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Im Spiel

Essay zum Thema Erkenntnis


von Sätzer

Von Platon stammt die Aussage: Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde besser kennenlernen, als im Gespräch in einem Jahr.

Das trifft meine Erfahrungen auf den Punkt. Es fragt sich, warum viele Menschen jegliches Spielen ablehnen, warum sie so viel Zeit mit sinnlosen Redereien verpulvern. Seien es Gespräche aneinander vorbei, Scheindiskussionen, um seine Schwächen nicht zu offenbaren, oder gar wissenschaftliche Auseinandersetzungen, die auf nicht bewiesenen Hypothesen basieren.
Der Mensch schwätzt halt lieber als sich auf ein Spiel einzulassen, das er gar verlieren könnte.
Ich habe mal in meiner Jugendzeit im Spiel Mensch-Ärgere-Nicht mit meiner Mutter und dem Bruder ein Tonband mitlaufen lassen. Den Mitschnitt empfand ich damals als sehr witzig. Bei einem späteren Abhören wurde mir klar, dass unsere Charaktere sich schon zu der Zeit total offenbarten.

Heute spiele ich mit verschiedenen Menschen Doppelkopf, kegele ab und an mit wieder anderen Menschen und spiele Tennis mit nochmals anderen Menschen. Ich stelle immer wieder fest, dass ich ihr Wesen dort sehr viel schneller und intensiver erfasse. Es bestätigt sich, dass langatmige Gespräche, seien sie noch so intellektuell oder banal, auch über längere Zeiten – wenn überhaupt - keine besseren Erkenntnisse über ihre Charaktere schafften.
Spiele bieten viele Momente, in denen es um Situationen geht, in denen etwas deutlich wird, was einen Menschen ausmacht. Wie geht er mit Siegern um, wie mit Verlierern? Wie kooperiert er mit einem Spielpartner? Resigniert er oder entsteht der Wunsch sich weiterzuentwickeln? Wird er zum Einzelkämpfer oder beschließt er, sich in der Zukunft kooperativer zu verhalten? Was spornt ihn an zu verändern? Will er seinen Blick auf die eigene Perspektive von der Welt schärfen?
Meine Pädagogik als Berufsschullehrer und Dozent in der Lehrerfortbildung habe ich durch mental-körperorientierte Methoden spielerisch erweitert und festgestellt, dass so neue Erkenntnisse oft viel schneller erfahrbar gemacht werden können. Bei der Schulung von Schauspielern ist das schon lange eine Selbstverständlichkeit (z.B. bei der Methode Theatersport), sowie auch in modernen Psychotherapien (z.B. bei der Gestalttherapie und der Familienaufstellung).

Wir spielen alle Rollen. Interessant dabei sind vor allem die Konflikte und Widersprüchlichkeiten, in die wir beim Spielen, wie im wahren Leben agieren. Z.B. die Momente, in denen wir über andere triumphieren oder in denen wir Angst bekommen, das Gesicht zu verlieren. Wir geraten dann oft in einen Konflikt mit unseren Instinkten. Das besonders dann, wenn wir in unserer Selbstbetrachtung gut und fair erscheinen wollen.

Inzwischen ist der Wandel zu handlungsorientiertem Lernen auch in Museen angekommen. Besucher werden zu körperlichen und geistigen Eigenaktivitäten angeregt, um im Tun kulturelle Erkenntnisse und Neugier zu gewinnen. Vor allem junge Besucher springen darauf an. In Kitas und den Grundschulen ist spielerisches Lernen schon lange selbstverständlich.

Erfreulich ist es, dass Entwicklungen zu einer handlungsorientierten, mehr spielerischen Vorgehensweise in vielen Bereichen des Lernens und Erfahrens auch heute zunehmen, obwohl verkopfte Menschen das i.d.R. total ablehnen. Eine kognitive Neugier entsteht automatisch durch im Spiel gemachte Erfahrungen. Das ist zumindest meine Erkenntnis über viele Jahre.

 
 

Kommentare zu diesem Text


LottaManguetti
Kommentar von LottaManguetti (19.10.2017)
Alles in allem sind das keine neuen Erkenntnisse, Uwe.
Dein Einstieg zu diesem Thema befremdet mich.

