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InhaltsverzeichnisStalingrad: General Friedrich Paulus - Analyse eines Sündenbocks

Stalingrad - der historische Ort einer Schlacht

Essay zum Thema Krieg/Krieger


von TrekanBelluvitsh

Die Militärgeschichte an sich und insbesondere ihr Kern, die Operationsgeschichte, werden in Deutschland stets skeptisch betrachtet. Das damit der Geschichtsklitterung und sogar -fälschung Vorschub geleistet wird, bewiesen in den letzten Jahren die Arbeiten des Historikers Karl-Heinz Frieser, der die Panzerschlacht von Prochorowka, jahrzehntelang als "größte Panzerschlacht der Welt" verklärt, entzauberte und der durch seine brillante Studie über die sogenannte Sichelschnittoperation – 65 Jahre nach den Ereignissen – nicht nur einen Meilenstein zur Operationsgeschichte des 2. Weltkrieges ablieferte, sondern auch einen nicht wegzudiskutierende Kritik an der Idee des Weltblitzkriegs präsentierte, die das strategische Konzept des 3. Reichs auf nur von wenigen Generalen vertretene Operationsprinzipien schrumpfen ließ.
  Nichtsdestotrotz gibt es einen militärhistorischen Begriff, der in Deutschland fast jedem geläufig ist, unabhängig davon ob oder was für Fakten dem Einzelnen bekannt sind. So wie der Name Auschwitz alle – bis auf einige Ewiggestrige – zusammenfahren lässt, ist fast nur Stalingrad, die Stadt an der Wolga, die im Zuge der Entstalinisierung in Wolgograd umbenannt wurde, ähnlich fest im deutschen Bewusstsein den 2. Weltkrieg betreffend verankert. Warum ist das auch heute, über 70 Jahre nach der Schlacht, noch so?



Historischer Abriss:

Nach den immensen Verlusten im ersten Jahr des Überfalls auf die Sowjetunion war die deutsche Wehrmacht unter Ausdünnung des Nord- und Mittelabschnitts der Ostfront im Jahre 1942 nur im Süden in der Lage, eine Sommeroffensive zu starten. Die großen Landgewinne der Operation Blau, die errungen wurden ohne der sich planmäßig nach Osten zurückziehenden Roten Armee strukturellen Schaden zuzufügen, veranlassten Hitler, gegen den Rat der militärischen Führung, die vorgesehenen Ziele – Sperrung der Wolga und Vorstoß in den Kaukasus – nicht nacheinander, sondern gleichzeitig zu befehlen. Die Truppen wurden geteilt. Außerdem war jetzt das erste Mal die Rede von der Besetzung der Stadt Stalingrad selbst.
  Der 23. August 1942 gilt als erster Tag der Schlacht um Stalingrad. In der Stadt und um sie herum war mit Weisung der Stavka vom 12. Juli mit dem Bau von Stellungen begonnen worden. Indes stockte der Angriff der Divisionen der deutschen 6. Armee unter General Friedrich Paulus bald. Vorankommen ließ sich nur noch in Metern bemessen. Trotz hoher Verluste für beide Seiten konnte sich die sowjetische 62. Armee unter dem Befehl von General Wassili Tschuikow am Westufer der Wolga behaupten.
  Die lange geplante Gegenoffensive der roten Armee (Uranus) begann am 19./20. November 1942 nördlich und südlich der Stadt und durchbrach auf Anhieb die Fronten der schwachen mit dem "3. Reich" verbündeten Italiener und Rumänen, denen man, wider besserem Wissen, den überlebenswichtigen Flankenschutz übertragen hatte. Am 23. November 1942 war die 6. Armee eingeschlossen. Wie befohlen igelte sie sich ein, in der Hoffnung auf Versorgung durch die Luft und einen Entsatzstoß. Beides wurde versucht und durchgeführt, erreichte aber nie die Notwendige Intensität oder Stärke. Ebenso wie der Feind setzte den deutschen Soldaten Hunger, Durst und die bald nicht mehr vorhandenen medizinische Versorgung zu. Im Dezember 1942 meldetet die 6. Armee erste Hungertote. Der am 12. Dezember 1942 mit nur einem verstärktem Panzerkorps begonnene Entsatzstoß wurde von den Truppen der Roten Armee nach knapp einer Woche gut 54 km vor dem Kessel zum stehen gebracht. Diese Distanz aus eigener Kraft zu überwinden war die 6. Armee längst nicht mehr in der Lage.
  Die sowjetische Kapitulationsaufforderung vom 10. Januar 1943 wurde abgelehnt. Die folgende Großoffensive spaltete die 6. Armee in einen Süd- und einen Nordkessel, die am 31 Januar bzw. am 2. Februar 1943 den Kampf einstellten. General Paulus weigerte sich bis zuletzt, die offizielle Kapitulation seiner Armee zu unterzeichnen.



