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Unterrichtsstunde für die 6. Jahrgangsstufe - Sklaverei im antiken Rom: Sachanalyse

Beschreibung zum Thema Historisches


von Matthias_B

1. Sachanalyse: Sklaverei im antiken Rom

Die verwendete fachwissenschaftliche Literatur wird mittels der (bei kV leider nicht wie üblich realisierbaren) Indizes hinter dem jeweiligem Oberkapitel angegeben, wobei jene bei der Erstnennung vollumfänglich angeführt wird. Des Weiteren wird die übliche Zitierung erweitert, indem - um in marginalen Fällen eventuelle Missverständnisse bei Namensgleichheit mit anderen Geschichtsschreibern, Philosophen oder Juristen zu vermeiden - der jeweilige Name des antiken Autoren vollständig angegeben wird, und das Werk, aus welchem der Nachweis entnommen wurde, mit vollem Titel genannt wird.

1.1 Rechtliche Stellung der Sklaven und Sklavinnen

"Rome [became] a slave society", nachdem die Schuldknechtschaft abgeschafft wurde (1). Nach antiker römischer Ansicht waren infolgedessen „alle Menschen entweder Freie [...] oder Sklaven“, wobei man die Freien in „als Freie [G]eboren[e]“ und „aus rechtmäßiger Sklaverei [F]reigelassen[e]“ unterteilen könne (2).
In juristischer Hinsicht galten „Sklaven nicht als Personen [im bürgerrechtlichen Sinne]“ (3) , wobei jene aber ebenso nicht als Dinge ohne menschliche Natur verstanden wurden: Der Sklave wurde - wie angeführt - in rechtlicher Hinsicht "grundsätzlich als Sache" verstanden, wobei er in vielen rechtswissenschaftlichen Quellen als "persona", d.h. zwar nicht als juristische Person, aber als Mensch bezeichnet wurde, was als Unterschied zwischen ius civile und ius naturale bezeichnet werden kann (4). Diese Differenz wurde durch Ulpianus mittels der Feststellung, dass er "nach bürgerlichem Recht [...] nicht als Person [gelte,] dies [...] aber nicht das Naturrecht [betreffe], weil danach alle Menschen gleich [seien]", illustriert (5), was ebenso Folgen für das Fiskalrecht zeitigte (6), wobei im Rom der Antike lange Diskussionen über diesen Zwiespalt hinsichtlich der Kategorisierung geführt wurden (7), da man Sklaven wiederum die dignitas, die öffentliche Würde des Einzelnen, nicht per se absprach (8) . Im religiösen Bereich besaß der Sklave bzw. die Sklavin "Rechtsfähigkeit" (9) , wobei dessen bzw. deren Kulte sowie die üblichen Rechte und Pflichten während religiöser Feiertage gestattet wurden (10) , was ebenso manche naturmagischen Vorstellungen umfasste (11) .
„Sklaven bef[a]nden sich [...] in der Gewalt [=potestas] ihrer Herrn“, die als Oberhaupt der familia die Macht „über Leben und Tod“ jener besaßen, wobei es „nicht gestattet“ war, diese „maß- und grundlos [...] grausam zu behandeln, wobei diesbezügliche Regelungen erst in der Kaiserzeit nach und nach festgelegt wurden (12) . Ein entflohener Sklave stellte "zwar weiterhin [...] Besitz seines Herrn" dar, wobei dieser nicht die Verantwortung für dessen Delikte während bzw. nach der Flucht übernehmen musste, da "er ihn nicht in seiner potestas hat[te]" (13) . Viele ließen die Geflüchteten suchen, wobei ebenfalls auf magische Formeln zurückgegriffen wurde (14) . Dabei hilfreich war ebenso, dass "niemand [...] einen Sklaven aufnehmen [sollte], der [eigentlich] jemand anderem gehört[e]" (15) . Der Sklave konnte von freien (oder unfreien) Dritten mit Verbalinjurien belegt werden, ohne dass er selbst etwas dagegen unternehmen hätte können, wobei aber zugleich "über ihn" der Herr beleidigt wurde (16) , der dies ahnden lassen konnte. Bei Untersuchungen durfte der Sklave nicht über seinen jetzigen oder früheren Herrn befragt werden (17) , wobei dies durch Caligula gravierend geändert wurde (18) . In juristischer Hinsicht wurde der Sklave aber nicht als vollends wehrlos begriffen, denn er durfte in Ausnahmefällen gegen seinen Herrn bzw. seine Herrin klagen, wenn er bzw. sie jene widerrechtlich in ihrem Sklavenzustand beließen (z.B. durch "[Unterschlagung" von Testamentstafeln, worin ihnen die Freiheit hinterlassen [gewesen] sei") oder der Öffentlichkeit im Rom schadeten (z.B. durch Fälschung von Münzen) (19) . Bei einer Tötung eines Sklaven war es dem Herrn möglich, Schadenersatz sowie die Anklage des Täters bzw. der Täterin zu verlangen (20) .
Sklaven bzw. Sklavinnen konnten unter bestimmten Bedingungen freigelassen werden, womit sie einen anderen rechtlichen Status in der römischen Gesellschaft erlangten (siehe "Freilassung").