Zitat: "Es fragt sich, warum viele Menschen jegliches Spielen ablehnen, warum sie so viel Zeit mit sinnlosen Redereien verpulvern. Seien es Gespräche aneinander vorbei, Scheindiskussionen, um seine Schwächen nicht zu offenbaren, oder gar wissenschaftliche Auseinandersetzungen, die auf nicht bewiesenen Hypothesen basieren.
Der Mensch schwätzt halt lieber als sich auf ein Spiel einzulassen, dass er gar verlieren könnte."

1. ... das er gar verlieren könnte.
2. Worauf basiert diese Sichtweise? Gibt es dazu Untersuchungen/Statistiken?
3. Reichen persönliche Eindrücke, um dieses Thema einzuleiten?
4. Ein bisschen erinnern mich deine Ausführungen in der Mitte an folgenden Satz aus der Feuerzangenbowle:
"In dem von mir verfassten Buche, ,Die Gerechtigkeit des Lehrers unter besonderer Berücksichtigung der höheren Lehranstalten..."

Ergänzung:
Der letzte Absatz widerspricht der Einführung.
Der Leser weiß jetzt nicht mehr, was er aus diesem Text mitnehmen soll: das zunehmende Geschwafel des heutigen Menschen oder die erfreuliche Zunahme spielerischer Aktivitäten.
In der Regel bleibt Letzteres eher hängen.
Dennoch: Mir ist es insgesamt zu widersprüchlich.

Kommentar geändert am 19.10.2017 um 10:52 Uhr
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Sätzer meinte dazu am 19.10.2017:
"Alles in allem sind das keine neuen Erkenntnisse"
Du bist halt DIE Neunmalkluge hier im Forum und weißt schon Alles ;-)
Im Übrigen ist es ein persönlicher Essay, der durchaus auch Widersprüchliches enthält. So ist es halt im Leben - ständig dieses Widersprüchliche. Nur Hyperschlaue wissen immer genau, wo es lang geht - äh gibts die überhaupt?

Antwort geändert am 19.10.2017 um 14:43 Uhr


Antwort geändert am 19.10.2017 um 14:46 Uhr
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LottaManguetti antwortete darauf am 19.10.2017:
Neunmalklug, Uwe?
Man sagt mir Belesenheit nach, was ich persönlich gar nicht so empfinde. Ich nenne es Wissbegier.
Nein. Neunmalklug wäre achtmal zuviel des Guten;
einmal reicht völlig aus.
Meine Sichtweise in Bezug auf obigen Text hat ebenfalls nichts damit zu tun, dass ich schon alles zu wissen vorgebe. Gut, ich gebe zu, auch Schillers Ausführungen über die ästhetische Erziehung ... gelesen zu haben, woran ich sofort dachte, als ich diesen Text hier aufblätterte usw. Ob das nun bedeuten muss, dass ich neunmalklug ...
Es schmeichelt mir, für sooo klug befunden zu werden. Aber ich muss demütig abwinken.

:-)
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (19.10.2017)
Verkopfte Menschen, die handlungsorientiertes spielerisches Lernen ablehnen, müssen geradezu dumm sein.
LG
Ekki
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Sätzer schrieb daraufhin am 19.10.2017:
Kann sein. Vielleicht braucht der Kopf dann übermäßig viel Energie. Immerhin schluckt das Gehirn im Normalfall schon ein Drittel aller aufgenommenen Energieressourcen in Form von Nahrung.
Dank dir für deine Empfehlung und LG Uwe
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Stelzie
Kommentar von Stelzie (19.10.2017)
Angenommen, ich bin ein Mensch, der nicht gern spielt (Weil mir dazu einfach die Zeit zu schade ist und ich währenddessen etwas "sinnvolles" tun kann.). Bin ich deswegen automatisch ein dumm rumlabernder Mensch? Bin ich vielleicht sogar oberflächlich? Diese Fragen stelle ich mir nach dem Lesen deines Textes. Denn ich spiele wirklich sehr ungern. Dabei ist es mir im täglichen Leben durchaus möglich, mein Gegenüber ganz genau einzuschätzen. Dazu braucht es keine Spielereien, sondern einen gesunden Menschenverstand.
Eine andere Geschichte ist übrigens das Spielen mit Kindern. Das empfinde als sehr spannend. Dafür lohnt es sich, alles "Sinnvolle" beiseite zu schieben.
Ich bin nicht ganz deiner Meinung, habe aber trotzdem gerne drüber nachgedacht.
Liebe Grüße
Kerstin
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Sätzer äußerte darauf am 19.10.2017:
"Angenommen, ich bin ein Mensch, der nicht gern spielt (Weil mir dazu einfach die Zeit zu schade ist und ich währenddessen etwas "sinnvolles" tun kann.). Bin ich deswegen automatisch ein dumm rumlabernder Mensch? Bin ich vielleicht sogar oberflächlich?"

