Login für registrierte Nutzer
Benutzer: Passwort:

Noch nicht bei KV registriert?
Jetzt registrieren!
KV ist kostenlos und werbefrei!

Neu bei uns:
Elizabeth_Turncomb (12.04.), jaborosa (12.04.), Deo_Dor_von_Dane (12.04.), Helstyr (04.04.), fey (02.04.), Gigafchs (02.04.), Jowi (01.04.), franzi (30.03.), wellnesscoach (26.03.), Pelagial (25.03.), Böhmc (25.03.), Kettenglied (24.03.)...
Übersicht aller neuen Autoren und Leser
Wen suchst Du?

(mindestens drei Buchstaben)

Zur Zeit online:
KeinVerlag.de ist die Heimat von 714 Autoren* und 108 Lesern*. Was es sonst noch an Neuem gibt, steht hier.

(*Im Gegensatz zu allen anderen Literaturforen zählen wir nur die aktiven Mitglieder, da wir uns als Community verstehen und nicht als Archiv toter Texte. Würden wir alle Nutzer zählen, die sich seit Gründung hier angemeldet haben, und nur die abziehen, die sich selbst wieder abgemeldet haben oder rausgeworfen wurden, kämen wir auf 14.802 Mitglieder und 425.814 Texte. Musste auch mal gesagt werden.)

Genre des Tages, 19.04.2019:
Feststellung
Ziemlich neu:  ergüsse von Sätzer (06.03.19)
Recht lang:  Freund oder Arschkriecher? von Mondsichel (300 Worte)
Wenig kommentiert:  Verloren von Nora (1 Kommentar)
Selten gelesen:  Schuld von Jack (nur 95 Aufrufe)
alle Feststellungen
Lest doch mal ...einen Zufallstext!
Unser Buchtipp:

Partnerschaft ade
von kata
Projekte

keineRezension.de
KV woanders

keinVerlag.de auf Facebook
Eine Meinung: "Ich bin bei keinVerlag.de willkommen, weil ich meine Werke mit anderen teilen wollte" (Caryptoroth)
Gibt es so etwas wie eine Vorsehung in der Geschichte?Inhaltsverzeichnis

Johanna von Orleans: Ein Werkzeug Gottes oder des Teufels?

Essay zum Thema Schicksal


von Bluebird

Johanna von Orleans (1412 -1431) war eine der schillendsten Figuren der Weltgeschichte. Ein französisches Bauernmädchen, was plötzlich aus dem Nichts auftauchte und innerhalb kürzester Zeit der Gang der europäischen Geschichte veränderte.
    Sie selber - und später alle Franzosen - sah sich als ein Werkzeug der Vorsehung. Ihre englischen Widersacher sahen in ihr eine Botin des Teufels. Wieder Andere sehen in ihr heute eine begabte, neurotisch-selbstbewusste Jugendliche, der der Zufall in äußerst begünstigender Weise zu Hilfe gekommen ist.
      Was aber nun ist die richtige Sichtweise? Um dies beurteilen zu können, sollten wir uns ihr Leben mal etwas genauer anschauen!

Das Leben von Johanna von Orleans ist außergewöhnlich gut dokumentiert, was in erster Linie an den genauen Aufzeichnungen zweier Prozesse (1. Englischer Verurteilungsprozess  und 2. Französischer Rehabitationsprozess)  liegt.
Johanna wurde am 6. Januar 1412 in Domremy, einen kleinen Dorf in Lothringen (Frankreich), geboren. Dort wuchs sie ganz normal in einem Bauernhaushalt auf. Sie war in einem gewissen Sinne ein einfaches Mädchen vom Lande ohne große Bildung. Auffallend war aber ihre stark ausgeprägte Frömmigkeit, die sich beispielsweise in einer fast täglichen Beichte äußerte.
    Vermutlich hätten wir aber nie etwas von ihr gehört, wenn sie nicht plötzlich ihr dörfliches Idyll hinter sich gelassen hätte, um Frankreich vor der drohenden Niederlage gegen die Engländer zu erretten. Wie um Alles in der Welt konnte ein einfaches Bauernmädel auf eine solch aberwitzige idee kommen? Und diesen Plan dann auch noch mit großer Ernsthaftigkeit in die Tat umsetzen?
    Auf diese Frage hat sie immer wieder - zuletzt im englischen Verurteilungsprozess (1431) - eindeutig Auskunft gegegen: "Alles, was ich Gutes getan habe, tat ich auf Befehl meiner Stimmen!" Ihr Husarenritt durch die Weltgeschichte geschah also auf höherem Befehl?

