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Liebes Leben

Liebesbrief zum Thema Leben


von Hillarts

Liebes Leben,

ich muss sagen, deine Verfassung heute hat mich bis ins Mark erschüttert. Wohl wurde ich gewahr, dass du dir redliche Mühe gegeben hast. Wir pflegten die hohe Kunst der Diskussionen und deine Argumente waren gut durchdacht. Dennoch komme ich nicht umhin zu bemerken, dass deine Erscheinung heute deinem Stande nicht würdig war. Es schien mir fast so, dass deine Gedanken nurmehr kurz vor ihrem Ende zerfielen.

Du warst mir stets ein würdiger, in der Tat ein übermäßiger Schachpartner und kanntest meine Schritte vor der Entstehung ihrer Erwägungen.

Wo ich hinsah, sah ich stets, was ich sehen zu wollen glaubte. Ich war verzückt, verliebt, verärgert und verzweifelt und auch des Öfteren in verzweifelter Verliebtheit oder verzückt ob der Art meiner Verärgerung. Ich glaubte der Liebe, ich glaubte der Wut, der Gleichgültigkeit und der Verführung, ich glaubte deinen süßen Küssen zutiefst, die stets sofort jegliches Entstehen kognitiver Anstrengung im Keim erstickten.

Ich glaubte der Askese, ich glaubte der Freiheit, ich glaubte der Freiheit durch Askese und der Askese durch Freiheit. Diese Liebe, dieses hohe Maß und diese hohe Kunst der Details an diesen, deinen Gewändern hat mich stets in höchstem Maße entzückt.

Ich konnte mich in dir verlieren und liebte das Theaterspiel, ja fast glaubte ich, du wärst die Manifestation des Theaterspiels. Verstummend folgte ich oft mit allen Sinnen deinen, mal grazilen und dann wieder so aufbäumenden Bewegungen, gleich einem Pferd, das durch naive Burschenstreiche gegen seinen Herrn aufbegehrt. 

Jedoch heute, da bot sich mir ein Anblick, der mich, nun wie soll ich sagen, erschaudern ließ, wie ich es zuvor nicht kannte.

Es war mir als hätte ich ein Deja-Vu. Inmitten unseren gewohnten und doch so dynamischen Spiels drehtest du dich um und entwichst der Bühne. Der Blick blieb mir nicht länger verborgen für die Weiten deines Rückens, die Weiten, die du stets so gekonnt und unauffällig von mir abgewendet hattest.

Liebes Leben, wenn du dich so unvorsichtig verhältst, wie soll ich dich da nicht durchschauen?

Ein gut gemeinter Rat: Wenn du das nächste Mal die Bühne betrittst, lass deine Gewänder in der Requisitenkammer. Ich kenne sie alle und ich habe sie betrachtet, bis ins kleinste Detail habe ich sie in mühevoller Arbeit nachgebaut, als ich dich vermisste in den Tiefen der Spielpause. Nun habe ich wahrlich genug davon zuhause.

Solltest du die Bühne betreten, dann NACKT. Wo nicht, da werde ich dir die Kleider vom Leib reissen und auf deinem Rücken tanzen bis nach Alaska und du wirst dir wünschen, du hättest dich mir dar geboten, nackt und in deiner vollen Schönheit um meine Liebe zu dir nicht zu verfälschen.

Liebes Leben, ab sofort möchte ich das Leben lieben.

Ich freu mich auf ein baldiges Wiedersehen.

Dein Meister

 
 

Kommentare zu diesem Text


idioma
Kommentar von idioma (28.07.2016)
Ich erspare dem Autor und seinen Lesern all die Erläuterungen,
aus denen folgendes Fazit folgt :
Schöne Idee und super geschrieben !!!
Wünsch mir eine Fortsetzung dieses Briefwechsels !!!
Wäre wirklich sehr schön ! Bitte !!!
Und bitte viele Kommentare obendrein !
idi
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Ephemere
Kommentar von Ephemere (15.08.2016)
In Ton und Impetus erinnert es mich an Nietzsche - und wer mich kennt, weiß, dass das ein großes Kompliment ist. In Vielem auch wirklich fantastisch formuliert - lyrisch, erlesen, auf den Punkt. Ich lieb den Scheiß und feier ihn.
In Manchem finde ich aber die Sprache zu gestelzt, warum sollte man mit dem Leben sprechen wie mit einem Würdenträger des 19. Jahrhunderts? Das Leben, das ist so zeitlos und aktuell wie nichts sonst, es verträgt eine Sprache, die sich nicht selbst feiert, sondern wie ein abgeschossener Pfeil nur im Sinn hat, das Ziel zu treffen. Meisterschaft muss sich mühelos anfühlen.
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Hillarts meinte dazu am 17.08.2016:
Danke, danke für ein solches Kompliment. Wobei ich sagen muss, dass deine Frage nach dem Grund der, einem Würdenträger aus dem 19. Jahrhundert angemessenen, Anrede fast ein genauso großes Kompliment ist, denn es zeigt, dass der Text das aussagt, was mein Bestreben War:
Eine Person dar zu stellen, welche in einer geformten Welt lebte und unvorbereitet klar sehen kann, sich jedoch noch in einem steifen, die Form achtenden, Theaterstück befindet. In dieser Position versucht sie die ersten Worte zu finden an das Leben. Dies bricht in ersten Ansätzen durch das betonte Wort ’NACKT’ auf.
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Ephemere antwortete darauf am 17.08.2016:
Ach so...ich hatte tatsächlich den Eindruck eines Theatermonologs, da der Text aber von der Form her wie ein Brief aussah, war ich mir nicht sicher...wobei viele Menschen in Briefen ja auch schnell in eine sehr förmliche Sprache verfallen. Insofern: umso brillianter, der Text - das, was ich in meinem Kommentar meinte von wegen wie das Leben angesprochen werden will und wie man die Leichtigkeit in der Meisterschaft erklimmen muss, ist dann ja in der Form des Textes schon erlebbar. Noch viel raffinierter, als ich dachte!
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Hillarts
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Veröffentlicht am 27.07.2016, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 28.07.2016). Dieser Text wurde bereits 192 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 03.11.2017.
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