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Im Tumult

Kurzprosa zum Thema Menschen


von fritz


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Ich bin im Tumult. Ich bin in diesen Raum gegangen, um mich zu bewegen. Meine Ohren vernehmen die Klänge, ich bin sofort einigermaßen zu Hause, auch, weil der Raum gefüllt ist mit angenehmen Farben und Menschen. Von ihnen kenne ich auf den ersten Blick nur drei, die, mit denen ich hier her gekommen bin. Wir hängen unsere Jacken an die Garderobe und gehen zielgerichtet in Richtung Tanzfläche. Ein paar junge Frauen, eigentlich noch Mädchen, dem Aussehen nach geurteilt, bewegen sich zum Rhythmus. Eine von ihnen hat braunes, volles, lockiges Haar. Sie sieht sehr jung aus und ihre Bewegungen wirken wie eine Mischung aus Langeweile und Rechtfertigungszwang. Für die Langeweile sorgt vor allem ihr Blick.
Ich sehe sie zu Hause vor ihrem Spiegel stehen. Sie schminkt sich, wie immer. Bloß keine unnötigen Auffälligkeiten. Der Spiegel hängt in einem viel zu kleinen Bad über dem Waschbecken auf der rechten Seite. Das Nachgeräusch der Spülung ist noch zu hören, langsam wird es leiser und verblasst. Das Mädchen nimmt den Lippenstift, klappt ihn auf, dreht ihn ein kleines Stück heraus und beginnt, sich langsam und in leichten Schwüngen die Lippen zu schminken. Hin und wieder prüft sie ihr Ergebnis, korrigiert an der einen oder anderen Stelle. Dann sind die Augenlider dran. Das Mädchen beugt ihren Kopf ein paar Zentimeter nach links, um ihr rechtes Auge sehen zu können, denn den Spiegel ziert ein feiner Riss von oben nach unten. Einmal war er zu Bruch gegangen. Das Mädchen sieht sich das Resultat ihrer Malerei an. Sie ist unzufrieden, blickt mürrisch drein. Sie stellt sich vor, den Spiegel auf den Badfliesen zerschellen zu lassen.
Das Mädchen tanzt zwischen zwei blonden jungen Frauen, eigentlich noch Mädchen, dem Aussehen nach geurteilt. Es sind auch ein paar Jungs auf der Tanzfläche. Zwei sehr kleine, die in Gegenüberstellung miteinander tanzen und noch zwei, von denen einer eine markante Frisur hat. An sich ist es ein normaler Kurzhaarschnitt, aber er rundet vorne ab mit einem vollen Pony, der ein bisschen an Elvis erinnert, nur dass der Glanz, der Schmalz fehlt.
Er sprintet so schnell er kann auf den Ball zu. Kurz bevor sein Gegner ihn erwischen kann, schnappt der Junge ihn mit seinem linken Fuß weg, sprintet mit ihm in Richtung Strafraum. Plötzlich grätscht ihn ein Gegenspieler von hinten in die Beine. Ein kurzer, lauter Pfiff. Der Junge greift sich das getretene Bein und muss ein paar Geräusche unterdrücken. Dann packt ihn der Zorn. Er steht auf, dreht sich um, läuft ein paar Schritte, zielgerichtet auf seinen Gegner, der ihn gefoult hat, zu und schubst ihn zu Boden. Ein paar Spieler greifen ein und können Schlimmeres verhindern. Die Wut des Jungen verblasst erst ein wenig, als er den Ball zum Elfmeterpunkt trägt. Er ist hoch konzentriert, schießt, trifft. Der Jubel ist groß, die Spieler bilden eine Traube um den Jungen und feiern den Führungstreffer. Der Junge erinnert sich an einen ehemaligen Vereinsspieler, dem der Siegesjubel im Sport immer suspekt gewesen war. Er hatte Sport geliebt, aber die Feindesmentalität, auch unter Fans befremdlich gefunden. Der Junge hatte das nicht verstanden, gleichwohl ihn die Aussagen seines Spielerkollegen seitdem nie mehr ganz losgelassen hatten.
In der Umkleide gehen die Spieler, bevor sie die Duschräume betreten, zu ihren Sachen. Der Junge steuert auf ein altes, vergilbtes Trikot zu, das am Haken über seiner Sporttasche hängt. Die Buchstaben sind kaum noch zu lesen. Der Junge nimmt es in die Hand und ein Freudeblick überstrahlt sein Gesicht. Sein Opa hatte es getragen, als er in jungen Jahren Vereinsspieler war. „Fußball ist ein Kampf“, hatte er stets gesagt. „Aber glaub mir, was ein wahrer Kampf ist, weiß nur, wer an der Front war“, hatte er gesagt. „Da vergisst du alle Moral, wenn du oben bist und einfach auf alles schießt, was vorbeikommt. Als sei es ein Spiel“, hatte er gesagt.

Alle sind fröhlich und tanzen oder stehen an der Bar an. Einige sitzen auf den Sofas und Sesseln. Zwei küssen sich. Alles ist wie immer und wir sind mittendrin. Die Musik ist einigermaßen monoton und mein Körper gelangweilt. Ich brauche einige Takte, um mich so zu bewegen, dass es auf mich und sicherlich auch auf meine Umgebung nicht verkrampft wirkt. Zwei meiner drei Begleiterinnen tanzen von Beginn an locker und frei zur Musik. Der dritten geht es wohl ähnlich wie mir. Ich werde angerufen und verlasse die Lokalität, um zu telefonieren. Es ist ein langes Gespräch und als ich zurückkehre, hat sich die Stimmung verstärkt. Die Tanzfläche ist voll, es sind einige Leute dazugekommen. Die Luft ist etwas undurchsichtig vom Rauch der Nebelmaschine, die Musik wirkt anregender. Meine Begleiterinnen sitzen an einem Tisch, daneben noch ein junger Mann, der irgendwie zur Gruppe dazugehört. Er erzählt von einer Reise nach Bosnien.
Ich komme zurück und alles kommt mir auf einmal eng vor. Die Weite des Reisens hat sich mit jeder Sekunde, die ich mich der Rückkehr nach Hause näherte, ein Stück weit zusammengezogen. Und zugleich sind all die Meter hin zum alten Trott kleine Peitschenschnüre, die sich langsam wie eine Schlinge um meinen Hals ziehen. – So trage ich schnell wieder den Schlips wie gewohnt - ganz eng am Kehlkopf, so dass es wehtut, aber nicht so eng, dass man mir das anmerken könnte. „Bosnien Ade!“ lache ich in mich hinein und meinte damit ein Weinen. Ich komme zurück in einen Käfig – die Dresseure heißen mich freudig willkommen und beginnen das Eingewöhnungsprogramm mit ein paar zarten Hieben.
Schon bald ist mir die Enge unfühlbar und Gewohnheit an die Stelle meines nach Freiheit ausrufenden Herzens getreten. Ich spiele das Spiel gekonnt mit, ich kenne die Tricks und biete gute Aufführungen. Ich bin bei einem Empfang. Es ist kurz nach meiner Rückkehr aus Bosnien und einer der gewöhnlichen Abende, wie man sie kennt. Man isst und trinkt, lügt und lächelt. Auf Toilette bemerke ich auf einmal einen seltsamen, ganz fremden und unangenehmen Geschmack auf meiner Zunge. Was habe ich eigentlich grad gegessen? Als ich wieder bei den anderen bin, kann ich vom Geschmack kaum noch Notiz nehmen. Was bleibt, ist die schwache Erinnerung an ein befremdliches Gefühl, mitten in einer kurzen Zwischenzeit. Ich versuche wenigstens, mir vorzustellen, wie es wäre, wenn es mehr Zeit gäbe für diese Irritation, für solche Umkehrungen. Was, wenn sich vor uns plötzlich riesengroße Zwischenräume aufbauen würden? Wäre es besser – würde es mir gefallen?

Ich setze mich zu den anderen, verspüre jedoch keinerlei Lust zum Gespräch. Eher drängt es mich zum Tanzen. Beim Blick an die Bar oder auch schon vorher entschließe ich mich, etwas zu trinken. Ich stelle mich an, es dauert eine ganze Weile, bis ich an der Reihe bin und mein Bier bekomme. Ich setze mich zurück zu den anderen und trinke. Nach einigen Minuten rege ich unsere kleine Gesellschaft zum Tanzen an. Wir stehen auf und wagen den direkten Weg durch die Massen hindurch, fast direkt in die Mitte. Es ist voll, nicht zu laut, die Luft ist dick. Wir tanzen fröhlich und munter zu den Rhythmen. Wir blicken uns an, hin und wieder blicken wir zu anderen Menschen nach links, nach rechts. Es sind unglaublich viele schöne Menschen da. Ich denke an das magische Theater und habe plötzlich das Gefühl, sein Gast zu sein. Ich stelle mir vor, alle Tänzerinnen und Tänzer trügen Masken. Gleich betreten Hermann und Hermine den Raum. Sie zielen auf die Tanzfläche, Hermine schaut mich an. Sie bleiben vor mir stehen und machen eine leichte Kopfbewegung Richtung Ausgang. Hermann nimmt meine Hand und wir gehen hinaus in die Nacht.

Anmerkung von fritz:

Hommage an Hermann Hesse


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