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Kurzprosa zum Thema Reinkarnation


von Regina

Ich lebte in einem großen Haus mit mehreren Gärten, die in Stufen übereinander lagen und von weißen Marmorplatten, Mäuerchen und Brunnen eingefasst waren, wo viele Früchte und Pflanzen gediehen, die ich nicht im Übermaß zu mir nahm. Meistens schien die Sonne an jenem Ort, es gab viel Grün und Fontänen mit frischem Wasser, Akazien ließen ihre Zweige vor meinen hohen Terrassentüren herabhängen. Die Atmosphäre war hell. Meine Liebe galt der Kunst und ich gestaltete edle Werkstücke aus Goldfäden, Silber und Marmor. Auch hatte ich ein Kind und gerade so viel Unterstützung, dass mein zarter Körper beim Tragen nicht brach und ich mich von der Sorge immer wieder erholen konnte. Kräftige Frauen halfen mir, ohne sich über meine mütterliche Zuständigkeit zu erheben. Sie und ich verrichteten immer das Notwendige, so gut wie jede es vermochte. Ich ging nie weg von dem Platz, an dem ich lebte, der so weiträumig war, dass ich mich immer entfalten konnte. Nur wenige Menschen drangen in den Raum ein, wo ich mein geruhsames, von Natur und Schönheit umgebenes Leben verbrachte. Mein Mann war viel auf Reisen. Es war aber wenig Unterschied zwischen dem Leben ohne oder mit ihm. Wenn er bei mir war, verhielt er sich zurückhaltend und unaufdringlich. Er störte meine Harmonie nicht, anders als viele Grobiane in dieser dem Niedergang ausgelieferten Kultur hier, denen die Frauen das Leben mit ihren Kindern hart abkämpfen müssen. Dort, so kommt es mir vor, lebte der Mann für die Freiheit der Frau, was hier keine zu fordern wagen würde. Ich kann mich nicht daran erinnern, in irgendwelche Geschäfte oder Tätigkeiten außerhalb der idyllischen häuslichen Residenz verwickelt gewesen zu sein. Desgleichen erinnere ich mich an keinerlei kultische Handlungen. Ich lebte abgeschirmt und empfand das als angenehm. Auch meine damaligen Eltern wohnten in der Nähe, sie waren reich und sahen wohlwollend auf mich. Wir waren vielleicht eine Königsfamilie oder zumindest hohe Adlige, aber wohl kaum zu vergleichen mit den zeitgenössischen Prominenten, die den Fotografen als Modelle und der Boulevardpresse als Hauptfigur von Klatschspalten dienen, und von denen man sagt, dass sie zu Unrecht auf Kosten anderer im Wohlstand schwelgen. Solche Anschuldigungen drangen damals nie an Ohr oder Gedanken. Ich kann kein historisches Datum angeben, und über ein bestimmtes Land zu sprechen wäre Spekulation. Ich sehe dieses Leben wie ein Traumbild einer längst verflossenen Zeit. Es ist fast gänzlich verklungen.

 
 

Kommentare zu diesem Text


unangepasste
Kommentar von unangepasste (03.04.2015)
Erinnert mich an die Berichte bei Ian Stevenson und Jim Tucker. Daher - was immer man auch davon hält - glaubwürdig geschrieben.
Das Verrückte am Erinnern ist, dass das Gefühl "Erinnerung" als solches schon gar nicht aussagekräftig ist, glaube ich. Im Halbschlaf "erinnere" ich mich manchmal an Dinge, Momente, detaillierte Fragmente / Szenen, die dem Wachbewusstsein hinterher nicht standhalten. Ein seltsames Phänomen, das man als Ausgangspunkt für zahlreiche Geschichten verwenden könnte.
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Dieter Wal
Kommentar von Dieter Wal (03.04.2015)
Fast ein Kunstmärchen. Wie schön geschrieben! In dem Stil ein ganzer Roman?
Fühle mich von Novalis Prosa ähnlich verwöhnt.
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LotharAtzert
Kommentar von LotharAtzert (03.04.2015)
Wäre schade, wenn's bloße Fiktion wäre.
Wenn nicht, dann ist es mutig, solches hier zu posten.
Ich selbst bin da zurückhaltender, obwohl ich noch in irgendeiner Schublade ein Photo hab von einem Ortsschild, dessen Ort - weit entfernt von Deutschland - nach meiner letzten Inkarnation (Geburtsort) benannt ist. Ein heruntergekommenes Dorf allerdings - wie der Herr, so's Gescherr, wies in Hessen heißt ...
Ja, Gratulation, hast Du vielleicht ein neues Genre im Okzident gestartet ...
(Kommentar korrigiert am 03.04.2015)
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Regina meinte dazu am 03.04.2015:
Naja, es geht jetzt hier mal als Literatur durch.
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solxxx
Kommentar von solxxx (03.04.2015)
Individuelles Leben ist in der heutigen Zeit eigentlich nur noch in den eigenen vier Wänden möglich - sofern es mit den "Raumteilern" harmoniert - ansonsten werden wir gelebt, sei es durch die Gesetze der Volksvertreter oder den ungeschriebenen Gesetzen und Tabus der Gesellschaft.
Allerdings sehe ich darin keinen Zusammenhang zur Reinkarnation, es sei denn, das würde sich einmal ändern. - LG Alfred
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (04.04.2015)
Das ist die schöne Freiheit der Literatur, dass man Traumbilder einer längst verflossenen Zeit wieder beleben kann.

LG
Ekki
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Regina antwortete darauf am 04.04.2015:
Ja, als Literatur braucht sie sich um Dogmen und Ideologien nicht zu kümmern.
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AZU20
Kommentar von AZU20 (30.04.2015)
Könnte von Ähnlichem berichten. LG
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Kommentar von Agneta (30.05.2019)
ein interessantes Thema, liebe Regina, was mich auch oft beschäftigt. Der text ist einfühlsam, fast zärtlich geschri en, so als haätte das LI eine Beziehung zu dem gedagten.
Neben dem Thema Reinkarnation finde ich es äusserst gelungen, die Sichtweise einer abgeschirmten Hausfrau in naturbelassenem Umfeld als ertstrebenswert und positiv zu malen. Dies in heutige Zeit transferiert, würde nur ein Lächeln hevorrufen. dennoch hat dieses sichre, einfache Leben durchaus Vorteile.
Sehr gerne gelesen.
LG von Agneta
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Regina schrieb daraufhin am 30.05.2019:
Danke, Agneta, manche meiner Werke beruhen auf erlebten Begebenheiten, dieses hier ist reine Fiktion. Danke dir. LG Gina
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Dies ist ein Text des mehrteiligen Textes Auf ewig/Prosa.
Veröffentlicht am 03.04.2015, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 15.05.2019). Textlänge: 389 Wörter; dieser Text wurde bereits 838 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 23.08.2019.
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