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Gibt es eine Narbe die mich weniger liebenswert macht?

Erzählung zum Thema Abhängigkeit


von SunnySchwanbeck

...



Halb lachend schließe ich das Chatfenster und schüttel kaum merklich den Kopf. Ist das sein verdammter ernst? "Wenn du irgendwie kannst, dann ruf an. Ich möchte mich bei dir entschuldigen." Aufgebracht stürme ich durch die Hügellandschaft aus Klamotten, die in meinem Zimmer wütet, raus auf den Balkon. Der Wind der durch meine (mittlerweile eher grünen als blauen) Haare weht, scheint mich wirklich abzukühlen. Vielleicht ist es aber auch die dritte Zigarette, ich bin mir nicht ganz sicher. Die dunkle Jahreszeit hat begonnen und vor meinem Haus wurde eine neue Laterne angebracht, jetzt muss ich mich nicht mehr alle zwei Meter umdrehen, wenn ich Freitagnacht von der Bahn nach Hause gehe und befürchte, hinter jeden Ecke deinen verstrubbelten Haarschopf zu erkennen. Ich schlinge meine weißen Arme schützend um meine Taille, seit meine Jacke urplötzlich in der Altstadt verschwand (zusammen mit meinem Handy, Ipod und meinem Schlüsselbund.) ist es viel zu kalt um draußen zu stehen und zu rauchen, vielleicht sollte ich es ohnehin langsam aufgeben, aber was täte ich dann mit meinen Händen wenn ich zitternd am Gleis stehe und hoffe dir nicht plötzlich über den Weg zu laufen? Reden wir darüber nach Silvester. Gute Vorsätze. Ja. Genau.

Ich hol mir ein Bier aus dem Kühlschrank und gehe zurück in mein Zimmer, werfe mich polternd auf mein Bett, schalte die bunte Lichterkette an die über meinem Bett befestigt ist und starre an die Decke. "Ich möchte mich bei dir entschuldigen." Du hättest mich erst dann verlassen sollen, als ich so weit war. In meinem Kopf drehen sich Vermutungen und Theorien, darüber, wie es dir wohl gehen mag, wie Tänzer in einem zugemüllten und verwüsteten Tanzsaal. Wie soll es dir schon gehen, hm? Ich hab alles zerstört was bedeutung hatte, nur ging ich dabei selbst verloren. (Ich hoffe du findest mich nicht, ich wüsste nicht was ich sagen sollte, nachdem wir keuchend in deinem Bett liegen.) Wie von selbst greift meine Hand zum Telefon, hält mitten in der Bewegung inne, als würde sie mich fragen: "Stop. Was zum Teufel tust du da?" doch ich atme nur tief ein und wähle mit geschlossenen Augen eine Nummer, die ich wohl nie in meinem Leben vergessen werde.

"Hallo?"
"Hi."
"Uhm, Hi?"
"Du sagtest, ich solle anrufen."
"Was, oh. Oh."
"..."
"Ich hätte nicht gedacht, dass du wirklich anrufst."
"Ich auch nicht."

Die Gewissheit dass du meine Stimme vergessen hast trifft mich unerwartet und kalt, doch ich weiß, dass jede Faser deines Körper versucht hat mich, und alles was mit mir zutun hatte, zu vergessen.
Es folgt das alte Spiel, man erzählt sich was die letzten Monate passiert ist. Man versucht seine Theorien bestätigt zu kriegen und ab und zu lacht man sogar. Um der alten Zeiten willen, hm? Diese Zeit hat nie aufgehört.

"Und, bist du noch mit ihr zusammen?"
"Nein, nein."
"Hm."
"Ich hab sie geliebt, aber ich konnte mich nie in sie verlieben."
"Das verstehe ich nicht."
"Echtes verlieben und lieben, sowas passiert nur ein Mal im Leben."

Beim letzten Wort bricht deine Stimme, und keines meiner Worte hätte sie wieder zusammen setzen können. Nun ist es an mir etwas zu sagen, etwas aufbauendes, etwas das Hoffnung gibt, oder zumindest Vertrauen oder irgendwas dass dir zeigt, dass ich mich noch an früher erinnern kann.

"Hm, ja. Ich weiß."
"Weißt du, mit ihr hat es einfach funktioniert. Es hat geklappt. Alltag. Routine. Es war ein Leben."
"Ja, ich weiß was du meinst. Es war normal. Etwas, dass konstant ist im Leben."

Eine kleine Stimme in meinem Kopf ergänzt noch still und leise: "Etwas, das wir nie hatten."
Ich muss schlucken. Du merkst, dass ich grüble und wechselst schnell das Thema.

"Wie war dein Leben ohne mich, hm?"
Wir lachen ein bisschen, es klingt so unglaublich daher geschwafelt, dass ich rosa Einhörner kotzen könnte.
"365 Tage lang, hab ich geatmet."

Ich erzähle von meinem Abschluss, von dem unglaublichen Kleid das ich trug, und den grausam hohen Schuhen. Von Lesungen und betrunkenen Männern die mir sagten, wie schön meine Augen sind.
Zwischendurch rutscht mir das ein oder andere Wort raus, das einen glücklichen Moment umreißt und ich fühle mich schuldig, wenn ich an all deine Narben denke. Du ärgerst mich ein bisschen, und ich versuche mich daran zu erinnern, wann wir das letzte Mal so gelacht haben. So ehrlich. Ohne die Angst dass jeden Moment alles wieder einstürzen könnte.

"Bist du kein Planet mehr?"
"Doch, ich bin der Mond."
"Hör auf damit."
"Es ist so."
"Du bist dumm."
"Vielleicht."

Du stockst kurz und ich überlege worüber ich als nächstes reden könnte, um das Thema von meinem äußeren vielleicht auf mein inneres zu lenken.

"Jeder der dir nicht das Gefühl gibt, attraktiv zu sein, ist dumm."

Ich muss Lächeln. Wir scherzen und ich sage irgendwas in Richtung, ha, das war ja fast schon süß, während du müde lachst und sowas sagst wie, ja, das war auch fast ein bisschen ernst gemeint.
Mein Handy vibriert, SMS, Menschen die meinen sie könnten noch mitreden in meinem Leben, fragen mich, ob ich am Wochenende Trinken gehe. Ich drücke auf "Schließen" und mein Blick fällt auf die Uhr.

"Ich kann nicht fassen, dass es schon drei Stunden sind."
"Ich kann nicht fassen, dass es schon drei Jahre sind."



...

Anmerkung von SunnySchwanbeck:

Dezember 2012.


SunnySchwanbeck
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Veröffentlicht am 16.12.2013, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 16.12.2013). Dieser Text wurde bereits 761 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 16.11.2018.
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