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Die Quadratur des Scheißes - Nähe im weitesten SinneInhaltsverzeichnisVom Sensenmann

Von Raum und Zeit und einem Veggieburger auf dem Ärmelkanal

Kurzgeschichte zum Thema Vergangenheit und Zukunft


von LotharAtzert

Freitagsnachmittags, die Blechlawine rollt zwei Meter, dann wieder Stau und ich schleppe Tasche und Tüte mit Lebesmittel die Hauptstraße hoch. Gemächlich, denn ich habe keine Eile mehr, kein Auto, kaum Geld. Dafür Rotwein, Brot, Butter, Nudeln, zwei schwarze Pilsdosen für 49 Cent.
Wo heute der Rewe thront, gleich am Südbahnhof rechts, stand früher das einstöckige Häuschen, in dem Cornelia wohnte. Ungefähr dort, wo jetzt die Fleischtheke steht, da saßen wir bei Kerzenschein am Tisch, tranken Wein, redeten wirres Zeug über Kunst und Gott, bis wir zusammen im Bett landeten. Das ist lange her, damals war sie noch unverheiratet. Inzwischen ist ihr Mann bereits wieder unter der Erde, so vergeht die Zeit und ich weiß nicht einmal mehr, was aus ihr geworden ist. Aber jemand sagte die Tage, daß sie eine Vernissage ... scheiß Wort, habs immer schon gehasst ... "sie macht eine Vernissage in Bad Homburg".
Alle wollen sie heim, fast jeder allein in seiner Blechkarosse. Mit lauter Musik, um sich von den Auswirkungen des Verursachten abzulenken. Dann gehts wieder ein Meter weiter. Irgend einer hupt ungeduldig. Als ob sein Heim noch Zuflucht böte.
Da drüben wohnte der Brauburger, der kam im Alphabet immer nach mir zur Lehrerin vor, wenn sie die Diktathefte auf Unterschrift der Eltern kontrollierte: Armbrust, Atzert, Brauburger ...
"Du wirst dich noch mal gern an die Schulzeit erinnern" sagte Vater, der auch schon zwanzig Jahre tot ist. Und wie so oft, hatte er auch damit unrecht. Es war eine schlimme Zeit voller Enge, ja seelischer Vergewaltigung, für einen, der lieber auf einem anderen Planeten geboren wäre, wo man Wort, Klang und Gestus schätzte. Die meisten Kinder waren  angepasst. Was sollte ich mit denen reden? Fußball spielen, ja gut. Frühvergreist schon damals.
Keine Eile mehr - ich betrachtete einige Autofahrer, deren hohle Blicke Genervtheit verriet und begriff mein Privileg an Zeit nur umso mehr.
Und während der Griff der Jutetasche ob des Gewichtes ihres Inhaltes in die Finger schnitt (vielleicht hätt ich das Bier weglassen sollen) fiel mir ein, wie ich früher selbst oft im Stau stand. Einmal in London, das war so ein Freitagnachmittag und ich war auf der Heimfahrt von Norwich nach Bad Säckingen - also noch ordentlich was an Kilometer vor mir. Müde, hungrig, übelgelaunt wegen der Fähre in Dover, wo es Warten und Einreihen zwischen hunderte von Fahrzeugen hieß, dann einen lauwarmen, nach Möwenschiß schmeckenden Veggieburger mit Milchkaffee verdrücken und in Callais daran denken, die Fahrbahnseite wieder zu wechseln. Nur um die Schulden bei der Bank zu bezahlen, die ich einst mit einem Teeladen erwirkte.
 
Das alles ist nun Vergangenheit. Nachher würde ich mir in aller Gelassenheit ein Mohnbrötchen mit Butter reinziehen, das längst nicht mehr Mohnbrötchen heißt, sondern fast so edel klingt, wie Vernissage und mal schauen, was abgeht beim Atzert ob er was schreibt, oder oder - ach es ist herrlich, über sich selbst verfügen zu können, es ist fürwahr eine Form des Reichtums. Hinzu kamen ja noch etliche Besitztümer, wie Bewußtsein, das Wissen um eine wunderbare Muttersprache, der Lehre der Buddhas, sowie jener der Müchner Rhythmenlehre: ich war so frei, nach links zu gehen, nach rechts,  geradeaus, sogar rückwärts wie ein Krebs, oder aber einfach nur hier sein. Dieses Letztere war mir das kostbarste von allem.
An der Ampel fiel mir die Geschichte mit der kleinen Juli ein, wie ich sie in "Geboren im Zeichen des Krebses" schrieb, was mir vom inzwischen verstorbenen user Koka einen einfühlsamen Kommentar einbrachte - es sollte der letzte sein. Seither hat die Ampel für mich einen leicht melancholischen Erinnerungswert.
Was mag aus Juli geworden sein, aus ihrem kecken Blick, bei dem sich noch die Unschuld als bestimmend in den Trippelschritt einmischte, wie er fünfjährigen Mädchen noch zueigen ist. Was wird aus all den süßen Blüten ...
Vielleicht ist es gut, das nicht zu genau zu wissen. Unwissenheit ist ein starker Schutz vor zuviel Enttäuschung auf einmal. Denn wie die meisten Menschen, so vertrage auch ich die Wahrheit nur in geringen Dosen: Drei Teelöffel pro Kanne und nicht länger, als drei Minuten ziehen lassen, sonst wird’s bitter.