1.2 Potenzielle Ursachen des Status als Sklave

Der Status als Sklave (servus) konnte aus unterschiedlichen Ursachen resultieren, z.B. verkauften römische Feldherren „ihre Gefangenen“ (captivi bzw. mancipia) und „rette[te]n sie [dadurch, da sie jene] nicht umbr[acht]en“ (21) . Laut Marcianus wurde Sklave, „wer [durch die Römer] von Feinden erbeutet oder von [den römischen] Sklavinnen geboren“ ward (22) . Hierbei wurde eine Differenzierung vorgenommen: Das „Kind einer unfreien Mutter und eines freien Vaters [war] nach [dem gepflegten] Völkerrecht [...] Sklave“, das „Kind einer freien Mutter und eines unfreien Vaters“ wurde dagegen als Freier eingestuft (23) . Auch konnte ein „für ein Kapitalvergehen Verurteilter“ mit  „[der] Todesstrafe, [dem] Verlust des Bürgerrechts oder [der] Sklaverei“ rechnen (24) . Der Staat hatte durch "die Einbehaltung von Kriegsgefangenen, die Übernahme von Sklaven Proskribierter oder von Bürgern, deren Vermögen aus anderen Gründen eingezogen wurde, und die Verurteilung zur Zwangsarbeit" ebenso Sklaven erworben bzw. für sich beansprucht (25) . Bei Sueton steht, dass Juden, die von Tiberius aus Rom gewiesen wurden, „lebenslängliche[ ] Sklaverei“ drohte, sofern sie dieser Aufforderung nicht Folge leisteten (26) . Zum Sklaven sank jemand ebenso gesellschaftlich herab, „wenn [er], der älter [war] als 20 Jahre, in seinen Verkauf ein[willigte], um am Kaufpreis" oder anderweitig "zu partizipieren“, z.B. indem er somit nicht den Militärdienst leisten musste (27) . Ausgesetzte Kinder, deren Eltern nicht ermittelt werden konnten, durften ebenso versklavt werden (28) . Ebenfalls wurden Menschen auf nicht legalem Wege zu Sklaven gemacht, worüber Augustinus, der über die „Sklavenhändler [, die] Afrika entvölkern [würden]“, indem sie „Freie [kauften oder] [...] entführ[t]en“, berichtete (29) . In diesem Zusammenhang ist ebenso auf die bedeutende Rolle von Piraten, die "Handelswege [unterbrachen]" und die Passagiere anderer Schiffe gefangen nahmen, als Sklavenlieferanten zu verweisen (30) .

1.3 Sklavenverkauf und -kauf

U.a. schilderte Strabon einen länderübergreifenden Markt, bei welchem „Sklaven, Felle und andere Waren“ importiert werden konnten (31) . Zumeist wurde es derart gehandhabt, dass der Sklave auf einer Plattform (catasta) stand und ein Schild mit Informationen über sich für Kaufinteressierte um den Hals trug (32) , wobei manche nicht bloß teilnahmslos dem Handel um sie zusahen, sondern dabei ihre ersten Lateinkenntnisse vertieften (33) . Es blieb zur Initiation einer Transaktion nicht lediglich beim Ansehen und den Versprechen der Verkäufer: Sklaven wurden ebenso von Kaufinteressierten i.d.R. unbekleidet "[körperlich untersucht]" (34) . Der Verkäufer musste hierbei anzeigen, „wer [von den Sklaven] welche Krankheit oder welchen Fehler auf[wies]“ (35) , wobei auch andere „Wertminderung[en]“ sowie die „Volkszugehörigkeit“ (36)  berücksichtigt werden sollten. Wurde eine diesbezügliche relevante Information verschwiegen oder wurde der Sklave in kosmetischer Hinsicht derart verschönert, dass der Tatbestand der Täuschung begründet angenommen werden konnte (37) , musste der Verkäufer eine Kompensation leisten (38) .

1.4 Pflichten des Herrn bzw. der Herrin

Einen Sklaven zu besitzen, umfasste ebengleich bestimmte Pflichten in Bezug auf jenen, sodass man als Inhaber "auch Aufwendungen", z.B. "für [dessen] Gesundheit" leisten musste (39) . Der Halter musste laut Impensenlehre für die "Versorgung mit Kleidung, die Heilung bei Krankheit, die Verteidigung und Auslösung wertvoller Sklaven in einem Noxalproze[ss] [= Verhandlung eines Deliktes, das eine durch den Sklaven erzeugte Schuld gegenüber einem Dritten juristisch begründete] und die Wiederbeschaffung eines fugitivus" aufkommen (40) . Diese Regelung hatte zur Folge, dass miserabel versorgte Sklaven als "Makel" für den Herrn gesehen wurden (41);  allerdings wurden alte oder kranke, d.h. nicht mehr rentable Sklaven beim Äskulaptempel ausgesetzt, wobei jedoch auch - nach Überzeugung der Römer - eine religiöse Heilung bzw. Genesung der Ausgesetzen möglich erschien. Unter den Römern war in diesem Zusammenhang juristisch umstritten, ob der Eigentumsanspruch des dominus durch diese Aufgabe gleich erlosch, oder ob es zudem vonnöten war, dass sich jemand erbarmte, den Ausgesetzten als seinen neuen Sklaven aufzunehmen (42) .


1.5 Tätigkeiten

Alle Sklaven waren „schriftlich [zu] deklarier[en]“ (43)  und wurden zu verschiedenen Zwecken als „Stadtsklaven“ und „Landsklaven“ eingesetzt, was mittels der Differenzierung zwischen mancipia urbana und mancipia rustica illustriert wurde (44)  :
Stadtsklaven dienten in der Verwaltung, z.B. als „Diktierer“ und „Kopisten“ im Buchhandel (45) , als „Schiffskapitän (46) oder in der staatlichen Verwaltung in den Provinzen (47)  und Städten (48) , z.B. zur „Einziehung finanzieller Rückstände gegenüber dem römischen Volk“ (49) , wobei es ebenso kaiserliche Staatssklaven gab (50) , die verschiedenen Tätigkeiten, z.B. Bibliothekar, Hauswächter oder Tempelwart (51) , nachgingen. Sie leisteten ebenfalls verschiedene Formen der Kinderbetreuung und -erziehung bei wohlhabenden römischen Bürger_innen (52) , waren für musikalische Erbauung und Unterhaltung zuständig (53)  und verrichteten Tätigkeiten im Handwerk (z.B. die „Anfertigung [von] Wasserrohr[en]“ (54) oder die Verrichtung von Goldschmiedearbeiten (55)). Als weitere Bereiche sind noch Kosmetik (z.B. als Friseusen (56)), Unterhaltung (z.B. im Amphitheater bzw. im Circus als Wagenlenker (57) oder Gladiator (58)) und quasi-militärische Aktivitäten, z.B. zur „Brandbekämpfung“ bzw. „[Unterdrückung von] Unruhen“ (59) oder als „Trossknecht[e]“ (60), zu nennen.
Das Arbeitsfeld v.a. der Landsklaven, denen zumeist kein Ausgang gewährt wurde, umfasste neben der strapaziösen Arbeit im Bergbau (61), z.B., Gartenarbeit oder Ackerbestellung, wobei „zur Ausstattung eines Landguts [...] unstrittig auch Sklaven [gehörten]“ (62), die , z.B., als actor, bublcus, curator, iugarius, magister pecoris oder vindeminator fungierten (63) .
In genereller Hinsicht ist zu konstatieren, dass Stadt- und Landsklaven vielfältig und arbeitsintensiv eingesetzt wurden, was illustriert, dass zentrale Bereiche des gesellschaftlichen Lebens durch jene (unter Zwang) unterstützt wurden.

