Login für registrierte Nutzer
Benutzer: Passwort:

Noch nicht bei KV registriert?
Jetzt registrieren!
KV ist kostenlos und werbefrei!

Neu bei uns:
Sandfrau (18.11.), Loewenpflug (14.11.), Tigerin (12.11.), Seifenblase (12.11.), Marty (05.11.), Slivovic (22.10.), C.A.Baer (19.10.), Swiftie (15.10.), georgtruk (12.10.), Amadeus (11.10.), Rege-Linde (07.10.), Markus_Scholl-Latour (02.10.)...
Übersicht aller neuen Autoren und Leser
Wen suchst Du?

(mindestens drei Buchstaben)

Zur Zeit online:
KeinVerlag.de ist die Heimat von 670 Autoren* und 82 Lesern*. Was es sonst noch an Neuem gibt, steht hier.

(*Im Gegensatz zu allen anderen Literaturforen zählen wir nur die aktiven Mitglieder, da wir uns als Community verstehen und nicht als Archiv toter Texte. Würden wir alle Nutzer zählen, die sich seit Gründung hier angemeldet haben, und nur die abziehen, die sich selbst wieder abgemeldet haben oder rausgeworfen wurden, kämen wir auf 14.909 Mitglieder und 431.055 Texte. Musste auch mal gesagt werden.)

Genre des Tages, 22.11.2019:
Lebensweisheit
Ziemlich neu:  Zitate, die nur icke brauch von LottaManguetti (21.11.19)
Recht lang:  Versetzt nach Klasse Drei von tastifix (1456 Worte)
Wenig kommentiert:  Kameraden von praith (noch gar keine Kommentare)
Selten gelesen:  Ich und Du von Teichhüpfer (nur 45 Aufrufe)
alle Lebensweisheiten
Lest doch mal ...einen Zufallstext!
Unser Buchtipp:

ZeitLos
von IngeWrobel
Projekte

keineRezension.de
KV woanders

keinVerlag.de auf Facebook
Eine Meinung: "Ich bin bei keinVerlag.de willkommen, weil meine Liebe dem Wort gehört" (aurelie)
Im BerggartenInhaltsverzeichnisDer Jäger Gracchus

Monsieur René Depasse

Bericht zum Thema Prostitution


von toltec-head

Wer sich für französische Literatur interessiert, kommt heutzutage an dem Namen René Depasse nicht mehr vorbei. Der Mann hat auf LibriVox praktisch der Hälfte der gesamten französischen Literatur seine unnachahmliche Stimme eines total verschnarchten Rentners verliehen. So wie Flauberts Tourist, der die Pyramiden besichtigen möchte, auf der Spitze den Namen Thompson of Sunderland eingraviert findet, werden künftige Zeitalter Flaubert selbst vor allem mit der Stimme, dem Ton dieses einen Mannes verbinden, der schätzungsweise bereits 500 Stunden Flaubert online gestellt hat und sich sicherlich, wenn er nicht vorher stirbt, bald auch noch die Correspondance vornehmen wird. Das System von LibriVox ist das gleiche wie von kV, jeder darf, wer aber meint, vorlesende Dilettanten seien weniger schlimm als dichtende, irrt gewaltig. Der Unterschied zwischen einer guten Lesung und einer schlechten ist derart enorm, dass ich beinahe meine, ein professioneller Leser könnte selbst aus dem Kitsch, der hier auf der Startseite täglich als Text des Tages präsentiert wird, noch ein wenig Esprit herauskitzeln, während die total verschnarchte Flaubert-Lesung eines Rentners, der vor allem eins, nämlich ganz viel Zeit, hat, selbst diese Pyramide der französischen Literatur noch in Staub zu versinken vermag.

So wie ich, als ich auf Internetliteraturforen stieß, zunächst dachte, die Hervorbringungen älterer Damen seien das Schlimmste, machte ich bei LibriVox zunächst immer um die Lesungen dero Artgenossen einen weiten Bogen und es ist ja wahr, dass man die Lesung einer älteren Dame und sei sie auf französisch oder italienisch immer schon nach 3 Sekunden erkennt, so wie man nach 3 Sekunden weiß, ob man mit jemandem Sex haben möchte oder nicht. Für am zweitschlimmsten hielt ich auf LibriVox wie auf Litforen die lautlichen bzw. textuellen Hervorbringungen mittelalter oder, was ja seltener vorkommt, jüngerer Damen. Im Prinzip gehöre ich zu jener Gruppe von Menschen, die aufgrund des unausweichlichen weiblichen Tremolos, diesem bei Frauenstimmen immer mitschwingenden Kitsch-Ton, auch keine Opern mehr hören mag. Und natürlich ist es jenes unvermeidliche Tremolo, auf das man stößt, wenn Frauen auf LibriVox Literatur lesen, was ja vielleicht bei Erich Fried oder Günter Grass angehen mag, aber doch nicht bei echter Literatur mit einem großen L wie Flaubert. Deshalb mein Entzücken als ich darauf stieß, dass praktisch der gesamte Flaubert auf LibriVox von einem Mann gelesen wird. Mittlerweile verstehe ich aber, warum Richard Strauss immer von den garstigen Männerstimmen sprach, die seine Opern verschandeln, und, wenn möglich, Hosenrollen komponierte. Ich bin zu dem gleichen Schluss wie die Päpste der Renaissance gelangt und möchte, wenn der hohe Ton echter Literatur getroffen werden soll, ausschließlich Knabenchöre oder Kastraten hören. Die Lesung einer Frau oder eines Mannes ist mir genauso unerträglich wie in Form von Saiten oder Fellen mitschwingende Tierlaute.

