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Roman zum Thema Fantasie


von PeterSchönau

Das Motto des liberalen Klubs lautete "Freiheit – Verantwortlichkeit – Solidarität". Sein Zweck war die "allgemeine Förderung des liberalen Gedankengutes". Das bedeutete, dass sich der Klub einmal im Monat in einem Hotel traf, das einem Clubmitglied gehörte, und die allgemeine und besondere politische und wirtschaftliche Lage diskutierte. Meistens wurde jedoch nur über die besondere wirtschaftliche Lage gesprochen und wie diese zu verbessern sei, zum Beispiel durch Absprachen bei den kommunalen Ausschreibungen. Gewürzt wurden diese Abende mit anstößigen Geschichten aus der "besseren Gesellschaft" und Zutaten aus der Gerüchteküche, die hier – wie überall – brodelte.
Hassan Tiriana war der Vorsitzende des liberalen Klubs. In dieser Eigenschaft legte er die Sitzungstermine, Sitzungsort und Tagesordnung fest und verschickte die Einladungen. Natürlich erledigte all dies seine Sekretärin für ihn. Sie verfasste auch die Sitzungsprotokolle, für deren Erstellung er ihr nur Sichtworte zu liefern brauchte.
Die Mitglieder des Klubs rekrutierten sich überwiegend aus Gewerbetreibenden und Unternehmern, aber im Vorstand war man stolz auf die Mitgliedschaft mehrerer Anwälte, Ärzte und zweier Universitätsprofessoren, die das intellektuelle Profil des Klubs anhoben. Außerdem gehörten zu den Mitgliedern zwei Dezernenten der Stadtverwaltung, ihre Informationen waren besonders begehrt. Was die Verteilung der Mitglieder auf die Geschlechter betraf, konnte man sagen, dass dem Klub zwar auch Frauen angehörten, dass diese aber eine kleine Minderheit bildeten, die mehr durch das Kolorit ihrer Erscheinung als durch Teilnahme am Klubgeschehen auffiel. Was die enge Verbindung nicht ausschloss, die Hassan Tiriana zu Madame Fleury pflegte, einer Witwe, die früh ihren Mann verloren hatte und durch das Miteigentum an einer Zementfabrik über ein beachtliches Vermögen verfügte. Außerdem waren sie fast gleichaltrig, und Madame Fleury war eine gut aussehende, wenn auch – in seinen Augen – nicht besonders intelligente Frau. Aus ihrer Ehe waren eine Tochter und ein Sohn hervorgegangen. Martin war elf Jahre, seine Schwester Gabrielle zehn Jahre alt.
Er besuchte Madame Fleury regelmäßig in ihrer Villa am Stadtrand, und nach einem guten Abendessen – Madame Fleury war eine ausgezeichnete Köchin – zogen sie sich in ihr Schlafzimmer zurück. Zu einem Akt der sexuellen Hygiene, wie er es für sich formulierte, zu einer Suche nach der verlorenen Jugend, wie Madame Fleury ihre fleischliche Vereinigung gerne bezeichnete. Wobei seine Sicht der Dinge sicher realistischer war, was jedoch Madame Fleury nicht davon abhielt, weiter von der Rückkehr der goldenen Tage ihrer Jugend zu träumen.

Anmerkung von PeterSchönau:

Auszug aus einer Romanstudie


 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (18.04.2020)
Auszug aus einer Romanstudie - ist das so eine Art ausformuliertes Exposé eines Romans?

Also: Die Romanstudie ist handwerklich sauber gemacht, den dazugehörigen Roman würde ich jedoch nicht lesen wollen - es sind nämlich kein (inneren) Konflikte der Figuren zu erkennen.
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