1.6 Lebensumstände

Sklaven trugen "einfache Tuniken aus grober Wolle", wobei als besonders verstandenen Exemplaren "teure Kleidung" (aber nicht die Toga) zugestanden wurde, was illustriert, dass es keine einheitliche Sklavenkleidung gab (64). Ansätze eines Privatlebens sind zu erkennen, z.B. wurden öfter den Sklaven Sexualkontakte untereinander erlaubt (65), wobei häufig für diese Erlaubnis bezahlt wurde. Manche Halter_innen, die eine gute "Sklavenreproduktion" zum Motiv besaßen, teilten ihren ihnen völlig Untergebenen ebenso bestimmte Partner zu (66). Versklavte Familien wurden, sofern es ging, nicht getrennt (67). Bei ausgezeichneten Leistungen konnten sie auch mit im Grabmal der wohlwollenden Herr_innen bestattet werden (68). In der neueren Forschung wird diskutiert, ob sich die These, dass eine eigenständige Form der "Sklavenfürsorge" angenommen werden könne, vertreten lasse: Manche Halter gewährten ihren Sklaven z.B. eine Ausbildung im paedagogium, die "Lesen, Schreiben und Rechnen" beinhaltete; auch wurde manchen eine Fortbildung ermöglicht, um den Herrn, z.B. einen Arzt wie Galen, bei der medizinischen Arbeit zu unterstützen. Ein aus diesen Bildungsangeboten resultierender gesellschaftlicher Aufstieg schien möglich, sofern die Herr_innen es erlaubten (69); ebenfalls wurden Stellvertreter für den Halter in puncto Ausübung der beruflichen Tätigkeiten ausgebildet, die als privilegierte Unfreie in der Hierarchie der Sklaven weit oben einzuordnen waren (70). Sklaven konnten ebenso eigenständig Geschäfte abschließen, welche zumeist dem Herrn zugutekamen, indem Geschenke an sie (peculium/ Schenkung) angespart wurden oder indem mit diesen Handel getrieben wurde (71) . Generell kann Folgendes behauptet werden: Je mehr die "Nähe zum Herrn" ausgeprägt war, umso vertrauter und wichtiger wurde mit dem "besondere[n] Objekt der Fürsorge" umgegangen, was durchaus eine starke Vorzugsstellung bedeuten konnte (72) .