Für mich persönlich steht außer Frage, dass Johanna tatsächlich Stimmen gehört und Visionen gehabt hat. Sie - in einer gewissen Weise - die wegweisende Kraft in ihrem Leben waren.
    Aber wir müssen uns natürlich die Frage stellen, was es eigentlich mit diesen Stimmen und Visionen auf sich hatte. Entsprangen sie ihrem Unterbewusstsein oder einem sehr lebhaften Einbildungsvermögen, oder waren sie - wie von Johanna behauptet - tatsächlich übernatürlicher Natur?
    Das erste Mal soll Johanna im Alter von 13 Jahren eine solche stimmlich-visionäre Erfahrung gemacht haben:
...diese Stimme kam zur Mittagszeit im Sommer in dem Garten ihres Vaters.Und das erste Mal hatte sie große Angst. Sie hörte die Stimme auf der rechten Seite, der Kirche zu ... und nach dem sie die Stimme bei drei Gelegenheiten gehört hatte, wußte sie, dass es die Stimme eines Engels war.
Recht bald konnte sie diese und andere Stimmen genauer zuordnen, denn sie gaben sich ihr in Erscheinungen und Visionen zu erkennen. Hier sind in erster Linie der heilige Michael, die heilige Katherina und die heilige Margarete zu nennen.Sie beschrieb ihr Aussehen und Verhalten im Prozess auch recht anschaulich.
    In den nächsten drei Jahren kam es es immer wieder zur Kontaktierungen mit den "Heiligen". Mal erschienen sie einfach ohne Voranmeldung, manchmal rief Johanna sie herbei. Immer wieder wurde ihr mitgeteilt, dass sie ihre Heimat verlassen und Frankreich retten müsse. Sie ein auserwähltes Werkzeug Gottes sei!
    Vorweggreifend möchte ich kurz erwähnen, dass die Engländer ihr( im späteren Prozess) bezüglich dieser Stimmen und Visionen durchaus glaubten, aber einen dämonischen Ursprung vermuteten.

Im Dezember des Jahres 1428 befahlen die Johannas "Stimmen", dass sie nach Vaucouleurs aufbrechen und den dortigen Stadtkommandanten Robert de Baudricourt aufsuchen sollte, da er allein die Macht hätte sie zum König zu senden.  Johanna tat wie ihr geheißen, wobei sie heimlich ihr Elternhaus und Heimatdorf verließ. Sie ging wohl berechtigterweise davon aus, dass ihr Vater sie hätte niemals ziehen lassen.
    Tatsächlich gelang es ihr bis zum Stadtkommandanten vorzudringen. Der aber von ihrer Botschaft, dass sie von Gott gesandt sei um Frankreich zu retten, wenig beeindruckt schien. Was ihn aber am Ende doch veranlasst hat sie offiziell mit einer Eskorte zum König nach Chinon zu senden, ist schwer zu sagen.
    Es mag eine Rolle gespielt haben, dass im Volk schon länger eine Prophezeiung kursierte: Wenn die Not gross sei, werde eine Jungfrau kommen und Frankreich retten. Offensichtlich sah die Bevölkerung von Vaucouleurs in Johanna die angekündigte Jungfrau und übte somit wahrscheinlich einen gewissen moralischen Druck auf de Baudricourt aus. So dass dieser schließlich nachgab: "Geh, geh ... und komme, was da mag!"

Bis hierher ist das schon eine seltsame Geschichte. Eine alte Prophezeiung, ein Bauernmädchen, dass eigentlich lieber zuhause geblieben wäre, aber dem Befehl von Stimmen folgt. Ein Stadtkommandant, der dem Wunsch eines 16-jährigen Mädchen nachgibt und sie zum König schickt ... das hat schon was. Ist aber nichts im Verhältnis zu dem, was noch folgen sollte.

