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Sonntag

Innerer Monolog zum Thema Alltag


von Tannhaeuser

Öffnen. Schließen.
Einatmen. Ausatmen.
Kein Sonntag vergeht, der aus mehr besteht als diesen vier Dingen. Die Augen öffnen. Luftholen. Sie enttäuscht wieder schließen. Die Trübsal aus sich heraus atmen. Später geht das dann weiter: Die Tür öffnen, nach dem Duschintermezzo schließen. Zwischendrin feuchte, warme Luft einatmen, die Anspannung der langen, schwierigen Woche ausatmen. Das Notebook öffnen, alle überflüssigen Statusmeldungen und aufdringlichen Werbeseiten schließen.

Und dann warten.

Einatmen, ausatmen.

In den sozialen Medien machen sich die Leute gegenseitig fertig und beweisen eine beeindruckend geringe Beobachtungs- und Reflexionsgabe. Wenn man nichts Inhaltliches findet, worüber man streiten kann, dann wird sich eben über den Unterton echauffiert. Dagegen kann niemand argumentieren und man kann es den anderen mal so richtig zeigen. Hier und da verleitet mich eine Statusmeldung zu einem ironischen Lächeln. Selten, aber doch da, sind inspirierende Aussagen. Viel häufiger jedoch hanebüchener Unsinn, nicht zu Ende gedachte Aussagen und Scherze, die nicht als solche gemeint sind oder nicht erkannt werden. Die Versuchung ist groß, einen wutbürgerlichen Kommentar darunter zu setzen und – wie alle anderen auch – rhetorisch glänzend den anderen mal so richtig die Meinung zu schreiben.
Aber dann, gerade noch rechtzeitig, merke ich, dass es ja Sonntag ist. Mein Tag, der im Wesentlichen aus vier Dingen besteht. Die Welt verbessern gehört nicht dazu, also atme ich. Denke noch einmal nach und besinne mich eines besseren.

Um dem Ganzen kurz zu entfliehen, öffne ich ein Buch und schließe den Rechner. Ich habe ein paar sehr alte Bücher – ich mag alte Dinge, und alle, die mich kennen, können das bestätigen. Hier werden Jahrhunderte ein- und ausgeatmet, dort ein Kapitel geschlossen und damit eine neue Weltsicht eröffnet. Ich atme die Gedanken früherer Menschen ein und atme später meine eigenen Gedanken dazu aufs Papier.
So wie jetzt.

Ich hungere nach einem Abenteuer.
Früher wäre man dafür vielleicht rausgegangen. Aber es gibt ja das Internet. Und meine Bücher. Will ich ein Abenteuer erleben, dann besuche ich Bartimäus, Jonathan Strange & Mr. Norrell oder die Familie Beutlin. So fange ich an zu träumen, von meinem eigenen Abenteuer, lasse mich beflügeln von den erstaunlichen Eigenschaften dieser Charaktere und stelle mir vor, ich geriete selbst in eine außergewöhnliche Situation. Dann wache ich wieder aus den Tagträumen auf und stelle mit schlechtem Gewissen fest, dass ich gegen meine Regel verstoßen habe.
Träumen gehört nicht zu den vier Dingen am Sonntag. Träumen kann wehtun. Träumen zeigt mir, was ich nicht habe und da Sonntag ist, werde ich es auch heute nicht bekommen. Es sei denn, es wäre eine Pizza. Die kommt auch Sonntags, wenn ich die Tür öffne und wieder schließe, den angenehmen Geruch der noch dampfenden Zutaten ein- und später einen dezenten, aber unangenehmen Knoblauchgeruch wieder ausatme. Aber mehr werde ich an einem Sonntag nicht bekommen und das ist auch ganz in Ordnung.

Wer glaubt, man bekomme immer das, was  man sich wünscht, oder wenigstens was man verdient, ist noch ein größerer Träumer als ich. Wir sind allein. Das Internet kann mich darüber nicht hinwegtäuschen. Die Welt ist nicht so klein geworden, wie wir uns das heutzutage gegenseitig zu versichern nicht müde werden. Sie ist immer noch verdammt groß. So groß, dass ich nicht ohne weiteres in ein anderes Bundesland reisen und dort meine alten Freunde besuchen kann. So groß, dass es mich ein Vermögen kosten würde innerhalb Europas so zu verreisen, wie ich es gerne möchte. So groß, dass sich die Suche nach jemandem, der mich so versteht und so schätzt wie ich es gerne hätte, wesentlich schlimmer gestaltet als die altmodische Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Oder – um moderner zu sein – die Suche nach dem geteilten Inhalt, den ich auf Facebook vorhin noch gesehen habe.
Der Inhalt besteht immerhin, die Nadel existiert. Und rein empirisch müsste es bei sieben Milliarden Seelen doch eine geben, die zu meiner passt. Es fühlt sich nur nicht so an. Aber es ist ja auch Sonntag.
Mein Sonntag, der nur für vier Dinge da ist. Also öffne ich die DVD, schließe die Kopfhörer an.

