Kirsch.freie Freitagsreisen

Tagebuch zum Thema Erinnerung

von  Iv0ry

Sie kletten an mir,
wie die Nesseln, in die ich mich so gerne setze -
die Kirscherinnerungen.

Der dunkle Zimt liegt immer noch auf meiner Zunge,
während ich Minzblätter lutsche und dunkle Schokolade in frischen Kaffee rühre - bittere Medizin für ein harmloses Herz.

Das Bild unter dem Kirschbaum: der Kuss unter der
Wirbelsäule, entlang der Grenzlinien - ich kann es nicht löschen.
Es hängt schief an meiner Wand, so dass der Fluss langsam aber sicher in mein Zimmer tropft, ich wate jeden Tag durch tiefere Wasser, die Deinen Namen tragen, an dem ich ersticke, wenn ich ihn sage.
Ich wußte nicht, dass man an einem Namen ertrinken kann.

Ich reise - in Gedanken und durch das Land, mit wenig Gepäck, kaum Platz in den Koffern, die voller Widerworte sind. Ich habe kein Hemd mehr dass ich teilen kann, keine Pflaster mehr, die ich auf Puppenaugen kleben kann, damit sie mich nicht mit jenem Vorwurf ansehen, den nur Du verstehst, weil ich auch Deine Illusion töten musste.

Ich sende Dir Sonnengedanken auf Deine Reise, während ich Knochen in meine Haare knote und mir die Worte mühsam abringe, die ich brauche nach dem Weg zu fragen, den ich doch nicht gehen will.

Ich pflanze Kirschkerne in einen Blumentopf, auf einer Fensterbank, an einem Fenster aus dem ich nur Nachts auf die Wand gegenüber schaue.

Dort tanzen wir in den Schatten einer flackernden Kerze und Zigarettenrauch, der nach Ascheküssen schmeckt und nach Einsamkeit.

Sie machen mich sprachlos die Kirschen.

Noch heute.

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Kommentare zu diesem Text


 Dieter_Rotmund (03.11.18)
Bunt gemischter, weitgehend hermetisch-wolkiger Metaphernsalat ohne Pfiff, so mein Urteil.

Ich wünsche ein schönes Wochenende.
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