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Urweltmammutbäumin

Geschichte zum Thema Sehnsucht


von Hillarts

Ich laufe durch die Strasse, Frauen werden zu Gesichtern und Gesichter werden zu Papier, welches verbrennt im Feuer meiner Lust. Es hängt am Gitter, eingesperrt durch den Kamin der Höflichkeit und Schüchternheit. Jungs werden zu Kumpel und Kumpel werden zu Reklameschilder, die jedesmal umfallen, wenn man ihnen freundschaftlich auf die Schulter klopft oder sie werden zu Gesichtern, denen man begierlich hinterher blickt.

Verzweifelt suche ich nach Doppelgängern von ihr und und ihren Schlüsselmachern und nach dem Lächeln junger Mädchen, nach einem Zeichen der Zuneigung, als wäre ich dem Hungerstod nahe und suchte nach einem einzelnen Reiskorn in einem großen Haufen von Daunenfedern und besäße keine Gliedmaßen.

Oh, nun war ich so in Gedanken versunken, dass ich das Lächeln dieses jungen, hübschen Prototyps neben mir nicht rechtzeitig erwidern konnte.

Die Schönheit der Xanthippen hier um mich herum wird zu Oberflächen der Küchen in einem dafür vorgesehenen Warenhaus. Am Ende habe ich das Gefühl höchstens zwei verschiedenen Mädchen zugelächelt zu haben und bin nicht mehr in der Lage die Gesichter voneinander zu trennen. Meine Gedanken drehen sich mehr und mehr um den praktischen Nutzen des Anhebens der Lefzen dieser Tiere um mich herum und meines tierischen, nach Berührung schreienden, jämmerlichen Daseins. Ein Feuer zu entfachen mag sehr viel Freude bereiten, dieses unter Kontrolle zu halten aber nicht im Geringsten, man gebe mir eine Wand und die Ruhe meinen Kopf daran zerschellen zu lassen, wie eine teure Mingvase in den Händen einer bald vermählten, doch unter Einfluss einer großen Menge Ether stehenden Schönheit. 

Die Hoffnung zu fern zum Greifen, der Rausch zu nah zum ablehnen, die Hoffnung zu schön um wahr zu sein, der Rausch zu bekannt um genossen zu werden.

Könnte ich sagen: ‘Ja!‘

Glaub mir, ich täte es! Sofort!

Doch in Ketten habe ich mich gelegt, den Schlüssel verschenkt, ihr die Vollmacht darüber ausgestellt und dann rannte ich so weit mich meine Beine trugen. Unfähig bin ich nun, sie wieder zu finden oder mich meiner Ketten zu entledigen. Du musst wissen, wenn du mich befreist, dann bin ich frei, nicht dein!

So sehr ich dich in dieser Konstellation schätze, so sehr ich dich in dieser Zusammensetzung deiner Moleküle und Synapsen ehre, so sehr möchte ich dich erhalten in jeglicher Hinsicht. In meinen Händen wärst du wie eine Schneeflocke. So einzigartig, so schön, so rein, so kaputt nach kürzester Zeit. Ja, du schmilzt dahin, und verflossen ist unsere Liebe. Du landest auf dem Boden, blickst noch einmal traurig zum Himmel, bevor du Teil der kühlen Erde meines Grabs wirst.
Bitte fliege umher, tanze auf meiner Nase, aber halte dich fern von meiner Brust, sie glüht vor Verlangen und du löst dich in Luft auf, bekannt ist mir dieses Schauspiel nur allzu sehr.

Ich rieche deinen Duft in dieser Raucherdisko obwohl du vor der Türstehst um dich zu vergiften.

                                                    *Schnipp* *Schnipp*

‘Was?‘

‘Tagträume, hm?‘

‘Äh, ja, mal wieder…‘

Ihre braunen Haare glänzen im Schein der pinken Scheinwerfer. Die Tanzfläche leert sich mehr und mehr und ich bin vor einiger Zeit in einen tranceartigen Tanz verfallen der sehr stark an die Ureinwohner Amerikas erinnert.

Ein Blick auf die Uhr. 4.35 Uhr. Die Bahn verpasst, scheiße.

Vor Stunden hat mich das Gefühl gepackt, alleine in dieser Diskothek zu sein. Kein Mensch schaut mich an, abgesehen von ihr, die mit ihren Augen an meinen hängt wie ein Boot am Kay.

Jeder Schritt meinerseits und jeder Tanzstil, der sich meiner bemächtigt lässt sie Schaukeln wie eine Boje auf hoher See, während sie diese Bewegungen an den Rhythmus der Musik anpasst. Ja, sie ist definitiv der Traum all meiner einsamen Nächte und ein freudiges Wiedersehen in einer Schule, die ich kürzlich begonnen habe, hat ein ungutes Gefühl in meiner Magengegend hinterlassen.
Nun, der Lauf der Dinge war von vornherein abzusehen, aber Träume sind nunmal nichts anderes als halluzinatorische mentale Aktivität. Vieles wird intensiver wahr genommen, vieles als wesentlich unbegrenzter und Zeit überdauernder empfunden, doch gerade das ist es doch, was dabei eben nicht wahr genommen wird: Zeit.

