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Stell dir vor du wachst auf, und es ist Anarchie

Drama zum Thema Andere Welten


von HarryStraight

2 Personen:

Markus  von der Erde
Ronja aus Anarchotopia


(Markus erwacht in einem Zelt auf einer Pritsche, zugedeckt, setzt sich auf und guckt sich um.)

Markus: Was ist geschehen? Wo bin ich hier? Wer ist da?

Ronja: Hallo Markus, mein Namen ist Ronja. Ich bin für dich zuständig, um dich hier in alles einzuweihen. Also, mein Lieber: Willkommen in der Anarchie! Du bist jetzt in einer besseren Welt, einer anarchistischen Welt, in der es keine Regierung gibt, und wir alle die Dinge selbst in die Hand nehmen, in engstem Zusammenhalt. Alles ist von uns für uns nur mit uns selbst. So ist es und so soll es sein. Du musst dir fortan um nichts mehr Sorgen machen, den für alles finden wir gemeinsam eine Lösung. Du bist es uns wert!

Markus: WO bin ich? In einer besseren Welt? Bin ich nicht mehr auf der Erde? Bin ich auf einem anderen Planeten? Wo andere Zustände sind?

Ronja: Ja genau.

Markus: Aber das ist ja großartig! Darauf habe ich mein ganzes Leben lang gewartet. Ich habe immer davon geträumt: Da war dieses Zelt, in dem ich aufwache, und ist diese wunderschöne Frau geweckt. Das bist du! In diesem Traum ist alles gut! Wow, ich bin wirklich hier! Nur: Was wird jetzt aus meinen Leuten? Werden sie nicht bemerken dass ich weg bin? Werden sie mich vermissen? Kann ich ihnen mal einen Besuch abstatten?

Ronja: Das wird leider nicht gehen, entweder ganz bessere Welt oder gar nicht. Du kannst wieder zurückgehen, allerdings nur unter der Bedingung, dass du nie wieder her kommst zu mir.

Markus: Und was ist mit mir genau geschehen? Warum bin ich nicht mehr auf der Erde?

Ronja: Nun ja, du hast dich zum lernen hingesetzt und ein wenig gedöst. Dann bist du zum Träumen gekommen und hast dich hier zu uns geträumt. Die Wahrheit ist: Jeder schöne Moment ist eine ganze Ewigkeit. Daher bist du hier bei uns, für immer. Du kannst es entweder wahrhaben, oder nicht. Entscheidest du dich dagegen, und lässt die Seifenblase platzen, dann wird die Zeit für dich weitergehen.

Markus: Mir soll es egal sein, was die Menschen auf der Erde von mir denken; egal ob sie mich Penntüte nennen, ich werde weiter in meinem Traum bleiben. Hauptsache ich bin raus aus dem Laden, kann unter alles einen Schlußstrich ziehen, es abhaken. Ich will leben, Ronja, verstehst du, leben! (fasst Ronja an die Schultern) Oh wie schön, dass wir uns gefunden haben! Was willst du mir als erstes zeigen?

Ronja: Schön, dass du dich für uns entscheidest! Komm, wir machen eine kleine Tour durch die Anarchie!

(Beide gehen.)

Ronja: (zeigt auf Publikum) Das sind deine neuen Leute, dein Volk, deine Gemeinde! Du wirst sie noch alle kennelernen und beim Namen nennen, einen nach dem anderen. Du wirst einige lieben und wieder verabschieden und dich einfach mit neuen Leuten anfreunden, wenn dir die alten nicht mehr passen. Aber keine Sorge: In der Anarchie wirst du immer jemanden finden, denn es gibt so viele Leute, die mit dir zusammenarbeiten wollen, die dir beistehen und das Ding mit dir gemeinsam durchziehen. Alle engagieren sich selbst dafür, dass die Dinge funktionieren. Jeder will, dass der Laden hier läuft. Darum funktioniert auch unsere Wirtschaft so gut! Die Märkte blühen! Und alle sind glücklich mit ihrer Arbeit und in ihren Beziehungen!

