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Monsieur René Depasse

Bericht zum Thema Prostitution


von toltec-head

Wer sich für französische Literatur interessiert, kommt heutzutage an dem Namen René Depasse nicht mehr vorbei. Der Mann hat auf LibriVox praktisch der Hälfte der gesamten französischen Literatur seine unnachahmliche Stimme eines total verschnarchten Rentners verliehen. So wie Flauberts Tourist, der die Pyramiden besichtigen möchte, auf der Spitze den Namen Thompson of Sunderland eingraviert findet, werden künftige Zeitalter Flaubert selbst vor allem mit der Stimme, dem Ton dieses einen Mannes verbinden, der schätzungsweise bereits 500 Stunden Flaubert online gestellt hat und sich sicherlich, wenn er nicht vorher stirbt, bald auch noch die Correspondance vornehmen wird. Das System von LibriVox ist das gleiche wie von kV, jeder darf, wer aber meint, vorlesende Dilettanten seien weniger schlimm als dichtende, irrt gewaltig. Der Unterschied zwischen einer guten Lesung und einer schlechten ist derart enorm, dass ich beinahe meine, ein professioneller Leser könnte selbst aus dem Kitsch, der hier auf der Startseite täglich als Text des Tages präsentiert wird, noch ein wenig Esprit herauskitzeln, während die total verschnarchte Flaubert-Lesung eines Rentners, der vor allem eins, nämlich ganz viel Zeit, hat, selbst diese Pyramide der französischen Literatur noch in Staub zu versinken vermag.

So wie ich, als ich auf Internetliteraturforen stieß, zunächst dachte, die Hervorbringungen älterer Damen seien das Schlimmste, machte ich bei LibriVox zunächst immer um die Lesungen dero Artgenossen einen weiten Bogen und es ist ja wahr, dass man die Lesung einer älteren Dame und sei sie auf französisch oder italienisch immer schon nach 3 Sekunden erkennt, so wie man nach 3 Sekunden weiß, ob man mit jemandem Sex haben möchte oder nicht. Für am zweitschlimmsten hielt ich auf LibriVox wie auf Litforen die lautlichen bzw. textuellen Hervorbringungen mittelalter oder, was ja seltener vorkommt, jüngerer Damen. Im Prinzip gehöre ich zu jener Gruppe von Menschen, die aufgrund des unausweichlichen weiblichen Tremolos, diesem bei Frauenstimmen immer mitschwingenden Kitsch-Ton, auch keine Opern mehr hören mag. Und natürlich ist es jenes unvermeidliche Tremolo, auf das man stößt, wenn Frauen auf LibriVox Literatur lesen, was ja vielleicht bei Erich Fried oder Günter Grass angehen mag, aber doch nicht bei echter Literatur mit einem großen L wie Flaubert. Deshalb mein Entzücken als ich darauf stieß, dass praktisch der gesamte Flaubert auf LibriVox von einem Mann gelesen wird. Mittlerweile verstehe ich aber, warum Richard Strauss immer von den garstigen Männerstimmen sprach, die seine Opern verschandeln, und, wenn möglich, Hosenrollen komponierte. Ich bin zu dem gleichen Schluss wie die Päpste der Renaissance gelangt und möchte, wenn der hohe Ton echter Literatur getroffen werden soll, ausschließlich Knabenchöre oder Kastraten hören. Die Lesung einer Frau oder eines Mannes ist mir genauso unerträglich wie in Form von Saiten oder Fellen mitschwingende Tierlaute.

Mit graust vor einem Zeitalter von Pyramidentouristen, welches das anders sehen könnte, welches die Hervorbringungen auf kV mit Literatur und die Lesung eines Herrn Depasses mit Flaubert verwechseln könnte. Dieses Zeitalter scheint mir noch lange nicht angebrochen, seine Gefahr aber reell und wenn ich an dieses uns wohlmöglich blühende, neue goldene Zeitalter einer absoluten Demokratie auch in künstlerischen Dingen denke, erscheint mir die Unterwerfung der gesamten Gesellschaft unter einen Islam weit weniger schlimm. Der Ton des Muezzin ist zwar weniger schneidig als der eines Knabenchors oder eines Kastraten, doch fehlt auch ihm jegliches Tremolo. Und ist er - der Muezzin - auch alt, was ja die Regel sein dürfte, so ist er doch weit weniger verschnarcht.


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von parkfüralteprofs (57) (11.04.2016)
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Kommentar von AfD (38) (11.04.2016)
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toltec-head
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Dies ist ein Text des mehrteiligen Textes Foren-Träumereien eines einsamen Literatur-Touristen.
Veröffentlicht am 11.04.2016, 12 mal überarbeitet (letzte Änderung am 11.04.2016). Textlänge: 555 Wörter; dieser Text wurde bereits 805 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 03.07.2020.
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