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Teamboykott

Persiflage zum Thema Arbeit und Beruf


von Sätzer

Zurück aus dem Urlaub stürze ich, der Älteste in der Abteilung, mich mit viel Energie in die Arbeit, braungebrannt, mit viel Lust und handlungsgestählt, mich zu erfahren in neuen Prozessen. Teamarbeit ist neuerdings in der Verwaltung angesagt, nicht mehr zu meiden, einzeln gehen von gestern. Wohlgelaunt und neugierig gehe ich in das Freitagsmeeting.
Thema ist heute “Wie können Schlüsselqualifikationen der Mitarbeiter gefördert werden?“, als da sind persönliche, fachliche, methodenspezifische, Sozial-, Lern-, Sprach-, Kommunikations- und Kooperations-Kompetenzen, und das teamhintergründet bei gleichzeitig knapperen Ressourcen. Mit Spaß und viel Lust auch noch dazu, meint der Chef, Herr Meyer. Wir nennen ihn unter uns immer Tigerratte.
Politisch gestählt fällt mir da das Songelement “Da ham wir in die Hände gespuckt und steigern das Bruttozozialprodukt“ ein, oder so ähnlich. Das hat mir schon damals gut gefallen. Was waren das für engagierte Zeiten, schwärmt es in meinen leicht alzheimerisierten Gehirnesweiten. Gerade deshalb, dachte ich, ist es von Wert zu schmieren die Windungen dieses Organs im Kopfe mit wichtigen Thematen.
Ergebnis des Meetings: Es wurde eine Projektgruppe gegründet. Tigerratte verordnete ein produktorientiertes Team mit einigen jungen und auch wenigen älteren Kollegen. Mir wurde als erfahrener Kollege die Leitung anvertraut.

Beim ersten Teamtreff musste ich feststellen, dass die Mitarbeiter noch gar nicht wussten, was Ziel dieser Arbeit. Viel Gerede, Gerede, um Arbeit zu meiden, dominierte die Sitzung. Wer kennt das nicht? Ich sinniere: Das Thema aufwickeln ... abwickeln ... verwickeln ... entwickeln ... wie geht das bloß?
Entwickeln, das kenne ich nur aus meiner späten Jugend vom Fotografieren: Erst das Negativ, dann das Positiv, Vergrößerungen machen, Ausschnitte gestalten, Motive beschneiden, dämpfen, herausarbeiten, länger oder kürzer belichten, die hellen und dunklen Seiten hervorheben oder abmildern, den Bildern Farbe geben. Das muss doch ähnlich laufen hier im Prozess.

