grinste innerlich in mich hinein.
Herr A lächelte geschmeichelt und zufrieden.
Er erhob sich:
"Ich wünsche Ihnen noch einen schönen, erfolgreichen aber störungsfreien Aufenthalt in diesem wundervollen Hotel," sagte er und hatte einen etwas merkwürdigen undurchsichtigen Ausdruck im Gesicht.
„Und wenn Sie sich etwas Mühe geben und die Leute genau beobachten und vielleicht auch hin und wieder ein psychologisches Buch lesen, dann würde sich Ihre Menschenkenntnis erheblich verbessern. Und das, glauben Sie mir, wäre sicherlich von großem Nutzen für Sie." Er lächelte bei diesen Worten etwas sibyllinisch.
" Ich muss mich jetzt leider von Ihnen verabschieden. Ich habe noch eine Konferenz mit meinen Psychologen-Kollegen, so etwas wie einen "Round Table“. Solche quasi Seminare machen wir von Zeit zu Zeit immer wieder, um uns gegenseitig bei der Perfektionierung unserer Behandlungs- und Untersuchungs- methoden zu unterstützen. "
Er ging sehr aufrecht und gemessenen Schrittes in Richtung auf die Fahrstühle und verschwand aus meinem Blickfeld, nachdem er einen der Aufzüge betreten hatte.
Ich begab mich an die Rezeption und begann dort mit der jungen Angestellten ein privates Gespräch. Der Betrieb in der Halle und an der Rezeption war im Augenblick etwas ruhiger, und so konnte ich mit der jungen Frau, die ich schon von früheren Aufenthalten her kannte, ein kurzes und in lockerer Stimmung geführtes Gespräch beginnen.
Auf meine gespielte Neugierde hin, mit der ich mich nach verschiedenen Personen erkundigte, gab sie mir auch bereitwillig, aber unter dem Siegel der Verschwiegenheit und mit dem Hinweis, dass sie eigentlich über ihre Gäste nichts sagen dürfte, die gewünschte Auskunft. Ich hatte den Eindruck, es mache ihr ein gewisses Vergnügen, mir mit ihren vertraulichen Kenntnissen zu imponieren.

Die Frau, die Herr A als Vorsitzende einer Linkspartei identifiziert zu haben meinte, war die Chefin eines großen, unterfränkischen Industriebetriebes, der mit der Herstellung von Wälslagern beschäftigt war. Der kleine Angestellte, mit der auffallend schlichten Kleidung, der den Aufenthalt in diesem Hotel mit einem Preisausschreiben gewonnen haben sollte, war der Schriftsteller Adolf Muschg.
Was schließlich mich betrifft, den er zu einem hohen Justizbeamten geadelt hatte, erübrigt es sich wohl, diese Aussage zu korrigieren. Insbesondere deshalb, weil nämlich ich es war, der einen einwöchigen Aufenthalt in diesem Hotel mit einem Preisausschreiben gewonnen hatte.
" Der Herr, mit dem ich eine Weile dort drüben am Tisch gesessen war, hat sich mir gegenüber als Psychologe vorgestellt. Alles was er über die ich hier anwesenden Personen gesagt hat, war in einer geradezu lachhaften Weise falsch. Das einzige, was zu stimmen scheint, ist, dass er ein Psychologe ist."
Die junge Dame hinter dem Tresen begann zu kichern und hielt sich die Hand vor den Mund.
" Wissen Sie, der Mann, mit dem sie eben gesprochen haben, ist kein Psychologe. Er ist nämlich unser Hausdetektiv. Der setzt sich immer mal wieder zu den Gästen und verwickelt sie in ein Gespräch, in dem er so tut, als sei er auch Gast in unserem Hause. In Wirklichkeit aber horcht er die Leute ein bisschen aus. Das bringt sein Beruf so mit sich. Er will wissen, mit wem wir es hier zu tun haben. Dabei gibt er sich gern als ein Psychologe aus, der hier in der Lounge seine Studien treibt."
Sie kicherte noch einmal und schaute mich von unten herauf schelmisch an.
"Wissen Sie, was er von ihnen behauptet?" Sie konnte ihr Kichern kaum noch unterdrücken. " Er glaubt ganz sicher, dass Sie ein gesuchter Hoteldieb seien. Ja, und er will versuchen, Ihnen eine Falle zu stellen, um sie dingfest zu machen."
Sie konnte sich jetzt kaum noch halten vor Lachen und presste die Hand fest auf ihren Mund. Auch ich bemühte mich so zu tun, als müsse ich mich beherrschen, nicht laut heraus zu lachen.
Ich ging etwas später in die Stadt und rief meinen Freund Robert an. Ich beauftragte ihn, ein Telegramm an mein Hotel zu schicken mit dem Inhalt
"Franz M. überraschend gestorben – bitte sofort zurückkommen".
Als ich eine halbe Stunde später ins Hotel zurückkam, übergab mir der Portier sofort das Telegramm. Ich öffnete es noch an der Theke und reichte es ihm dann, damit er es lesen könne.
"Das ist wirklich schlimm", sagte ich , "ich muss sofort abreisen."
Der Portier setzte ein pflichtgemäß bedauerndes Gesicht auf und stellte mir auf meinen Wunsch hin die Rechnung für eine Übernachtung und die eingenommenen Mahlzeiten aus. Ich zahlte bar. Dann fuhr ich
mit dem Fahrstuhl hinauf in mein Zimmer, packe meine Sachen, fuhr mit dem Fahrstuhl wieder hinunter und verabschiedete mich von dem Portier.
" Es tut mir wirklich leid ," sagte ich," Ich wäre gern noch ein paar Tage geblieben, so wie ich es ursprünglich vorhatte. Ich finde es außerordentlich angenehm, bei Ihnen zu wohnen."
Ich verließ das Hotel, begab mich zu dem hoteleigenen Parkplatz hinter dem Haus, verstaute meinen Koffer im Kofferraum meines Wagens und fuhr hinaus auf die Straße. Dabei vermied ich die großen Bundesstraßen oder Autobahnen und fuhr lieber auf den kleinen Ortsverbindungsstraßen, wo, wie ich vermutete, nicht zu viele polizeiliche Kontrollen durchgeführt wurden.
Dieser verdammte Hoteldetektiv hätte mir fast eine Falle gestellt. Wenn das kleine Mädchen an der Rezeption nicht so redselig gewesen wäre, wäre ich tatsächlich da hineingetappt. Ich muss mir für die Zukunft etwas einfallen lassen.
Die ganze Sache wird jetzt ein bisschen zu riskant.



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Jonathan
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Veröffentlicht am 17.03.2012, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 18.03.2012). Textlänge: 2.042 Wörter; dieser Text wurde bereits 500 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 14.06.2019.
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