Zahlen:

Verlustzahlen sind stets mit Vorsicht zu betrachten, auch weil die überlebenden Beteiligten auf allen Seiten selten eine Interesse an der Korrektheit dieser Daten hatten. Sie geben sehr oft eher Tendenzen wieder. So wurde jahrzehntelang die Stärke der in Stalingrad  untergegangenen 6. Armee auf 250.000 Mann beziffert. Heute weiß man, dass diese Zahl eindeutig zu hoch gegriffen ist und veranschlagt nur noch die Hälfte, als 125.000 Mann, für die Einheiten der 6. Armee, die Teile der 4. Panzerarmee und die verbündeten Truppen. In Gefangenschaft gingen im Januar/Februar 1943 um die 90.000 Mann von denen 5 – 6.000 wieder nach Deutschland zurückkehrten.
  Die sowjetischen Verluste sind noch schwerer zu ermitteln, da hier eine gezielte Verschleierung betrieben wurde. Setzt man die in der Forschung oft genannte Anzahl von 1 Millionen Opfer der Schlacht um Stalingrad an – eine Zahl, die sehr viel Schätzung beinhaltet -, so muss man die sowjetischen Verluste mit über 850.000 Menschen beziffern, wovon gut die Hälfte zivile Opfer seien mögen. Diese Zahl ist jedoch mit noch größerer Vorsicht zu betrachten als die deutschen Verluste.



Warum Stalingrad?:

Stalingrad ist nicht die Wende des 2. Weltkriegs. Diese muss man mit Scheitern des deutschen Operationsplans gegen die Sowjetunion und dem Eintritt der Vereinigten Staaten von Amerika in das letzten Quartal des Jahres 1941 verorten. Stalingrad ist nicht die größte Niederlage der deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg. Als diese gilt der weithin unbekannte Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte an der Ostfront im Sommer 1944, auch wenn die Verlustzahlen hier zuletzt von 500.000 auf 250.000 Mann herunterkorrigiert wurden. Ebenso wenig ist die Schlacht in der Normandie im öffentlichen Bewusstsein präsent, die zumeist auf den Tag der Landung (06. Juni.1944) reduziert wird, jedoch bis in den August tobte und auf deutscher Seite 380.000 – 440.000 und auf Seiten der Alliierten ungefähr 220.000 Opfer forderte – ohne die zivilen französischen Verluste! Nachdem gut drei Monate lang hier die wohl härtesten Kämpfe des 2. Weltkriegs tobten, war buchstäblich kein Stein mehr auf dem anderen geblieben. Alte Städte wie Caen oder Bayeux waren nun solche Trümmerwüsten, wie wir sie eigentlich nur mit einem Namen verbinden: Stalingrad.
  Das dieser Name, einem Trauma gleich, so fest im deutschen Bewusstsein verankert ist, hat seinen Ursprung bereits im Krieg selbst. Auf nichts starrten die "Volksgenossen" derart gebannt – zunächst mit großer Freude ob des vermeintlichen Sieges – wie die Ostfront. Gerade im Bezug auf die Debatte der letzten Jahre über die strategische Lustoffensive der Westalliierten ist es wichtig, den richtigen Schwerpunkt zu setzen. 70% der deutschen Verluste entstanden an der Ostfront. Die Ereignisse an der (damals noch) fernen Ostfront betrafen alle deutschen Familien. Allein in der Zeit vom Juni 1941 bis zum März 1942 betrugen die deutschen Verluste über 1,1 Millionen Mann, mehr als 1/3 der Aufmarschstärke der Wehrmacht für das Unternehmen Barbarossa! Auch wenn die Propaganda die einzelnen Entwicklungen schönen bzw. kaschieren konnte, so konnte sie doch nicht die Heftigkeit der Kämpfe an sich verheimlichen, ließ sich diese doch allein an den Todesanzeigen für die Gefallenen ablesen. So wurde den Menschen recht bald klar, dass der Feldzug im Osten eine ganz andere Dimension hatte als jene in Polen oder Frankreich. Da half es auch nicht, dass den Familien von Gefallenen häufig mitgeteilt wurde, ihr Angehöriger sei durch einen Herz- oder Kopfschuss getötet worden, in der Hoffnung, dass der vorgebliche schnelle Tod die Trauer milderte.
  Es gilt also festzuhalten, dass die Deutschen im 2. Weltkrieg hauptsächlich auf die Ostfront fokussiert waren, ja, es ist nicht zu weit gegriffen, zu behauptet, dass für viele der Krieg im Osten der 2. Weltkrieg war.



