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Erzählung zum Thema Cyberlove


von toltec-head

"Einmal", sagte ich zu Andreas,  als wir endlich von der Autobahn runter, ein Stück Landstraße gefahren und dann plötzlich in einen Feldweg abgebogen waren, wo wir das Auto haben stehen lassen und tief in die einsame Landschaft wanderten, bis wir uns schließlich auf einer Bank niederließen, wo die Stille beinah schmerzte " - Einmal habe ich geglaubt, ich werde ein Künstler oder Gelehrter werden. Ich habe aber eingesehen, dass diese ein tiefes ernstes Wort zu der Menschheit sagen müssen, das sie begeistert und edler und größer macht - oder dass wenigstens der Gelehrte Dinge zu Tage schaffe und erfinde, welche die Menschen in dem irdischen Gute, in den Mitteln fördern und weiter bringen. In beiden Fällen aber ist es notwendig, dass ein solcher Mann zuerst selber ein einfaches und großes Herz habe. Aber da ich dies nicht besitze, so ließ ich alles wieder fahren, und es ist nun vorbei. Ich führe also meine Angestelltenexistenz und blogge nebenbei, wobei dieses Bloggen hauptsächlich aus Abschreiben besteht."

Ein sanfter Schatten ging über unsere Augen und wir blickten in diesem Augenblick mit Schwärmerei in die Luft hinaus, während wir müßig auf den Bank saßen, ein ganzes Meer an Himmelsbläue um uns feierte und  das geheimste Deutschland um uns glänzte. Da allerlei Wünsche und Träume junger Herzen in uns redeten, zog  Andreas  an seiner Zigarette und sagte, ihm sei, als wäre das Glück, doch noch nicht ganz da.

***

Aus dem dem Tagebuch von Andreas Isensee, LitForen-Autor:

9. September 2017

Immer noch mit der Verarbeitung von Artern beschäftigt.

Wer viel reiset, lernt schon die Menschen schonen, und lässt sie in dem inneren Haushalte ihres Lebens gewähren, der sich nicht aufschließt, wenn es nicht freiwillig ist, aber das glaub ich zu erkennen, dass in dem reinen beschäftigen Leben von toltec irgend ein Bodensatz liegt, der es nicht zur völligen Abklärung kommen lässt, und mir ist, als sei doch irgend eine Art Trauer da, die sich natürlich bei einem Mann wie ihm nur durch Ruhe und Ernst ausdrückt. In seinem Leben und seinem Umgange mit mir war er sehr einfach, und von einer Zurückhaltung oder Verstellung kann nicht im Geringsten die Rede sein. In dem Zimmer, in dem er mich schlafen ließ, stand beinah nichts als eine große Kerze und hing das seltsame Poster eines Pharaos. Es war schon ein Grad Vertraulichkeit, dass ich da hinein durfte, und alles besehen konnte, was da stand und lag. Erlaubt er sonst sicherlich nur seinen Fick-Bekanntschaften. Diese Vertraulichkeit habe ich sicherlich dem Umstand zu verdanken, dass er spürt, dass ich nie forsche und grübele.

Verdammter Porno-Loop, wichse zu viel.



***
Dämliche  Rezension in der ZEIT von Kenneth Goldsmith,  Uncreative Writing, das endlich auf Deutsch erschienen ist.  Literatur bestehe doch aus der Verarbeitung von Erfahrungen, die man da draußen in der Welt mache. Erinnert nicht von ungefähr an Merkels oft und gern verwendeten Redewendung von den "Menschen da draußen". Harmloser und naiver Literatur- und Menschenbegriff des linksliberalen Gutbürgertums.  Es bleibe zu hoffen, dass dieses Pamphlet möglichst wenige Leser finde. Seine Vision wäre, so der Autor,  wohl kein Neubeginn, sondern schlichtweg das Ende der Literatur. So ein Quatsch. Bin aber ziemlich sicher, dass wir das Ende der ZEIT noch erleben werden. AfD als Zeitenwende, die eben auch eine Alternative zur Literatur der Betulichkeit miteinschließt.

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