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Erzählung zum Thema Nacht


von pondo

»I keep a pile of dead bodies in my backyard,
rotten remains of lames that tried to act hard«




Die Fanfare und das gleißende Licht, das beim Eintreffen des Herrn Theobald Mahler aufblendete, bildete sich Patrick zwar nur ein und er wusste das, doch es berauschte ihn dennoch. Der Kies knirschte unter Herrn Mahlers Füßen, als dieser den schmalen Weg vom großen Gartentor zu seinem Haus im Dunkel der Nacht hinaufging. Das Licht war indes auch für Patrick verschwunden. Er hockte hier im wohlgestutzten Gebüsch entlang des Weges und beobachtete den Mann, wie er angetrunken nach Hause kam, mit seinem schiefen Lächeln im Gesicht die Haustüre öffnete und im großen Haus verschwand. Dann fiel die Tür wieder ins Schloss und Patrick atmete aus, seine Anspannung löste sich etwas.
Das war ein wunderschönes Anwesen hier.
Die Überwachungskameras störten ein wenig, aber das würde ihn nicht von dem abhalten, was er zu tun beschlossen hatte. Am unteren Ende des Gartens in der Nähe des Tores stand der schwarze Mercedes, der ihn hierhergeführt hatte. Am heutigen Abend war Herr Theobald Mahler nur mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, das links an der offenen Garage lehnte. Der Herr Mahler, er hatte sich ja etwas Hübsches aufgebaut.
Seufzend  veränderte Patrick seine Position. Er verharrte hier seit dem Nachmittag und hatte nun Sorge, dass etwaige Bewegungsmelder eingeschaltet sein konnten. Vielleicht überschätzte er ihn ja, aber er durfte nicht unüberlegt handeln. Der Situation zugute kam, dass die laut Melderegister hier lebende Familie nicht zu Hause zu sein schien. Zumindest war von ihr nichts zu sehen gewesen. Um so besser, dachte er, dann musste er darauf keine Rücksicht nehmen. Seiner Familie wollte er nichts tun, sie konnte nichts dafür. Er hatte sogar etwas Mitleid, schließlich würde sie sich bald in einer elenden Situation befinden. Anfangs hatte dieser Gedanke ihn von seinen Taten abzuhalten vermocht, doch es überwog für ihn schließlich das Argument, dass Menschen wie jener Herr Theobald Mahler vermutlich mehr Schaden als Gutes auf der Welt anrichteten, auch wenn ihre Lieben das möglicherweise nicht verstanden. Er lächelte missvergnügt in den Schatten der Nacht hinein.

Nachdem zwei weitere Stunden verstrichen waren, kam Patrick zu dem Schluss, dass außer Herrn Mahler niemand zu Hause war und auch niemand mehr unmittelbar zu kommen drohte. Die fehlenden weiteren Bewegungen im Haus bedeuteten: Keine Familie, keine Rücksicht. Er zog sich seine Maske über den Kopf, sammelte ein paar der herumliegenden großen Steine des Kieswegs ein und machte sich just bereit, mehrere Scheiben des Hauses einzuschmeißen, als im Erdgeschoss plötzlich wieder das Licht anging. Er sank in die Knie und schlich wieder hinter das  Gebüsch zurück, dessen Pflege über die Zeit hinweg sicher mehr gekostet hatte als sein Kleinwagen. Dieser Scheißschnösel.
Jemand pfiff vor sich hin.
Es war Herr Mahler selbst, er erschien in der Haustür und blickte hinaus. Blieb entspannt dort stehen. Steckte sich eine an. Stand einfach nur da und sah selbstgefällig in die Nacht hinaus. Patrick sah sein Lachen, wie sich dessen Mundwinkel von Ohr zu Ohr zogen und sich das Mondlicht auf den spitzen Zähnen spiegelte. In der Tür stand das Böse, das pure Böse in Gestalt dieses verderbten, arroganten alten Bonzen. Er machte sich bereit, wartete noch ab. Die Steine fest in den Händen. Da schlenderte Herr Mahler über einen Teil der weitläufigen Rasenfläche zu seinem Geräteschuppen hinüber. Gott allein wusste, was er dort wollte. Patrick hielt die Luft an und folgte ihm, so leise er konnte.

Fuck, so viel Geduld er bislang hatte aufbringen müssen, so schnell musste es jetzt gehen.