Als Johanna mit ihrer Eskorte im März des Jahres 1429 in Chinon eintraf, war man sich im königlichen Schloße nicht sicher, ob man sie überhaupt empfangen sollte. Ein einfaches Mädchen vom Lande, dass sich als Botin Gottes ausgab und Frankreich retten wollte, hörte sich wohl auch für damalige Verhältnisse recht abenteuerlich an. Andererseits dürfte aber auch am Hofe jene Prophezeiung bekannt gewesen sein, die im Volk kursierte.
Man entschied sich für einen Kompromiss. Sie sollte erst einmal vom königlichen Rat (Beraterstab) befragt werden. 
    Als Johanna dann vor eben diesen Rat erschien, sagte sie: "Ich habe zwei Dinge als Auftrag vom Herrn des Himmels - einmal die Belagerung von Orleans aufzuheben und zum anderen den König zu seiner Weihe und Krönung nach Reims zu führen. "
    Hierzu sei angefügt, dass in Reims traditionell die französischen Könige gekrönt wurden, dies aber im Falle von Karl VII nicht geschehen war, da die Stadt fest in englischer Hand war.
    Der Rat befragte nun Johanna ausführlich, war sich am Ende aber uneins, ob man ihr Glauben schenken sollte oder nicht. Schließlich aber entschied man, dass der König sie anhören sollte.
    Dieser aber zögerte und befahl, dass Johanna erst noch von einigen Kirchenmännern befragt werden sollte. Erst als diese dann auch zustimmten, gab der König grünes Licht für eine Anhörung.

Die Begegnung mit dem König verlief dann etwas seltsam. Johanna hatte gegenüber dem Rat  - wohl im Vertrauen auf ihre Stimmen -  behauptet, dass sie den ihr unbekannten König unter Vielen erkennen würde. Und so war man überein gekommen, dies auszutesten.
  Als sich nun der ganze Hof - etwa 300 Personen - zum Empfang von Johanna im Königssaal versammelt hatte, blieb der König selber erst einmal fern. Stattdessen gab sich jemand anders als König aus. Aber die Falle schnappte nicht zu. Johanna durchschaute den Schwindel sofort und sagte ihm auf den Kopf zu: "Du bist nicht der König!"
  Als sich schließlich der König - in unauffälliger Kleidung - heimlich in den vollbesetzten Saal schlich und sich unter die Dienerschaft mengte, erkannte sie ihn sofort. Selbst als er abstritt der König zu sein, beharrte er darauf. Später vor Gericht gab sie an, dass sie sich deshalb so sicher gewesen wäre, weil es ihr die Stimmen gesagt hätten.

Nun kann man sich natürlich die Frage stellen, ob nicht vielleicht Johanna auch an der Reaktion einiger im Saal gespürt hat, dass der König hereingekommen war. Menschliches Verhalten ist durchaus verräterischer als man so meint. Andererseits wird man noch sehen, wie präzise Johanna Dinge einschätzte und vorhersagte. Was die behaupteten "Stimmen" schon recht wahrscheinlich macht.
    Nun endlich konnte Johanna  ihre Botschaft dem König persönlich  ausrichten:"Sehr edler Herr Dauphin, ich bin gekommen und von Gott gesandt, um dir und deinem Königreich Hilfe zu bringen "
    Karl VII, der junge französche König, zeigte sich recht beeindruckt von Johannas ersten Auftritt am Königshof und einem anschließenden privaten Gespräch mit ihr. Aber er gehörte zu den vorsichtig-wankelmütigen Naturen, die sich ungerne festlegen. Und so ordnete er an, dass Johanna noch einmal von einem erlesenen Kirchengremium auf Herz und Nieren geprüft werden sollte.