1.7 Behandlung

Die Behandlung der Sklaven wurde ihrer strukturfunktionalen Bedeutung nicht gerecht, was u.a. durch Seneca, welcher meinte, dass „[die Römer die Sklaven] nicht zu Feinden [hätten, sondern] sie dazu [machten]“, zum Ausdruck gelangt (73). Stadtsklaven wurden - ähnlich der Situation im antiken Athen-, je gebildeter sie waren, besser behandelt als Landsklaven; als Beispiel für den Umgang mit letzteren seien die literarischen Schilderungen des Apuleius von Maudarus über die auf der Stirne markierten Mühlensklaven mit "zerschundene[m] Rücken", "[deren] ganze Haut mit graublauen Striemen gezeichnet [war]", angeführt (74). In einem ähnlichen Zusammenhang äußerte Galen, er habe "niemals [...] einen von [ s]einen Sklaven mit der Hand geschlagen", wobei er aber von "andere[n] [zu berichten wusste, die] nicht nur den Hintern [der Sklaven malträtierten, sondern ihnen][...] auch Fußtritte [versetzten] und [ihnen] die Augen [ausrissen] bzw. [...] mit Schreibgriffeln hinein[stachen]" (75). Kaiser Augustus rettete nach Seneca einen Sklaven vor der bloßen Laune des P. Vedius Pollio, dessen Muränen zum Fraß vorgeworfen zu werden (76). Des Weiteren wurden jene - auch von römischen Frauen (77) - in sexueller Hinsicht ausgenutzt, was oftmals mit dem Begriff des "Lustknaben" (78) umschrieben wurde. Allerdings konnte man mit jenen in dieser Hinsicht nicht völlig nach Belieben verfahren, was sich u.a. darin äußert, dass es aufgrund der raschen Zunahme von Kastrationen bzw. Infibulationen bei hoher Strafe verboten wurde, seinen Sklaven kastrieren zu lassen (79), und dass man die Sklaven "nicht ohne Nachweis eines zutreffenden Grundes" an ein Bordell verkaufen durfte (80). Bei Verhören von Sklaven wurde die Folter "als das effektivste Mittel zur Wahrheitsfindung" angesehen (81), wobei der jeweilige Herr dem zustimmen sollte; darüber hinaus musste ihm die dadurch hervorgerufene "Wertminderung" des Sklaven finanziell ersetzt werden (82); als Beispiel sei der Bericht über die Folterung einer Sklavin genannt, in welchem "Schläge", "Feuerqualen" und das "[Verrenken und Brechen der] Glieder" aufgezählt werden (83). Auch sonstige Bestrafungen - ohne dass etwas verraten oder gestanden musste - fielen ähnlich aus, z.B. ordnete der oben erwähnte Augustus bei angenommenen Vergehen den Selbstmord eines Sklaven an, einem anderen ließ er die Schienbeine brechen, ein weiterer wurde mit einem Stein an einem Seil um den Hals beschwert in den Fluss geworfen (84). Des Weiteren existierte zeitweilig eine Regelung für den Vollzug der Todesstrafe an dem Sklaven durch den Herrn (85).
Infolge derartiger Praktiken kam es zu Sklavenaufständen, wobei die Erhebung des Spartacus die bekannteste jener darstellt. Dieser laut Sallust mit einem "freien und edlen Gemüt" ausgestattete Sklave, der zum Gladiatoren ausgebildet wurde (86) und nach seinem Ausbruch aus der Gladiatorenschule des Lentus Batiatus in Capua 73 v. Chr. "ein amorphes, unartikuliertes, halb-barbarisches Heer" anführte, das laut Appian aus "Sklaven, Deserteuren und anderem Gesindel" bestand, errang bedeutende Siege gegen "neun verschiedene römische Armeen" (87), bis er, nachdem schon sein Waffengefährte Crixus samt dessen Teil der Sklavenarmee am Garganus getötet wurde (88), 71 v. Chr. am Silarius besiegt wurde, wobei er laut Plutarch vergeblich versuchte, Crassus zu töten (89). Dieser ließ nach Livius 6000 seiner Anhänger kreuzigen und die letzten Überreste des Sklavenheers verfolgen (90). Seit dem 18. Jahrhundert wurde die Rolle des Spartakus aufgewertet, z.B. durch Voltaire, der ihn 1769 als Beispiel für die These, "warum bewaffneter Widerstand gegen einen Unterdrücker erlaubt sei", anführte (91). Auch dessen ideologisch geprägte Vereinnahmung durch Marx und sozialistische Gruppierungen sei an dieser Stelle kurz erwähnt (92).

