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Doppelte Überraschung

Parabel zum Thema Leben


von rochusthal

Bjørn Lykkebø 

Doppelte Überraschung

Einem Geschäftsmann wurde in seinem Auto übel, weil er dehydriert war, denn es war ein heißer Tag und er kam aus Stuttgart, war erst in Thüringen und wollte noch nach Berlin. Er hielt an einer Autobahnraststätte, aber sie war geschlossen. Er wollte schon wieder zurück auf die Autobahn, aber ihm wurde schwarz vor Augen und er hatte eine spontane Idee, so wie er sie manchmal an der Börse gehabt hatte. Er fuhr an einer Absperrung vorbei auf einen Feldweg, der auf eine Landstraße führte. Lange Zeit sah er kein Licht, kein Haus, kein Dorf. Die Nacht war ein Tunnel in seinem Scheinwerferlicht. Plötzlich sah er ein kleines Haus. Er hielt und da erst konnte er sehen, dass es ein Haus war, das seine besten Tage lange hinter sich hatte. Einige Dachziegel lagen im verwilderten Vorgarten, dessen kleines Tor verrostet, verbogen und verkommen war. Ein Fensterladen war herausgebrochen und hing in einem Scharnier, der andere war zu. Aus dem Fenster ohne Läden drang ein winziger flackernder Lichtschein. Der Geschäftsmann dachte, was wir alle denken würden, wenn wir in solche Situationen geraten: das kann nur mir passieren. Aber da er einen seiner seltenen spontanen Tage hatte, suchte er die Klingel, die es nicht gab, und klopfte endlich fast umgestüm an die morsche, abgeblätterte Tür mit zersprungener Scheibe. Nichts tat sich. Er klopfte ein zweites, ein drittes und noch viele Male. Da hörte er schwache Schritte schlurfen. Nach Minuten öffnete sich die Tür und eine erschreckend alte und hochgebrechliche, tiefgekrümmte Frau bat ihn herein. Er bat um ein Glas Wasser. Sie brauchte ewig, um es – wer weiß woher – zu beschaffen. Die Dunkelheit wurde durch eine einzige Kerze in den zitterndern Händen der Alten mehr betont als aufgehellt. Trotzdem kam man ins Gespräch. Der Geschäftsmann erzählte der staunenden Alten, wie er fast täglich durch ganz Deutschland von Termin zu Termin hetzt. Abends in den Hotelzimmern muss er telefonieren, lesen, schreiben, Kurse verfolgen, Zahlen deuten und entnervt einschlafen, nachdem er seine Kinder über Facebook geküsst hat. Die Alte sagte, sie mache nichts. Nur gerade eine Suppe aus Rüben und Lauch, die schlürfe sie zweimal am Tag. Der Geschäftsmann glaubte nicht, dass er in Europa sei. Die Alte kannte ihre Heimat gerade bis zur Kreisstadt. Man kam auf das Geld zu sprechen, denn die Armut der Alten war offenkundig. Ja, sagte sie, sie hätte immer die Kinder betreut, die Tiere im Stall und das Haus versorgt. Und dann sei ihr Mann gestorben. Die Kinder sind alle weggezogen, schreiben zu Weihnachten Briefe. Sie hat keine Rente, lebt nach wie vor von ihrem Garten und der Ziege. Ein Sohn, so sagte sie, sei gar nach Australien gezogen, sie wisse nicht, wo das ist, der schickt drollige Ansichtskarten. Der Geschäftsmann hatte längst das erstaunlich frische, kühle Wasser ausgetrunken und hörte, ganz gegen alle Gewohnheit und Vernunft ohne zwingende Notwendigkeit, zu. ‚Zeigen Sie doch einmal diese Ansichtskarten‘, sagte er, weil er die Glaubwürdigkeit der Alten wohl anzweifeln musste, arm und abgerissen wie sie war. Die Alte schlurfte durch ihr kleines Häuschen, Dielen knarrten, Türen quietschten, Schritte hallten. Sie kam mit einem Schuhkarton zurück. Umständlich stellte sie ihn auf den Tisch. Sie löste die Gummis, die den Deckel halten sollten, sie hielt die flackernde Kerze. Der Geschäftsmann hielt den Atem an. Der ganze Karton war voller Hundertdollarnoten. Im Kopf rechnete er schnell den australischen Dollar in Euro um. Die Bilanz war astronomisch. Die Alte hätte das ganze Nachbardorf kaufen können. Und als er das dachte,  fiel der Geschäftsmann um, rang nach Luft und starb. Die Alte suchte ihren Mantel und fand ihn nicht, denn die Kerze war inzwischen heruntergebrannt. ‚Das hat alles Zeit bis morgen‘, dachte sie und ging schlafen wie immer.

Anmerkung von rochusthal:

nach einer Legende



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Kommentare zu diesem Text


Lluviagata
Kommentar von Lluviagata (24.02.2013)
Spannend erzählt.
[Als er das dachte, fiel der Geschäftsmann um, rang nach Luft und starb.]
Hier würde ich ein Und davor setzen. Frag mich nicht, wieso, aber ich fände es irgendwie lakonischer, so wie selbstverständlich, weisswasschmeine?

Liebe Grüße
Llu ♥
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rochusthal meinte dazu am 24.02.2013:
überredet.
vielen dank für das hineindenken.
schönen restsonntag
beste grüße
rst
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Kommentar von ues (34) (24.02.2013)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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rochusthal antwortete darauf am 24.02.2013:
vielen dank für die guten worte!
euch beiden einen schönen restsonntag!
beste grüße
rst
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rochusthal
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Veröffentlicht am 24.02.2013, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 24.02.2013). Textlänge: 615 Wörter; dieser Text wurde bereits 760 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 16.09.2019.
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