Kleine Apologie des OK - Kritik einer Kritik von Henscheid

Kritik zum Thema Sprache/ Sprachen

von  toltec-head

Henscheid regt sich in seiner kürzlich erschienenen Autobiographie über den Siegeszug des von ihm als störrisch omnipräsent-multifunktionalen empfundenen ›okay‹ auf. Ja, er versteigt sich so weit, die  »Okeehaftigkeit des Menschengeschlechts insgesamt« zu beklagen, bei der »die Frauen knapp vorndran« marschierten. Das »Teufelsdreckswort« sei, so Henscheid, »ein Passepartout für alles und jedes« geworden, es bedeute nicht einfach nur »geht in Ordnung«, »sowieso«, »genau« und »prima«, sondern auch »aha«, »rede weiter«, »gut so«, »mach schneller« oder eben »okäh«. Er will beobachtet haben, dass es  »bei schnellquakenden Frauen«  sogar bis zu »elfmal« pro Minute vorkomme.

Jeder grenzt auf seine Weise aus. Während der späte Heidegger sich darum bemühte, Fremdwörter zu tilgen, sprach Adorno, der sie übermäßig gern verwandte, von ihnen als den Juden der Sprache. Jedoch: der Seins-Irre aus dem Schwarzwald und die Vertreter der alten wie neuen Frankfurter Tiefebenen Schule - in einem Punkt stimmen sie überein: Amis der Sprache gehen gar nicht.

Als wenn das Nina Ruge´sche Alles wird gut besser wäre. Oder Grüß Gott besser als Hi. In ihrer Tendenz zum All- oder Unsinn sind die Amis der Sprache in Wahrheit sowohl dem Frankfurter Altweiberklageton als auch dem Burgherrenton aus Todtnauberg haushoch überlegen. Was sie gegenüber Ruge als auch Heidegger und Adorno rettet, ist ihre anti-messianische Kraft des einfach im leeren Sinn Verweilens. Aus diesem Grund ist es auch äußerst wünschenswert, dass das transzendental-meditative Ami-Wörtchen Fuck endlich die deutsch-mittelalterliche, mehrsilbig-mit Schwere beladene Reduktion auf ewig-erdhaftes ersetzt, wie sie leider im Werk von Henscheid nur allzu oft vorkommt.

Nina Ruge, wie sie Alles wird gut sagt, ist schrecklich. OK. Sagte sie stattdessen okay, wäre es, wenn man nur auf Nina Ruge dabei achtete, nicht weniger schrecklich. Noch einmal: OK. Konzentrierte man sich aber weniger auf Nina Ruge, sondern allein, wenn sie es sagt, auf das Wörtchen okay, konzentrierte man sich auf dieses Wörtchen bis dessen Unsinn klar zum Vorschrein tritt - dann hätte man ein Loch gefunden, in dem man, hielte man sie nur lange genug hinein, Nina Ruge zum Verschwinden bringen könnte. Alles wird gut? OK? OK.

Fuck!

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Kommentare zu diesem Text


 Lluviagata (20.10.13)
Toller Beitrag. Und sehr wissenswert.

Liebe Grüße
Llu ♥

 Dieter_Rotmund (20.10.13)
Eigentlich ein schöner Kolummentext!

 toltec-head meinte dazu am 20.10.13:
Das Problem mit den Kolumnen ist, dass ich zum Beispiel sie nie sehe, weil ich nicht den Einstieg über die Eingangsseite sondern über neue Texte nehmen.
JakobJanus (35)
(20.10.13)
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 toltec-head antwortete darauf am 20.10.13:
Genial. Hab´s eingebaut.
Manon.Moony (38)
(20.10.13)
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 EkkehartMittelberg (20.10.13)
Okay. Don't worry, be happy.
LG
Ekki
parkfüralteprofs (57)
(31.10.13)
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Menschenkind (29) schrieb daraufhin am 31.10.13:
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parkfüralteprofs (57) äußerte darauf am 31.10.13:
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