1.8 Freilassung

Die (feierliche) Freilassung (Manumission) seit der Zeit des Augustus wurde laut Gaius wie folgt geregelt: Der Sklave über 30 Jahre musste rechtmäßiges Eigentum des Inhabers gewesen sein, beim Vollzug der Freisetzung mit dem Stab für Rechtsakte (vindicta) berührt werden, danach in die Bürgerliste eingetragen werden bzw. sich auf eine dementsprechende testamentarische Verfügung berufen können. Mit der Erfüllung dieser drei Kriterien erlangte er den Status eines römischen Bürgers; falls eine dieser Bedingungen nicht zutraf, wurde er lediglich als Mitglied latinischen Rechtes (was Auswirkungen auf sein peculium sowie die eidlich versprochenen "Leistungen" gegenüber seinem Patron (93), die operae, die nicht "Ansehensverlust und Lebensgefahr" hervorrufen durften (94), hatte (95)) oder ähnlich den deutlich schlechter gestellten dedictii (peregrini) (= "Leute [...], die einmal gegen das römische Volk mit Waffen gekämpft haben, dann besiegt wurden und sich [...] ergeben mussten" (96)) behandelt (97). Zumeist musste der Freilassende über 20 Jahre alt sein, um die Entlassung seines Sklaven in die Freiheit aktiv nach diesen Regularien durchzuführen (98), sofern es nicht um den Kaiser handelte, bei welchem die "bloße Willensbekundung" zur juristisch korrekten Durchführung der Freilassung genügte (99). Seit der Kaiserzeit wurde eine "Höchstgrenze für testamentarische Freilassungen festgelegt", die sich nach der Anzahl der Sklaven, die man sein Eigen nannte, richtete, um die immense Zunahme der Freilassungen zu begrenzen, die nach Ansicht einiger Römer dazu führte, dass das Bürgerrecht an Wert verlor (100). Freilassungen wurden auch Sterbenden gewährt, sodass sie nicht im unfreien Status "zu den Wassern der Unterwelt aufbr[echen sollten]" (101). Als andere Möglichkeit ist noch der Freikauf durch sich selbst oder Dritte zu nennen (102).

1.9 Nach der Freilassung

Mit dem römischen Bürgerrecht standen Sklav_innen viele Wege offen; auch Ehen zwischen Senatoren und Freigelassenen (103), der soziale Aufstieg in hohe Ämter (104) und Ehrungen für der Öffentlichkeit dienliche Leistungen (105) wurden bezeugt. Ebenso wurden Gräber für ehemalige Sklaven, die Lobenswertes für die Öffentlichkeit erbrachten, errichtet (106).

Anmerkung von Matthias_B:

Nachweise für die Sachanalyse:

