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Edwin und das schöne Mädchen

Märchen


von pondo

Vor vielen, vielen Jahren schien der Mond auf das Türmchen eines prächtigen Gutshauses, in dem ein reicher, doch gebrechlicher alter Mann saß und grübelte. Er war in Sorge ob seiner väterlichen Pflichten. Des alten Mannes Tochter war mit ihren haselnussbraunen Augen und dem wallenden braunen Haar das schönste Mädchen der ganzen Gegend und es verdrießte ihn, dass sie in naher Zukunft das Heiratsalter erreichen sollte. Sie interessierte sich bereits jetzt über die Maßen für die Jungen aus der Gegend. Der alte Mann stand daher vor der unangenehmen Aufgabe, einen geeigneten Burschen für sie aus all den Tagedieben und Taugenichtsen auszuwählen, bevor sie das selbst tat. Die Burschen aus der Umgebung waren, so schien es ihm, verantwortungslose Draufgänger, Tunichtgute und Halbstarke, allesamt feige, ohne Manieren und unwissend darüber, was sie vom Leben erwarteten. Er verzweifelte allmählich.
So grübelte der alte Mann noch die ganze Nacht hindurch, bis er in den frühen Morgenstunden einen nüchternen Entschluss fasste.
Wenige Stunden später rief er jene Burschen zu sich, von denen er wusste, dass sie Gefallen an seiner Tochter fanden. Als sie alle versammelt waren, sprach er: »Liebe Jungen. Der Tag der Volljährigkeit meiner Tochter ist nahe. Manche von euch mögen sie, manche mögen sie sehr. Denjenigen von euch, die je in Betracht gezogen haben, um meine Gunst zu bitten, möchte ich eine Aufgabe stellen.«

Unter den Jungen befand sich auch Edwin, der junge Tollpatsch. Stärker als alle anderen, das fühlte er, wollte er die Tochter des alten Mannes für sich gewinnen. Seitdem er sie vor einem Jahr auf dem Dorffest gesehen hatte, begleitete ihn ihr liebliches Gesicht allabendlich in den Schlaf; und wenn er erwachte, war das Erste, an das er dachte, sie mit ihrem ihm so lieblichen Gesicht. Wenn sie ihn bisher auch nicht beachtet hatte, so war die Aufforderung ihres Vaters eine Chance auf ihre Aufmerksamkeit, ein Hauch einer Chance, die er zu nutzen beabsichtigte. Die Aufgabe ihres Vaters war eindeutig. Es ward ihnen aufgetragen, um Mitternacht den Wald zu durchqueren. Wer auf der anderen Seite am schnellsten wieder hinauskam, der verdiente sich die Gunst des Vaters.

Im bleichen Mondschein standen die Burschen kurz vor Mitternacht am Eingang des Waldes, zwölf an der Zahl, und warteten. Da trat der alte Mann aus einem Schatten heraus, rief: »Obacht Jungs – auf geht's!« und verschwand wieder im Dunkel. Hektik brach aus, einer der Jungen stolperte, ein anderer schlug Edwin seinen Ellenbogen ins Gesicht, sodass er fiel. Als dieser sich mit blutender Nase wieder aufrichtete, waren alle anderen schon vom Wald verschluckt. Er eilte just auf den Eingang des Waldes zu, als er aus dem Augenwinkel im Geäst eines Baumes eine Hexe sitzen sah, die leise kicherte. Er wandte sich zu ihr um, wie sie unter dem sternenklaren Firmament saß, und sah sie an. Ihr bohrender Blick fiel auf ihn, und sie rief:
»Wer wird entkommen, wer wird gebunden? Wer kann sich wehren, und wer bleibt verschwunden?«
Dann kicherte sie wieder, bestieg ihren Besen und entschwand in den Nachthimmel. Edwin betrat mit einigem Schaudern den Wald.
Nachdem er einige Zeit einfach zwischen Ästen und Zweigen hindurchgetrabt war, sich lose am Monde orientierend, schon voller Kratz- und Schnittverletzungen vom Unterholz, begann seine anfängliche Hoffnung zu schwinden. Er wurde langsamer und sah sich um, unsicher darüber, wo er sich befand. Die dräuende Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit bekümmerte ihn, und wenn er ihr liebliches Gesicht nicht so stark vor seinen Augen gespürt hätte, er wäre umgekehrt. Doch so sprach er sich neuen Mut zu und lief weiter.
Das klare Leuchten der Sterne und der verschmitzt lachende Mond ließen ihn in eine leichte Trance verfallen, als sich ein anderer Geruch als der des Laubes, der Bäume und der Erde unter seine Sinne mischte. Es vergingen einige Momente, bis ihm einfiel, dass es gebrannte Mandeln waren. Er blieb stehen. Und vernahm er nicht auch...? Er schritt in die Richtung einer kleinen Lichtung und tatsächlich, er hörte leise Orgelmusik. Drehorgelmusik. Er durchschlug ein Gebüsch und erblickte jetzt auch die vielen bunten Lichter, die vielen kleinen Stände mit Zuckerwatte und Lebkuchenherzen und die Schießbuden und das rege Treiben, das auf der Lichtung herrschte. Aufgeregt schüttelte es ihn. Clowns mit zu großen Schuhen und lustigen Gesichtern schlugen Räder und Salti durch die Menge, Losverkäufer preisten ihre Gewinne an und ein Affe tanzte im Mondschein auf dem Leierkasten des Drehorgelmannes. Edwins Augen wurden immer größer, Aufregung und Neugier nahmen ihn völlig ein. Fahrgeschäfte taten sich vor ihm auf, die – Potzblitz! - alle von einem riesigen Karussell am hinteren Ende der Lichtung in den Schatten gestellt wurden. Ein Lächeln stahl sich in Edwins Gesicht, er lief darauf zu, er hatte schon immer einmal mit einem solchen Karussell fahren wollen! Menschen aller Altersklassen waren auf den Figuren der Elefanten, Pferden, Zebras und Delfinen vertreten und alle jauchzten vor Freude und strahlten vor Glück. Edwin hatte das Gefühl, sein Körper reagierte von ganz alleine, und er ließ es bereitwillig geschehen. Sogleich saß er auf einem großen Frosch und spürte den Fahrtwind in seinem Gesicht. Es drehte sich wesentlich schneller, als er gedacht hatte, es war wunderbar. Er jauchzte, pure Lust erfüllte ihn.

