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Die Glosse ist ein spöttischer, mitunter satirischer Kommentar, der geistreich-ironisch und witzig (meist)... weiterlesen
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live aus istanbul 9

Reportage zum Thema Orientierung


von rochusthal

live aus istanbul 9

von den gewöhnlichen dingen

man lernt ein land, und diese stadt ist größer als viele länder, oft am besten kennen, wenn man alltägliches tut. dazu war ich heute gezwungen, weil ich mich gestern durch die märchen des großen bazars zu einem einkauf habe verleiten lassen, der mit dem gewöhnlichen gepäck im flugzeug nicht zu bewältigen gewesen wäre. das ist höchst ungewöhnlich, weil ich sonst eher überteuerten blödsinn am flughafen oder an der grenzstation kaufe und lieblos preußischpflichtig weiterverteile. diesmal will ich also gezwungen gut werden, der neue gandhi der geschenke, der gleichzeitig der sklave der geschichten ist, ob er sie nun glaubt oder nicht. jedenfalls hatte ich es gestern schon verpasst, packpapier zu besorgen. touristen brauchen so etwas nicht, deshalb ist es auf dem märchenbazar auch nicht zu haben. also ging ich heute da einkaufen, wo die wahren türken (öztürkü) sind. erst geriet ich in einen laden, wo es kunstpapier gab, der meter für100 lira. so geht es, wenn man nach dem wörterbuch geht. dann geriet ich, immer das wörterbuch in der hand, an einen tapetenhändler. er sagte das freundlichste nein, das ich je gehört habe. manche häuser werden nur noch unten genutzt, weil sie oben schon am einstürzen sind. da saßen sie, die gewöhnlichen leute, aßen ihr frühstück, wunderten sich über den verirrten touristen, der ihrer meinung nach nur verwirrt sein konnte. in einem etwas abgerissenen neubaueinkaufszentrum stand der cd-verkäufer mit der angesagten musik, er hatte den rap, den ich für meinen berliner lieblingstürken suchte. er freute sich so, dass ein fremder seinen lieblingsrapper haben wollte, dass er mir auf seinem händie gleich alle konzerte mit dem rapper zeigte. nebenbei hörten wir ihn. jetzt hatte ich das vorletzte geschenk, aber immer noch kein packpapier. drüben ist eine kleine moschee. hinübergehen heißt aufschieben. ich biege nach rechts, ein laden ist dürftiger als der nächste oder umgekehrt. überall essen menschen, singen, wenn auch nicht mit vollem mund, arbeiten viel mehr als wir, und sind dabei viel fröhlicher. alte männer schieben die sackkarren schon einmal mürrisch, aber vielleicht ist es nur angestrengt, junge männer pfeifen laut wie in einem französischen film aus den fünfzigern. bergab rennen sie, was auch nicht gerade leicht ist mit der schweren karre. die straßen werden so schmal, dass man vor den autos in den hauseingang flüchten muss. und da ist der papierladen ohne universität. dort nämlich gibt es zahreiche ganz winzige papiergeschäfte, in denen ein kopierer steht, zwei regale, ein tisch, ein raum, so groß wie eine abstellkammer, und doch passen außer dem verkäufer noch acht studenten hinein, aber leider kein packpapier. jetzt aber versteht mich der verkäufer auch nicht, aber er hat packpapier. fünf lagen davon und eine kleberolle kosten drei lira. diese kleberollen werden universal verwendet. überall kann man sie kaufen, das fiel mir schon am ersten tag auf, alles wird mit ihnen zugeklebt. besonders kunstvoll sind die großen pakete auf den sackkarren verklebt, mit tragegriffen aus klebeband. der verkäufer konnte meine freuide nicht verstehen, aber er konnte sich mitfreuen.
