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Der Traum

Erzählung zum Thema Schicksal


von NormanM.

Heute Nacht hatte ich einen Traum, in dem alles so war wie früher. Ich wachte morgens in meinem Bett auf, nachdem der Wecker geklingelt hatte und stand nach einigen Minuten schließlich auf, um mich für die Arbeit fertig zu machen. Ich ging ins Badezimmer und duschte zuerst, was ich jeden Morgen tat. Nach dem Abtrocknen stellte ich mich vor dem Spiegel, um die frisch gewaschenen Haare zu frisieren. Sie waren kurz und noch recht frisch geschnitten, ein Friseurbesuch war noch nicht nötig. Auch das Rasieren gehörte zu meiner täglichen Routine.
Heute erwartete mein Chef Besuch von Geschäftspartnern. Da ich bei der Besprechung dabei sein sollte, zog ich heute einen Anzug an und band mir eine Krawatte um. Ich hatte nicht viel Übung im Binden von Krawatten, aber trotzdem saß sie perfekt wie mir der anschließende Blick in den Spiegel bestätigte. Nun konnte ich mein Frühstück einnehmen, während ich meinen Lieblingssender im Radio hörte. Danach putzte ich noch schnell meine Zähne und machte mich auf den Weg zur Arbeit.
Ich war ausgebildeter Groß- und Außenhandelskaufmann und arbeitete als Sachbearbeiter bei einem Möbelhersteller. Es war nichts Besonderes, aber ich fühlte mich dort sehr wohl und die Arbeit war sehr angenehm. Ich bekam monatlich netto 1.750 EUR, das war natürlich nicht vergleichbar mit dem Gehalt eines Akademikers, aber für mich allein war es mehr als genug. Ich lebte in einer schönen Dreizimmerwohnung mit großer Küche, konnte es mir in der Freizeit gut gehen lassen, in den Urlaub fahren und am Ende des Monats blieb immer noch eine Menge übrig, was ich sparte. Meine nächste Reise sollte nach New York gehen, was schon lange mein großer Traum war.

Yvonne, meine Arbeitskollegin war schon da, als ich das Büro, das ich mit ihr teilte, betrat. Sonst war ich meistens der Erste. Ich mochte sie sehr gern und ich war froh, mit ihr zusammen in einem  Büro zu sitzen. Nicht nur, weil sie sehr attraktiv war, sondern weil wir immer viel Spaß zusammen hatten. Auch sie war für den heutigen Termin entsprechend gekleidet. Während sie sonst  wie die meisten in der Abteilung gepflegt aber leger gekleidet war, trug sie heute einen schwarzen Hosenanzug, der ihr wunderbar stand.
„Wow, du siehst gut aus, so solltest du öfter herumlaufen“, sprach ich während ich hereinkam, noch bevor ich sie begrüßte, aus. Sie musterte mich ebenfalls, grinste aber ein wenig belustigt.
„Der steht dir aber auch gut, siehst aus wie Richard Gere“, meinte sie zu meinem Anzug.
„Ja klar, natürlich“, nickte ich ironisch.
Ich wunderte mich, warum mein Monitor kein Bild zeigte, während ich meinen PC hochfahren ließ. Ah Natürlich! Ich griff hinter den Bildschirm und das Kabel war lose. Hätte ich es mir doch sofort denken können.
„Witzig“, sagte ich zu Yvonne, die mir grinsend zusah. Solche Späße zwischen uns gehörten zur Tagesordnung, es verging kein Tag, an dem wir uns nicht gegenseitig irgendeinen kleinen Streich spielten.

Unsere Geschäftspartner waren eingetroffen, wir wurden in den Besprechungsraum gerufen. Yvonne ging vor mir her, dabei ließ ich mir die Gelegenheit nicht nehmen, den Anblick ihrer schönen Figur, die durch den Hosenanzug betont wurde, zu genießen. Ich war wohl so vertieft, dass ich gar nicht wahrnahm, dass die Sekretärin unseres Chefs in dem Moment mit einer Kaffeekanne aus der Küche herauskam. Wir prallten zusammen, dabei schwappte der Kaffee über und landete auf meiner Hose. AUTSCH!