(1) Joshel, Sandra: Slavery in the Roman world, Cambridge 2010, S.1.
(2) Gaius, inst. [=Institutiones] 1.9 und 1.11, in: Eck, Werner und Heinrichs, Johannes: Sklaven und Freigelassene in der Gesellschaft der römischen Kaiserzeit, Darmstadt 1993 (= Texte zur Forschung Bd. 61), S. 3.
(3) Ulpian [=Domitius Ulpianus], Dig. [=Digesta Iustitiani] 50, 17,32; in: Eck, S. 3.
(4) Knoch, Stefan: Sklavenfürsorge im Römischen Reich. Formen und Motive, (=Sklaverei. Knechtschaft. Zwangsarbeit. Untersuchungen zur Sozial-, Rechts- und Kulturgeschichte, Bd. 2) Hildesheim u.a. 2005, S. 21 und 29.
(5) Ulpian, Dig. 50,17,32; in: Eck, S. 3 und Knoch, S. 21
(6) Knoch, S. 22
(7) Knoch, S. 23
(8) Knoch, S. 26
(9) Knoch, S.22
(10) [M. Valerius] Martial[is] 14,79; CIL VI 623; AE 1913, 50; in: Eck, S. 166f.
(11) Sortes Astrampsychi; in: Eck, S. 173
(12) Gaius, inst. 1,52-53; in: Eck, S. 4
(13) Paulus, sent. 2,31, 37; in: Eck, S. 127
(14) Incantamenta magica 221; in: Eck, S. 128
(15) CIL [=Corpus Inscriptionum Latinarum] XV 7171; in: Eck, S. 133
(16) Gaius, inst. 3,222; in: Eck, S. 133
(17) Paulus, sent. 5,16,4-8; in: Eck, S. 156
(18) [T. Flavius] Iosepus, A.I. [=Antiquitates Iudaicae] 19,12.14; in: Eck, S. 157
(19) Hermogenianus, Dig. 5,1,53; in: Eck, S. 158
(20) Knoch, S. 24
(21) Florentinus, Dig. 1,5,4,2; in: Eck, S. 5
(22) [Aelius] Marcianus, Dig. 1,5,5,1; in: Eck, S. 9; Joshel, S. 81 f.
(23) Gaius, inst. 1,82; in: Eck, S. 9
(24) Ulpian Dig. [=Digesta Iustiniani] 48,19,2 pr.; in: Eck, S. 14
(25) Eder, Walter: Servitus publica. Untersuchungen zur antiken Sklaverei (=Forschungen zur antiken Sklaverei, hg. v. Joseph Vogt und Heinz Bellen, Bd. 13), Wiesbaden 1981, S. 7.
(26) [C.] Sueton[ius Tranquillus], Tib. 36; in: Eck, S. 14
(27) Marcianus, Dig. 1,5,5,1; [P.] Petron[ius Niger] 57,4-6; in: Eck, S. 16 und S. 238
(28) Sententiae Syricae 98; in: Eck, S. 19
(29) [Aurelius] Augustinus ep. [="Briefe"] 10, 2-36; in: Eck, S. 21; Joshel, S. 89 f.
(30) Wisdom, Stephen und Fields, Nic: Gladiatoren, Königswinter 2009, S. 89f.
(31) Strabon 11,2,3; in: Eck, S. 23
(32) Joshel, S. 98
(33) Joshel, S. 108
(34) Joshel, S. 101
(35) [A.] Gellius 4,2,1; in: Eck, S. 26
(36) Ulpian Dig. 21,1,1 und 21,1,31,21; in: Eck, S. 27 und 29
(37) Joshel, S. 95, 97
(38) [Iulius] Paulus, sent. [=Sententiae Pauli] 2,17,6; in: Eck, S. 28; Joshel, S. 95
(39) Gaius, Dig. 7,1,45; in: Eck, S. 124
(40) Knoch, S. 116
(41) Knoch, S. 117
(42) Knoch, S. 127 ff.
(43) BGU [=Berliner Griechische Urkunden] 1210 § 60; in: Eck, S. 46
(44) [Sex.] Pomponius, Dig. 50,16,166; in: Eck, S. 51; Joshel, S. 162
(45) [Cornelius] Nepos, AH. 13, 3; in: Eck, S. 65
(46) Gaius, inst. 4, 71; in: Eck, S. 69
(47) CIL II 2230; in: Eck, S. 97
(48) CIL XIV 255; in: Eck, S. 98
(49) CIL VI 37174; in: Eck, S. 97
(50) Artemidor [von Daldis], Oneiokritika [="Traumbuch"] 2,68; in: Eck, S. 101
(51) IIt [=Inscriptiones Italiae] 13,1,31 p.2, fr.3; in: Eck, S. 102f.
(52) [M. Fabius] Quintilian[us] inst. [=Institutio oratoria] 1,1,4-5.8; in: Eck, S. 53-55, 58f.; Joshel, S. 179-183
(53) CIL VI 9649; in: Eck, S. 55 und 60
(54) CIL XV 7539; in: Eck, S. 63
(55) CIL VII 265; in: Eck, S. 71
(56) CIL VI 37469; in: Eck, S. 64
(57) CIL II 4314; in: Eck, S. 77
(58) CIL V 4511; in: Eck, S. 76
(59) Sueton Aug 25,2; in: Eck, S. 78
(60) Tacitus, hist. 4,60,2 und [P.] Vegetius [Renatus], mil. [=epitoma rei militaris] 3,6; in: Eck, S. 79f.
(61) Diodor [von Agyrion] 5,36,3-4 und 5,38,1; in: Eck, S. 75
(62) Paulus, Dig. 33,7,19; in: Eck, S. 81
(63) Joshel, S. 166 - 168
(64) Knoch, S. 132
(65) CIL IV 10677; in: Eck, S. 160
(66) Knoch, S. 143 f.
(67) Codex Theodisianus 2,25,1; in: Eck, S. 160f.
(68) CIL VI 14672; in: Eck, S. 163
(69) Knoch, S. 164 f.
(70) Knoch, S. 173 f.
(71) Knoch, S. 176 ff.
(72) Knoch, S. 183ff.
(73) [L. Annaeus] Seneca, ep. [=Epistulae ad Lucilium] 47,5.7-8; in: Eck, S. 112
(74) Apuleius, met. [="Metamorphosen"] 9,12; in: Eck, S. 113
(75) [Aelius] Galen[us], an. affect. 4,6-8; in: Eck, S. 114
(76) Seneca, dial. [=Dialogi] 5,40,2-3; in: Eck, S. 116
(77) [C.] Plinius [Secundus], nat.[=Naturalis historia] 34, 11-12; in: Eck, S. 118
(78) Sueton, Vit. 12; in: Eck, S. 117
(79) Venuleius [Saturnius] Dig. 48,8,6; in: Eck, S. 121; Joshel, S. 98
(80) Historia Augusta, Hadr. 18,7-10
(81) Ulpian, Dig. 29,5,1 pr.; [Herennius] Modestinus, Dig. 29,5,17; Paulus, Dig. 48,18,8 pr.; in: Eck, S. 138 und 152
(82) Paulus, sent. 5, 16,3; in: Eck, S. 154
(83) Tacitus, ann. 15,57; in: Eck, S. 154 f.
(84) Sueton, Aug. 67; in: Eck, S. 150f.
(85) AE [=L' Année Épigraphique] 1971, 88 II 8-10; in: Eck, S. 148
(86) Joshel, S. 62f.
(87) Wisdom, S. 110f.
(88) Wisdom, S. 118f.
(89) Plutarch 8,1 - 11,8; in: Plutarch's lives III. Pericles and Fabius Maximus, Nicias and Crassus. With an English translation by Bernadotte Perrin, Cambridge 1967, S. 335 – 349.
(90) Joshel, S. 63; Wisdom, S. 128
(91) Wisdom, S. 136
(92) Wisdom, S. 136 f.
(93) Knoch, S. 22
(94) Callistratus, Dig. 38,1,38; in: Eck, S. 210
(95) Gaius, inst. 3, 55-56; in: Eck, S. 196f.
(96) Gaius, inst. 1,13-15; in: Eck, S. 187
(97) Gaius, inst. 1,17 - 20; in: Eck, S. 178 f., 182 f.
(98) Gaius, inst. 1,36-38; CIL II 1963; in: Eck, S. 181 f.
(99) Paulus, Dig. 40,1,14,1; in: Eck, S. 209
(100)Gaius, inst. 1,42-43; in: Eck, S. 180
(101) Martial 1,101; in: Eck, S. 205
(102 )Martial 2,68; CIL XI 5400; Lex Irnitana, tab. VIII B 6-26 (§72); in: Eck, S. 206 - 209
(103)[P. Iuventus] Celsus, Dig. 23,2,23; Sueton, Vesp. 3; in: Eck, S. 192
(104)[L. Cassius] Dio 53,27,6; in: Eck, S. 233
(105)CIL XI 3805; in: Eck, S. 234f.
(106)u.a. AE 1983, 300; D.8421; L. Quilici, RIA n.s. 14, 1969, 23-25; CIL X 26; in: Eck, S. 170 f.


