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Als Lily ein Drama schreiben wollte.InhaltsverzeichnisAls Lily ihre Memoiren schreiben wollte

Als Lily eine Liebesgeschichte schreiben wollte.

Erzählung zum Thema Schreiben


von Skala

Lily sitzt im Wohnzimmer auf dem Boden, um sich herum alte Fotoalben und lose Bilder verteilt. Konzentriert blättert sie Seite für Seite um, nimmt ab und zu ein Bild in die Hand, schüttelt den Kopf und lässt es wieder zu den anderen fallen. Von irgendwoher klingen Gitarrentöne und eine heisere  Männerstimme krächzt unverständliche Worte. Ich sehe, dass Lily ihren Plattenspieler aus ihrem Zimmer ins Wohnzimmer geholt hat. Obwohl dort meine moderne Anlage steht.
„Was machst du da?“, frage ich und werfe meinen Parka über die Couchlehne.
„Ich suche was“, antwortet Lily, nimmt eine Fotographie in die Hand und betrachtet sie stirnrunzelnd.
„Was denn?“ Ich knie mich zu ihr und betrachte die aufgeschlagenen Alben. Auf den meisten Fotos ist eine pubertierende Lily zu sehen, mit zottigen Haaren, Pickeln und manchmal sogar mit Zahnspange.
„Niedlich“, grinse ich.
„Weniger“, entgegnet Lily. „Aber ich suche ja auch keine Fotos von mir.“
„Du bist aber auf fast allen drauf“, merke ich an.
„Unangenehmer Nebeneffekt“, meint Lily und zieht das nächste Bild zu sich heran. „Ha! Da ist einer!“ Vorsichtig drapiert sie das Bild auf dem Couchtisch neben ein einziges anderes Foto. Ich schaue mir beide an. Das eine zeigt eine etwa dreizehnjährige Lily neben einem blonden Lockenschopf, ebenso picklig wie sie selbst, das andere eine Gruppe von etwa siebzehnjährigen Schülern. Lily ist nicht dabei, soviel kann ich erkennen. „Und warum brauchtest du jetzt diese beiden Bilder?“
„Zum Schreiben“, antwortet Lily, klappt ein Album zu und nimmt sich das nächste.
„Ach so“, sage ich. „Und… inwiefern?“
„Na“, entgegnet Lily, „ich schreibe eine Liebesgeschichte.“
„Ach so.“ Ich betrachte die beiden Bilder. „Und was haben die damit zu tun?“
„Viel“, sagt Lily. Sie rutscht ein wenig zu mir herüber und nimmt mir das Foto mit dem blonden Jungen aus der Hand. „Schau mal“, sagt sie. „Das ist meine erste große Liebe gewesen.“
„Ja dann“, erwidere ich.
Lily nimmt auch das andere Foto an sich. „Und das hier“, sie deutet auf einen dunkelhaarigen Jungen, der in der Mitte der Gruppe steht, „das war meine zweite große Liebe. Leider unerwidert.“ Sie seufzt und verdreht die Augen wie ein schmachtendes kleines Mädchen. „Ach, der…“
„Ich will gar nicht wissen, wie der Langhaaraffe hieß“, unterbreche ich Lily. Sie zwinkert mich an.
„Hast du ein Problem damit?“
„Womit sollte ich ein Problem haben?“ Meine Beine beginnen einzuschlafen und ich ziehe sie unter meinem Körper hervor, setze mich in den Schneidersitz.
„Och“, sagt Lily. Versonnen betrachtet sie die Fotos. „Weißt du… ich wollte mich einfach daran erinnern, wie es ist, richtig verliebt zu sein, denn kann ich sonst eine gute Liebesgeschichte schreiben?“
„Keine Ahnung“, entgegne ich, während ich die Schnürsenkel an meinen Schuhen aufknote. „Ich habe noch keine gute Liebesgeschichte geschrieben.“
„Und außerdem warst du noch nie wirklich verliebt“, merkt Lily an, wie nebenbei.
Ich halte beim Ausziehen meiner Schuhe inne. „Wie kommst du darauf?“
Lily zuckt die Schultern. „Du bist nicht der Typ dafür“, sagt sie. „Du bist trocken, immer nüchtern, im charakterlichen Sinne, du hast keine Ahnung von Kunst oder Poesie, du weißt bestimmt nicht, dass der Typ auf der Schallplatte Joe Cocker ist, du trägst immer Hemden, aber nie gemustert und im Winter einen langen Mantel. Zu Weihnachten hast du mir eine Heizdecke geschenkt und keine Wärmflasche. Nein, du bist keiner der sich verliebt.“
Ich will gerade protestieren, da hängt sie beiläufig an: „Und außerdem hast du mir, als du an Karneval so betrunken warst, selbst gesagt, dass das Innigste in deinem Leben die ständigen Kuschelübergriffe deiner Tante Margot waren.“
Mir bleibt die Spucke weg.
„Darf ich das für meine Geschichte verwenden?“ Lily klimpert mich mit den Augen an, dass mir allein vom Zusehen schlecht wird. „Das ist nämlich mein Konzept. Verbitterter… hm, sagen wir erfolgreicher Unternehmensberater, der es in seinem Leben zu Geld, unzähligen flüchtigen Abenteuern aber nicht zu Liebe gebracht hat, erfährt durch eine ganz besondere Frau – oder auch einen Mann, was meinst du, was ist besser…“
„Lily“, unterbreche ich sie, „das ist doch doof.“
„Doof?“ Lily sieht erstaunt aus.
„Ich lese ja nicht oft, aber beim Friseur schaue ich mir ab und zu diese Kaffeeklatschblättchen an, und jede zweite dieser Din-A4-Stories verfährt nach diesem Schema. Und außerdem“, ich kratze an einem Fleck auf unserem Wohnzimmerteppich herum, „außerdem bin ich nicht verbittert.“
„Habe ich auch nicht behauptet“, sagt Lily sanft.
„Doch“, beharre ich. „Oder willst du behaupten, ich sei nicht dieser, na, erfolgreiche Unternehmensberater?“
Lily zuckt die Schultern. „Wenn“, sagt sie, „dann war es keine Absicht.“
Der Fleck bleibt hartnäckig. Ich auch. „Du baust mich ständig in deine dämlichen, nie endenden irgendwann-mal-Geschichten ein.“
„Und“, meint Lily, „was ist schlimm daran?“
„Alles“, murre ich. „Was gibt dir das Recht dazu?“
Jetzt hebt Lily den Kopf und schaut mir offen in die Augen. Ihre eigenen funkeln hinter der Brille, ihr Haar lässt ihren Kopf aussehen, als stünde er in Flammen und ihre erröteten Wangen tun ein Übriges.
„Rate mal“, sagt sie, hält meinem Blick so lang wie möglich stand und wendet sich dann ab. Nebeneinander sitzen wir auf dem Boden, die Rücken an unser speckiges, graues Sofa gelehnt. Lily zuckt fröstelnd zusammen, zieht die grüne Fransendecke vom Sofa herunter und wickelt sich darin ein.
„Übrigens“, sage ich, „stimmt das nicht.“
„Was?“, fragt Lily abweisend.
„Dass ich noch nie verliebt war.“
Lily zuckt die Schultern. „Und trotzdem boykottierst du alle meine Versuche, eine Liebesgeschichte zu schreiben.“
„Nicht trotzdem“, erwidere ich leise. „Deswegen.“
Ich weiß nicht, ob Lily mich gehört hat. Sie sitzt still und bewegungslos da, an das Sofa gelehnt, die Augen geschlossen. Doch dann fragt sie, ohne mich anzusehen: „Willst du mir bei der Geschichte helfen?“
Ich schaue sie an, wie sie da sitzt. „Du meinst, die Geschichte zusammen schreiben.“
„Ja“, sagt Lily  ungeduldig. „Meinetwegen auch das.“
Ich grinse. „Gerne“, sage ich, „wirklich gerne.“
Und so kommt es, dass wir gemeinsam auf dem Boden sitzen, im Schneidersitz und mit den Rücken an der Couch, und versuchen, eine Liebesgeschichte zu schreiben, die kein Ende finden wird.
Das weiß ich. Ich kenne Lily lange genug.