Johanna war davon wenig angetan und hielt das Ganze für einen unnötigen Zeitverlust. Aber sie musste sich wohl oder übel der königlichen Anordnung fügen und wurde ein paar Wochen lang in Poitiers einer strengen Prüfung durch ein kirchliches Komitee unterzogen.
    Dort schlug sie sich trotz ihrer mangelnden Bildung recht achtbar. Man war hin- und hergerissen, ob man ihr glauben sollte oder nicht. Schließlich kam es zu folgendem Dialog zwischen einem Kirchenoberen namens Seguin und Johanna: 

S:"Glaubst du an Gott?"
J:Ja, besser als du!"
S:"Aber Gott will nicht, dass dir geglaubt wird, es sei denn es kommt ein Zeichen, das zeigt, dass wir dir glauben sollen. Wir können dem König nicht den Rat geben auf eine einfache Behauptung hin dir zu vertrauen und Soldaten in Gefahr bringen. Hast du sonst nichts zu sagen?"
J: Im Namen Gottes! Ich bin nicht nach Poitiers gekommen um Zeichen zu geben. Aber bringt mich nach Orleans und ich will Euch Zeichen geben, warum ich gesandt bin."

Der Rat forderte also ein Zeichen, Johanna forderte Vertrauen. Eine klassische Pattsituation!

Schließlich soll es aber doch ein solches Zeichen gegeben haben. In einem privaten Gespräch mit dem König - im Beisein eines Kardinals - soll sie dann dem König ein Zeichen gegeben haben, was ihn endgültig überzeugte.
    Über dieses "Zeichen" ist viel gerätselt und spekuliert worden. Am Plausibelsten erscheint die Version, dass sie dem König eine Sache gesagt hat, die nur er selber wissen konnte. Angeblich soll es sich um ein besonderes Gebet gehandelthaben , dass er in seiner Privatkapelle gesprochen hatte und das Johanna bezüglich Zeitpunkt  und Inhalt richtig wiedergab.
    Und noch ein weiteres Zeichen soll geschehen sein. Als man Johanna nun eine Waffenrüstung anfertigte, bestand sie auf ein Schwert, was in der Kapelle der heiligen Katherina befinden würde. So hätten ihr es die Stimmen gesagt. Man forschte nach dem Schwert und fand es tatsächlich eingegraben hinter dem Altar.

Allerdings bleibt auch bei diesem Zeichen eine gewisse Skepsis, weil Johanna hier öfters gebet hatte. Theoretisch also von dem Schwert gewusst haben konnte. Andererseits begeben sich Gläubige selten bis nie hinter einen Altar ... so spricht denn doch Einiges für die Version von Johanna. Auch der König sah es so, und schenkte ihr begeistert eine Scheide für das Schwert.
    Dann endlich war es soweit. Am 29. April 1429 brach Johanna, auf einem schwarzen Hengst mit der Fahne in der Hand,  an der Spitze eines Heeres in Richtung Orleans auf. Ihre eigentliche Mission konnte beginnen.

Die Ankunft Johannas und des Ersatzheeres (mit einem Provianttross) in Orleans  begann mit einer Schwierigkeit. Sie konnten die mitgeführten Lebensmittel nicht in die Stadt hineinbringen, weil die die Engländer alle Zugänge bewacht hielten und die Loire wegen starken Windes zu wenig Wasser führte, um übersetzen zu können.
  Während sie noch berieten, was zu tun sein, drehte sich plötzlich der Wind und  der Wasserpegel stieg. So konnten sie alle Lebensmittel in Barken packen und rüber in die Stadt bringen. Dieses Plötzliche Umschlagen des Windes wurde allgemein als ein Wunder Gottes und günstiges Omen betrachtet.
    Der spätere Kampf um Orleans endete, genau wie Johanna es - gemäß ihrer Stimmen - vorausgesagt hatte, mit einer vernichtenden Niederlage der Engländer und führte zu einer Kriegswende. Es wurde zum erhofften Befreiungsschlag.

Ich möchte die Aufmerksamkeit hier auf ein Detail richten, von dem in diesem Zusammenhang berichtet wird.  So schrieb Johanna am 22. April 1429 in einem Brief an ihren Beichtvater Pasquarel, dass sie während der Kämpfe eine Verwundung an Hals und Schulter erleiden würde. Die aber nicht tödlich sein würde. Dies hätten ihr die heilige Katharina und die heilige Margarete, also zwei ihrer "Stimmen", mitgeteilt.   
    Tatsächlich wurde sie am 6. Mai durch einen Armbrustbolzen, auf einer Sturmleiter stehend, an Hals und Schulter schwer getroffen. Sie überlebte und setzte später den Kampf fort.
    Gerade auch diese erfüllte Prophezeiung sollte eigentlich jeden Skeptiker überzeugen, dass hier wohl eine höhere Lenkung vorgelegen hat. Wem sie auch immer zuzuschreiben ist/sei!?

