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live aus istanbul 6

Reportage zum Thema Orientierung


von rochusthal

live aus istanbul 6
ist 31
a ferryboat to üsküdar

heute war der zweite sommertag, wieder mit über 25° celsius. ich ging heute die kennedystraße am bosporus entlang, und viele menschen badeten in der sonne, die im wasser badeten, hatten jedenfalls taucheranzüge an. die meisten radfahrer, und heute gab es doch schon mehrere dutzend, sind äußerst vorsichtig, meist familien mit mittelteuren fahrrädern. ich habe bisher erst zwei fahradläden gesehen, einen in galata und einen in üsküdar, und da gab es nur billigfahrräder. von den mehreren dutzend radfahrern waren nur vier odre fünf profis mit teuren rädern. fahrradmäßig steht istanbul also völlig am anfang. dagegen ist die mole an der kennedystraße professionell bevölkert, es gibt dort familiensitze, die ausgemauert (ausgemauert!) sind! die menschen freuen sich, wie alle stadtmenschen, über die erste sonne. genau an dieser stelle kann man die strategische und ästhetische bedeutung nicht nur istanbuls, sondern auch konstantinopels und byzantions sehen. zum einen kann man eine dreigeteilte stadt natürlich sehr gut verteidigen, deshalb hat mehmets vater murad II. es auch mehrere jahre vergeblich versucht, sie zu nehmen, und um so größer ist die leistung des erst 21jährigen mehmet, zweihunderttausend mann so zu befehligen, dass die stadt in wenigen stunden genommen werden konnte. dann ist sie nie wieder gefallen. dabei wird das eigentliche ziel mehmets auf beiden seiten oft übersehen: seit seiner jugend wollte er islam und christentum vereinen, aber doch wenigstens aussöhnen. auf seiner seite wurde ein von ihm bevorzugter sendbote des aussöhnungedankens hingerichtet, um mehmet davon abzulenken, auf christlicher seite wurde er gar als der antichrist gesehen, und das wunder von belgrad, einer der wenigen siege über ihn vorzeitig als die krönung aller kreuzzüge gefeiert. man hatte jesus vergessen: das christentum ist das ende der heere. mehmet hat das nicht vergessen: in der hagia sophia beließ er das mosaik der muttergottes mit dem kleinen propheten issa, obwohl das eigentlich nicht dargestellt sein dürfte. zum friedensengel können wir mehmet trotzdem leider nicht stilisieren, er hat ununterbrochen gekämpft und gesiegt, außer vor belgrad. aber wir waren gerade an der mole der kennedystraße, wo man nicht nur die strategie, sondern auch die besondere ästhetik sehen kann. steht man genau an der ecke des goldenen horns, so ist hinter einem, oben, der topkapı palast. die sultane, die gäste aus dem westen empfingen, und das waren seit süleyman kanunı alle, konnten die einzigartige schönheit dieses blickes zeigen. es gibt zweimal gegenüber: erstens bayoğlu mit dem galataturm auf der anderen seite des goldenen horns und zweitens üsküdar mit dem vorgelagerten leanderturm auf der anderen seite des bosporus, also in asien, in anatolien. das hatte kein europäischer herrscher aufzuweisen, und deshalb wurde süleyman in europa auch der prächtige genannt, im osmanischen reich dagegen der gesetzgeber.
von üsküdar aus hat man eine traumhafte sicht auf die beiden berühmteren stadtteile und es gibt ein lied, das wohl alle türken kennen, auch alle liebhaber des films ‚türkisch für anfänger‘ und alle fans der westberliner sängerin belina mit dem legendären gitarristen siegfried behrend. von ihr kenne ich das lied. es handelt von einer reichen älteren frau, die einen jungen, schönen bibliothekar hatte, von dem sie mehr wollte, als ihre bücher sortiert. und deshalb verlor sie ein taschentuch (taschentuch!) mit einer süßspeise (süßspeise!), so dass er sie finden und bescheid wissen konnte. auch wir haben ja volkslieder, die ähnlich sinnreich sind, sinnlich sind sie allzumal. üsküdar hat eine traumhafte lage am bosporus und den sitz des staatlichen istanbuler sinfonierorchesters, aber dann kommt eine eher traurige, weil zusammengepfuschte und teils wieder auseinanderfallende arbeiterwohnstadt, so ähnlich wie der süden neapels. neunundneunzig prozent aller menschen sind hier freundlich. heute brüllte einer, keiner wusste den grund, an einer bushaltestelle (in istanbul hält an einer bushaltestelle nicht ein bus, sondern es halten immer mindestens zehn gleichzeitig und etwa tausendzweihundert menschen steigen aus und zweitausendvierhundert steigen ein), nach einer kurzen schrecksekunde lachte ein frau laut und die dreitausendsechshundert menschen an den bussen lachten mit. die besitzer kamen aus ihren läden gelaufen, fragten, bekamen antwort, und lachten mit. die antwort war immer: da schrie einer, keiner weiß warum. ihr wisst, ich kann fremde sprachen von den lippen ablesen. hinter der bushaltestelle war ein uhrmacher, bei dem ich einen fotoapparat kaufen wollte, ihr ahnt warum, aber nicht kaufte, und der kann noch mechanische uhren reparieren und das tat er auch, obwohl er den ganzen laden voll elektronischem plunder hatte, über den er leicht abfällig sprach. wir sprachen beide gleich schlecht englisch und haben uns sehr gut verstanden. den fotoapparat musste ich später in einem fotoladen kaufen, weil heute morgen, als ich das hotel verließ, meine kleine ersatzkamera kaputt ging. es ist nicht zu fassen. 
ich habe eine ganze weile gebraucht, bis ich mir die geografische reihenfolge der großen moscheen merken konnte. das liegt daran, dass der mensch quadratisch besser ordnen kann als im kreis. da die halbinsel, die im goldenen horn und im bosporus liegt, aber halbrund ist, kann man die sultanahmet moschee mal links und ein anderes mal rechts von der ayasofya sehen. so einfach ist das. rechts daneben ist immer die eminönü oder neue moschee, klein dahinter die schöne rüstempascha, die größte ist die süleymaniye, genau gegenüber ist die beyazit moschee am beyazit platz mit dem riesigen, streng bewachten haupteingang der universität. und schließlich gibt es noch die prinzen moschee, die ich jeden morgen sehe, wenn ich aus meiner kleinen hohlen gasse komme, und links von ihr, vielleicht zwei kilometer, die schönste von allen, die fatih moschee.
die entfernungen sind riesig, alles ist ohne ende, die menschen werden immer mehr, von minute zu minute und von kilometer zu kilometer. sie sind so geschäftig, auf beiden seiten des ladentisches, dass man sich fragt, wie sie nach einem solchen sonntag morgen, montag, arbeiten wollen.   
wo eine nachfrage entsteht, wird sofort ein angebot hingebracht. ich stand heute morgen nicht lange an der kennedystraße und sinnierte, wie man jetzt weiß, da hielt ein kleintransporter, fünf junge männer sprangen heraus und warfen hunderte flaschen getränke, dutzende kilogramm verpacktes essen samt sitzmöbeln auf die wiese. in wenigen minuten war ein imbissstand vom feinsten orientalischen muster hingezaubert. in deutschland hätte allein die genehmigung sechs wochen gedauert.


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