Markus: Wow, die sehen ja unglaublich toll aus. Alle so individuell! Ha, man kann jeden vom anderen unterscheiden! Es ist als würden sie ihre Gefühle mit ihrer Kleidung ausdrücken!

Ronja: Tja, sie sind frei! Keiner schreibt ihnen etwas vor, denn es gibt keine Chefs! Nur freundliche Leute, die mehr wissen und dich in alles einweisen!

Markus: So wie du mich jetzt!

Ronja: Genau. Ich lebe schon 20 Jahre hier und kenne hier jeden Weg!

Markus: Und lachen sich die Menschen hier gegenseitig auch nicht aus? Das hat mich auf der Erde immer besonders genervt! Dieses ständige Gemobbe.

Ronja: Nein, tatsächlich ist es so, dass wir uns nicht auslachen! Das wäre ja eine Form der Herrschaft des Menschen über den Menschen und darauf haben wir hier hier alle keine Lust mehr gehabt.  Darum sind wir hier. Hier wird über niemandem gelacht, höchstens mit ihnen. Sieh nur hier (zeigt auf zwei Männer, die nebeneinander sitzen): Ein Schwules Pärchen in der Öffentlichkeit! Sie halten Händchen und oh, sie küssen sich! Das macht uns alles gar nichts aus. Und hier (Zeigt auf zwei Frauen die nebeneinander sitzen) zwei Lesben! Das ist doch wundervoll! Wenn es für sie so ist, mir soll es recht sein! Jeder soll Leben, wie es ihm gefällt.

Markus: Jeder darf tun und lassen was er will? Und was ist, wenn der da jetzt sagen wir mal den hier ermorden will.

Ronja: Dann gehen wir alle dazwischen, das ist doch klar. Keiner darf über Tod und Leben eines anderen entscheiden! Das wäre die schlimmste Form der Herrschaft. Sieh es ein: Wir sind Anarchisten, wir dulden so etwas nicht! Keiner herrscht über Leben und Tod eines anderen!

Markus: Haben wir hier auch keine Polizei?

Ronja: Die hat sich als ineffizient erwiesen. Sie haben nur Leute eingesperrt, die unschuldig waren und die Verbrecher haben sie laufen gelassen. Sie waren sozusagen selber Verbrecher. Wir haben ihnen viel zu lange freie Hand gelassen, ohne dass wir sie kontrolliert hätten. Jetzt schauen wir selber nach, wenn etwas nicht stimmt. So viel Selbstvertrauen haben wir.

Markus: Wow, das heißt, ich werde nicht mehr eingesackt und für Stunden unschuldig in die Zelle gesperrt, dort durchsucht, verhört und verprügelt? Das ist ja fabelhaft!

Ronja: Tja, wie du siehst, sind die meisten Menschen hier am Arbeiten. Denn: Wenn kein Herrschertyp uns das Leben mehr schwer macht und wir uns selbst um uns kümmern, können wir auch nicht mehr davon abgehalten werden. Aber auch das kulturelle Leben kommt nicht zu kurz. Kein Markt diktiert uns mehr, was wir künstlerisch ausdrücken sollen. Das wäre Herrschaft des Mehrheit über den einzelnen Künstler. Daher gibt es nur noch Werke von außerordentlicher Qualität, die wirklich aus der Seele kommen.

Markus: Ich hätte da mal eine Frage; etwas, das mich schon lange begleitet: Lehnt ihr wirklich jede Form von Autorität ab? Kann Autorität nicht auch etwas Gutes sein? Ich meine alleine vom Prinzip her, nicht wenn es missbraucht wird versteht sich, wie es zum Beispiel in Diktaturen der Fall ist.

Ronja: Es ist durchaus so, dass wir zu bessere Formen der Autorität gefunden haben, aber wir haben uns von einigen wichtigen Dingen einfach frei gemacht: Polizei, Chef-Kultur, Mainstream und Angst sind einfach unnötig geworden – darum vermögen wir es hier ohne Macht, Kontrolle, Druck und Hass zu leben. Das ist dann in jedem Fall besser. Geschützt wird bei uns die natürliche Autorität, die ein Mensch von sich aus einfach hat und die nicht verletzt werden darf. Diese Autorität wird geliebt, daran besteht kein Zweifel, das sagt auch die Wissenschaft, doch Autorität kann aber kein Weg sein, mit anderen umzugehen. Man sollte niemandem etwas aufzwingen. Nur so ist ein Leben in Freiheit für alle möglich.

