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La fée verte qui te sauve la vie

Roman zum Thema Traum/ Träume


von EliasRafael

Ich muss eingenickt sein, ein Blick nach draußen verrät mir die anbrechende Abenddämmerung. Hastig greife ich nach dem Umschlag in meiner Jacke. Die Nachricht ist wie erwartet von Lara. Mit angespannter Miene lese ich die wenigen Worte förmlich in mich hinein, fühle mich dabei irgendwie beobachtet. „Mon cher ami, wenn du dies liest, dann bist du tatsächlich in Paris. Wie schön. Nach zehn Jahren werden wir sehen. Wirst du endlich sehen. Komm heute Abend zum Place de la Bastille, in die Bar Mona Lisa. Du wirst dort jemanden treffen, der dir weiter helfen wird. Mehr kann ich dir jetzt nicht schreiben. Sorge dich nicht, er wird dich erkennen. Lara.“ Ich entspanne mich etwas, schütte mir von dem Cognac nach. Sie will tanzen. Jemand würde mich dort treffen. Also kommt nicht sie. Ich überlege, was sie vorhat, schwenke dabei unruhig das Glas in meiner Hand. Sie will wieder tanzen. Ich blicke rüber zum Bett. Jessica hat sich auf die linke Seite gedreht und atmet etwas lauter. Mit Verve leere ich das Glas. Tanzen wir.

Eine Stunde später erreiche ich den Platz, zwischen den Häuserzeilen blitzen die letzten Sonnenstrahlen. Ein flaues Gefühl im Magen erinnert mich daran, dass das Frühstück meine letzte Mahlzeit war. Die Nacht könnte noch lang werden, überlege ich. Ich weiß nicht, was mich erwartet. Mit leerem Magen könnte aber fast alles eine Enttäuschung werden. Bei einem traditionellen Händler erwerbe ich daher ein belegtes Baguette und lasse mich auf einer Bank nieder, um die Menschen zu beobachten, die hektisch über den belebten Platz eilen, Fotos schießen oder in Gruppen stehen, Bier trinken und lachen. Ich könnte dem Treiben ewig zuschauen, doch irgendwann ist es dunkel, Lara ruft. Ich hole den Zettel heraus, lese ihre Worte noch einmal. Im Hotel konnte man mir die genaue Lage der Bar beschreiben. Gestärkt und mit einem gewissem Appetit auf ein Abenteuer mache ich mich auf den Weg zur Mona Lisa. Welch Ironie.

Sobald ich die von außen unscheinbare und nur durch ein dezentes Schild als solche erkennbare Bar betrete, mustert mich eine nicht mehr junge Frau mit viel zu greller Schminke, viel zu blonden Haaren und viel zu großen Brüsten, die aufdringlich aus ihrem Dekolleté drängen. Skeptisch verzieht sie die Mundwinkel viel zu sehr nach unten. Was sie sieht, gefällt ihr wohl nicht, was mich nur kurz verunsichert, denn mein Äußeres ist durchaus nicht unansehnlich. Ich ziehe den Schluss, dass sie neue Gäste vor allem hinsichtlich ihres Potenzials als zahlende Kunden für ihre Dienstleistungen einschätzt, was immer diese auch sein mögen. Die Atmosphäre in dem schlauchartigen Raum ist schummrig, das Licht gedimmt. Sobald ich die von außen unscheinbare und nur durch ein dezentes Schild als solche erkennbare Bar betrete, mustert mich eine nicht mehr junge Frau mit viel zu greller Schminke, viel zu blonden Haaren und viel zu großen Brüsten, die aufdringlich aus ihrem Dekolleté drängen. Skeptisch verzieht sie die Mundwinkel viel zu sehr nach unten. Was sie sieht, gefällt ihr wohl nicht, was mich nur kurz verunsichert, denn mein Äußeres ist durchaus nicht unansehnlich. Ich ziehe den Schluss, dass sie neue Gäste vor allem hinsichtlich ihres Potenzials als zahlende Kunden für ihre Dienstleistungen einschätzt, was immer diese auch sein mögen. Die Atmosphäre in dem schlauchartigen Raum ist schummrig, das Licht gedimmt. An rostig braun gestrichenen Wänden hängen exzentrisch geformte Metallteile und Schwarzweißfotografien, an der Wand hinter der Theke, die aus Stein und Holz gebaut ist, lagern in einem ebenfalls rostbraunen Metallregal Dutzende von etikettlosen Flaschen mit vermutlich hochprozentigem Inhalt. Nur wenige Besucher halten sich in der Bar auf. Abgesehen von der Nutte am Eingang, die schon wieder mit sich selbst beschäftigt ist, beachtet mich niemand. Ich setze mich auf einen der Hocker.

Der Bartender, ein grobschlächtiger Mann in einer Lederweste, stellt mir unaufgefordert ein verschnörkeltes Glas vor die Nase, mit einer milchig-grünen Flüssigkeit. Dann beugt er sich vor, grinst mich an und verkündet mit rauchiger Stimme „La fée verte qui te sauve la vie …“. Egal. Der herbe, wenngleich nicht bittere, eher leicht süßliche Geschmack verwirrt nur meinen Geschmackssinn, noch nicht meinen Kopf. Denn ich glaube nicht an Feen, eigentlich nicht mal an Jessica oder an Lara oder an sonst eine Frau. Vielleicht aus diesem Grund bekomme ich rasch ein weiteres Glas hingestellt und so vergehen schnell zwei Stunden mit diesem und noch zwei weiteren Feen. Als ich schon nahe dran bin aufzustehen, um enttäuscht ins Hotel zurückzukehren, legt mir jemand von hinten die Hand auf die Schulter. Ich drehe mich um. Ein Männergesicht mit hakiger Nase und faltiger Haut, irgendwie alterslos. Er betrachtet ein Foto in seiner Hand. Wieder werde ich skeptisch von oben bis unten gemustert. „Mein Freund“, beginnt der Mann, der mit einer Art grünen Uniform bekleidet ist, er lächelt jetzt leicht, „Lara schickt mich, ich soll Ihnen helfen zu sehen“.