Mit der Rückeroberung von Orleans im Mai des Jahres 1429 war der erste Teil von Johannas Prophezeihung erfüllt. Aber noch stand der zweite Teil aus: Die offizielle Krönung von Karl VII in der Bischofsstadt Reims. Erst dann würde er sich rechtmäßiger König von Frankreich nennen können.
    Aber wieder einmal verhielt sich Karl, seinem Charakter entsprechend, zögerlich. Er scheute die Kosten und Hindernisse auf dem Weg nach Reims. Schließlich gab er aber dem Drängen Johannes nach und am 23. Juni 1429 machte er sich in Begleitung von Johanna und einem 12 000 Mann starken Heer auf den Weg.
    Zwar  leisteten einige anglo-burgundische besetzte Städte eine Zeitlang passiven Widerstand, in dem sie erst auf massiven Druck hin die Stadttore öffneten und somit Versorgungsnöte im französischen Heer entstanden. Dennoch erreichten sie unbeschadet am 16. Juli ihr Ziel. Reims kapitulierte recht schnell und am Sonntag, den 17. Juli 1429 wurde Karl VII dann in der Kathedrale tatsächlich zum offiziellen König von Frankreich gekrönt.
Und als die Jungfrau sah, dass der König gesalbt und gekrönt war, kniete sie in Anwesenheit aller Herren vor dem König nieder, umfasste seine Knie, weinte heiße Tränen und sagte: " Sanfter König, nun ist der Wunsch Gottes erfüllt, der wollte, dass die Belagerung in Orleans aufgehoben und du in diese Stadt Reims gebracht werden solltest ..., dass du der wahre König bist ..." ...und alle, die zusahen waren tief bewegt

Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass dies der glücklichste Tag im Leben von Johanna war. Binnen eines Jahres hatte dieses Bauernmädel aus der Provinz  - sich von Gott berufen fühlend und von Stimmen geleitet - die Verhältnisse in Frankreich ins Gegenteil umgekehrt. Dabei exakt vorhersagend, was geschehen würde.
    Nun hier in Reims wurde es für jedermann offensichtlich. Sie war zur Retterin Frankreichs geworden, genau wie es eine ältere Prophetie vorhergesagt hatte, dass Frankreich einmal in grosser Not von einer Jungfrau gerettet werden würde.
  Bis zu ihrem Tod knapp zwei Jahre später sollte sie aber nur noch wenige glückliche Tage erleben. Von diesem Gipfelpunkt ihres kurzen Lebens ging es fortan steil bergab!

Nach der Königskrönung von Karl VII in Reims zog das französische Heer - mit dem König - nach Paris, der damals wichtigsten Stadt des Landes. Hier stellten sich die englischen Truppen unter Bedford entgegen. Eine Entscheidungsschlacht stand an.

    In dieser Situation passierte Johanna ein Missgeschick. Als sie eine der Lagerdirnen verfolgte und sie dann mit der flachen Klinge schlug, zerbrach das Schwert. Es gelang auch den königlichen Heeres-Schmieden nicht es wieder zusammenzuschweißen. Als der König davon erfuhr, herrschte er Johanna an, warum sie zu dem Zweck keinen Stock genommen habe.
    So viel Aufregung um ein zerbrochenes Schwert? Nun, es war ja nicht irgendein Schwert. Es war jenes Schwert, was man an einem geweihten Ort gefunden hatte. und als ein sicheres Zeichen für ihre göttliche Sendung angesehen wurde.  Und nun war es so kurz vor einer entscheidenden Schlacht zerbrochen. Der König - und auch viele Soldaten -deuteten dies als ein schlechtes Omen.
  In der Tat ging die Schlacht um Paris verloren und Johanna, - die vorher so Erfolgreiche -,  errang mit ihrem Ersatzschwert bis zu ihrer Gefangennahme keinen einzigen Sieg mehr.
  Der ach so gebildete und aufgeklärte Mensch von heute mag  mißbilligend den Kopf schütteln über so viel abergläubische Naivität.  Aber wie ließ schon Shakespeare den Hamlet sagen: "Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als uns die Schulweisheit glauben machen will!"

