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Text zum Thema Außenseiter


von Abuelo


Meerjungfrau
(von Abuelo)
„Anfänger?“, fragte sie spitz, als ich sie stehlen wollte.
„Nee, Metalldieb! – Und du bist Bronze. Also Klappe!“, brummte ich ärgerlich.
„Aber noch nicht lange bei deinem Handwerk“, kicherte sie. „Sonst wüsstest du, dass es damit vorbei ist.“
„Im Gegenteil. Der Markt boomt.“
„Mag sein. Nur, dass ich jetzt superfest sitze, ist dir wohl entgangen.“
Ich versuchte, an ihr zu wackeln. Sie hatte recht. Und meine Eisensäge lag noch im Auto. Das hatte ich in einer dunklen Gasse Kopenhagens abgestellt.
„Siehst du? Den Kopf konnten sie mir zweimal stehlen, aber mein Körper gehört mir.“
„Bis auf den Arm vor ein paar Jahren.“
„Ach, der war leicht zu ersetzen. Und jetzt bin ich innerlich total betonverstärkt. Sägen  aussichtslos. Es gibt mich ja auch noch in Gips. Und überhaupt bin ich gar nicht das Original.“
„Was bist du denn?“ Sie hatte ja recht. Ich konnte sie nicht mitnehmen. Warum dann nicht mal mit ihr plaudern?
„Ich bin eine Märchenfigur, hundert Jahre hier, aber eigentlich schon viel älter“, raunte sie.
„Und du?“
Schwierige Frage. Sollte ich ihr wirklich erzählen, dass ich bis vor kurzem für Mädchenhändler gearbeitet hatte? Und davor?
„Ich war Kraftfahrer und hab Ware ausgeliefert“, gab ich wahrheitsgemäß an.
„Dabei hättest du bleiben sollen“, belehrte sie mich, „statt Bronzefiguren zu klauen.“
„Du kommst eben aus einer anderen Welt und weißt nicht, wie es bei uns zugeht“, trumpfte ich auf. „Aber jetzt wüsste ich gern mal, wie du aus einem Märchen hier in diese Metallhülle geraten bist.“
„Wir schlüpfen durch Risse im Gestein der Realität, um  in der Fantasie eines Poeten aufzutauchen. Der muss dann über uns erzählen.“
„Ach so“, stammelte ich, ohne zu verstehen..
„Ja, und manchmal wird man eben als Denkmalsfigur zur Schau gestellt. Mir wurde der Kopf einer Tänzerin gegeben, den Körper allerdings hat der Künstler seiner Ehefrau Eline nachgebildet.“
„Die muss sehr schön gewesen sein“, warf ich ein und meinte es ehrlich.
„Deshalb werde ich bewundert, fotografiert und ständig angefasst.“
„Magst du es, wenn man dich streichelt?“, fragte ich vorsichtig und fuhr mit der Hand über ihre runden Formen. Sie war glatt, kalt und hart.
„Streicheln stelle ich mir anders vor“, sie seufzte. „Erst in zweihundert Jahren werde ich ein Mensch sein und Zärtlichkeit empfinden können. Doch ich habe schon Liebe erlebt, durfte meinen Prinzen kurz berühren. Ich glaube, wenn es wieder dazu kommt, werde ich mich erneut in Schaum auflösen, vor lauter Glück.“
„Muss Liebe schön sein!“, spottete ich.
„Du bist doch ein Mensch und kennst das viel besser, wonach ich mich sehne.“ Sie klang vorwurfsvoll. „Lebt ihr nicht alle in einer Welt der Gefühle?“
„Das kann schon sein“, antwortete ich, „aber ich bin da kein gutes Beispiel.“
„Wer bist du?“, fragte sie eindringlich.
Die Antwort fiel mir schwer. Nach einigem Herumgerede entschloss ich mich zur Offenheit, denn sie war ja nur eine Bronzestatue. Ich erzählte ihr von meinem Vater, dem Pferdeschlächter, der seinen Beruf hasste, und meiner Mutter, die ihn als Weichei verspottete. Ich musste immer helfen, die Tiere zu fesseln, damit sie nicht ausbrachen. Einmal  jammerte er, weil er eine hübsche junge Stute schlachten musste, nur weil der Besitzer den Tierarzt sparen wollte. Diesmal war der Kopfriemen wohl nicht  genügend festgezurrt. Mein Vater wollte dem Opfer noch einmal beruhigend über die Stirn fahren, ehe er den Apparat ansetzte. Die Stute schüttelte sich wild und schnappte nach ihm. Da schlug seine Weichheit in Wut um. Er versetzte ihr einen Schlag zwischen die Augen, dann rannte er wild fluchend zu meiner Mutter und erschlug sie mit  bloßen Fäusten.
Dem Sohn eines Metzgers und Mörders war vorbestimmt, für Gauner zu arbeiten. Ich lieferte illegale Osteuropäerinnen an zwielichtige Hoteliers und Wohnungsvermieter. Bis es mir mit einem der Opfer ähnlich ging wie meinem Vater mit der Stute.
„Das verstehe ich nicht“, warf die Figur ein. „Hat ein Mädchen nach dir geschnappt, als du es streicheln wolltest?“
„Nein, nur mich geohrfeigt. Ich hab nicht zurückgeschlagen und auch niemanden umgebracht. Ich hab nur den Job gewechselt. Darum bin ich jetzt hier.“
„Du Armer“, hauchte sie, „dir geht es nicht besser als mir. Aber ich weiß, dass es für jede Sehnsucht Erfüllung gibt – wenn vielleicht auch erst in zweihundert Jahren.“

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Graeculus (69) (11.04.2017)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Abuelo meinte dazu am 11.04.2017:
Danke, Graeculus.. Jetzt besser?
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Graeculus (69) antwortete darauf am 11.04.2017:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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LotharAtzert
Kommentar von LotharAtzert (11.04.2017)
Gruß an die Kleine. Wir kennen uns.
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Veröffentlicht am 11.04.2017, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 11.04.2017). Textlänge: 686 Wörter; dieser Text wurde bereits 389 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 11.06.2020.
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