Mit dem Scheitern des deutschen Blitzkriegskonzepts im Herbst 1941, d.h. mit der Unfähigkeit der Wehrmacht die Rote Armee in 6-8 Wochen entscheidend zu schlagen, hatte sich das Blatt zu Ungunsten des Deutschen Reichs gewendet. So ist es auch kein Zufall, dass der endgültige Befehl zur systematischen Ermordung der europäischen Juden aus dieser Zeit stammt. All das blieb in seinen Einzelheiten der deutschen Bevölkerung verborgen, auch wenn jeder bemerken musste, dass die Zeit der schnellen Siege vorüber war. Im Sommer 1942 schien sich das Kriegsglück jedoch wieder der deutschen Seite zuzuwenden, sahen die Gewinne im Süden der Ostfront auf der Landkarte doch enorm aus. Hinzu kamen noch die Siege Rommels auf dem - in der Wahrnehmung Hitlers und des OKWs und OKHs - Nebenkriegsschauplatz Nordafrika, die für die deutsche Öffentlichkeit allerdings besonders herausgestellt wurden. Als die Stadt an der Wolga nun in den Fokus der militärischen Planer geriet, folgten ihnen die Propagandisten. Stalingrad war allgegenwärtig. Hitler persönlich legte sich mehrfach öffentlich fest. Am bekanntesten ist seine Rede im Löwenbräukeller vom 8. November 1942, in der er behauptete, die Stadt sei bereits, bis auf wenige Plätze, in deutscher Hand.



An dieser Stelle sei noch einmal kurz auf die Ereignisse in Stalingrad selbst eingegangen werden, wenn auch nur abrisshaft:
-  Die 6. Armee war bereits im September 1942 unterversorgt.
-  Auch das Einfliegen von 5 Sturmpionierbataillonen (deutsche Eliteinfanterie) hatte nicht zur Einnahme der Stadt geführt.
-  Das strategische Ziel – die Sperrung der Wolga für den Schiffverkehr – war längst erreicht, aber dennoch bestand Hitler auf der Einnahme der Stadt selbst.
-  Die verbündeten Armeen – Italiener und Rumänen – waren nach deutscher Einschätzung(sic!) nicht dazu in der Lage, die langen Flanken zu sichern, bzw. einem konzentrierten Stoß der Roten Armee zu widerstehen.



Doch all das spielte keine Rolle. Stalingrad war zu einem Prestigekampf der Diktatoren geworden und die deutsche Propaganda teilte das den "Volksgenossen" auch jeden Tag mit, ganz gleich wie groß die Diskrepanz zwischen der militärischen Wirklichkeit und dem Behaupteten war.
  Als die Niederlage dann eintrat, die nicht zu verheimlichen war, weil man sich deutscherseits so weit aus dem Fenster gelehnt hatte, waren Enttäuschung und Bestürzung riesengroß. Ein enormer Vertrauensverlust der Bevölkerung in die politische Führung war die Folge, den vor allem die grundsätzlich unbeliebte NSdAP zu spüren bekam, während Hitler selbst von der Kritik (noch) ausgenommen wurde („Wenn das der Führer wüsste!“). Hinzu kam noch, dass nicht nur die militärische Führung, sondern auch die Bevölkerung die Rote Armee völlig unterschätzt hatten. Eine solche Operation erfolgreich zu Ende zu führen, hätte man "dem Russen" niemals zugetraut. Dieser Schock saß tief. Wenn die Sowjetunion jetzt in Planung und Ausführung von militärischen Operationen ein ernstzunehmender Gegner war, musste jedem klar sein, dass ein möglicher Sieg am seidenen Faden hing – bestenfalls!