Wie wir gesehen haben ist Johannas geradezu komentenhafter Aufstieg zur Retterin Frankreichs - ihrem eigenen Bekunden nach - ein Werk der sie lenkenden und ratenden Stimmen gewesen. Und angesichts ihres geradezu unglaublichen Erfolges und präziser Vorhersagen ihrerseits ist wohl davon auszugehen, dass es auch so war.
  Diesen Stimmen teilten ihr auch mit, dass sie bald in Gefangenschaft geraten würde. Sie solle sich aber nicht besorgen, Gott würde sie auch wieder daraus befreien, wenn sie sich als standhaft erweisen würde. Dies teilte sie dann auch einem engeren Zirkel mit. 
Tatsächlich war es dann so, dass sie bei einer Strafaktion gegen das burgundische Städtchen Compiegne am 22.5.1430 in Gefangenschaft geriet. Sie war im Gewühl auf ein sumpfiges Gelände geraten, wo ihr Pferd steckenblieb.
  Vier Monate blieb sie in burgundischer Gefangenschaft und wäre sicherlich bei entsprechender Zahlung eines Lösegeldes oder aber eines politischen Angebots an Frankreich zurückgesandt worden.
  Aber König Karl VII verhielt sich ausgesprochen zögerlich und verhandelte halbherzig, so dass die Burgunder die Geduld verloren und sie an die Engländer überlieferten. Und die hatten natürlich nichts Eiligeres zu tun als ihr einen Prozess wegen Hexerei zu machen.

Das ganze Drama mit Fluchtversuchen und starken psychischen Stimmungsschwankungen spare ich hier aus, weil es nicht zu meinem eigentlichen Thema gehört. Ich setze stattdessen erst wieder am 30. Mai 1431, ihrem Hinrichtungstag ein:
Die Ersten, die an diesem Tag Johannas Zelle betraten, waren Pierre Maurice und Nicholas Loiselleur. Sie waren gekommen, um sie noch einmal zu ermahnen und um einen letzten Versuch zu unternehmen, etwas über ihre Erscheinungen zu erfahren.
Dies wird nicht nur reine Neugier gewesen sein, sondern auch zur Gewissensberuhigung geschehen sein. Nicht das man am Ende vielleicht doch eine Heilige und keine Ketzerin dem Feuer überlieferte!?
  Johannas Reaktion war heftig, aber auch überraschend: "Ob sie nun gute oder böse Geister waren, sie sind mir erschienen"
  Auf Nachfrage bestätigte sie, dass die Erscheinungen/Stimmen sie getäuscht hätten. Und als wenig später ein Mann namens Cauchon im Beisein einiger anderer Männer in die Zelle kam, und sie wegen ihrer Stimmen und der von ihnen vorhergesagten Freilassung ansprach, schrie sie ihn an: "Die Wahrheit ist, dass sie mich getäuscht haben!"
    Am Ende empfing sie die heilige Kommunion:
Ladvenu, der die Hostie in den Händen hielt, fragte sie: "Glaubst du an den Leib Jesu Christi?" Johanna antwortete: "Ja, und er ist der Einzige, der mich retten kann!" ... Dann fragte Ladvenu: "Glaubst du noch an deine Stimmen?" und Johanna antwortete:"Ich glaube allein an Gott und will meinen Glauben nicht mehr auf diese Stimmen richten, weil sie mich getäuscht haben"
Dieser Vorgang ist dokumentiert und amtlicherseits bestätigt. Und es sieht tatsächlich so aus, als ob ihr zuletzt  zumindest Zweifel an der Göttlichkeit der Stimmen gekommen sind.
 
