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Novelle zum Thema Weihnachten


von Skala

„Zu Ende bringen?“, fragte Kowalski zögerlich. „Ich habe schon angenehmere Formulierungen gehört.“
Der Schaffner seufzte. „Machen Sie sich mal keine Sorgen – dafür sind wiederum andere Kollegen zuständig.“
„Da bin ich aber beruhigt“, schnaubte Kowalski. Sein Blick fiel auf die elektronische Anzeige. „Heiligabend 2003? Wirklich?“
Der Schaffner folgte Kowalskis Blick. „Sieht so aus, nicht wahr? Was ist denn in diesem Jahr passiert?“
Kowalski zuckte die Schultern. „Das Übliche, vermute ich mal“, meinte er.
„Das da wäre?“
Kowalski runzelte verärgert die Stirn. „Weihnachtsabendessen mit Mutter“, sagte er knapp.
„So so.“ Der Schaffner nickte wissend. „Was gab es zu essen?“
„Herrgott nochmal!“ Kowalski rang die Hände. „Am ersten Weihnachtstag gibt es Gans, immer, traditionell, am Heiligabend irgendetwas anderes, was weiß ich denn!“ Er schüttelte den Kopf. „Also ich muss jetzt dann nochmal durch den Heiligabend 2003. Aber verraten Sie mir eine Sache ...“
Der Schaffner schaute ihn erwartungsvoll milde an. „Aber gerne doch.“
„Ich habe beim letzten Halt mit einem Würstchenverkäufer gesprochen.“ Kowalskis Magen knurrte. „Und mit meinem Arbeitskollegen. Was passiert, wenn ich bei meinem nächsten Versuch in das Weihnachtsfest mit meiner Mutter platze – wenn ich mit mir selbst spreche? Verändere ich damit meine Zukunft?“

Der Schaffner lächelte noch immer. „Was glauben Sie denn?“
Kowalski verdrehte die Augen. „Ist es wichtig, was ich glaube? Ich möchte es wissen!“
„Sie sind sehr beharrlich, nicht wahr?“
Kowalski blinzelte. „Eigentlich nicht“, sagte er.
„Aber Sie sind heute Abteilungsleiter, nicht wahr?“
„Ja, schon ... aber ... nein, ich glaube nicht, dass das etwas mit Beharrlichkeit zu tun hat. Nein, ich möchte einfach nur wissen, was passiert ... nicht, dass ich irgendetwas in der Vergangenheit anstelle, dass, na ja, verhindert, dass jemand geboren wird, oder wodurch ich mich selbst umbringe, oder meine Mutter, oder sonst jemanden. Ich möchte nur niemandem etwas Schlimmes antun.“
„Das ehrt Sie.“ Der Schaffner holte tief Luft. „Aber sein Sie unbesorgt. Was vorbei ist, ist vorbei, und nichts, was Sie hier tun, wird irgendwas oder irgendjemanden verändern – einmal abgesehen von Ihnen selbst.“
Kowalski nickte. So absurd das alles klang – die Tatsache, dass er nichts Schlimmes anstellen konnte gab ihm ein beruhigendes Gefühl. Er schaute noch einmal zur Zeitanzeige. „Wie lange fahren wir noch?“, fragte er.
„Ein Weilchen“, so die präzise Antwort.
Kowalski seufzte. Er war müde und wollte eigentlich nichts mehr, als sich nach einem guten Essen ins Bett zu legen. Vielleicht – er schloss die Augen und konzentrierte sich nur auf das Rattern der Schienen – vielleicht war es ja sogar möglich. Wer wusste denn schon, was ihn im Jahr 2003 erwartete?


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Dies ist ein Strophe des mehrteiligen Textes Die vier Weihnachtsfeste des Herrn Kowalski.
Veröffentlicht am 09.12.2016. Textlänge: 413 Wörter; dieser Text wurde bereits 460 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 17.05.2021.
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