Wenn die Schlacht um Stalingrad auch nicht der tatsächliche Wendepunkt des 2. Weltkriegs ist, so war es doch für die deutsche Bevölkerung der bemerkbare Wendepunkt. Nicht umsonst wurden z.B. die Mitglieder der Weißen Rose durch die Ereignisse an der Wolga aufgerüttelt. Von da an ging es für jeden bemerkbar nur noch bergab. Tod und Leiden schlugen nun auf das Land zurück, dass im September 1939 den Krieg ausgelöst hatte. Stalingrad stand für viele auch am Anfang des persönlichen Erduldens. Bis dahin hatte man in relativer Ruhe gelebt. Nur West- und Norddeutschland waren bereits von heftigen Bombenangriffen getroffen worden.
  Auch der gesellschaftliche Druck erhöhte sich. Die Verkündung des ’totalen Kriegs’ durch Joseph Goebbels (Februar 1943) – eine direkte Folge der Niederlage bei Stalingrad – war nur der erste Schritt. Nicht selten bekamen jetzt auch jenen die Repressalien des repressiven Systems zu spüren, die bisher von ihnen verschont geblieben waren. Infolgedessen fand auch eine Umdeutung der eigenen Rolle in der Zeit von 1933 – 1945 statt, die weit bis in die Nachkriegszeit reichte. Viele Deutsche begannen sich selbst als Opfer zu begreifen, ganz gleich welche Rolle sie im "3. Reich" tatsächlich gespielt hatten. Die Partei und die SS waren es gewesen und Hitler wurde zu einem unwiderstehlichen Ungetüm stilisiert, kein Wort mehr von „wenn das der Führer wüsste“. Aber auch kritische Stimme und ausgesprochene Gegner des nationalsozialistischen Regimes sahen sich bestätigt. Am Anfang dieses Wandels, ganz gleich ob er kollektiv oder individuell, offen und ehrlich, verlogen, selbstkritisch, schönfärberisch oder nur vorgeblich („Unterm Adolf war nicht alles schlecht!“) vollzogen wurde, stand und steht die Schlacht um die Stadt an der Wolga. Stalingrad wurde damit in der öffentlichen Wahrnehmung der Umkehrpunkt des auf 12 Jahre begrenzten 1.000jährigen Reichs, das bis heute mit den Schlagworten „Machtergreifung“, „Kristallnacht“, „Kriegsbeginn“, „Auschwitz“ und „Selbstmord im Bunker“ zusammengefasst wird. Und eben „Stalingrad“.



Literatur:

Die Literatur zum 2. Weltkrieg an sich und insbesondere zur Schlacht von Stalingrad ist nahezu unüberschaubar, angefangen bei bei der zumeist apologetischen Erinnerungsliteratur. Ich möchte darum hier nur drei Titel nennen:

Förster, Jürgen; Zähe Legenden, Stalingrad, 23. August 1942 bis 2. Februar 1943; In: Förster, Stig; Pöhlmann, Markus; Walter, Dierk; Schlachten der Weltgeschichte, Von Salamis bis Sinai; München 2001, ND 2005; 325 - 337
  - kurz und knapp

Piekalkiewicz, Janusz; Stalingrad, Anatomie einer Schlacht; München 1977, ND Etville am Rhein 1989
  - obwohl bereits älter, immer noch eine der besten und exaktesten populärwissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Thema

Boog, Horst; Rahn, Werner; Stumpf, Reinhard; Wegner, Bernd; Die Welt im Krieg, Bd. II, Von El Alamein bis Stalingrad; Stuttgart 1990, ND Frankfurt am Main 1992; 997 - 1212
  - TB-Ausgabe  von "Das Deutsche Reich und der 2. Weltkrieg, Bd. 6"; die unverzichtbare Arbeit des militärhistorischen Forschungsamts zu diesem Thema

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

Verlustzahlen sind (als Faustregel) so zu deuten, dass 1/3 auf Gefallene und Tote und 2/3 auf Verwundete und Vermisste entfallen.
Stavka: Sowjetisches Oberkommando
OKH: Oberkommando des Heeres
OKW: Oberkommando der Wehrmacht


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von chichi† (80) (05.04.2013)
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 05.04.2013:
Bei Menschen deiner Generation ist das damalige Geschehen an der Wolga sicherlich noch sehr viel präsenter, aber auch die meisten Jüngeren kennen ja 'Stalingrad', was immer sie damit auch verbinden.

