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Für meine Mutter III- ein sehr schwerer Tag

Gedanke zum Thema Schmerz


von Lena

Ich sitze auf einem Barhocker an der Theke unseres Lieblingsrestaurants und betrachte mein Gesicht im Spiegel hinter den Spirituosen. ‚So ein Schnaps wäre jetzt gar nicht schlecht‘, denke ich bei mir… Wie oft waren wir wohl schon hier? Fünfzig Mal? Hundert Mal? Ich weiß es nicht, es ist auch unwichtig.

Wir sitzen eigentlich stets an unserem Zweiertisch am Fenster und plaudern meistens, mal mehr, mal weniger – je nachdem, wie es dir geht. Du liebst es noch immer, raus zu gehen, mal was anderes zu sehen…und so bestellen wir uns eine Leckerei, du dazu ein Alster, ich eine Apfelschorle…eigentlich ist es um diese Uhrzeit am Nachmittag immer recht leer, und ich gestehe mir gerade ein, dass ich es nicht schlecht fand bisher, nein, eher gut – denn du sorgst nicht mehr für dich, lässt auch andere nicht für dich sorgen. Das ist schon ziemlich schwer für mich zu sehen, wie du immer weniger auf dich hältst, hast du das doch früher umso mehr getan – als die Demenz dich noch nicht im Griff hatte. Und so sind die Haare ungewaschen und schlabbern um deinen Kopf wie die alte Jogginghose um deine Beine. Schuhe ziehst du auch keine mehr an, nur noch dicke Socken und dazu deine Hausschlappen. „Ach, das macht doch nix, das sieht doch keiner“, sagst du zu mir, und ich möchte am liebsten schreien: „Doch, ich, und jeder andere auch. Alle starren dich und mich an, wenn wir das Restaurant betreten! Ich schäme mich, mach dich doch wenigstens ein bisschen zurecht, damit ich dich mitnehmen kann…!!!“
Aber ich schreie nicht, jedenfalls nicht mit dir, bestenfalls innerlich, und sage nur: „Egal, komm, wir gehen!“ Ich bin ruhiger geworden im Laufe der Jahre, ruhiger und viel gelassener, wenn es um dich geht. Du bist schließlich meine Mutter, auch wenn ich das nicht immer so positiv sehe…aber es ist mir inzwischen sehr gleichgültig, was die Leute sagen, flüstern oder denken. Sie wissen nichts von deiner Demenz, deinen guten und schlechten Tagen – und sie wissen nichts von mir und über mich…sollen sie doch reden. Die Bedienung ist immer freundlich und aufgeschlossen uns gegenüber, das finde ich wichtig.
Heute sitze ich aber nicht an unserem Tisch…an der Theke sitze ich, immer noch…starre zwischen den Schnapsflaschen hindurch in die großen Spiegel, die mir ein sehr ermattetes Bild zurück werfen. Heute ist kein guter Tag, überhaupt werden diese guten Tage seltener… und ich beginne mir vorzustellen, wie es ist, wenn es vorbei ist, vorbei für uns beide, weil du gehen musst – ich muss mich beherrschen, dass mir nicht die Tränen übers Gesicht laufen, denn der Kellner guckt mich schon so fragend an…du bist nicht mitgekommen heute, wolltest, dass ich das Essen nach Hause hole  - viel Wartezeit an dieser Theke, zu viel! Würde ich jemals wieder hierhin kommen, ohne dich? Ich glaube nicht…
Du schreist heute sehr viel mit mir herum, ich ertrage es kaum, muss einmal auch richtig gerade und laut werden – später, als wir gegessen haben, hast du dich ein wenig gefangen. Wir sitzen zusammen auf deiner Couch, und ich zeige dir die vielen Bilder, die du schon so oft gesehen hast, über die du dich aber immer wieder freust.
Ein paar Mal muss ich dir noch erklären, wie dein neuer Receiver funktioniert, habe aber Bedenken – ich lasse den Fernseher lieber an…dein Telefon musst du auf die Station legen, ich konnte dich die letzten zwei Tage nicht erreichen – jaja…

Eineinhalb Stunden Autofahrt liegen vor mir, viel Zeit zum Denken und für Tränen…heute habe ich schmerzlich erkannt, dass ich dich wieder ein Stück weit verloren habe – oder du mich? Ich weiß es nicht!

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