Michel, so heißt der Mann, ist sicher keine Fee und wohl noch nicht mal echter Franzose, denn er nuschelt nur leicht und raucht nicht. Er beteuert, dass er nicht viel wisse, nur dass er Lara etwas schuldig sei, was er hiermit erfülle und ich solle mitkommen an einen Ort, wo ich sehen würde. Was? Das wisse er nicht. Als ich zahlen will, winkt der Barmann lächelnd ab, das gehe aufs Haus und dabei lacht die ältliche Dirne an der Tür laut prustend. Gemeinsam verlassen wir die Mona Lisa, ich schwanke bereits ein wenig. Unser Ziel sei nicht weit, beteuert Michel. Nach etwa einer halben Stunde Fußmarsch erkenne ich die gläserne Pyramide des Louvre vor mir. Es ist Mitten in der Nacht, der Hof menschenleer und der Haupteingang geschlossen. Mit gerunzelter Stirn wende ich mich an Michel. Er murmelt nur, dass ich doch wisse, was Lara beruflich mache, und dass sie eben darum gebeten hätte, mich hierher zu bringen. Er geleitet mich zu einem Nebeneingang, der Löwenpforte. Der Absinth beeinträchtigt zusehends meine Sinne. Wir stehen vor der riesigen Tür, sie scheint sich in Nebel aufzulösen, und mir schwant, dass das auch mein Schicksal ist. Plötzlich erfasst mich ein harter Griff, etwas streift meinen Kopf. Dann wird es dunkel. Ich höre schon wieder das gleiche Lachen wie eben. Schließlich wird aus der Dunkelheit tiefe Schwärze.

Mit den Fingern ertaste ich kalten Marmorboden. Die Glieder schmerzen, mein Kopf dröhnt, es ist immer noch dunkel. Wo bin ich? Vor mir ragt irgendein Gebilde. Ich leuchte es mit meinem Handy an. Eine steinerne Katze mit menschlichen Gesichtszügen, die mich mit einem starren Blick fixiert. Rätselhaft, so wie meine gesamte Lage. Ich schaue mich weiter um. Wandreliefs mit Priestern und Schakalkriegern. Mir wird ein wenig klarer. Dies muss die ägyptische Abteilung sein. Mein Fuß berührt etwas Raschelndes. Ich finde einen Zettel, er sieht aus wie der von Lara, eine neue Botschaft. War sie grad hier? Mit Schweißperlen auf der Stirn fange ich an zu lesen. „Mon cher ami, wenn du dies liest, dann hast schon einige Mühen auf dich genommen. Wie schön. Nach zehn Jahren werden wir sehen. Wirst du endlich sehen. Neben der Sphinx findest du einen Lageplan. Komm zur Mona Lisa. Du wirst dort jemanden treffen. Mehr kann ich dir nicht schreiben. Lara.“

Das Papier zittert zwischen meinen Fingern. Mein Puls rast, ich bin überzeugt, dass das Echo meines Herzschlags laut durch die leeren Hallen des Louvre hämmert. Ich nehme den Plan, der an der angekündigten Stelle liegt, und verharre noch eine Weile. Es ist eine unheimliche Stimmung, das dunkle, einsame Museum, die ägyptischen Artefakte, Lara und ihre Helfershelfer, die berauschende Wirkung des Absinths. Ich versuche mich zu konzentrieren, leuchte die Sphinx noch einmal an. Doch sie blickt starr und wird schweigen. Leicht enttäuscht wende ich mich ab und betrachte den Plan. Ich befinde mich demnach im Untergeschoss. Die Mona Lisa hängt im ersten Stock. Die Strecke erscheint mir in meinem momentanen Zustand endlos. Müde erhebe ich mich und folge vorsichtig dem markierten Weg.

Die Krypta ist düster und die Gänge verschlungen. Meine Augen suchen die Umgebung nach Bewegungsmeldern und Kameras oder anderen Sicherheitsmaßnahmen ab, die mich aufhalten könnten. Vor jeder steinernen Statue halte ich den Atem an. Ich meide Aufzüge und große Hallen, benutze Nebenwege und erreiche schließlich eine auf der Karte markierte Tür. Das Schild „Réservé au personnel“ ignoriere ich, absurd es nicht zu tun. Die Klinke gibt nach. Nach kurzem Zögern betrete ich ein kleines Magazin mit ein paar Holzkisten und verhüllten Exponaten. Über eine schmale Treppe führt ein Weg nach oben. Ich muss an Lara Croft denken, die wie ich nachts durch den Louvre schlich, dabei durch Lüftungsschächte kletterte, Laserfallen überwand und mit den Nachtwächtern kämpfte, und bin erleichtert, dass sich hier kein solcher Schacht auftut. Ich bin nicht Lara, suche sie nur.

Eine Hochzeitsreise mit UntiefenInhaltsverzeichnisFür den Fall chronischen Irrsinns
EliasRafael
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Dies ist ein Kapitel des mehrteiligen Textes Die Toten Augen der Mona Lisa.
Veröffentlicht am 15.02.2013, 9 mal überarbeitet (letzte Änderung am 27.02.2013). Dieser Text wurde bereits 682 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 27.11.2018.
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