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egolution

Text zum Thema Abhängigkeit


von sim


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Ich will gehalten werden. Einfach nur gehalten werden. Meine Seele dürstet nach Berührung. Warmer Haut auf warmer Haut. Etwas schreit in mir. Laut. Ich kann mich nicht konzentrieren. Alles driftet ab. Die Welt ist neben mir und ich blicke von oben herab, nur um nichts zu erkennen. Ich will gehalten werden, damit ich nicht davon schwebe. Ich habe keinen Halt mehr. Rauchen. Den ganzen Tag rauchen. Langsamer Selbstmord, weil der schnelle zu viel Mut kostet. Gedanken auf Papier bannen. Bannen und sie damit dem Kopf entreißen, hinausschmeißen, damit sie kein Unheil mehr anrichten können. Virtuelle Blätter die vor Verlangen und Trauer triefen. Ich will gehalten werden. Eine Nacht lang. Und nicht, weil ich es will. Papier hält mich nicht fest, aber es hält mich fest.
Ich habe überlegt einen Psychiater aufzusuchen. Nicht um geheilt zu werden, um gehalten zu werden, sondern um ihn krank zu machen. Ich will, dass er weint. Dass er ins Bett kriecht und sich an seine Decke drückt, sie hält und spürt wie sie nicht zurück drückt. Wie er sie wärmen muss, damit sie warm ist. Ich will, dass er spürt wie allein er ist.
Worte sind Freunde. Doch nur die, die wir benutzen. Worte, die vergessen werden, wenden sich gegen dich. Wir lernen neue Worte kennen, wir lernen sie lieben. Doch ein Wort hat sich noch nie gehalten und jede Bedeutung stirbt mit ihrem Erfinder. Was ist schon Verständnis? Was ist Konvention? Eine Aneinanderreihung von Missverständnissen die sich in die Köpfe bohrt, um sich zu verselbstständigen. Worte sind Ich-AGs. Gedanken sind Analogien. Abstrakt - Konkret. Konkret - Abstrakt. Es hält sich nicht.
Ich will, dass meine Bedeutung festgehalten wird. Und Papier kann meine Bedeutung festhalten. Doch nur für mich. Und nur in diesem Moment, in diesem Raum. Im nächsten Moment ist die Bedeutung verschoben, verschroben von dem was folgt. Ich bin gut.
Das Ego hat gespielt. Es spielt die ganze Zeit, spielt Gedankengänge durch, wirft sie auf sich selbst zurück. Das Ego spielt so gern allein und sucht Spiegel. Immer wieder Spiegel, in denen es nur sich selbst sieht, obwohl dahinter viel mehr ist. Viel mehr als es je erfahren kann.
Es will gehalten werden. Es sehnt sich. Es will Aufmerksamkeit. Dem Ego geht es nur um das Ego. Gedankenloses Schreiben wird abgelöst von schreibenden Gedankenlosigkeit. Das Ego applaudiert sich selbst. Es beobachtet sich im Spiegel wie es applaudiert und applaudiert sich für den Applaus. Kein Ende. Doch. Vielleicht.
Papier ist zäh. Zäher als Gedanken. Es braucht länger, um aufzunehmen. Und es entwickelt nicht weiter, es applaudiert sich nicht selbst. Der Psychiater weint Krokodilstränen im Sumpf des Bettes. Treibsand, der das Ego frisst.
Er will gehalten werden. Seine Sehnen spannen sich, er drückt zu, erdrückt die Decke, die ihn umschlingt. Sie stirbt.
Ich drücke das Papier, weil es nicht zurückdrücken kann. Ich zerdrücke es und zerdrücke es und zerdrücke es mit meinen Worten. Dinge sind so schön, weil sie sich nicht wehren können. Sie leisten keinen Widerspruch. Wir können sie benutzen.
Sie wollen gehalten werden. Gehalten werden, bedeutet Aufmerksamkeit. Keine Aufmerksamkeit bedeutet Tod. Das ist Evolution in Reinform. Aufmerksamkeit ist die ökologische Nische des Geistes. Gesehen werden, gerochen werden, gefühlt werden, gespürt werden, geschmeckt werden, gehört werden. Das ist Evolution in Reimform.
Ich will überleben. Ich will alles überleben, sogar mich selbst. Das Ego soll sich ewig weiter applaudieren. Rhythmisches Klatschen in einer unrhythmischen Welt. Den Rhythmus machen wir selbst. Er ist gewollt, so scheiße gewollt.
Ich will halten. Die Fresse halten. Einfach mal. Weil man ja eh keine Ahnung hat. Das ist Philosophie. Dastehen und staunen. Das ist gelebte Philosophie. Kinder sind die größten Philosophen.
Ein weißer Punkt im schwarzen Kreis. Ich dreh mich um mich selbst und weiß, dass ich nichts weiß, außer dass alles Wissen Glauben ist, wobei der Glaube sich selbst negiert. Meine Emotionen sind so viel klüger als mein Kopf, weil sie wissen, was ich brauche. Wenn die beiden doch nur eine Sprache sprechen würden.
Ich will gehalten werden. Und nicht, weil ich es will.
Papier hält mich nicht fest, aber es hält mich fest.
Im nächsten Moment ist die Bedeutung verschoben,
verschroben von dem was folgt.
Wir können sie benutzen.
Was können sie benutzen?
Das ist Evolution in Reinform.
Das Ego soll sich ewig applaudieren.
Kinder sind die größten Philosophen.
Das ist Evolution in Reimform.
Das ist Ego Lotion in Scheinform.
Wenn die beiden doch nur eine Sprache sprechen würden.
Dann könnten wir gehalten werden.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von KoKa (44) (03.12.2012)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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sim meinte dazu am 03.12.2012:
hej Koka,

Danke Dir... auch wenn ich empfehle ihn anzuhören ... ;)
aber im dekonstruktivistischen sinne sicherlich sinnvoll es nicht zu tun.

lg

Sim
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Kommentar von nachtfalter (22) (05.02.2013)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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sim
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Veröffentlicht am 03.12.2012. Textlänge: 735 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.291 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 09.08.2019.
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