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Inhaltsverzeichnis2. Selbst und Nichtselbst

1. Heribert und D.J.

Beschreibung zum Thema Religion


von LotharAtzert

Bedingt durch ihre harte Kindheit, war meine Exfrau auf eine bestimmte Art Literatur fixiert, die mit ihrem Krankheitsbild zusammen hing. Hierbei handelte es sich um das, was die moderne Psychologie multiple Persönlichkeits- oder "dissoziative Identitätsstörung" nennt.
In der Kurzform bedeutet das in etwa, dass der oder die Betroffene sich in mehrere klar abgegrenzte Persönlichkeiten aufspaltet, deren jeweils eine immer zur Oberfläche der Bewußtheit kommt, während andere im Unterbewußtsein bleiben, bis sie ihrerseits - durch was auch immer an Notwendigkeit - den Jeweiligen ablösen. So entsteht der Eindruck von Vielen, die sich gemeinsam vor ihren Peinigern schützen.
Hervorgerufen wird diese Krankheit allem Anschein nach durch extreme Mißhandlung sexueller oder seelischer Natur eines Kindes, wodurch es Persönlichkeiten erschafft, welche je nach Situation, abwechselnd die Kontrolle übernehmen können.
Als ihr liebender Ex-Ehemann las ich natürlich auch diese Bücher, zumindest teilweise, um zu verstehen, um was es dabei ging bzw. ob und welche Heilungsmöglichkeiten es gegebenenfalls geben würde.

Das Schicksal wollte es anders, denn sie verließ mich eines Tages - auf Anraten ihrer Psychologin - und ich zog mich ob des Schockes zurück von der Welt, anfangs in einen Wohnwagen im Wald, später, bedingt durch einen Schuldenberg, ging ich wieder arbeiten, bezog eine Wohnung, hielt mich aber weiterhin aus allen weltlichen Angelegenheiten fern. Schließlich hatte ich das Liebste verloren und wollte keinen Ersatz, oder gar Ablenkung.

Da saß ich nun also oft und, nicht nur aus Gewohnheit, sondern fast schon aus einem Jagdtrieb heraus, dachte über die multiple Persönlichkeitsstörung nach, hörte in mich hinein und mir war, als würde auch ich im Inneren einige dieser Wesenszüge tragen. Jedenfalls entdeckte ich den Kommentator aller Dinge, der ewig am wiederkäuenden Denken, ewig am Kommentieren ist, der keine Minute Ruhe gibt bzw. jede Kleinigkeit zum Anlass nimmt, eine Reportage auszuarbeiten.
Und wenn ich sage "ich beobachtete ihn", so ist das eigentlich schon falsch, denn ER beobachtete und kommentierte. Ich selbst hätte ja gegen einige Ruhepausen nichts einzuwenden gehabt, aber solange der Schlaf nicht sein mildes Deckchen darüber warf, war er ununterbrochen am kommentiere.

Eines Tages gab ich ihm den Namen Heribert, in Anlehnung eines bekannten Fußballkommentators - er möge mir verzeihen. Es ist ja auch nicht so, daß es immer lästig ist, sondern es ist nur das pausenlose Gequassel, das zudem viel Energie verbraucht, die dann für wirklich bedeutsame Taten nicht mehr zur Verfügung steht.
Sobald ich aufwachte, begann auch Heriberts Tagwerk. Selbst heute noch und selbst zu seinem Namen fällt ihm oder mir ein, daß morgen Brussia Dortmund gegen Arsenal London spielt und wir noch Bier kaufen müssen, Staubsauben müssen. Und dies und jenes und blah blah blah ...

Mag sein, daß das bei allen Menschen ähnlich ist, aber das alltägliche Leben lenkt die Menge genügend ab - mit äußeren Kommentatoren - um ihren inneren niemals wahrnehmen zu müssen. Und insofern bin ich meinem Schicksal dankbar, daß mir dieses äußere Ablenken nicht in vollem Umfang glückte.

