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Begegnung mit der Zukunft

Parabel zum Thema Hoffnung/Hoffnungslosigkeit


von Sakura

Eines Tages, als ich nichtsahnend meines Wegs ging, hörte ich ein Wehklagen aus einer Nachbargasse. Ich ging den Mitleid erregenden Geräuschen nach, um deren Quelle zu erkunden.
Bald schon hörte ich, wie dass Jammen lauter wurde. Unverzüglich beschleunigte ich meinen Schritt und ging dem Wehklagen weiter entgegen. Nach einer Weile schließlich entdeckte ich eine hölzerne Marionette, die wie vergessen in einer dunklen Ecke lag.
Ich fragte sie, was sie so quälte, und ob ich ihr vielleicht helfen könne.
„Ach“, klagte sie. „Der freie Wille ist mir versagt, ich werde gesteuert von fremder Hand, bin gefesselt – an das unsichtbare Wesen, welches mich erschaffen hat“. Verwundert lauschte ich ihren Worten und fragte, nachdem sie geendet hatte: „Wer sagt dir denn, du hättest keinen freien Willen?“
Nach langem Schweigen löste die kleine Puppe zögernd den Blick vom Boden, der ihr Schutzwall und Grab zugleich zu sein schien. „Ich weiß es selbst nicht“, gab sie zu und fuhr fort, „aber sieh mich doch an, ich kann gar nicht frei sein.“ Ihre Worte verwunderten mich und ich setzte mich zu ihr, um mehr zu erfahren: „Wenn du sagst, die Freiheit sei für dich unerreichbar, bedeutet das dann auch, dass du nicht frei sein willst?“ Ihr Schluchzen verstummte. Die Stille dröhnte unangenehm, beinahe quälend in meinen Ohren, bis die Marionette schließlich weitersprach: „Nein.“ Ihre Stimme (mittlerweile wunderte ich mich, wie sie wohl ihrem hölzernen Körper solch weiche und sanfte Töne zu entlocken vermochte) zitterte leicht. „Eigentlich wünsche ich mir die Freiheit sehnlicher als alles andere, sonst würde ich mein Los nicht beklagen. Aber sieh mich doch an – ich bin nur eine Figur aus Holz, an Fäden gebunden, gefesselt. Wie soll ich denn so frei sein können?“
„Gar nicht“, stimmte ich ihr zu. „So, wie du dich wahrnimmst, hast du recht mit dem, was du sagst. Doch wer oder was sagt dir, dass es so ist, wie du glaubst?“
Ihr Gesicht spiegelte absolute Fassungslosigkeit wider und ihre Augen, obwohl ich nur zwei aufgemalte Kreise vor mir sah, erweckten den Anschein, als wollten sie aus ihren Höhlen treten. „Die unnachgiebigen Fäden an meinem Körper, die mich fesseln und zu ihrem Sklaven machen; den hölzernen Körper! Siehst du meine Gestalt denn nicht, so wie sie ist?“ Ich blickte geradewegs in die Kreise: „Natürlich sehe ich all dies. Doch wer behauptet, dass es wahr sei? Die Fäden könnten – rein theoretisch – genausogut nur in deinem Kopf existieren. Wer weiß, was deine eigene Wahrheit ist? Vielleicht wärst du sogar ein Mensch aus Fleisch und Blut, wenn du sie entdecken würdest. Ich, und wahrscheinlich auch der Rest der Welt, sehen dich in der hölzernen Gestalt, die hier vor  mir liegt, aber es muss nicht bedeuten, dass es Wirklichkeit ist.“ Zögerlich hob die kleine Puppe ihre schmale, hölzerne Hand und hielt sie vor sich. „Aber... aber die Fäden und das Holz, ich sehe sie doch – sie sind real“, wandte sie ein und ihre Augen füllten sich zu meiner Überraschung mit Tränen, die an ihr herunterrannen und ein Rinnsal auf dem Boden bildeten.
„Äußerlich mögen diese Dinge zwar real sein“, stimmte ich zu, „aber was, wenn dem nur so ist, weil du selbst sie für real hältst? Die Fäden, die dich halten, das Holz... was ich sehe, mag Wirklichkeit sein, aber doch nur, weil du es zu deiner Wirklichkeit werden ließt.“ Langsam senkte die  Puppe ihren Kopf. „Die Hand“, flüsterte sie beinahe unhörbar. „Die Hand, die die Fäden hält und mich quält, tagein, tagaus. Die Hand, die jede Entscheidung fällt, die Hand, der ich folgen muss, ob ich nun will oder nicht. Kannst du sie denn nicht sehen?“ Nachdenklich betrachtete ich die Fäden, die schlaff auf dem Boden lagen. „Ja, ich kann die Hand sehen und mich schaudert bei ihrem Anblick. Jedoch sehe ich sie nur, weil du sie siehst. Und dass du siehst, kann zwar, muss aber dennoch nicht heißen, dass sie existiert.“