Genau in dem Moment erwachte ich. Ein Besoffener war gerade dabei, mir auf die Hose zu pinkeln und rannte mit seinen laut lachenden Freunden weg, als ich die Augen öffnete und begriff, was los war. Ich wollte hinterher rufen, aber was hätte es gebracht. Ich war ja nur ein Obdachloser, ein Penner.
Es war bitterkalt. Obwohl ich zwei dicke Pullover und einen noch dickeren Anorak trug, fror ich. Wenn es weiterhin so kalt blieb, würde ich diesen Winter nicht überleben.
Ich stand auf, meine Hose war pitschnass von dem Urin. Es fühlte sich unangenehm an und genauso roch es auch. Und der Geruch würde, sobald es getrocknet war, noch intensiver werden. Meine gesamte Kleidung riecht nach Schweiß und Dreck, ich kann es nicht mehr ertragen. Meine Haare sind lang, fettig und strapaziert, genauso wie der lange Bart. Von meinem früheren Leben ist nichts mehr übrig, seit über zwei Jahren lebe ich nun auf der Straße. Es war doch früher so schön.
Es begann vor vier Jahren. Yvonne und ich waren ein Paar geworden, nachdem wir gemerkt hatten, dass wir uns gegenseitig nicht nur als nette Arbeitskollegen sahen. Vermutlich war ich schon länger in sie verliebt und hatte es mir nur nie eingestehen wollen.
Kurz darauf erlitt die Firma eine Krise und baute Personal ab. Ich verlor meinen Job, Yvonne durfte bleiben. Da sie im Gegensatz zu mir fließend Englisch sprach, war sie einfach qualifizierter als ich, was ich ihr auch gönnte. Ich hatte zwar Glück und fand sofort eine neue Stelle, allerdings in einer anderen Branche und ich fühlte mich absolut nicht wohl. Ich musste ständig reisen, was so weit kam, dass ich nur noch an den Wochenenden zu Hause war und während der Woche in Hotels wohnte. Dieses Pendeln war sehr belastend, während der Woche vermisste ich Yvonne und an den Wochenenden war ich meist lustlos, irgendetwas zu unternehmen. Es graute mir einfach immer schon zu sehr vor dem folgenden Montag, an dem ich wieder mit Koffer aufbrechen musste. Immer öfter gerieten wir in Streit, weil meine Launen nicht mehr zu ertragen waren, schließlich  trennte sie sich von mir.
Von da an hatte ich meinen Tiefpunkt erreicht und kündigte den Job. Ich zog mich immer mehr zurück, hatte nicht einmal die Kraft, mich um staatliche Unterstützung zu kümmern, die mir aufgrund meiner Eigenkündigung erstmal sowieso nicht zustand. Ein halbes Jahr lang kam ich noch mit meinen Ersparnissen über die Runden, bis ich vor die Tür gesetzt wurde, weil ich keine Miete mehr zahlen konnte.
Seitdem bin ich obdachlos. Yvonne habe ich seit unserer Trennung nicht mehr gesehen, nach New York bin ich ebenfalls nicht gekommen. Es ist zu spät, es gibt kein Zurück mehr. Wie gern würde ich bei Yvonne vorbei gehen, um sie wenigstens zu sehen, aber ich will nicht, dass sie sieht, was aus mir geworden ist. Manchmal rufe ich sie von einer Telefonzelle aus an, aber sobald sie den Hörer abnimmt, lege ich wieder auf, weil ich doch kein Wort herauskriege.

Es ist so kalt, ich friere so.

*

Er starb vermutlich heute Nacht, gestern hatte ich ihn noch in der Fußgängerzone gesehen. Heute Morgen fand ich ihn tot im Park vor. Vermutlich war er erfroren, es  muss schrecklich gewesen sein. Er lag dort zugedeckt mit einer Decke und Zeitungspapier, was aber gegen die Kälte auch nichts mehr ausrichten konnte.
Seine Geschichte fand ich, bevor ich die Polizei verständigte. Ich hätte sie nicht gelesen, wenn sie nicht ungefaltet neben ihm gelegen hätte. Ich kannte ihn nur vom Sehen, dennoch berührte mich sein Tod sehr, vor allem, nachdem ich seine Geschichte gelesen hatte. Ich hatte ihn immer ignoriert, nie ins Gesicht sehen wollen, so sehr war ich von Vorurteilen gegenüber ihm besessen. Und nun war er tot.
Neben der Geschichte befand sich noch ein Umschlag, der an Yvonne adressiert war. Diesen öffnete ich natürlich nicht, der Inhalt war schließlich nicht für mich bestimmt. Auch wenn es nicht rechtens war, nahm ich die Geschichte und den Brief an mich, ohne die Polizei darüber zu informieren. Ich beschloss, Yvonne den Brief und die Geschichte selbst zu geben. Ihre Adresse stand auf dem Umschlag.

„Guten Tag, sind Sie Yvonne“, fragte ich die Frau, die die Tür geöffnet hatte. Eine sehr hübsche Frau, so ähnlich hatte ich sie mir vorgestellt.
„Ja“, sah sie mich fragend an.
„Bitte entschuldigen Sie die Störung, mein Name ist Markus Taler. Es geht um Lars Berger.“
„Lars? Ist ihm etwas passiert?“
„Ja, leider.“
Sie wurde sichtlich blass.
„Ist er…?“, begann sie ängstlich, ohne die Frage zu beenden. Sie konnte es vermutlich nicht aussprechen.
Ich sah zu Boden und nickte schließlich.
„Es tut mir leid“, sprach ich und sah sie wieder an. Sie hatte Tränen in den Augen und zitterte leicht. Ich sah ihr deutlich an, dass sie versuchte, sich zu beherrschen und gegen die Tränen ankämpfte.
Ich holte die Geschichte und den Umschlag hervor. „Dies möchte ich Ihnen von ihm geben.“
Sie nahm beides an und schwieg einen Moment.
„Möchten Sie herein kommen?“


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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von chichi† (80) (09.10.2012)
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NormanM. meinte dazu am 10.10.2012:
Ich kenne jemandem, dem ist es fast passiert, aber aus anderen Gründen wie in der Geschichte.
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Kommentar von Omnahmashivaya (12.10.2012)
Eine sehr traurige und ergreifende Geschichte. Sie erinnert mich an Jemanden. Schön, dass es mit ihm nicht so ausging, wie in der Geschichte. Im Moment scheinen sich so einige aus dem Umfeld wieder zu bekrabbeln. Das ist gut so.
Diese Geschichte öffnet einem auch wieder die Augen, finde ich. Sie zeigt, worauf es im Leben ankommt und das man kämpfen sollte, damit man glücklich ist/ bleibt.LG
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NormanM. antwortete darauf am 13.10.2012:
Ja, das ist wahr, kämpfen sollte man, nur manchmal verlässt einem die Kraft.
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