 
 

Kommentare zu diesem Text


Willibald
Kommentar von Willibald (13.01.2019)
WoW!

Darf man sich auf den praktischen Teil mit der "Stundeninszenierung" und oder der Stundensequenz freuen?

greetse
ww
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loslosch
Kommentar von loslosch (13.01.2019)
das soll aus dem leitfaden für den lehrkörper sein?

ein sammelsurium von fakten ohne einordnung! wichtig wäre zb eine aussage über den wirtschaftsfaktor sklaverei. wie hoch war - im maximum - der anteil der sklaven an der bevölkerung roms? schätzungen existieren längst. vergleich der sklaverei zwischen athen und rom. trennlinien und übereinstimmung zwischen antiker sklaverei und "moderner".

richte bitte eine eingabe an das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.
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Willibald
Kommentar von Willibald (14.01.2019)
also jetztatla nochmal:

Die "1. Sachanalyse" - wenn man denn das ernst nimmt - bräuchte noch eine didaktische Reduktion. Und dann wäre das Stundenkonzept intressant.

Ächz. Und man mag über Lehrprobenstunden lästern. Die Konzeption von solchen Schaustunden ist nun mal gefordert. Dann ist so eine Art von mehr oder weniger gutem Musterbeispiel relevant für Didaktik-Aficionados.

greetse

ww
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