Als Herr Mahler im Innern des Schuppens verschwunden war, stahl er sich durch die Tür, ihm hinterher. Drinnen sah er ihn am Fenster vor einer kleinen Lampe stehen, wie er etwas befingerte. Patrick versuchte sich einen Eindruck vom Raum zu verschaffen, sah etwas auf der Werkbank liegen – da schreckte Herr Mahler auf. Er fuhr herum – Patrick packte den Schraubenzieher, machte einen Schritt nach vorn und – wuchtete ihn Herrn Mahler in den Hals. Dieser keuchte, fasste sich gurgelnd an den Hals und sank zu Boden. Patrick stand über ihm und blickte hinab. Er hatte keinen Drang, sich zu erklären, keine Schuldgefühle, nur die leichte Befriedigung darüber, eine Aufgabe zu erfüllen. Der anstrengendste, wenn auch nicht der aufreibendste Teil stand noch aus. Er wartete, bis das Leben aus Mahlers Körper gewichen war, beugte sich zu ihm hinunter und positionierte ihn so, dass er ihn auf den Rücken hieven konnte. Dann trug er ihn durch das Dunkel über den Rasen, vorbei am Haus, zu dem Loch im Zaun, durch das er Stunden zuvor hineingekrochen war. Als er ihn an den Füßen durch das Loch zog, verfing sich dessen Oberlippe an einem Querstreben des Drahtzauns und riss ihm das Gesicht ein. Das machte Patrick nichts. Er zerrte ihn weiter.

Auf der Fahrt fort vom Anwesen blickte Patrick zum Firmament. Der klare Sternenhimmel legte sich wie ein Film auf seine Netzhaut; die unermessliche Weite des Universums erstreckte sich vor ihm, er dachte an alles und nichts. Mit glasigen Augen schaute er nach vorn, während sich hinter seiner Iris die Geschehnisse der letzten Woche wiederholten.

Er war auf der Suche, wie er so oft auf der Suche war; auf der Autobahn düste er in seiner kleinen Rostlaube, einem alten Opel Corsa namens »Ted«, hinweg, strikt auf die Verkehrsregeln achtend. So hatte es Linda immer gewollt. Er war unterwegs vom Niemandsland um Finsterstein in Richtung Hauptstadt, er erinnerte sich ganz genau, da erschien ihm das Nummernschild KS-TM-999 im Rückspiegel. Er überholte gerade selbst auf der linken Spur ein paar Fahrzeuge mit etwa 150 Sachen, da rauschte das Schlachtschiff von Mercedes von hinten heran, fuhr centimeterdicht auf und betätigte mehrmals die Lichthupe, ließ sich ein paar Meter zurückfallen und fuhr wieder dicht auf. Er sah seine Handknöchel weiß werden, und fuhr stoisch weiter, bis er den Wagen, den er noch zu überholen gedacht hatte, überholt hatte. Dann wechselte er ordnungsgemäß den Fahrstreifen nach rechts. Als der Mercedes vorbeifuhr, sah Patrick hinüber und tippte sich mit dem gestreckten Zeigefinger gegen die Stirn. Das sah der andere Fahrer. Abrupt wechselte er die Fahrspur, sodass er nur etwa fünf Meter vor Patricks Opel Corsa fuhr, und drückte mehrmals auf die Bremse, dass die Bremslichter flackerten. Patrick trat hastig seinerseits auf die Bremse, Gerümpel vom Beifahrersitz flog im ganzen Wagen umher. Fast wäre er ihm aufgefahren, auch wenn der Mercedes sofort beschleunigt hatte. Im Wegfahren ließ dieser noch zweimal die Bremslichter leuchten, dann war er verschwunden. Patrick sah dem arroganten Stück Scheiße knöchelknackend hinterher.

Auf so einen hatte er nur gewartet. Er war daraufhin mit Ruhe im Kopf und Wut im Bauch nach Hause gefahren, um den Computer anzuwerfen. Schon Wochen zuvor war es ihm gelungen, in das Polizeinetzwerk einzudringen und Zugriff auf das Verkehrsregister zu erhalten. So sollte er erfahren, dass der Wagen mit dem Nummernschild KS-TM-999 auf einen Herrn namens Theobald Mahler zugelassen war. Interessant! Jetzt lag Herr Theobald Mahler in seinem Kofferraum. Das Schicksal war schon ein verworrenes Ding.