Von den Charakteren der Menschen in diesem denkwürdigen, einjährigen Prozess gibt es folgendes zu berichten, natürlich ganz objektiv, genau und umfassend das Ganze. Zwölf Leute waren wir insgesamt, die debattierten, wenn denn mal alle anwesend waren. Hochmotiviert und über die Jahre durch Arbeitsverdichtung und auch –vermehrung - wer ist schon gegen dichter und mehr? - wach und dynamisch geworden, krempelten spornstreichs Kolleginnen und Kollegen ihre Ärmel hoch bzw. schürzten die Röcke. Zunächst diskutierten wir psychologisch moderiert über unsere Befindlichkeiten und sonst so über alles, was Motivation behindert. Das führte dann zu Abbrüchen aus dem organisatorischen Kontext.
Herr E. war der Klügste, bestätigt durch eigene Schätzung. Sein Papier war das beste, auch wenn es nicht pünktlich geliefert. Aber auch das war positiv, bestätigt durch eigene Schätzung. Ich hab´s vergessen warum, ... ach ja, es wurde auf der Sitzung selbst verteilt, es war überhaupt da, was man nicht immer oder besser selten von Vereinbartem bemerkte. Aber Papier ist geduldig und auf Positives Denken steh´ ich. Fast jede Sitzung – wir haben fast nur gesessen - und das gut geschützt hinter Tischen trotz neuer Methoden wie z.B. offenen Stuhlkreisen und teils psychologischer Begleitung, gelang es diesem klugen Herrn auf joviale Weise mehrere Selbstbeweihräucherungsarien zu singen. Charming, genial, das muss ich mir merken, doch managementmäßig fragwürdig, hab´ ich mal gelesen. Gerechterweise sei angemerkt, dass er auch andere konnte gut loben. Er ist Anhänger der Stones schon seit vielen Jahren. I hope he gets satisfaction.
Einer, der Herr C. drohte gleich am Anfang des Teamprozesses seinen Rücktritt an. Er hat uns dann geschlagene neun Monate, was ja genau der Austragung einer Schwangerschaft entspricht, in Bann gehalten, … bis er es denn endlich wahr machte. Wie hat der das so genau hinbekommen - als Mann? Den Exodus tätigte er dann ohne Abschied, einfach durch Wegbleiben. Wie unhöflich für erwachsene Menschen. Selbst Babies sind da aufmerksamer nach neun Monaten.
Frau X. stöhnte oft, im Übrigen weit verbreitet, wie viel sie zu tun hätte. Diese vielen Aktivitäten, was habe ich vergessen, nicht auch noch schaffe. Meistens ließ sie sich dann doch noch beknien, ihren Job zu tun. Wenn´s denn gar nicht mehr ging, dann fehlte sie einfach, entschuldigt selbstverständlich, wie bei anderen auch manchmal oder öfter verbreitet.
Herr TEAM® hatte so seine ganz genauen Vorstellungen. Er war unser Jüngster, meist schwarz gekleidet mit Trauer in schlechter Bezahlung. Er gehörte zur Nintendo-Lego-Generation, die oft mit von Muttern finanziertem Golf lange ans Haus gebunden – Hotel Mama. Diese um Arbeitsplätze rangelnden, sonst so Verwöhnten, haben noch nicht begriffen, dass sie zurückschrauben müssen, nicht weiter mit diesen Ansprüchen leben können. Ich kann eine klammheimliche Schadenfreude nicht verhehlen, musste ich doch in meiner Kindheit Kibbel-Kabbel mit selbstgeschnitzten Stöcken auf der Straße arrangieren, mein Studium dann selbst verdienen und dann mit harter Arbeit Hausstände schaffen und Kinder erziehen. Ich find´s gerecht, dass es mir heute besser geht, auch wenn die Firmenleitung dauernd an meinen Privilegien kratzt und mir die wohlverdiente Leistungszulage einfach gestrichen hat. Wenn dieses Opfer wenigstens den weniger Privilegierten zu Gute käme.
Zurück zu Herrn TEAM®: Der möge doch bitte seine Ärmel krempeln und das fehlende Geld als Entwicklungshilfe für die Aktionäre der Firma betrachten. Ich bekenne: Etwas belehrend das Ganze. Auf den Sitzungen machte der Herr TEAM®, wenn er denn da war, ein besonders eifriges Gesicht. Er war nicht ganz freiwillig in dieser illustren Runde, wurde vom Chef genötigt und sollte den Transport der Informationen sichern. Im Verlauf der Zeit konnte er ganz gut herauskommen und den abschließenden Endbericht mit mir gestalten.
Herr W., der diskutierte immer gerne. Wenn´s denn um konkrete Arbeit ging, hatte er sehr dynamische Entschuldigungen. Vor allem warum es denn besser wäre, wenn er dies oder das denn nicht täte. Seinen Tatendrang packte er in viel anderes lohnenswerteres Geschehen.
Frau S. verschlug´s oft die Sprache, obwohl Expertin für mehrere davon. Sie fühlte sich dauernd zu kurz gekommen, vernachlässigt. Wie ungerecht im Zeitalter globalen Geschehens. Sie ist Französin. Ihr wurde Asterix empfohlen.
Der Herr I., ein Stiller, konnte gut zuhören. Er sagte selten etwas, aber wenn, dann fundiert auf die wesentlichen Punkte verweisend, alle Seiten beleuchtend und ehrlich fragend, wenn was unklar im Schwall der bedeutenden Worte.
Herr Q., ein verdienter und emporgestiegener Kollege, verfolgte auch in dieser Runde sein Ziel, Gerechtigkeit zu verwalten. Angenehm diese Zeitgenossen, die daran noch glauben. Woran soll man sich denn sonst auch noch halten in diesen unsicheren Zeiten?
Herr D., auch zur Führungsgarde gehörend, muckschte öfter mal rum, wollte nicht so richtig Inhalte gestalten, fühlte sich im Stich gelassen von seiner Abteilungsmeute, konnte aber trotzdem nicht lassen von sachlichem Gemache und Metagetue. Diese Lasten zu tragen ging auf den Rücken am End. Gute Besserung wünschte die illustre Runde, und mehr Lust für bessere Zeiten.
Manchmal wurden die Sitzungen fremdmoderiert von den Damen T. und U. Auch dann waren die Meetings gelegentlich gut vorbereitet, meistens jedoch nicht so, wie auch unsere eigenmoderierten Termine, bis am Ende Verantwortung und Struktur rollierend das Geschehen stärker bestimmte.
Ich, die ganze Verantwortung ertragend, kam zum Schluss in große Nöte. Das Fußvolk löste sich zunehmend auf und ließ sich nicht mehr animieren, die ganzen Elaborate in betriebliche Formen zu gießen. Welch eine Sklavenarbeit das auch! Ich selber hatte nämlich auch kein´ Bock mehr. Sorry, Werner lässt grüßen.