Ende.


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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von iseabail (47) (15.08.2012)
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Skala meinte dazu am 16.08.2012:
Danke dir! (Lily bedankt sich auch.)
LG, Ranky.
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Kommentar von Scrag (24) (15.08.2012)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Skala antwortete darauf am 16.08.2012:
Oh, dein Lob freut mich, danke!
Lily wird bestimmt nochmal an der ein oder anderen Stelle auftauchen, sei dir dessen gewiss, sonst würde ich sie wohl selbst recht schnell vermissen!

LG, Ranky.
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Kommentar von Nemoria (19) (03.09.2012)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Skala schrieb daraufhin am 03.09.2012:
Viel Vergnügen dabei, ich hoffe, Lily erweist sich als würdige Alternative zu dem ursprünglichen Abendprogramm... (wenn du jetzt sagst, der Plan war, sich vor der PS3 zu betrinken würde ich sagen, nimm Lily. Wenn du vorhattest, mit Mila Kunis durchzubrennen und ein Casino in Vegas leerzuräumen, dann... nimm auch Lily. )
Danke! ;)
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Als Lily ein Drama schreiben wollte.InhaltsverzeichnisAls Lily ihre Memoiren schreiben wollte
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Dies ist ein Erzählung des mehrteiligen Textes Wenn Lily schreibt..
Veröffentlicht am 15.08.2012, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 15.08.2012). Textlänge: 997 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.614 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 17.05.2021.
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