Markus: Toll, ich würde gerne Teil von euch werden. Gibt es hier auch eine Bibliothek?

Ronja: Du willst lernen? Obwohl du gerade beim Lernen eingeschlafen bist und dich zu uns träumtest? Obwohl du es einfach nicht mehr ausgehalten hast?

Markus: Klar, wenn ich nicht mehr muss, dann macht es mir viel mehr Spaß. Ich will ja eigentlich, aber es wird mir alles zu viel! Und immer musste ich lesen, was ich gar nicht lesen wollte. Da fühlte ich mich fremdbestimmt. Jeder Buchstabe, den ich las war einer zu viel! Aber es gibt jede Menge gute Bücher. Und wenn man genug Zeit hat und Muße sie zu lesen, dann kann man sich da durchaus mal ranwagen. Ich denke, es lohnt sich.

Ronja: Wow, so hätten einige Leute auf Erden dich nicht eingeschätzt.
Markus: Die Anarchie zeigt Wirkung! Ich rieche einfach den Wind der Freiheit!

Ronja: Toll, dann kann es losgehen! Eins zum Anfang: Das wichtigste ist hier der Austausch. Wenn du ein Projekt ins Leben rufen willst, dann frag einfach jemanden, der in die Richtung schon etwas macht und frag ihn um Unterstützung. Auch er wird dann alle Menschen fragen, die er kennt und von denen er denkt, dass sie behilflich sein könnten. So braut sich spontan alles zusammen. Es wird einfach das Potential genutzt, das da ist. Jeder geht einfach dahin wo Arbeit ist, bekommt eine Schulung und kann dann wieder dahingehen, wo er mehr Lust drauf hat. So wahren die Menschen ihr Interesse daran, überhaupt etwas zu tun und sitzen nie untätig rum.

Markus: Okay, ich habe verstanden wie es läuft.

Ronja: Lass uns in ein Restaurant gehen! Wir können uns hier einfach bei jemandem zu Hause einladen und bei ihm essen gehen, oder wir nutzen eines der vielen Restaurants, die von Leuten betrieben werden, die das gerne machen. Geld brauchen wir dazu nicht, es ist vollständig abgeschafft worden, da die Menschheit sich selbst nicht länge einkaufen wollten, sondern sich selber zum Geschenk wurde.

Markus: Hört sich entspannt an.

Ronja: Es gibt allerdings nur vegetarisches und veganes Essen - darauf solltest du dich einstellen. Die Tiere sind unsere Freunde! Durch sie haben wir ursprünglich die Kraft gefunden, unsere Anarchie überhaupt zu errichten. Wir haben gelernt uns mit ihnen zu verständigen, ihnen einfach mal besser zugehört und dann haben sie uns erzählt, wie wir und von der Ausübung von Macht auf uns befreien konnten. Wenn uns also einmal jemand dumm kommt und meint dazu verpflichten zu müssen, etwas ohne Gegenleistung für ihn zu tun, ohne dass wir ihm vertrauen, dann haben wir jetzt einen sehr geübten Blick auf seine Mechanismen der Machtausübung und sagen einfach nein zu ihm! Er muss dann weiterziehen, und jemanden finden, dem er gefällt. Findet er niemandem muss er wohl sein Verhalten ändern. Das ist wirksamer als jeder Revolution und Blutvergießen muss gar nicht sein.

Markus: Ja, wenn die Mehrheit eine bessere Welt will, dann wird sie auch entstehen können!