Das Ende ist kurz erzählt. Gegen Mittag wurde sie zur Hinrichtungsstätte gebracht, wo eine beträchtliche Menschenmenge schon auf sie wartete:
Das Feuer wurde entfacht, und die Flammen und der Rauch begannen das Opfer immer dichter einzuhüllen ... Die Zuschauer hörten, wie sie Gott und die Heiligen, besonders den heiligen Michael und die heilige Katherina, anrief . ... Und als endlich von ihrer Qual erlöst, schrie sie noch einmal auf: "Jesus!" ,dann ließ sie den Kopf sinken




Möchtest Du einen Kommentar abgeben?
Diesen Text kommentieren

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Graeculus (69) (11.01.2017)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diesen Kommentar melden
Dieter_Rotmund meinte dazu am 11.01.2017:
Habe ich mich auch gefragt.
diese Antwort melden
Graeculus (69) antwortete darauf am 11.01.2017:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diese Antwort melden
Dieter_Rotmund schrieb daraufhin am 11.01.2017:
Mich würde ja eher die cineastische und/oder literarische Aufarbeitung des Themas interessieren, aber das ist bluebird vemutlich egal...?
diese Antwort melden
Graeculus (69) äußerte darauf am 11.01.2017:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diese Antwort melden
Bluebird ergänzte dazu am 12.01.2017:
neurch=neurotisch
diese Antwort melden
Dieter Wal meinte dazu am 12.01.2017:
"Gespannt bin ich ja, ob wir erfahren werden, warum Gott für den französischen König und gegen den englischen war. Denkt Gott national?"

@ Graeculus:

Ich vermute, ausschlaggebend war die französische Küche. Das wäre jesuanisch. Ob Jesus nicht daher vielleicht doch Gott sein könnte?
(Antwort korrigiert am 12.01.2017)
diese Antwort melden

Möchtest Du einen Kommentar abgeben?
Diesen Text kommentieren

Gibt es so etwas wie eine Vorsehung in der Geschichte?Inhaltsverzeichnis
Bluebird
Zur Autorenseite
Zum Steckbrief
Zum Aktivitäts-Index
Dies ist ein Absatz des mehrteiligen Textes Gelenkte Weltgeschichte!?.
Veröffentlicht am 11.01.2017, 14 mal überarbeitet (letzte Änderung am 07.10.2018). Textlänge: 2.952 Wörter; dieser Text wurde bereits 473 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 18.04.2019.
Was meinst Du?
Diesen Text kommentieren
Schlagworte
Sinn Hoffnung Leben Wahrheit
Mehr über Bluebird
Mehr von Bluebird
Mail an Bluebird
Blättern:
voriger Text
Weitere 10 neue Essays von Bluebird:
Als die Seilbahn plötzlich stoppte ... Ich sehe etwas, was du nicht siehst! Vom Geschöpf zum Kind Gottes (2): Das drohende Weltgericht Warum die Naturwissenschaften uns die Welt nicht zufriedenstellend erklären können Gibt es Geister, die unser Leben beeinflussen? Vom Geschöpf zum Kind Gottes (1): Der gefallene Mensch Über die Pünktlichkeit Gottes Sehen Tiere manchmal mehr? Wenn mit zweierlei Mass gemessen wird Hape Kerkeling und der verhexte Wald
Mehr zum Thema "Schicksal" von Bluebird:
Der Prophetenjunge Efim Gelenkte Weltgeschichte!? Wo Rauch ist, da ist auch Feuer! Über die Pünktlichkeit Gottes Nostradamus - und der vorhergesagte Tod eines Königs Gibt es so etwas wie eine Vorsehung in der Geschichte? Wendepunkt des Lebens Einige schriftstellerische Äußerungen Die Rückkehr des weißen Gottes Gott oder Goethe - wer hat das Gebet erhört? Jona -4-: Am absoluten Tiefpunkt Lew Tolstoi - ein "Advokat" der vorherbestimmten Weltgeschichte Pizarro: Am Scheideweg Zufällige Begegnungen
Was schreiben andere zum Thema "Schicksal"?
Vorausschau (Regina) Gummitrutzburg (RainerMScholz) tauchertod (harzgebirgler) Wie man´s nimmt (eiskimo) kaum beeinflussbar (harzgebirgler) Sinnvoll (Artname) Spatzenhirn. (franky) im wald saß mal ein jägersmann (harzgebirgler) Moribund (Stimulus) Schicksalsfluss (tueichler) und 200 weitere Texte.
Dieser Text ist höchstwahrscheinlich urheberrechtlich geschützt. mehr Infos dazu
diesen Text melden
© 2002-2019 keinVerlag.de   Impressum   Nutzungsbedingungen 
KV ist kein Verlag. Kapiert?
© 2002-2019 keinVerlag.de