„Ich will sie aber nicht sehen, ich will nicht!“, weinte sie. - „Na, dann siehst du sie auch nicht. „ Ich stand auf und  als ich ihr in die aufgemalten Kreise in ihrem Gesicht sah, meinte ich sogar für einen Moment, Augen darin erkennen zu können. „Ich werde nun gehen.“, beendete ich die Unterhaltung nach einer Weile. „Nein“, flüsterte sie zunächst und als ich nicht reagierte, schrie sie beinahe „Nein, lass mich nicht allein!“ Ein letztes Mal drehte ich mich um. „Ich lasse dich nicht allein, und auch sonst niemand.“ Eine Schneeflocke schwebte langsam herab und schmolz auf dem hölzernen Gesicht. „Niemand außer dir selbst.“
Und mit diesen Worten verließ ich die kleine, unscheinbare Gasse und setzte meinen Weg fort.
Eine Weile später, es mochten Stunden oder auch Tage vergangen sein, traf es sich, dass ich das Verlangen spürte, in den nahegelegenen Park zu gehen. Die Sonne schien freundlich und einladend vom Himmel herab, und die Vögel sangen ihre Lieder. Es war Frühling. Die ganze Komposition aus Eindrücken, Gerüchen, Geräuschen und der Wärme auf meiner Haut lockten mich schließlich zu einer Parkbank, und so beschloss ich, eine kleine Ruhepause einzulegen. Gedankenverloren saß ich nun, blickte in die Ferne und bemerkte zunächst gar nicht, dass sich mir eine junge Frau näherte. Doch als ich sie schließlich wahrnahm, erkannte ich sie sofort. Ihre langen, kupferroten Locken tanzten in der leichten Brise, die sie mit jedem Schritt begleitete, ihr Gang war leichtfüßig und unbeschwert. Doch ihre tiefgrünen Augen zogen mich sofort in ihren Bann. Sie funkelten wie die kostbarsten Smaragde, die ein Menschenauge je erblicken durfte. Freudig begrüßte ich die Vertraute und sagte ihr, wie froh ich sei, sie zu sehen. Ein Lächeln ging über ihr Gesicht. „Die Freude ist ganz meinerseits“, sie legte ihre Hand auf meine Schulter und fuhr fort, „ohne dich wäre ich nun nicht hier, und ich möchte mich von ganzem Herzen für deine Hilfe bedanken.“
Ich blickte in ihr freundliches, offenes Gesicht, das dennoch bei näherem Hinsehen von einem trüben Schleier überschattet zu sein schien. „Ich schätze deine Worte sehr,“ entgegnete ich, „doch die einzige Person, der du danken musst, bist du selbst.“ Nachdenklich senkte sie den Kopf. Zuerst wirkte es, als fiele sie ein wenig in sich zusammen, doch schließlich klärte sich ihr Blick. Aus ihrem Inneren trat ein Leuchten hervor, was stetig anschwoll, stärker und stärker wurde, so intensiv, dass ich schließlich nur noch ein gleißendes Strahlen sah, das sie liebevoll wie ein Kokon umhüllte. Ein warmer Wind kam auf, fuhr über  Haare und Haut, und streichelte mein Gesicht. Etwas vergleichbar Wunderbares hatte ich noch nie erfahren.
Wenig später legte sich der Wind, auch das Licht zog sich nach und nach zurück, sodass ich den Park wieder erkennen konnte. Alles war wie vorher, als sei niemals etwas geschehen, die schöne Frau aber war verschwunden. Doch im Gras, das ihre Füße zuvor berührt hatten, lag ein Smaragd von unvergleichlicher Schönheit und funkelte in der Frühlingssonne.

Sakura
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Veröffentlicht am 15.10.2015, 3 mal überarbeitet (letzte Änderung am 15.10.2015). Textlänge: 1.125 Wörter; dieser Text wurde bereits 447 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 15.04.2019.
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