Ronja: Dass die Tiere über uns Macht ausübten, das war uns egal, hauptsache Menschen taten es nicht. Die Tiere waren gut und sprachen die Wahrheit; sie waren immer auf unserer Seite, Menschen waren einfach zu verunsichert. In Ermangelung des Wissens darüber, wie sie sich zu verhalten hatten, machten sie immer etwas Schlechtes, unterdrückten das Volk, überwachten es, folterten es, schickten es in Kriege, sobald sie an den Schalthebeln der Macht saßen und über die Mehrheit entscheiden konnten. Oh, schau mal hier, wie wäre es mit diesem Restaurant? Hier gibt es viele leckere Sachen, natürlich alles bio!

Markus: Gut, lass uns essen!

(Markus setzt sich an einen Tisch)

Ronja: Nein, hier ist Selbstbedienung.
(gehen zum Buffet und bedienen sich an Speisen und Trank, setzen sich)

Markus: Das sieht lecker aus, und alles einfach so. völlig umsonst.

Ronja: Nun ja, umsonst wird es nicht sein, dein Magen wird gefüllt sein und dein Körper ernährt.

Markus: Mmh, und außerdem schmeckt es gut. Ach, und der Saft schmeckt auch viel besser als zu Hause!

Ronja: Nun, erzähl mir was von dir!

Markus: Ach, mir brennt so vieles auf den Lippen! All das, was ich auf der Erde erlebt habe! Ich werde es nie vergessen!

Ronja: Das musst du auch nicht. Erzähl mir davon!

Markus: Ach, es war mein Leben, auch wenn mich vieles so sehr angekotzt hat!

Ronja: Wie war es für dich?

Markus: Ach, einfach dieser ständige Alltag, diese Hölle! Immer alleine, immer Pflichten zu erfüllen, Bevormundung durch Gesetze, und Kontrolle durch andere Leute. Die Leute taten so, als wären sie alle kleine Kinder, die nicht selbstständig denken konnten und zeigten mir nicht, dass sie da waren, sondern versteckten sich regelrecht vor mir. Dadurch gaben sie mir das Gefühl, mich nicht ernst zu nehmen und nahmen mir viel von meiner Kraft weg. Sie behinderten mich regelrecht! Mein Gott, wie sie sich aufspielten, sträubten und zierten! Wie sie mich ausspionierten. Es war ein regelrechter Eiertanz, wenn ich ihrer sozialen Kontrolle entkommen wollte!

Ronja: Das ist ja schrecklich!

Markus: Was ich am meisten vermisste war das Engagement. Seit meiner Jugend war ich Anarchist und Gesetze waren für mich nicht der Ausgangspunkt meiner Gedanken, sondern der Bedarf vor Ort, den ich einfach sehen konnte, ganz egal was Politiker sagten oder beschlossen! Ich ging meinen Weg für die Menschen, die für mich im Mittelpunkt meiner Handlungen standen. Ich wollte ihnen einfach zur Seite stehen und mich ganz auf sie konzentrieren. Dabei wusste ich was ich wollte und war in dem was ich tat radikal. Da ich mich nicht von meinem Kurs abbringen ließ, mich als Anarchist zu begreifen. Das war mir wichtig, da ich die Kraft aus den Menschen schöpfte, die für mich unabhängig vom Gesetz und aus sich selbst heraus existent waren. Ich sah andere nicht als abhängig von einer Staatsmacht an. Kein anderer war für mich Marionette, Opfer oder Büttel. Ich hasste nicht, verabscheute nicht, erkannte aber wohl, dass einige die Absicht hatten, mir meine Weltsicht zu nehmen. Und dafür lehnte ich gerade die aktuell regierende Staatsmacht um so mehr ab. Es entging mir nicht: Sie entsandten ihre Geheimagenten, die mir auf der Straße auflauerten, um den Anarchismus aus mir zu entfernen, mit dem Ziel mich zu einem Glück- und willenlosen Staatszombi zu machen, der Angst vor den Gesetzen hatte. Doch mit Angst kann man nichts mehr, auch nicht mehr gehorchen. Nur die freie Entfaltung führt zu einem Leben, in dem man bei anderen nicht mehr aneckt. Sicher muss es auch Widerstände geben, aber mussten sie so absolut sein? Die Leute freuten sich ja geradezu, wenn sie mich in meinem Sein vernichteten, und gaben den Agenten recht. Die gingen für mich den falschen Weg. Das war nicht meins!