auf der dhl station in der yerebatan straße, darunter sind immerhin die zisternen der byzantinischen kaiser, war man sehr freundlich. bald wusste ich auch warum: der transport meiner pakete war ihnen herzensangelegenheit und würde hundertundfünfzig euro kosten, euro! ich machte mich also auf zur ptt (türkische post) am alten bahnhof sirkeci. eine junge frau übersetzte für mich so freundlich und flott, und entschuldigte sich noch, dass sie so schlecht englisch spräche. sie hat tanten in dusseldorf und nurenberg. deutschland, das sie im vorigen jahr besuchte, fand sie nicht so gut wie die türkei, weil die läden um sechs uhr schließen, was hier wirklich, wirklich unvorstellbar ist. und selbst wenn die läden schließen, ist keine rede vom ende des handels. auf dem beyazit platz breiten die merkwürdigsten typen die merkwürdigsten dinge aus, und es strömen scharen von interessierten herbei und vorbei, und es wird gekauft, und die bäcker haben neue simits und die wasserverkäufer freuen sich über die konjunktur und sogar taschentücher werden gebraucht für die rührungstränen über die niedrigpreise, am rand schlafen schon die ersten bettler und buhlen die katzen, denn nach dem april kommt mit sicherheit die maikatze. aber auch an allen ecken, vor geschlossenen geschäften, in hauseingängen werden die – meist – billigwaren angeboten, so dass es manchmal schwerfällt, daran vorbei zu kommen. inzwischen waren meine kleinen päckchen schon auf dem weg nach deutschland, die freundliche übersetzerin hätte mich beinahe umarmt, aber dann fiel ihr ein, dass das in deutschland nach 18.00 uhr bestimmt verboten ist. das große paket mit den sammelgeschenken musste ich zur großpaketaufgabe bringen. dort herrschte, was wir mitteleuropäer gerne chaos nennen. ein zyprischer wanderprediger war gerade dabei in mehrere großpakete bändeweise theologische literatur zu verpacken. ein paket hatte zwanzig kilogramm und zwanzig gramm, also zwanzig gramm zuviel. er packte also alles wieder aus, riss zwei seiten des kartonunterbodens heraus, wog sie, tatsächlich, zwanzig gramm, und packte alles wieder ein und verklebte es so, als wenn es zwanzigtausend jahre halten sollte. er blickte sich um, sah, dass ich lachte, und konnte beruhigt noch eine halbe stunde so weitermachen. am anderen schalter (das heißt: es gab nur zwei) war inwzischen eine steinalte gebrechliche frau eingetroffen. ihr wurde ein stuhl beschafft. die schalterangestellte kam herum, um sich die offensichtlich nicht leichten anliegen der alten genauer anzuhören. dann wurden zwei junge männer aus der schlange beauftragt, die etiketten zu schreiben und die einzelnen gegenstände, unendlich viele, mit klebeband zu paketen zu formen. immer wieder stand die alte umständlich auf, um zu erklären, welches ding welcher neffe warum erhalten soll. dann gab die postgeneralin neue anweisungen an ihr heer, das aufs wort hörte. da wurde nicht getürkt, das war alles authentisch. auch ich hatte ein etikett versaut und musste es allein noch einmal ausfüllen. sehr geduldig ging es da zu, kein lautes wort, nur freundlichkeiten, lachen und singen. ich habe solch eine post noch nie in meinem leben gesehen. ich habe so ein land noch nie in meinem leben gesehen. ich habe solch eine stadt schon gar nicht jemals vorher gesehen, und ich war schon in städten, die niemand kennt. draußen regnete es, aber das störte keinen, noch nicht einmal mich. mit der besten laune ging ich noch einmal zu  meiner geliebten sokollu mehmet paşa camii. ich wartete, bis der einzige beter sein gebet beendete und ging, dann fragte ich den gestrengen imam diesmal direkt. ich hätte sogar nach berlin angerufen, um mir meine erklärung ins türkische übersetzen zu lassen. aber er hörte im gestammelten englisch: sinan, sokollu mehmet paşa, sokolovici, und das überzeugte ihn von einer notwendigen ausnahme. die folgen waren verheerend: die nach mir kamen, verstanden die welt nicht mehr. aber wer versteht die schon?


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