Irgendwann fing ich an, mich für die Pausen zwischen den Gedanken zu interessieren, denn der Instinkt sagte, daß diese Pausen einen Inselcharakter im Meer der Geschwätzigkeit darstellten und wenn es gelänge, die Pausen zu verlängern ... aber das sind schon wieder Heriberts ausufernde Kalkül-Kommentare. Insbesondere zu Worten wie Lückenbüßer oder Ablenkung fielen ihm bücherfüllende Sätze ein, die ich auch tätsächlich aufschrieb, die jedoch bei den meisten Lesern auf Abneigung stoßen, was nur allzu natürlich ist.

Als ich aber dann mit dem begann, was die Etablierten "Meditation" nennen - schweigendes Sitzen, schauen auf Kommen und Gehen der Gedanken - war Heribert richtig verärgert - er schwieg bis zu fünf Sekunden und ... schickte dann einen anderen aus dem Unterbewußten hoch, den ich all die Jahre nie bemerkt hatte: als hätte ich ein Radio angemacht, spielte ganz leise im Hintergrund "We are the Champions" und da erst meinte Heribert, man müsse unbedingt über Kevin Großkreuz ein paar Worte verlieren, das könne man, fügte er gönnerhaft hinzu, ja auch anschließend machen ...

Anschließend ... ein schlauer Trixer, er ... wir ... ich!
Uralte Gewohnheiten sind es, die uns beherrschen und die meisten glauben nur, Herr ihrer Sinne zu sein. Einmal entdeckt, entdeckt man sie überall: ich konnte nicht einmal mehr scheißen, ohne daß jener, den ich der Kürze halber "D.J." nannte, eine Melodie dazu einspielte, die auf irgendeine Weise gerade assoziabel wurde - wobei Qualität keine Rolle zu spielen schien, Hauptsache die Stille im Gemüt wird erfolgreich überbrückt.
Bei nahezu jeder Tätigkeit wirken sie mit - nicht nur, daß Heribert und D. J. sich ablösen, sondern manchmal agieren beide gleichzeitig. Als eine hübsche blonde Frau einmal an mir vorbei ging, legte D.J. augenblicklich Gwen Stefani auf den inneren Plattenteller - Don't speak - "You and me together ... " - ich höre gerade 'Abbruch wegen Unbespielbarkeit des Platzes' ..." ergänzte Heribert ... und ich staunte, staunte, staunte ...

.


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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von BabetteDalüge (67) (22.12.2013)
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LotharAtzert meinte dazu am 22.12.2013:
Danke für Deinen Kommentar, Babette.
Wenn Du von der inneren Stimme sprichst, so reden wir von zwei verschiedenen Dingen. Deshalb sprach ich eigentlich von Heribert. Das ist eher blindes Reflektieren, ein Widerkäuen des bereits Geschehenen, fast ohne Unterbrechung, die sogenannten Gewohnheitsmuster - auch D.J. spielt nur Bekanntes ab.

Wenn die Stille es zuläßt, tauchen immer ursprünglichere Gestalten aus dem Meer des Unbewußten (-ich sprach zunächst nur von Unterbewußtsein und Bewußtheit - 1. u. 2. Quadrant) - und dann erst spricht sie rein - aber dann ist sie auch nicht mehr von uns getrennt.
Du nimmst es vorweg.
Daß man erst in einer fernen Zukunft beabsichtigt, still zu werden, halte ich für falsch. Allein schon deshalb, weil wir nicht wissen, ob wir den nächsten Tag noch erleben.

Gruß zurück
Lothar
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BabetteDalüge (67) antwortete darauf am 23.12.2013:
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LotharAtzert schrieb daraufhin am 23.12.2013:
Stille als Vorstellung ist ja keine Stille. So wenig wie eine vorgestellte Speise satt macht.
Mir ging es um das Bewußtmachen des inneren Monologs, nicht um den Dialog mit der inneren Stimme.
Du bist noch immer bei anderem, von mir (noch) nicht Geschriebenem.
Wenn Du hinter jeder vorsätzlichen Betrachtung bereits Zwang vermutest, so ist das doch subjektiv. Eine gewisse Disziplin ist gegenüber den Monologen unbedingt nötig.
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BabetteDalüge (67) äußerte darauf am 26.12.2013:
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Dies ist ein Teil des mehrteiligen Textes Aufbruch zur Juweleninsel.
Veröffentlicht am 20.12.2013. Textlänge: 770 Wörter; dieser Text wurde bereits 833 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 23.10.2019.
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