Ich hoffe nur, du denkst nicht, der Text sei zu kühl. Natürlich ist er sachlich gehalten, weil es ja auch mehr um die Bedeutung geht. Um das Grauen dieser Zeit festzuhalten, reichen 1.900 Worte sicherlich nicht aus und weil es eben auch ein kurzer Text werden sollte, habe ich es gleich ganz gelassen.
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loslosch
Kommentar von loslosch (05.04.2013)
die goebbels-rede würde ich datieren (febr. 43). ich vermisse den hinweis, dass stalingrad auch von der sowjetischen propaganda benutzt wurde. dann vermute ich, dass der name (STALIN-grad) im kopf des gröfaz eine große rolle spielte. lo
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ViktorVanHynthersin antwortete darauf am 05.04.2013:
Hitlers Rede über die angebliche Einnahme von Stalingrad, 8.11.1942

„Ich wollte zur Wolga kommen, und zwar an einer bestimmten Stelle, an einer bestimmten Stadt. Zufälligerweise trägt sie den Namen von Stalin selber. Aber denken Sie nur nicht, dass ich aus diesem Grund dorthin marschiert bin – sie könnte auch ganz anders heißen -, sondern weil dort ein ganz wichtiger Punkt ist. Dort schneidet man nämlich 30 Millionen Tonnen Verkehr ab, darunter fast 9 Millionen Tonnen Ölverkehr. Dort floss der ganze Weizen aus diesen gewaltigen Gebieten der Ukraine, des Kubangebietes zusammen, um nach Norden transportiert zu werden. Dort ist das Manganerz befördert worden; dort war ein gigantischer Umschlagplatz. Den wollte ich nehmen und – wissen Sie – wir sind bescheiden, wir haben ihn nämlich! Es sind nur noch ein paar ganz kleine Plätzchen da. Nun sagen die anderen: ‚Warum kämpfen sie denn nicht schneller?’ – Weil ich dort kein zweites Verdun haben will.“

Quelle: Michalka,W.(Hrsg.): Das Dritte Reich. Bd.2. dtv-dokumente. München 1985, S.78
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loslosch schrieb daraufhin am 05.04.2013:
die rede im löwenbräu-keller? steht schon im text. ja, die quelle sollte man ergänzen.
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 05.04.2013:
@ losloch: Danke für den Vorschlag mit der Goebbles-Rede. Werde ich gleich ändern.

Natürlich wurde Stalingrad auch von der sowjetischen Seite propagandistisch ausgeschlachtet. Davon abgesehen ist die Entscheidung der STAWKA (sow. Oberkommando), das westliche Wolgaufer zu halten operativ höchst fragwürdig. Denn die deutschen Linien waren schon längst überdehnt. Hätte man den Rückzug fortgesetzt, hätte man die deutschen Truppen nur noch 'einsammeln' müssen.
Aber das gehört zu Geschichte der Schlacht um Stalingrad. Ich wollte ja eher eine kurze Einordnung der Bedeutung der Kämpfe für die Zeit danach abliefern. Meiner Meinung ist Stalingrad sogar vergleichbar mit dem amerikanischen 'Vietnamtrauma'.