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Kommentare zu diesem Text


princess
Kommentar von princess (13.11.2016)
Für meinen Geschmack eine Prise zu viel schwarz-weiß, ein Quäntchen zu viel "ich-bin-besser-als-die angepassten-anderen" und gleichzeitig eben doch eine leise, eindringliche Reise durch inspirierende Innenwelten.

Die Lektüre war mir ein Vergnügen, Lothar.

Liebe Grüße
Ira
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LotharAtzert meinte dazu am 13.11.2016:
Danke Ira.
"ich-bin-besser" - die Floskel ist "euch" nicht abzugewöhnen. Wie oft schrieb ich schon, daß das "ich" nur aus fünf Aggregaten (Form -Empfindung-Wahrnehmung-Bildkraft-Bewußtsein) besteht. Ein Bessersein ist ebenso unmöglich, wie ein Schlechtersein.
Ein aus dem Angepassten raus treten - das ist tatsächlich so - ich gehöre bestenfalls noch als Randerscheinung zur Gesellschaft, sage das aber nicht mit Bitternis.

Gruß
Lothar
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princess antwortete darauf am 13.11.2016:
Das gehört nicht unbedingt zum Text, aber: Meine Mutter hat sich auch sehr angestrengt, mir meine eigene Wahrnehmung "abzugewöhnen". Mhh.
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LotharAtzert schrieb daraufhin am 13.11.2016:
Eltern sind oft eine Belastung für ihre Kinder
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princess äußerte darauf am 13.11.2016:
Aber echt!
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Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (13.11.2016)
Hassu Lebesmittel brauchsdu nur noch was zu trinke’, hömma!
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LotharAtzert ergänzte dazu am 13.11.2016:
Ob wir nicht alle ein bißchen Luther sind?
Dreimal NEIN!
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Kommentar von ZUCKERBROToderPEITSCHE (60) (13.11.2016)
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LotharAtzert meinte dazu am 13.11.2016:
Ach, ich bin ganz hin und weg, weiß garnicht ... willst Du mir ein Tränchen entlocken? (Freudscher Verschreiber - ich hab Tranchen geschrieben. Eine Trantüte bin ich manchmal auch, ja. Zu meiner Zeit gabs auch noch Lebertran für Kinder - pfui deiwel!)
Danke Zoppi
Gruß
Lothar
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Stelzie
Kommentar von Stelzie (13.11.2016)
Es gibt sehr wenig Menschen, die mit wenig zufrieden sind. Doch ich denke, wenigstens manchmal hätten auch sie gern ein wenig mehr.
Schöne Geschichte eines Mannes, der im Leben angekommen zu sein scheint.
Liebe Grüße,
Kerstin.
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LotharAtzert meinte dazu am 13.11.2016:
Ja danke, Kerstin. Das "im Leben angekommen-sein" schließt auch das Sterben mit ein, das ja nicht mehr allzu fern ist. Ähnlich wie Sokrates bin ich da sehr neugierig drauf.
Gruß
Lothar
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Kommentar von Prosperus (31) (13.11.2016)
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LotharAtzert meinte dazu am 13.11.2016:
Na endlich fand das blinde Huhn ein Korn. Freut mich zu hören, Messaja.
Ich hab so eine Scheu davor, den eigenen Schmerz breit zu treten - weil es immer eine Gratwanderung ist - wie schnell suhlt man sich darin und es verselbständigt sich, oder wird kitschig.
Danke.
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Kommentar von AndreasIsensee (32) (13.11.2016)
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LotharAtzert meinte dazu am 13.11.2016:
No, dann ist der Sonntag aber mal sowas von gerettet ...
Die Alditüte gewöhne ich mir nicht ab, das siehst Du richtig.

Die Sache mit dem Teeladen, ich sach’s ma mit Keith Richards: "An Michael Jackson ist alles unecht und an mir ist alles echt!"
Dankeschön
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Kommentar von heilerfeld (33) (13.11.2016)
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LotharAtzert meinte dazu am 13.11.2016:
Kerrygold nur, wenn sie im Angebot ist.
Danke Dir, mein feldheld
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Kommentar von Graeculus (69) (13.11.2016)
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LotharAtzert meinte dazu am 13.11.2016:
" ... gar nicht überheblich" - jetzt muß ich aufpassen!
Nein, Du kennst mich viel zu wenig. Einiges ist bloße "Alditüte", weil ich halt so ne Idealvorstellung vom Forum für Dichter und Autoren habe. Und wie weit ist dieses Forum doch davon entfernt - so weit, wie ich von der Erleuchtung.
Auch Dir sei Dank für Empf. u. Kommi.
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Veröffentlicht am 13.11.2016, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 13.11.2016). Textlänge: 665 Wörter; dieser Text wurde bereits 676 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 07.11.2019.
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