Ronja: Und weil du dir selbst treu geblieben bist, wurde der Traum für dich wahrheit: Du bist jetzt in der Anarchie, deiner besseren Welt!

Markus: Sag mal, ich finde dich nett! Wie wäre es, wenn wir zusammen sein könnten. Ich meine so als Paar.

Ronja: Wieso nicht, ich finde dich auch hübsch. Wenn es uns nicht gefällt, können wir es ja wieder sein lassen. Es gibt ja genug Menschen an denen du dich dann trösten kannst. Das Leben geht weiter.

Markus: Du denkst schon ans Ende?

Ronja: Das sollte man immer einplanen. Ist meine Ansicht.

Markus: Nunja, immer noch besser als es gar nicht erst zu versuchen.

Ronja: Küssen können wir uns dann ja später, muss ja nicht beim Essen sein.

Markus: Ja, wenn dann eine romantische Situation zwischen uns entsteht.

Ronja: Ich freue mich schon darauf.

Markus: Schön, dass wir über Romantik so offen reden können. Ich habe ein großes Bedürfnis nach Romantik.

Ronja: Ich auch, deshalb suche ich auch nach einem Partner, der mir das geben kann.

Markus: Ich denke ich habe es anzubieten. Einfach weil es mir wichtig ist - das allein zählt.

Ronja: So kommen wir ins Geschäft. Werben muss ja nicht sein,sich  absprechen reicht.

Markus: Fein. Wo waren wir stehengeblieben, über Liebe reden wir dann später, die Sache ist geritzt.
Ach ja, über meine Erlebnisse auf der Erde wollten wir sprechen. Vielleicht hast du ja Ahnung von Psychologie. Ich hatte einige Probleme. Das quält mich immer noch in Gedanken und ich kann da  noch nicht so ganz loslassen. Ich denke reden hilft.

Ronja: Ich bin da.

Markus: Also, es war so, dass ich einfach nicht normal leben konnte. Wenn ich daran denke, dann kommen mir die Tränen. Ich war nicht unglücklich, denn ich hatte ja mich selbst - das Leben ist schön, ganz egal wie die Umstände so sind. Aber ich kam über einige Hürden einfach nicht hinweg und sie quälten mich jeden Tag und das immer mehr. Es wurden immer mehr Barrieren um mich her, die mich von Klarheit, anderen Menschen und Energieflüssen trennten, mit denen ich verbunden sein wollte. Für alles musste ich mich schämen, alles wurde mir zum Problem, das ich dann mit mir rumschleppte.

Ronja: Hast du mal mit dem Gedanken gespielt, dass Psychologen dir bei diesem Problem nicht helfen konnten, sondern es geradezu erzeugten?

Markus: Wie bitte?

Ronja: Ich meine es ernst, denk mal nach! Hast du jemals einem Psychologen richtig zugehört. Bist du dir gewahr geworden, was er da zu dir sagte? Sie bringen dich ständig zurück auf Dinge, die du früher mal dachtest, und verhindern so deine aktuelle Entwicklung. Es ist eine Zwickmühle: Hörst du auf sie, dann haben sie dir erfolgreich verweigert dir überhaupt zu zu hören, und du kannst den Moment mit ihnen nicht teilen - hörst du nicht auf sie, dann verleugnetest du damit deine Vergangenheit. Damit trennten sie dich von deinen eigenen Magien ab und gaben dich dem Unbekannten Preis. In jedem Fall war ihr Verhalten zu dir sehr unmenschlich.

Markus: Sie sagten mir immer, ich solle mal nicht so schüchtern sein. Wenn ich ihnen recht gab und sagte: Ja, schüchtern, das bin ich ja nicht - dann hatte ich mich ihnen gefügt. Wenn ich widersprach und sagte: Nein, das sollte ich wirklich nicht sein, dann verlor ich mein Gedächtnis und wurde zum freischwebenden Element. Und in jedem Fall gab ich ihnen die Genugtuung zu sagen: Siehst du!