@ ViktorVanHynthersin: Danke das du diesen Auszug eingestellt hast, viele werden die Worte sicherlich schon einmal gehört haben. Gerade mit unserem heutigen Wissen wird die Hybris sehr deutlich.
Ich habe darauf verzichtet, weil der Text ja kurz und knapp werden sollte. Es freut mich aber, wenn die Diskussion (auch) so läuft.
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ViktorVanHynthersin
Kommentar von ViktorVanHynthersin (05.04.2013)
Die "Erfolge" der Deutschen im "Blitzkrieg" gegen Russland muss man relativieren. Stalin hatte in div. Säuberungsaktionen im Vorfeld seine militärischen Führungskräfte ausgedünnt. Ermordet oder in den Gulag verbannt wurden u.a. 3 von 5 Marschällen, 13 von 15 Armeekommandanten, 8 von 9 Flottenadmiräle, 50 von 57 Korpskommandanten, 154 von 186 Divisionskommandaten, etc. etc. Nachdem Stalin die Verluste erkannte und seine Stadt Stalingrad an die Deutschen zu fallen schien, ernannte er neue Führungskräfte, die die Wende des Kriegsverlaufs herbei führten. (Quelle: Martin Amis "Koba der Schreckliche", Hanser Verlag 2002)
Herzliche Grüße
Viktor
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loslosch ergänzte dazu am 05.04.2013:
im vorfeld der aktion barbarossa soll stalin abgehörtes seiner geheimdienste, dass hitler einen überfall plane, ignoriert haben. er glaubte da noch an die ehrlichkeit hitlers.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 05.04.2013:
@ViktorVanHynthersin: Wichtige Anmerkung, allerdings eher für das Jahr 1941. Der Satz "Nachdem Stalin die Verluste erkannte und seine Stadt Stalingrad an die Deutschen zu fallen schien(...)" verkürzt die Sache zu sehr.

@losloch: Das Stalin nicht an der Angriff glaubte, bleibt eines der Rätsel des WK II, auch wenn man es natürlich teilweise aufschlüsseln kann. Kurz: Stalin war zu sehr 'Machtpolitiker' und zu wenig 'Ideologe', dass er sich nicht vorstellen konnte, dass Hitler, den er ebenfalls für einen 'Machtpolitiker' hielt, so etwas wagen würde. Er verkannte dabei völlig, dass Hitler in erster Linie 'Ideologe' war. Der größte Nationalsozialist, der größte Antisemit (mit einem exterminatorischem Judenhass) im 3. Reich war Adolf Hitler!

Aber auch hierfür gilt: Eher für das Jahr 1941 von Interesse, weniger für die Bedeutung von Stalingrad für die Zeit nach der Schlacht.
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (05.04.2013)
Ein brillanter Essay, klar strukturiert, fesselnd geschrieben und an den Fakten orientiert.
Ich habe viel zu wenig militärgeschichtliches Wissen, um zu beurteilen, ob die Details stimmen, aber ich kann feststellen, dass der Autor über genügend Fachwissen verfügt, das ihm ermöglicht, die Übersicht zu behalten und die Bedeutung seines Themas im Rahmen bedeutender Schlachten des 2. Weltkriegs differenzierend angemessen einzuschätzen.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 05.04.2013:
Das dir Stil und Aufbau gefallen, ist ein großes Lob für mich, gerade weil du je selbst sagst, dass das nicht dein Fachgebiet ist. Jemanden für ein Thema zu interessieren, der sich eigentlich nicht dafür interessiert, ist ja gar nicht so leicht und wenn es gelungen ist, fühle ich mir auf die Schulter geklopft. Danke.

T.B.
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Arvin
Kommentar von Arvin (05.04.2013)
Sehr gutes Essay! Ich sehe das Ganze als eine Art Trauma und denke das man heute noch was davon spüren kann. Der "Geist" ist noch nicht verschwunden.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 05.04.2013:
Eben. Das ist auch meine Sicht der Dinge und darum ist es von Zeit zu Zeit auch nötig, diese anzusprechen.
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HerrSonnenschein
Kommentar von HerrSonnenschein (06.04.2013)
Vielen Dank für diese gelungene Zusammenfassung! Habe ich mit großem Interesse gelesen und bin etwas klüger geworden. Und wer bei diesem Text gruselig und profan anklickt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen....Liebe Grüße vom Sonnenschein
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 07.04.2013:
Grüße zurück und genau das sollte es sein: eine Zusammenfassung.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 27.04.2013:
Es ist ein Zeichen für die Ignoranz und Selbstverliebtheit dieser Zeit, die so lange keinen Krieg gesehen hat, dass selbsternannten Lyrikern die Beschäftigung mit dem Krieg profan vorkommt. Aber es ist eben kein Zufall, dass 1914 gerade Dichter mit großem Elan und Begeisterung in den I. Weltkrieg gezogen sind, um dann erschüttert zu werden. Wie dumm müssen diese Poeten wohl gewesen sein?
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Veröffentlicht am 05.04.2013, 12 mal überarbeitet (letzte Änderung am 20.03.2018). Dieser Text wurde bereits 1.700 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 12.12.2018.
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