Atme ein fremdes, fiktives Leben ein.
Atme Hoffnung aus.

Das war ein erfolgreicher Sonntag.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (16.02.2016)
"Ich hungere nach einem Abenteuer.
Früher wäre man dafür vielleicht rausgegangen. Aber es gibt ja das Internet."

Oje. Das ist zwar ein Satz, der für viele Wahrheit ist, aber er lädt nicht eben dazu ein, weiterzulesen. Wer liest schon gerne über das Leben eines bekennenden Stubenhockers, wie ich den Protagonisten Deiner Geschichte mal charakterisieren will, lesen? Und das Niveau der Super-Ur-Stubenhockers Proust zu erreichen, das ist sehr schwer...

"Will ich ein Abenteuer erleben, dann besuche ich Bartimäus, Jonathan Strange & Mr. Norrell oder die Familie Beutlin."

Dieses Namen sagen mir nichts, doch bin ich eigentlich schon froh, dass dieser unsägliche Harry Potter nicht dabei ist. Ja, was sind denn die großen Abenteuerromane? Mir fällt spotan Jules Verne ein, Homer, Stevenson und natürlich das brillante "Die Handschriften von Saragossa" von Jan Graf Potocki.
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keinB meinte dazu am 16.02.2016:
@Dieter ... Beutlin sagt dir nichts???
Also, das schockiert mich jetzt schon ein bisschen.
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Tannhaeuser antwortete darauf am 16.02.2016:
Ich hätte natürlich auch Brecht, Boethius und Hesse aus dem Regal zitieren können, aber das hätte ich nur getan, um den Protagonisten interessanter erscheinen zu lassen. Die vielfach angefeindete phantastische Literatur passt aber eher zu einem Tag, dem man entfliehen möchte, weil es leichter fällt zu träumen als sich mit sich selbst zu beschäftigen. Und das ist ja genau das Problem des Charakters.
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keinB
Kommentar von keinB (16.02.2016)
Ich hab mir schon beim ersten Überfliegen heute morgen gedacht: Moah, kenn ich. Und das auch. Und das. Und überhaupt.

Stellenweise für meinen Geschmack zu flapsig (die Pizza-Sache) um ein ernster Text zu sein, andererseits stellenweise zu ernst, um als selbstironisch durchzugehen. Du wusstest nicht so ganz, wo du hinwillst, oder?

Gruß
KB
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Dieter_Rotmund schrieb daraufhin am 16.02.2016:
Achso ja, aus diesem Tolkien-Epos, nicht wahr?
Habe ich mit 18 gelesen....

Zustimmen möchte ich zu der leichten Fahrig- und Ziellosigkeit des Textes.
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keinB äußerte darauf am 16.02.2016:
Richtig. Bartimäus ist übrigens ne Jugendbuchreihe und die anderen beiden vermute ich auch in der Ecke.
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Tannhaeuser ergänzte dazu am 16.02.2016:
Der Text ist fahrig und ziellos, das stimmt. Irgendwo zwischen Frust, Selbstironie und dem Wunsch, wenigstens an einem Tag in der Woche nicht hektisch von Veranstaltung zu Veranstaltung zu hetzen. Der Protagonist ist kein Stubenhocker, Sonntag ist lediglich sein Ruhetag, an dem er sich zu dem zwingt, was allenthalben als notwendig postuliert wird: Mal abschalten, einen Tag für sich nehmen, entschleunigen, mit sich allein sein können. Letzteres hat sogar Oscar Wilde schon gefordert.

Aber das ist das Dilemma: eine Gruppe von Menschen ist zu viel, ganz alleine sein kann er jedoch nicht.
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Kommentar von Graeculus (69) (16.02.2016)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Tannhaeuser meinte dazu am 16.02.2016:
Ich muss mich doch sehr bedanken! Die Einsamkeit sollte - ohne direkt genannt zu werden - auf jeden Fall mitschwingen. Ich bin froh, dass sie erkannt wurde. Mit Facebook und Co. ist es natürlich leicht, anderen etwas mitzuteilen. Der Protagonist erkennt nur keinen Sinn darin und zieht sich eher zurück, als an einer Debatte beteiligt zu sein. Das passt nicht zu seinem selbstauferlegten Sonntagsritual. Ich glaube, die Frage: "Was kann ich schon sinnvolles sagen?" spielt für viele Introvertierte eine wichtige Rolle.
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