Nach einem kurzen Autobahnabschnitt fuhr er auf einen kleinen Rastplatz mit kaputten Toiletten. Es war inzwischen zwei Uhr nachts. Der Platz schien völllig ausgestorben. Er stieg aus und streckte sich, sein Atem kondensierte zu weißen Wölkchen. Sich umschauend öffnete er die Beifahrertür und holte das Werkzeug, die Bretter und die anderen Utensilien hervor und deponierte sie in einem vom Platz etwas entfernten Gebüsch, anschließend rollte er den in einen Plastiksack gewickelten Leichnam aus dem Kofferraum, schloss ab und zog ihn hinter sich her. Jetzt begann der anstrengendste Part. Es musste ja auch alles halten. Um die Konstruktion aufzubauen, benötigte er über eine Stunde.
Dann befestigte er Herrn Mahlers Körper, trieb ihm Nägel durch die Hände und verhängte ihn mit einer Decke. Er ächzte kurz, als er das Konstrukt anhob, und zog es hinter der Leitplanke flach über dem Boden das Waldstück neben dem Seitenstreifen entlang. Als kein Auto in Sicht war, richtete er es auf, riss die Decke herunter und lief davon.

Der Morgen graute. Patricks blutige Kleidung war entsorgt, seine Hände waren gewaschen. Das Radio spielte leise Melodien. Er saß am kleinen Küchentisch in seiner schäbigen Wohnung und schmierte sich ein Brot. Bald würden sie es bringen. Er blickte immer wieder auf das Foto, das auf dem Tisch stand, und kaute stumm an seinem Frühstück. Seine Hand zitterte leicht, wenn er die Kaffeetasse hob. Das Foto von Linda und Oli. Von Linda und Oli, die auf dem Weg zu Olis Fußballturnier gewesen waren, ehe sie in die Leitplanke gedrängt wurden. Und da kam sie auch, die Meldung über einen weiteren Toten, dessen blutleerer Körper von der Morgensonne begrüßt an einem behelfsmäßigen Holzkreuz am Straßenrand einer Autobahn hing.

Wie viele es wohl noch würden, bevor sie ihn packten?

 
 

Kommentare zu diesem Text


Lluviagata
Kommentar von Lluviagata (09.08.2016)
In der spannendsten Situation immer noch an HERRN Theobald Mahler erinnert zu werden ist - für mich - unfreiwillig komisch. Sicher willst du dadurch Distanz schaffen zwischen Täter und Opfer. Das braucht es nicht, m. E. bemerkt man schnell Patricks psychopathischen Hass auf alles und jeden (auf der Autobahn?) ...
Auch nennst du den Namen des Mörders zu oft. Das stört mich ein bisschen. Ansonsten hab ich die Geschichte mit Spannung gelesen.

Liebe Grüße
Llu ♥
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pondo meinte dazu am 09.08.2016:
Danke für den Kommentar!
Mit deiner Kritik hast du Recht und auch mit dem, was ich damit bezwecken wollte. Also dass das Opfer nach außen hin ein Mensch von Rang und Reputation ist, der für den Täter aber wegen dessen Verfehlungen (deren tatsächliche Schwere natürlich unklar/ übertrieben ist) zu einer fixen Idee wird, die Diskrepanz sollte sich entsprechend mit der Anrede ausdrücken. Aber damit hab ichs wohl übertrieben, in der ersten Fassung war das noch viel schlimmer. Ich habe das (sowie einige andere Kleinigkeiten) geändert und hoffe, dass das so schon mal lesbarer ist. Allerdings schwirrt mir gerade etwas der Kopf, ich muss morgen mit nem bisschen Abstand nochmal drüberlesen.

Freut mich, dass dich die Kurzgeschichte darüber hinaus unterhalten hat!

Eine Frage, die ich für mich auch noch nicht beantworten konnte, ob der letzte Satz im vorletzten Absatz so stimmig formuliert ist oder ob ich den noch abändern sollte. Ein Vorschlag wäre, wegen der Nachrichten-Sprache den Satz im Passiv zu formulieren, also etwa:
"Und da kam sie auch, die Meldung über einen weiteren Toten, dessen blutleerer Körper von der Morgensonne begrüßt an einem behelfsmäßigen Holzkreuz am Straßenrand einer Autobahn hängend gefunden worden war."
.... ist allerdings irgendwann auch etwas lang. Man könnte den Satz andererseits aufsplitten, aber das wollte ich eigtl vermeiden.
Und ich frage mich, ob ich die letzte Frage, also quasi den letzten Absatz, einfach weglassen sollte.
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