Schneller! Schneller! Rundherum! Rundherum!

Er wusste nicht, wie viel Zeit bereits vergangen war. Im Grunde kümmerte es ihn auch nicht, für den Moment kümmerte ihn gar nichts, in großer Erregung freute er sich immer nur auf die nächste Runde und auf die danach - aufkommende Gedanken wischte er einfach beiseite! Derart beschwingt fuhr er, als plötzlich das liebliche Gesicht der schönen Tochter vor seinem geistigen Auge hell erleuchtete. Er zuckte zusammen, fast hätte er sie vergessen. Er sah auf seine Finger hinab, die vor Kälte schon ganz blau gefroren waren. Auf einmal war es nicht mehr angenehm, auf dem Karussell zu fahren. Seine Nackenhaare stellten sich auf, als er sah, dass die anderen Menschen auf den Pferden und Elefanten nicht etwa junge und alte Menschen aus dem Dorf waren, wie er zuvor gedacht hatte. Es waren die anderen Burschen, alle um Jahre gealtert. Ihre Gesichter zeichnete verschwommene Glückseligkeit, doch ihre Züge waren schlaff und gespenstisch leer. Und für jede Runde, die sie drehten, färbten sich ihre Gesichter weiter zu Asche, schrumpelte ihre Haut stärker, fielen ihnen immer mehr Haare aus. Und sie merkten nichts davon, mit schrillem Jauchzen fuhren sie weiter. Und ebenso er! Im kalten Schauer der Angst sprang Edwin von seinem Frosch herunter und purzelte über den Boden. Wo zuvor Clowns lustige Räder geschlagen, standen sie da und grinsten ihn mit zerfurchten Fratzen an; anstelle der Drehorgelmusik tönte eine Kakophonie kreischender Melodien in seinen Ohren und oben über dem Karussell am wolkenlosen Himmel drehte die Hexe auf dem Besen ihre Kreise und sang vergnügt: »Wen werd ich binden! Wen werd ich binden! Wen lass ich geh'n und wen heut' verschwinden! Wen werd ich -«
Edwin rannte von der Lichtung und dem Zirkus davon. Er rannte und rannte, stolperte und rannte und bemerkte gar nicht, wie das die Bäume überragende Karussell hinter ihm langsam verblasste. Er rannte, fiel hin, rappelte sich wieder auf und rannte immer nur weiter, während ihm in den Ohren klang: Wer wird entkommen, wer wird gebunden, wer wird sich wehren und wer bleibt verschwunden...

Mit letzter Kraft durchbrach er ein weiteres Gebüsch und stürzte unvermittelt auf der anderen Seite aus dem Wald. Auf allen Vieren gelandet, grub er seine Hände keuchend ins Gras. Da bemerkte er seinen buschigen Bart und die Furchen in seiner Haut und realisierte, dass sein Körper ebenfalls gealtert sein musste. Wie weit wohl?
»Ich helfe Dir auf«, sagte da eine liebliche Stimme und Edwin erschrak ob des Anblicks der wunderschönen Tochter. »Mein Vater ist heute Abend gestorben. Sein letzter Wille war es, hier nach einem Jungen Ausschau zu halten, der etwas Außergewöhnliches für mich getan hätte.« Sie musterte Edwin neugierig und offenkundig gefiel ihr, was ihr sah. »Morgen werde ich trauern. Jetzt sollten wir einen Kaffee aufbrühen.«
Und so ergriff Edwin die Hand der schönen Tochter, ging mit ihr ins prächtige Gutshaus und lebte dort mit ihr glücklich und zufrieden bis zum Ende ihrer Tage.

Anmerkung von pondo:

Inspiriert von der Insane Clown Posse.


pondo
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Veröffentlicht am 10.11.2015. Textlänge: 1.324 Wörter; dieser Text wurde bereits 298 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 11.12.2019.
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