Nun, die ersten Wochen verliefen mit glücklichen Magenschmerzen, bei den nächsten Wochen hatte sich das Glück ein wenig erübrigt. Um ehrlich zu sein denke ich über sie mal wieder das Gleiche, was ich schon über alle anderen, meiner inzwischen Verflossenen dachte:

Sie ist ein Traum, sie ist und bleibt eine halluzinatorische mentale Aktivität.

Für viele andere Menschen, denen es nicht wichtig ist, dazwischen zu unterscheiden, oder die Zeit in gewisse Planungen mit einzubeziehen, so denke ich schon seit sehr langer Zeit, ist diese Frau definitiv der Traum schlechthin. Sie ist es, was sich alle mir bekannten Männer wünschen, abgesehen von denen, welche mich immer ein wenig irritieren, da ich doch mehr mit ihnen gemeinsam habe, als manch Mädel sich wünscht.

Ja, auch ich wünsche mir Teile dieser Persönlichkeiten, aber es ist wie mit Rückfahrttickets. Wozu um alles in der Welt braucht man sie?

Ich gebe zu, dass es sich wohl besser anhand eines Urweltmammutbaums, Metasequoia glyptostroboides, erklären lässt. Ich liebe diese Bäume, ja ich wäre bereit einen von ihnen zu heiraten und zwar nicht nur um ihr die deutsche Staatsbürgerschaft zu verschaffen, der schönen Miss Urweltmammutbäumin, nein, sondern weil sie standhaft, wunderschön und attraktiv, sowie hochintelligent ist. Man bedenke wieviel eine Dame von solch enormem Alter in ihrem Leben gesehen haben muss. Doch gibt es da eine Eigenschaft die mich immer wieder laut aufjammern lässt, die mich heulen lässt, gleich einem einsamen Koyoten, welcher tapfer sein Revier verteidigt, doch niemals verstanden wird, da sich sein Revier, im Gegensatz zu den Revieren seiner befreundeten Kojoten, nicht irgendwo auf offenem Gelände zwischen bestimmten Breitengraden sondern in ihm selbst befindet.
Man bringe eine Urweltmammutbäumin dazu mir zu folgen wohin auch immer es mich zieht. Dies wird ein Tag sein, welcher in die Geschichte eingeht.

‘Mann heiratet Urweltmammutbäumin.‘

Ja, und er steht dazu, da ihm diese Urweltmammutbäumin ans Ende der Welt gefolgt ist.

Nun könnten diejenigen, welche sich der politischen Genauigkeit und Korrektheit mehr verbunden fühlen als ich, natürlich kritisieren, dass dieses Bild von Mann und Frau doch längst veraltet sei und ich eine komische Einstellung hätte, mag sein. Doch sollte nicht vergessen werden, dass es mir nicht um bedingungslosen Gehorsam eines anderen Menschen mir gegenüber geht, sondern darum, dass diese Liebe nicht endet, wenn ich gehe!

Bitte verzeih mir, A.L. Capone

In tiefster Verbundenheit,…


‘Du und deine Tagträume, du bist ja überhaupt nicht ansprechbar.‘

‘Was? Oh, hihi, ja, aber das kennst du ja bereits, bitte verzeih, wenn ich den Anschein erweckt habe, alleine hier zu sein.‘

Ich küsse sie zärtlich auf die Nase. Oh wie ich das liebe, sie hat so eine wunderschöne Nase. Meine kleine Fee. Wenn du wüsstest wovon meine Tagträume handeln…

‘Wir werden immer zusammen bleiben oder?‘

Sie weiß mal wieder, wovon sie handeln.

‘Im Herzen, ja.‘

‘Du meinst es also tatsächlich ernst, hm?‘

‘Du kennst mich inzwischen sehr gut. Und du kennst auch meine Gefühle, du kennst die Zeit und du kennst meine Zeit und du weißt, dass meine Minuten keine 60 Sekunden haben.‘

‘Hier.‘

Sie überreicht mir ein kleines blaues Etui, gleich einer Dose für Ringe, aber sie tut es nüchtern, kalt, zu sehr nebenbei.

‘Was ist das?‘

Ich öffne das zierliche Döschen auf dem mit ihrer schönsten Handschrift ‘Für Dich‘ geschrieben steht. In ihm befinden sich zwei handelsübliche Schlüssel.

‘Wofür sind die?‘


‘Für meine Wohnung. Wenn du sie loswirst bin ich dein.‘

Strike!

‘Mann heiratet Urweltmammutbäumin!‘

 
 

Kommentare zu diesem Text


Ephemere
Kommentar von Ephemere (13.12.2012)
Endlich wieder ein HillArts-Text...ein sehr spannendes Exemplar mit all seinen Brüchen in Stil, Perspektive und den Gedankensprüngen. Hat was Kerouac- und Burroughs-haftes, ist daber aber auch sehr eigen und unverkennbar von Dir. Es sind große Kostbarkeiten darin verwebt, und eng dabei auch einiges sprachlich etwas Inkonsistentes, Gestelztes. Andersherum wieder passt das Nebeneinander von Schlichtem, Wunderbarem und Unbeholfenen mit all den damit einhergehenden Rhythmuswechseln auch wieder hervorragend zur Philosophie der Spontaneous Prose und des Stream of Consciousness - eine Art Bremer On The Road Fragment...
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Hillarts
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Veröffentlicht am 17.11.2012, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 17.11.2012). Dieser Text wurde bereits 593 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 21.02.2018.
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