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Traduisée l'Alizée

Novelle


von Zwibelrohr

Vanessa war da. Es gab Schweinekotelett mit Salzkartoffeln und gedünstetem Blumenkohl.
Vanessa freute sich, etwas selbstgemachtes zu Essen zu bekommen. Der Blumenkohl war noch bissfest. "Schweinefilet ist für die Kinder" mampfte Vanessa, "Kotelett, mit dem ganzen Fett, den Sehnen und dem Knochen für die Männer" (Mit Männer meinte Vanessa gerade sich selbst), "eh Erwachsenen." "Das ist auch eine Form, der Gleichberechtigung, einfach alle Menschen wie Männer zu behandeln" sagte ich. "Ja" sagte Vanessa angeregt, "außer im Operationssaal vielleicht." "Ja" sagte ich.
(Bei der Wehrpflicht aber!).

"Ich habe mal einen französischen Popsong übersetzt" erzählte ich, ""C'est pas l'histoire d'un jour, qui rime avec amour" - "Das ist nicht die Geschichte eines Tages, der sich (der Tag, un jour) auf Liebe reimt." Das war psychopathologisch interessant gewesen. Geträllert von einem gecasteten jungen Ding."
"Das Lied" fuhr ich fort: "Man sei alt mit zwanzig ("on est vieux a vingt ans"). Sie hätte einen innerlichen Kompromiss gefunden (nur einen Kompromiss). Sie hätte Zeit. Dass man sich doch nicht das ganze Leben damit beschäftigen müsse."
"Ich fand, das Lied drehte sich um frühe suboptimale sexuelle Erfahrungen junger Dinger (euphemistisch ausgedrückt)." - ohne hier strafrechtlich-terminologisch präzisieren zu wollen, das ist nicht meine Rolle -.
"Junge Dinger, die ihr Leben an den allerschlimmsten Stunden darin aufhängen, aufhängen müssen: Als Faktum schwer zu ertragen" sagte ich.
"Das können viele schlecht ertragen" sagte Vanessa.
"Man soll sein Leben nicht den allerschlimmsten Stunden darin aufhängen, ein bisschen daran reifen genügt vollkommen, meint das Lied" meinte ich.
"Sie sollen es nicht; sie hätten was besseres verdient" sagte Vanessa.

"Mehr Wein" sagte Vanessa angestrengt. Vanessa bekam mehr Wein. Kühlschrankkühlen, weil es so heiß war, billigen, weil teurer nicht in den Kühlschrank gehört, Rotwein.

"Sie sollten ExistentialistInnen werden, die jungen Dinger", sagte ich, "der Existentialismus passt sehr gut zur adoleszenten Sexualtraumatisierung und deren Nebeneffekten."
"Sich schwarze Sachen anziehen und tendenziell depressiv, beleidigt und dialektisch dagegen sein - so wie Sartre" sagte ich.
"Die Franzosen verstehen da seit geraumer Zeit sowieso mehr davon" sagte Vanessa.
"Der Existenzialismus hat seine eigene Spielart der Psychoanalyse."
"Realitätsprinzip. Freudianische Menschenskepsis reflektieren" fand ich, "Das Testosteron!".
"Erst "Das Sein und das Nichts" lesen, und dann wieder diese autoaggressive  affektive Störung an den Tag legen" meinte ich.
"Was ist das "Sein und das Nichts"?" fragte Vanessa.
"Dick" sagte ich, "existentialistisch."

Daß diese Novelle auf ungeübte Leser völlig anders wirkte, wenn Sie statt "Traduisée l'Alizee" ""Das Sein und das Nichts"" hieße.

