Schierlingsliebe

Kurzprosa zum Thema Liebe & Schmerz

von  RainerMScholz

Gott, war das schwer. Es war wie bei lebendigem Leib gehäutet werden. Alles ist taub und roh und blutig, ein dunkler Schleier senkt sich vor die Augen. Als sie mich verließ, führte mich ein Freund am Arm aus dem Raum und stieß mich auf den Weg zu einem verlassenen Heim. Ich weiß, es ist profan und albern und grotesk, aber ich war wie tot. Ich sah alles in vergeblicher Sinnlosigkeit. Ich weiß, ich habe Fehler gemacht, aber es war wie eine öffentliche Enthauptung, nach welcher der Delinquent vom Podest steigt und glaubt, seinem bisherigen Leben nachgehen zu können. Als wäre nichts geschehen. Im ersten Moment. Als wäre die Welt die selbe wie vor der Hinrichtung.
Wie ein Schwedentrunk zur frühen Morgenszeit. Eine Verbrühung mit kochendem Teer, die so schwer ist und sengend und hautabschälend, dass die Hitze ein Gefühl der Schwerelosigkeit und des abgrundtiefen Sturzes verursacht. Das Torkeln vor der Tiefe, der Blick in den Schlund der Unabdinglichkeit. Der starre Blick in die grenzenlose Nichtigkeit all dessen, was zuvor klar und deutlich und dein Leben war. Die Liebe ist ein böses Ding, wenn sie erst einmal fort ist. Gebissen von einem übermächtigen riesenhaften achtbeinigen Tier und zur Verdammung ins Netz gehängt. Ich weiß, dass das profan ist und klein und nichtsnutzig, aber was geht mich da noch der Rest der Welt an. Was denn?! Denn ich war gestorben und nicht der Auferstehung wert.
Die Narben blieben, auch die Narben, die ich anderen zufügte. Doch dieser Schmerz ist unvergänglich und zeichnet das Herz. Vergiss das nicht!


© Rainer M. Scholz

Möchtest Du einen Kommentar abgeben?
Diesen Text kommentieren
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram