Reizüberflutung

Glosse zum Thema Medien

von  loslosch

Facile inventis aliquid additur (ohne Quelle; vermutlich ein geflügeltes Wort der Antike). Leicht wird Erfundenem etwas hinzugefügt. Oder: Leicht ist es, Erfundenes zu mehren. Frei, sehr frei: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Von daher mag sich der große Leserzustrom zu Fantasy-Geschichten erklären. Ausschlaggebend hierfür dürfte jedoch die immense Fernsehbilderflut der Moderne sein. Sie hat sich längst wie schleichendes Gift in die Köpfe hineingezwirbelt. Notgedrungen zu toppen versuchen das, gezielt und gesteigert, surreale Storys und Fantasy-Romane. Obwohl es kein Grundübel sein muss: Das Aufsaugen von Wörtern an sich, ausgenommen Gebrauchsanleitungen, Reklametexte und Ähnliches, fördert und beflügelt eo ipso die Fantasie; denn das Lesen zwischen den Zeilen ("intellegere" präpariert bekanntlich den Intellekt) ist ein je individuelles, eigentümliches Erleben. Es sei denn, das Talent, eigene Fantasiebilder zu erzeugen, in Gang zu setzen und zu halten, ist durch die bebilderte Medienflut bereits ruiniert. Soll schon vorgekommen sein.

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Kommentare zu diesem Text


 TrekanBelluvitsh (11.07.13)
Kleine Anmerkung zur Fantasy: Welchem Genre würde man heute wohl die "Odysse" zurechnen?
Ja, es irrt der Mensch, solange er stolz auf die Klassiker ist, die er kennt...

 loslosch meinte dazu am 11.07.13:
ein fantasy-schreiber wehrt sich. ich schrieb: obwohl es kein grundübel sein muss ... vermutlich wurden ilias und odyssee mehr erzählt als gelesen. eine art fantastische bibel.
Graeculus (69) antwortete darauf am 15.07.13:
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 loslosch schrieb daraufhin am 15.07.13:
ja, ich denke schon. selbst grimms märchen haben im volksmund unterschiedliche varianten.

kennst du dieses prinzip schon:

 sprachenwirrwarr.
Graeculus (69)
(21.02.15)
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 loslosch äußerte darauf am 21.02.15:
so spricht man von einem lügengeflecht.
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