Außerdem einmal aus dem Französischen übersetzt, wollte ich erzählen, habe einmal einen kleinen Teil von "Heidegger oder die Einführung des Nazismus' in die Philosophie", ein philosophisches Standardwerk eines französischen Universitätsprofessors (Faye) gegen Heidegger aus dem Jahr 2005. Ziemlich leidenschaftlich  Partei ergreifend, emphatisch habe ich meine Texte von damals in Erinnerung, die tiefe und tiefempfundene Abneigung des Professors gegen Heidegger nach- und neuempfunden, "Halunke", beispielsweise, Texte die ich nach wie vor mag.
Die französische Heidegger-Terminologie, wollte ich erzählen, ist im Vergleich zum deutschen Original viel zu human und schöngeistig. Bei der französischen Adorno-Terminologie wiederum ist es glaube ich umgekehrt: Diese ist viel zu inhuman und strukturalisiert, entemotionalisiert. Eine Art Studentenulk von damals, aus den Siebzigern, möchte ich behaupten, der weiterhin die Lektüre im Original erfordert.
Heutzutage sind die StudentInnen nicht mehr gut genug dafür, gucken MTV und GZSZ und gehen in Date Movies, da muss man es mal sagen.

Vanessa bekam mehr Wein. Kühlschrankkühlen, weil es so heiß war, billigen, weil teurer nicht in den Kühlschrank gehört, Rotwein.

"Einen Abend vor einiger Zeit" erzählte ich Vanessa, habe ich mich damit amüsiert, sogar sehr viel gelacht dabei, das Lied "Ich hab geträumt von Dir" vom Deutschrocker Matthias Reim in Endlosschleife laufen zu lassen, und mir vorzustellen, das hätte ein satirische aufgelegter Psychoanalytiker geschrieben:
"Ich hab geträumt von dir/ und wieder durchgemacht/ jetzt rebelliert mein Magen,/ denn ich muss dir was sagen/ und ich hab Angst, dass du lachst./ Ich hab geträumt von dir/ jetzt bin ich aufgewacht/ und trau mich nicht zu fragen,/ denn du könntest ja sagen/ dass dir das total nicht passt."
Besonders bei der Zeile Sieben, "jetzt bin ich aufgewacht", habe ich mich jedesmal totgelacht." sagte ich.
(Matthias Reim, Reim, LP, 1990).
Vanessa sah mich mitleidig an.

Wir tranken noch mehr kalten Rotwein.

"Ich glaube solche Schlagersänger" und Schlagersängerinnen "sind meistens aberwitzig dumm. Ursprünglich ganz einfache, ungebildete Leute. Sonst würde das ein Mensch zu den Konditionen doch gar nicht machen."
"Ja" sagte Vanessa.
Ich glaube solche SchlagersängerInnen sind meistens aberwitzig dumm. Ursprünglich ganz einfache, ungebildete Leute. Sonst würde das ein Mensch zu den Konditionen doch gar nicht machen.

"Immerhin hat Reims Texter das weibliche Gegenüber und seine Bedürfnisse reflektiert" schwadronierte ich weiter, "im Gegensatz zu den Erfolgspunks von "den Ärzten": "Mach die Augen fu und küff mich" parodierte ich die Ärzte, "und dann fag daff Du mich lihiebst" wieherte ich. Vanessa lachte.

(Krebs als Form der Ich-Schwäche) Dass die Psychotherapie lieb und stärkend sei zu den KrebspatientInnen bei ihr, dass diese noch einmal ein bißchen Mut fassen und die paar Monate oder Jahre ihres armen Rest-Lebens etwas besser ausleben. Ob man genauso lieb zu den hier so genannten jungen Dingern? Oder aber dass die hier so genannten jungen Dingern sich so viel erarbeiten müssten - Psychoanalyse war schon immer Arbeit, nicht Heilung gewesen glaube ich -, dass sie verständig genug werden, so lieb sein zu können, wie so eine Krebs-Psychotherapie erfordert? (verständig, erwachsen, dialektisch).
Vanessa sah mich angestrengt an.

Es war spät geworden. Es war anstrengend geworden. "Danke für die Geschichten" sagte Vanessa, "und das Essen" und verabschiedete sich herzlich; und ging dann auch wieder.

Anmerkung von Zwibelrohr:

Vanessa-5

edit 201408: RS


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