Natürlich nicht. Ich habe da nicht an Menschen gedacht, die ihre Energie in andere Aktivitäten stecken, z.B. ein wichtiges Buch schreiben, in einem Chor singen etc.
Spielen mit Kindern ist auch sehr sinnvoll und kann großen Spaß machen und man spielt ja schließlich mit. Wenn die Kinder größer werden, macht es durchaus auch Spaß z.B. mit ihnen Doppelkopf zu spielen. Mein achtjähriger Enkel ist da schon fast ein kleiner Profi, die elfjährige Enkelin kann mit den Eltern voll mithalten. der Junge hat noch Probleme mit dem Verlieren, sie nicht.
LG Uwe
LG Uwe
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LotharAtzert
Kommentar von LotharAtzert (19.10.2017)
Nichts ist erfrischender, als ein gutes Bei-Spiel und nichts abgestandener, als pädagogisch ausgeklügelte Lernspiele.
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Sätzer ergänzte dazu am 19.10.2017:
Entscheidend ist, dass Erfahrungen selbst gemacht werden, ob vom Vermitteler ausgeklügelt oder spontan eingebracht ist egal. Hauptsache der Lernende hat eine "eigene" Erkenntnis gewonnen.
Vorbeterei ist jedenfalls keine Alternative.
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TrekanBelluvitsh
Kommentar von TrekanBelluvitsh (19.10.2017)
für viele gilt beim Spielen halt das alte Motto: "Es ist egal ob man gewinnt oder verliert - bis man verloren hat." Wie die sich wohl im Leben verhalten... ;-)
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Dieter_Rotmund meinte dazu am 19.10.2017:
Lothar bringt es auf den Punkt, finde ich, das deckt sich mit meinen Erfahrungen, der ich schon sehr lange ein gutes Brettspiel zu schätzen weiss und hin und wieder auch eines journalistisch rezensiere.
"Der Mensch schwätzt halt lieber als sich auf ein Spiel einzulassen, dass er gar verlieren könnte."
Oft werde ich mit den zwei Ressentiments konfrontiert:
1. Brettspiele sind nur was für Kinder.
2. Spiele ich nicht, da könnte ich beim Verlieren ja als dumm gelten (vor allem bei "Trivial Pursuit" und "Scrabble").

P.S.: Bestenfalls wissenschaftliche Essays brauchen Fußnoten, in denen sie auch Untersuchungen oder Statistiken verwiesen. Man darf für einen Essay auch mal selbst (persönliche) Beobachtungen anstellen, sie schildern und evtl. Schlüsse ziehen.
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Sätzer meinte dazu am 19.10.2017:
@ Trekan
Für Dauerverlierer könnte das ein Problem werden.
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Sätzer meinte dazu am 19.10.2017:
@ Dieter
"Brettspiele sind nur was für Kinder."

Für Schach und Go müßte der Satz dann umgekehrt lauten.
Aber das ist beides Unsinn. Meine Erfahrungen mit dem doch recht anspruchsvollen Kartenspiel Doppelkopf sind so, dass schon relativ junge Kinder da mithalten können und Spaß und Ehrgeiz entwickeln.
Siehe auch Kommiantwort bei Stelzie.
Dank auch für deine Empfehlung und LG Uwe
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Sätzer meinte dazu am 19.10.2017:
Auch dir Trekan Dank für deine Empfehlung und Lg Uwe
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Kommentar von Sinshenatty (53) (19.10.2017)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Sätzer meinte dazu am 20.10.2017:
Schach, ein wahres Kampfspiel ;-)
Dank dir für deine Empfehlung. LG Uwe
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AZU20
Kommentar von AZU20 (20.10.2017)
Ich müsste mal wieder mehr spielen. LG
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Sätzer meinte dazu am 20.10.2017:
Das ist eine gute Idee. Das Leben wird dann auch etwas spielerischer. Dank für deine Empfehlung und LG Uwe
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