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Der Gerstenhalm, die gebrochene Wurzel

Text


von m.o.bryé

Aus dem Schnitt einer Handfläche tropfen Thymianblätter. Mein Kopf lauscht dem kalten Grün,  das Richtung Boden und Himmel sprenkelt, aufgetragen von Wind und Böe und Trockenheit. Es ist dunkel geworden. 

Aus dem Dunkel in eine weiße Pyramide treten, transparent, mit harten Kanten. Eine Erscheinung der Hand, die scharfe Blättchen verliert. Kurze Schatten ohne Ziel. Die hellen Ränder durchtrennen mich an den Oberschenkeln und am Unterarm. Ich würde mich von innen daran schmiegen und verwachsen. Der Rücken gäbe die Beugungen und Kuhlen auf, er würde ganz glatt, vielleicht auch kühl. Die Blätter kribbeln unter der Haut, bevor sie sich daraus hervorschieben und unschuldig wie n sich in die Luft legen.

Ein Glockenton löst die geraden Linien auf. Das Licht verschwimmt in die Umgebung, die heller wird in der Diffusion. Leute in dunklen Kleidern treten aus Wänden/Mauern wie Steine aus Berghängen fallen. Insektenköpfe ragen aus ihren Augen. Die Öffnung in meiner Handfläche schließt sich. Weicher Pflanzenstaub ruht in den Falten meiner Kleider, auch in meinem Ohr, das verstummt. Wenn die Menschen blinzeln, zucken nur Wimpern und umschließen die Insektenteile kurz, kaum. Die Fühler und Antennen bleiben witternd aufgestellt, dem trockenen Wind entgegen. In meinem Gesicht verfängt die Luft sich nicht lange. Sand hat sie verschlungen, Nässe und alten Stein. Ich finde keinen Halt darin. Doch die kleinen Tiere zappeln aufgeregt, sie fiepsen und zirpen und ein Asselwesen scheint sich fast aus einem Auge hinaus zu winden. Gesichter drehen sich zu mir, die Wangen klaffen. Ich senke den Kopf, die Hand vor die Augen wie geblendet, aber sie haben gesehen und wir wissen und verstecken ist anders. Stattdessen schließe ich die Arme fest um den nächsten Menschen, seine Hände und den Hals. Schweiß drängt sich als Drittes zwischen uns, sonst stehen wir still. Ein Vogel landet auf meiner Schulter, die gespannt ist, und punktiert sie mit präzisem Griff. Der kleine Körper bricht meinen Atem, aufgebauscht, die Brust ist von geprägtem Beige. Die Insekten sind stumm, doch unter Vorbehalt zappeln sie weiter und recken sich. Jemand hebt halb die Hand. Der Vogel führt mit zaghaftem Rucken den Schnabel an den anderen Hals und pickt von dem Schweiß. Das Gesicht fiept, die Assel und der Wurm winden sich. Meine Hand ist ins Meer getaucht und nass, ich schiebe sie zwischen den Vogel und halte die Haut. Das Tier schmettert flattert seine Flügel in mein Gesicht Talg in den Gaumen. Eiter in der Schulter. Es fliegt. Meine Hände fallen, ich sehe sie auf dem Boden aufkommen und flacher werden.

m.o.bryé
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Veröffentlicht am 10.07.2014. Textlänge: 414 Wörter; dieser Text wurde bereits 694 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 12.12.2019.
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