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Hinter dem Wald

Predigt zum Thema Abendstimmung


von LotharAtzert

Immer reizest du mich, freundliches Auge der Nacht,
wenn du dem Ost entsteigst, und im roten Gewand
hinter dem Walde hervorgehst,
oder im grauenden Westen sinkst.

Immer reizest du mich, wenn du durch das Geweb,
das der Lindenbaum webt, lächelnde Blicke winkst
oder Edelgesteine ...
über die blendende Schneeflur streust.
Ludwig Hölty (21.12. 1748 - 1.9. 1776)

Als ich jung war, interessierte es mich schon frühzeitig, zu erfahren, woher denn alles Existierende ursprünglich kam. Der Begriff "ursprünglich" erschien mir der springende Punkt zu sein, denn daß Kinder aus dem Mutterleib kamen, implizierte ja auch nur, daß die Mütter ihrerseits in schier endloser Folge aus Leibern austraten, eins aus anderem, nur den Urleib findet man nicht.
Daß wir so denken und das Gedachte - Henne oder Ei - auf diese und jene Weise ausdrücken, tiefer reflektieren können, verdanken wir den Worten ... der Muttersprache. Wobei schon das einzelne Wort mir oft Vielgestaltiges zu denken gibt - Vater und Land verschmolzen beispielsweise früh zum Begriff Vaterland, während Mutter und Sprache im allgemeinen Sprachverständnis zur  Muttersprache wurde. Warum es so und nicht anders herum ist - darüber lohnt es sich, zu meditieren.

Es war aber nicht die gewöhnliche Sprache, die mich faszinierte, sondern das, was man unter dem Begriff "Dichtung" verstand. Als mir dann nach Jahren ein Buch die vorläufige Antwort auf die Frage nach deren Wesen gab, nämlich es handele sich um das Anschaulichmachen von Sprachbildern für das Gemüt, wirkte das auf mich wie eine Initialzündung. Wieder war es so ein zusammengesetztes Wort, das für mich ein Erkennen weiterer Ebenen bereit hielt: Der Begriff "Anschaulichmachen". Eine Gestalt konnte man anschauen - und je worauf wir das Augenmerk richten, sehen wir ein Bild, eine Landschaft, ein Lebewesen. Und je nach "Handhabung" der Worte malen wir, oder musizieren, oder schauen schweigend ein Mysterium. Und durch die Frage nach dem Ursprung wurde mir der Bildbegriff rasch zum Begriff der "Urbilder" komprimiert.
Ein Ur-Bild-Begriff ist für den Geist wie ein Samenkorn, welches - als Entsprechung - durch die vier Jahreszeiten sich entwickelnd durch Geist und Empfindung zieht: im Frühling treibt er aus, im Sommer zieht ihn das Leben als Frucht zur Erfüllung, im Herbst hat er sich wieder nach innen zu kehren, um im Winter den gesammelten Kern zu erfahren. Wie im Großen, so im kleinen ...
Heute haben wir keine klar abgegrenzte Jahreszeiten mehr und muttersprachlich ist es entsprechend - die Lehre der Entsprechungen ist zwar nicht mehr populär, aber zeitlos in ihrer Wirksamkeit.

Das Wort Urbild, manchmal auch Archetypus oder Idee genannt, stammt aus dem Barock (bis etwa 1770), einer Zeit, in der letztmals das Empfinden, sowie dessen Ausdruck als Ideal im Mittelpunkt  menschlichen Lebens standen, ohne daß es durch Wissenschaftlichkeit "zweckdienlich" entmachtet wurde. Dh. das Irdische und das Himmlische waren noch nicht zerrissen, sondern - wie oben, so unten - der Himmel mit seinen zeitlosen Urbildern spiegelte sich allzeit im irdisch-vergänglichen Geschehen.  Deutlich wird es in der Musik, wenn man zum Beispiel an J.S. Bachs Fugen denkt. (lat. fuga - Flucht)
Nichts ist flüchtiger, als der Ton, der so zum Sinnbild irdischer Vergänglichkeit wird..

Als ich jung war, konnte ich stundenlang auf einem Baumstamm sitzen und vor mich hin murmeln: "Stamm ... stemmen ... Stimme ... Bestimmung ... stumm ... Stummel ..." - eine Ordnung lag da in dem, was wir "Sprache" nannten. Ein Wort konnte sich ebenso verzweigen, wie ein Baum - und zugleich hing doch alles zusammen an derselben Wurzel, doch wurden wir weder in der Schule nach dem Erlernen des ABCs darauf aufmerksam gemacht, noch hörte ich von den Eltern diesbezügliches - gerade so, als läge darin ein Verbotenes. Vielleicht, so kam es mir vor, stammten wir nur körperlich aus den jeweiligen Familien, mußten dort Frondienste ableisten, während der Geist andere Väter und Mütter haben konnte, himmlischere - aber auch tieferliegende, dämonische, höllische. Immerhin ahnte ich, daß  Assoziationen, wie jene mit dem Stamm, auf dem ich saß, durchaus einen Erkenntnisweg darstellten, einer, der das Unterbewußte mit einbezog, ihm aufwärts verhalf, statt mittelst Logik auszugrenzen ... Weg ... Wagnis ... gewogen ... Woge ... wo ... mir fiel der Kalenderspruch ein, von einem Römer - Seneca: "Den Wagenden führt das Schicksal; den Nichtwagenden reißt es mit sich fort".

Im Barock - man erinnere sich - rund und prall und überquellend vor Empfindung, ein Frühsommer der Empfänglichkeit und Dankes-Überschwang - Denken, danken, Andacht: Hölty, am Tag der Wintersonnenwende geboren, war der letzten Erinnerer dieser Art. Nach ihm kamen die Tüchtigen, die Aufgeklärten, die den Himmel entmachteten und sich an Seiner statt mit Wissen über alles Stoffliche aufbliesen ... dazu ausgleichend die alles beklagenden Jammerer mit ihren seicht-sentimentalen, verzweifelten Liebesgefühlchen ...

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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von BabetteDalüge (67) (01.01.2016)
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LotharAtzert meinte dazu am 01.01.2016:
Wieso nur für uns beide? Ein feines neues Jahr für ALLE!
(hinterm Wald - dem Unbewußten - sind's sowieso nur wenige)
Danke für die Empfehlung.
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BabetteDalüge (67) antwortete darauf am 01.01.2016:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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