Und dann die abschließende Tagung in größerem Kreise der Firmenentscheider, dem Höhepunkt intensiven Geredes, handlungs-ergebnisorientiert, versteht sich. Konzepte verwerfen und wieder entwickeln. Im letzten Moment die Moderatoren wechseln - was macht das schon, das Chaos? Taten planen, egal ob groß oder klein. Die Digitalkamera, Laptop und Beamer einsetzen wollen. Das Modernste neuer Medien ist angesagt, versteht sich. Festhalten das moderierte Ergebnis auf Metaplantafeln. Den Klebestift bereithalten, doch was nützt es, wenn keiner Zeit hat, ihn schnell zu finden. Nadeln ziehen, Papiere aufwickeln. Die Arbeit auf später verlagern, ein übliches Verfahren. Den Computer nachher einsetzen, das Bild verändern, manipulieren, verbessern, verzerren, der Realität ein Schnippchen schlagen. Das setzt Umgang voraus. Verwickeltes Tun.

Zurück zur Sache, zum Prozess: Zur Strafe für all die Ketzereien muss ich den Schlusstext schreiben, natürlich fach-, methoden-, sozial-, human und auch noch sprachkompetent, versteht sich. Von oben herab und außen herum oder quer durch geht das nicht in diesem ernsten Geschäft. Ah, Module sind die Lösung! Herr TEAM® hat mir geholfen. Ich werde ein gutes Wort beim Chef für ihn einlegen. Doch veröffentlicht wurden sie niemals, weil Verantwortlichkeiten benannt waren.

Ah, dachte ich abschließend, so ist das mit dem Arbeiten in unfreiwilligen Teams in einer öffentlichen Verwaltung. Oder waren wir zu viele in diesem komplexen Geschehen?

Anmerkung von Sätzer:

Basiert weitgehend auf real erlebtem Geschehen.


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von ZUCKERBROToderPEITSCHE (60) (03.08.2016)
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Sätzer meinte dazu am 03.08.2016:
Schön, dass die Banalität des Arbeitslebens in einer staatlichen Verwaltung rüberkam. LG Uwe
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Graeculus antwortete darauf am 03.08.2016:
Die Banalität der Schilderung ist nicht dasselbe wie die Banalität des Geschilderten - ganz grundsätzlich gesagt.
(Ein berühmtes Gegenbeispiel ist Hannah Arendts "Eichmann in Jerusalem".)
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Sätzer schrieb daraufhin am 03.08.2016:
Klar graec. Ich ziehe es manchmal vor Stil und Inhalt anzuähneln. Es ist einfach ermüdend, solche langatmigen Berufsprozesse live zu ertragen. So ist es mit dem Stil des Textes in Ansätzen äquivalent.
Eine humorvollere Version findest du hier:  
Danke für deinen Kommi und LG Uwe
(Antwort korrigiert am 03.08.2016)
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ZUCKERBROToderPEITSCHE (60) äußerte darauf am 03.08.2016:
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Graeculus ergänzte dazu am 03.08.2016:
Da hat der Meister aller literarischen Klassen *) gesprochen. Darauf eine Ritter-Ballade!
_____
*) Platz 1 bis 10 in der Liste der am seltensten gelesenen Texte
(Antwort korrigiert am 03.08.2016)
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ZUCKERBROToderPEITSCHE (60) meinte dazu am 03.08.2016:
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Graeculus meinte dazu am 03.08.2016:
Nein, Sätzer stammt nicht aus dem Harz.
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ZUCKERBROToderPEITSCHE (60) meinte dazu am 03.08.2016:
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Graeculus meinte dazu am 03.08.2016:
"Es scheint Fakt" - dem würde ich nie zustimmen.
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ZUCKERBROToderPEITSCHE (60) meinte dazu am 03.08.2016:
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Sätzer meinte dazu am 04.08.2016:
Oh je soviel Streiterei. Teamfähigkeit -> Setzen 5
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ZUCKERBROToderPEITSCHE (60) meinte dazu am 04.08.2016:
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Veröffentlicht am 03.08.2016, 4 mal überarbeitet (letzte Änderung am 16.08.2016). Dieser Text wurde bereits 616 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 20.09.2018.
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