Mit graust vor einem Zeitalter von Pyramidentouristen, welches das anders sehen könnte, welches die Hervorbringungen auf kV mit Literatur und die Lesung eines Herrn Depasses mit Flaubert verwechseln könnte. Dieses Zeitalter scheint mir noch lange nicht angebrochen, seine Gefahr aber reell und wenn ich an dieses uns wohlmöglich blühende, neue goldene Zeitalter einer absoluten Demokratie auch in künstlerischen Dingen denke, erscheint mir die Unterwerfung der gesamten Gesellschaft unter einen Islam weit weniger schlimm. Der Ton des Muezzin ist zwar weniger schneidig als der eines Knabenchors oder eines Kastraten, doch fehlt auch ihm jegliches Tremolo. Und ist er - der Muezzin - auch alt, was ja die Regel sein dürfte, so ist er doch weit weniger verschnarcht.


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von parkfüralteprofs (57) (11.04.2016)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diesen Kommentar melden
Kommentar von AfD (38) (11.04.2016)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diesen Kommentar melden

Im BerggartenInhaltsverzeichnisDer Jäger Gracchus
toltec-head
Zur Autorenseite
Zum Aktivitäts-Index
Dies ist ein Text des mehrteiligen Textes Foren-Träumereien eines einsamen Literatur-Touristen.
Veröffentlicht am 11.04.2016, 12 mal überarbeitet (letzte Änderung am 11.04.2016). Textlänge: 555 Wörter; dieser Text wurde bereits 773 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 21.11.2019.
Leserwertung
· kontrovers (1)
Was meinst Du?
Diesen Text kommentieren
Mehr über toltec-head
Mehr von toltec-head
Mail an toltec-head
Blättern:
voriger Text
nächster Text
Weitere 9 neue Berichte von toltec-head:
Stefan George rezitiert aus seinem Gedichtzyklus Nächte von Agrigent und Trapezunt - Ein erst kürzlich entdecktes Tondokument Texte von Incels (involuntary celibate man) als literarisches Problem Herr Professor Weber - Crush-Video aus dem Mecklenburg-Vorpommernschen Landtag A fuck from within - Orlando Was grässlich ist - im Stile der Sei Shonagon Lyrischer Nachruf auf Erich Fried Mittels Foren zur Fick- und Textmaschine werden Statt eines Nachrufs ein Bericht: Menstruationslyrik ''Jeden Morgen, wenn ich on gehe, ist mein erster Gedanke, den Laden dicht zu machen''- Ein Internetliteraturforen-Webmaster bricht sein Schweigen
Mehr zum Thema "Prostitution" von toltec-head:
Ravenstein - Abenteuer eines Stewards aus dem Prag der frühen 90er, nach Goethe Heidegger, Heidenreich und der Holocaust Die Afrikaner essen uns das ganze Gefrierfleisch weg - Wütender Monolog
Was schreiben andere zum Thema "Prostitution"?
Der Bangerlehrling (Hecatus) Wanderhure (Xenia) Tief (RainerMScholz) Äffzehkahähnzettess 1. (Feliks Gershon Bokser) Hast du schon mal eine/n Sexdienstleistende/n gebucht? (Xenia) Die Krise Luise (LotharAtzert) Das Geschäft [ausgeschnittener Dialog] (Ravna) Sexarbeit (Xenia) Mit der Polizei (KayGanahl) Der Preis ist - wie man so schön sagt - heiß (Omnahmashivaya) und 30 weitere Texte.
Dieser Text ist höchstwahrscheinlich urheberrechtlich geschützt. mehr Infos dazu
diesen Text melden
© 2002-2019 keinVerlag.de   Impressum   Nutzungsbedingungen 
KV ist kein Verlag. Kapiert?
© 2002-2019 keinVerlag.de