Ronja: Du unterstandest ihrer Weisung. Zeichen der Machtausübung von Menschen über Menschen. Das ist die Wahrheit: Psychologen arbeiten für den Erhalt des Staates.

Markus: Auch die Arbeitgeber wendeten Psychologie an. Ich wollte zu ihnen sagen: Haltet die Klappe! Aber dann hätten sie mich gefeuert. Sie spielten ihre Macht gegen mich aus, dass ich nur der Angestellte war und sie die Personalleiter, um mich in Ruhe psychisch terrorisieren zu können!

Ronja: Aber sieh mal: Sei nicht so schüchtern bedeutet doch wiederum, dass DU die Machtposition gegen sie inne hattest. Die haben sie dir gegeben. DU tatest IHNEN etwas an, blicktest sie prüfend an. Nannten sie dich einen Ruhigen, hattest DU die Ruhe inne, mit ihnen zu verfahren wie du wolltest. Warst du zurückhaltend für sie, bliebst DU zurückhaltend mit dem Fluss des Lebens, nach dem sie gierten. Setzten sie dir die Maske der Unsicherheit auf, warst DU unsicher im Urteil, dass du über sie fällen würdest. Gaben sie dir den Anschein, dir den Luxus zu leisten verschroben zu sein, warst DU so verschroben und damit selbstbewusster als sie es selbst sich leisten konnten. Sie überschrieben dir deine Magie, indem sie dich ins mächtige Eck setzten, indem eigentlich ja sie hätten sein sollen. Sie taten das aus Unwissen und Unsicherheit heraus über das was sie da eigentlich sagten.

Markus: Aber wollte ich so viel Macht überhaupt bekommen? Wollte ich anderen schaden, indem ich sie hinhielt? Ich wollte doch Menschen treffen, die mir gleich waren!

Ronja: Gleichheit will geübt sein. Wenn du die Macht entdeckst, die du wiederum über einen Machthaber hast - dann erst kannst du gleich und gleich mit ihnen sein. Doch das ist erst der zweite Schritt. Zunächst mal musst du ihn zu dir runterziehen, ihn sozusagen downloaden.

Markus: Wenn ich recht bedenke, dann war die Psychologie immer schon eine Art moralische Verurteilung und die Ignoranz meiner Gefühle des Zorns. Aber egal, das ist Schnee von gestern, oder?

Ronja: Psychologen wird es wohl immer geben, aber bei uns gehen sie unter, es gibt so viele Menschen, die die Wahrheit kennen, da fällt das bisschen Analyse nicht mehr ins Gewicht. Manchmal ist man ja auch wirklich ein bisschen befangen – das ist eine Phase, die geht vorbei. Bei uns jedenfalls. Aber jetzt wollen wir in einen Park gehen zu einem sehr schönen Wasserfall. Vielleicht kommt dort ja Romantik auf und es kommt zu unserem ersten Kuss.

Markus: Würde mich freuen.

Ronja: (zur Theke hin) Danke für das Essen – möge alles Gute auf euch zurückkommen - 
auf wiedersehen!

Markus: Äh, ja, danke, hat super geschmeckt!
Von der Theke her (von Tonband): Bitte, schön, dass wir weiterhelfen konnten! Es lebe das Volk!

Markus: Wie nett von denen. Da will ich auch gleich was Produktives machen, um meinen Dank zu zeigen. Da fällt mir ein: Sagt man nicht Undank ist der Welten lohn?

Ronja: Der Welten Lohn, der Welten. Doch hier ist Anarchotopia.

Markus: Ich hoffe, ich wache niemals auf!

(Gehen von der Bühne und halten im letzten Moment noch die Hand)

 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (14.02.2016)
"du hast dich zum lernen hingesetzt" - Ist Markus Grundschüler?
Falls ja, wieso interessiert er sich dann für Frauen?
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swetlana (51) meinte dazu am 16.03.2016:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Kommentar von swetlana (51) (16.03.2016)
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HarryStraight
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Veröffentlicht am 13.02.2016, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 13.02.2016). Textlänge: 3.308 Wörter; dieser Text wurde bereits 577 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 23.04.2019.
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