kleine geister-phantasie am sonnabendmorgen

Gedicht zum Thema Geister

von  harzgebirgler

Der Geist der Gräfin Kunigunde
erschien gern nachts zur zwölften Stunde
im Rittersaal der alten Veste,
wo ihr Gemahl manch edle Gäste
einst wohl empfing und oftmals lang
mit ihnen saß bei Speis und Trank:
Wein mundete aus wölbgem Keller,
ein Braten duftete vom Teller,
der kürzlich noch mang Frischlingsschar
im Wald ein frohes Wildschwein war.
Man hatte Spaß, war guter Dinge,
doch einer dunklen Ahnung Schwinge
streifte schon Kunigundens Herz -
ein Winter wich, es wurde März.
 
Da drang im allerschönsten Lenze
des Reiches Feind über die Grenze,
trieb dreist mit einem Söldnerheer
dank vorerst schwacher Gegenwehr
sein Unwesen in Landesteilen.
Nun mußten zu den Waffen eilen
die aufgescheuchten Kaisertreuen,
denn wenn dem Thron Gefahren dräuen
nimmt sie der Lehnsherr in die Pflicht -
auch Kunibert der zögert’ nicht
und zog mit einem Dutzend Mannen
samt Kunigundens Schwur von dannen,
ihm treu zu sein bis in den Tod -
ihr schwante bang, wie bald der droht’.
 
Es kam zum Kampf und Kunibert
hieb eines Gegners Schwert vom Pferd -
er starb noch vor des Kaisers Sieg
in diesem nicht verbürgten Krieg.
Als Kunigunde das erfuhr,
machte sie wahr den Treueschwur:
Legte das Kleid der Hochzeit an
in tiefster Trauer um den Mann
und stürzte sich ganz ohne Scheu
die Burg hinab von der Bastei.
Hernach, meist wenn Besucher kamen,
schwebt’ sie nachts aus dem Bilderrahmen
im Rittersaal als bleicher Schemen
und ließ ihr Klagewort vernehmen
"Ach Kunibert, mein Kunibert,
der nie mehr zu mir wiederkehrt!"...

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Kommentare zu diesem Text


 Wolla15 (14.04.18)
Haha
Ja so woarns die olden Rittersleut.
Gruß, Wolfgang
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