Landstreicher

Sonett zum Thema Wege

von  Irma

Die Autobahn hab ich verlassen
und fahre kreuz und quer durchs Land
duch kleine Dörfer, schmale Gassen,
wähl Schleichwege, mach mich bekannt

mit Schafen, die auf Weiden grasen,
hab mir den Weg durchs Feld gebahnt
und leg mich in den grünen Rasen:
Kein Straßenschild mehr, das mich mahnt.

Ich rase nicht, folg nicht den Massen,
aus Angst, den Anschluss zu verpassen.
Der Mohn blüht feuerrot im Blau

der Kornblumen. Ich weiß genau:
Vielleicht komm ich so nie ans Ziel,
doch sehe ich in jedem Fall viel mehr.

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Kommentare zu diesem Text


 niemand (09.09.15)
Ist die letzte Zeile bewußt so sperrig gestaltet worden?
LG Irene

 Irma meinte dazu am 10.09.15:
Eigentlich ja, Irene. Natürlich hätte ich ganz schlicht reimen können:
"Doch sehe ich in jedem Fall sehr viel."
Aber das wäre mir irgendwie zu glatt gewesen. Eine bestimmte Irritation war durchaus beabsichtigt.

Wir meinen oft, das Leben rase in affenartiger Geschwindigkeit an uns vorbei. Aber das stimmt nicht. Wahrscheinlich sind wir es, die auf der Überholspur an unserem Leben vorbeirasen. Es gibt manchmal Situationen im Leben, die uns zwingen, innezuhalten. Die uns stopern lassen. Zum Beispiel eine Krankheit, die uns zwingt, unser bisheriges Leben zu überdenken und die gewohnten Pfade zu verlassen. Weniger Hektik, mehr Ruhe.

Folgt man dem heutigen Mainstream, diesem 'immer schneller', dann verpasst man unendlich viel. Deshalb wollte ich die Betonung auf dieses "Mehr" an Lebensqualität legen, das uns oft entgeht im Alltag:
"Doch sehe ich in jedem Fall viel mehr."
Alternativ wäre für mich noch diese Variante möglich gewesen:
"Doch sehe ich in jedem Fall sehr viel mehr."
Hier wäre der Reim glatt, aber das angefügte "Mehr" so etwas wie ein lohnenswerter Zusatz. Ich weiß selbst nicht, was mir besser gefällt und stelle hier nochmal beide Varianten zur Diskussion.

Ich freue mich, dass dir mein Sonett trotz allem gefällt und bedanke mich für die Empfehlung. Aber auch für deine ehrliche Kritik. Das ist für mich immer ein Anlass, noch einmal über meinen Text nachzudenken. Ganz lieben Dank und Gruß, Irma
(Antwort korrigiert am 10.09.2015)

 AZU20 (09.09.15)
Gefällt mir. Die letzte Zeile ist wirklich wein wenig problematisch. LG

 Irma antwortete darauf am 10.09.15:
Problematisch ist sie eigentlich nicht, Armin. Ungewöhnlich vielleicht. Ich habe versucht, meine Intention mit Hilfe eines Stilmittels zu unterstreichen. Freue mich, dass dir mein Sonett trotzdem gefällt. Lieben Gruß und Dank für die Empfehlung, Irma
Abulie (45)
(09.09.15)
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 Irma schrieb daraufhin am 10.09.15:
Das stimmt! Das mit der Irritation war jedoch mein Ziel, liebe Abulie (siehe oben). Insofern freue ich mich, wenn ich dieses erreicht habe. LG Irma
chichi† (80)
(09.09.15)
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 Irma äußerte darauf am 10.09.15:
Das ist wunderbar, liebe Chichi! Aber bitte dabei nicht alle meine Rabatten niedertreten! ) LG und Dank, Irma
janna (66)
(09.09.15)
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 loslosch ergänzte dazu am 09.09.15:
"Kein Straßenschild mehr, das mich mahnt

zu rasen." geht nicht auch "... mahnt vorm Rasen"?

 niemand meinte dazu am 09.09.15:
die letzte, verlängerte Zeile unterstreicht das "viel mehr".

Braucht es denn einer solchen "Unterstreichung"? wo doch der Text [die Sprache] schon alles sagt. Natürlich kann man es machen, liegt alles im Ermessen des Schreibers. Für mich ist ein solches Doppelmoppel jedoch irgendwie ein Wink mit der Zaunlatte, den ich nicht brauche, solange mein Kopf noch denken kann.

 Irma meinte dazu am 10.09.15:
@janna und @loslosch: Schön, dass du dich nicht an meinem "viel mehr" störst, Janna. Ich habe aufgrund der vielen Einwände trotzdem nochmal neu nachgedacht und bin am Überlegen zwischen zwei Varianten (siehe meinen Kommentar bei Irene oben). Was würde dir besser gefallen?

Mit dem Straßenschild hast du natürlich Recht. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung wäre kontraproduktiv, denn wir werden auf der Autobahn des Lebens ja gerade zur Raserei angetrieben! Insofern funktioniert auch Los Vorschlag nicht.

Ich habe den Text jetzt soweit abgeändert, dass die Straßenschilder mehr allgemeiner gefasst sind. Auf den freien Wegen gibt es keine Gebote und Verbote mehr, hier können wir ganz frei unseren eigenen Weg gehen. Denke und hoffe, das ist jetzt besser so. Ganz lieben Dank euch beiden! LG Irma

@niemand: Ich finde wie oben schon erläutert durchaus, Irene, dass Inhalt und Form in geeigneter Weise miteinander einher gehen dürfen und Stilmittel die Aussage eines Gedichtes unterstreichen sollten. Brüche sind durchaus angebracht, da wo ein Ausbrechen (aus dem Gewohnten) angezeigt ist. Aber das ist, wie du schon sagst, Geschmackssache. Ich danke dir! LG Irma
(Antwort korrigiert am 10.09.2015)
janna (66) meinte dazu am 10.09.15:
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 Irma meinte dazu am 11.09.15:
Der Klang ist in jedem Fall ein Argument, Janna! Dann lasse ich es erst einmal so. Dankeschön für deine erneute Rückmeldung! LG Irma
(Antwort korrigiert am 11.09.2015)

 TassoTuwas (10.09.15)
Die asphaltierten Schnellstraßen verlassen und neugierig ins Unbekannte aufbrechen.
Mutiger aber guter Ratschlag.
Liebe Grüße
TT

 Irma meinte dazu am 10.09.15:
Das denke ich auch. Es gibt so viel zu entdecken! Dankeschön, lieber Tasso! LG Irma
Agneta (62)
(10.09.15)
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 Irma meinte dazu am 11.09.15:
Ja, das ist wohl wahr. Dankeschön, Agneta! LG Irma
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