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Die Wehrmacht - Ein StatementInhaltsverzeichnisSpaniens vergessene Krieger

Nordafrika, Mai bis November 1942: Ein Mikrokosmos als Beispiel für die deutsche Kriegsführung im Zweiten Weltkrieg

Essay zum Thema Historisches


von TrekanBelluvitsh

Es lohnt sich, einen näheren Blick auf die Kämpfe des zweiten Halbjahres 1942 in Nordafrika  (Libyen/Ägypten) zwischen den deutsch-italienischen Truppen und den unter britischer Führung stehenden Verbänden des Commonwealth zu werfen, denn was sich hier abspielte, zeigt auf nahezu  idealtypische Art und Weise, wie die deutsche Wehrmacht den Krieg führte.

Das Handeln im Kriege unterscheidet man in drei Ebenen. Sie sollen kurz erläutert werden:
Taktische Ebene: Dies ist das Verhalten des Einzelnen in eine bestimmten Situation, z.B. in welcher Situation man Feuer erwidert, oder sich statt dessen vom Gegner löst. Der Einzelne ist hier nicht allein der einzelne Soldat, sondern auch der einzelne Truppenkörper. Das Verhalten einer Kompanie im Kampf ist Taktik.
Operative Ebene: Dies ist die Feldzugebene. Wo werden welche einzelnen Truppenkörper wann eingesetzt und was sollen sie bewirken. Vereinfacht ausgedrückt: Auf Karten markieren zumeist Pfeile die durchgeführten Aktionen auf der operativen Ebene.
Strategische Ebene: Auf ihr fallen die grundsätzlichen Entscheidungen, z.B. mit wem verbündet man sich und warum. Diese sollten im besten Fall (bzw. je nach Staatsform) von der politischen Führung getroffen werden. Die militärische Führung sollte bei eventuellen Fragen vom militärischen Charakter beratend zur Seite stehen.

Natürlich bedingen sich alle drei Seiten gegeneinander. Die Grenzen sind mitunter fließend





Chronologie:

Im Mai 1942 verlief die Front in Libyen entlang der sogenannten Gazala-Linie, die 59 Kilometer westlich von Tobruk, an der Grenze zwischen Cyrenaika und Marmarika, von der Mittelmeerküste im Norden bis zu der alten Festung Bir Hacheim 54 Kilometer nach Süden verlief. Hier hatten sich die britischen(1) Verbände eingegraben. Die Linie war durch ausgedehnte Minenfelder und befestigte Stellungen gesichert. In der Nacht vom 26. auf den 27. Mai 1942 begann die Offensive der deutsch-italienischen Truppen, indem die deutschen(2) Divisionen die Linie südlich von Bir Hacheim umgingen. Indes verlief der Angriff nicht wie geplant. Anstatt zu einer schnellen Entscheidung  kam es bis zum 17. Juni 1942 zu heftigsten Kämpfen. Schlussendlich konnten sich die deutschen Truppen sich durchsetzen und die Briten zum Rückzug zwingen. Die Festung Tobruk, die im Jahr zuvor noch ein halbes Jahr lang dem Ansturm der Achsentruppen stand gehalten hatte, wurde in 24 Stunden erobert, war am 21. Juni in deutscher Hand. Die britischen Verbände hatten schon nach dem Fall der Gazala-Linie den allgemeinen Rückzug angetreten.
Die deutschen Divisionen machten sich nun auf die Verfolgung des Gegners. Am Abend des 23. Juni 1942 überschritten sie die libysch-ägyptische Grenze. Vom 26. bis zum 29. Juni kam es bei Marsa Matruh - etwa auf halber Strecke zwischen Grenze und dem später berühmt gewordenen El Alamein - zu heftigen Kämpfen. Nach schweren Verlusten zogen die Briten sich weiter nach Osten zurück, zunächst nach Fuka und schließlich bis El Alamein. Die deutschen Truppen folgten ihnen und standen am 30. Juni ca. 12 Kilometer westlich der bis dahin völlig unbedeutenden und unbekannten Eisenbahnstation. In 10 Tagen hatten sie unter zum Teil schweren Kämpfen ca. 500 Kilometer zurückgelegt.

Der erste Angriff, heute als Erste Schlacht von El Alamein bezeichnet ( 1. bis 27. Juli 1942), schlug fehl. Es konnte kein entscheidender Durchbruch erzielt werden. Die britische Verteidigung hielt stand. Für den zweiten Angriff wurde mehr Vorbereitungszeit benötigt. Wieder suchte man deutscherseits den Erfolg in einer - wenn auch sehr  begrenzten - Südumfassung. Am Höhenkamm von Alam Halfa wurden die Angriffsverbände gestoppt. Die Operation (Schlacht von Alam Halfa,  30. August bis 6. September 1942) endete damit, dass sich die arg dezimierten deutschen Truppen wieder auf ihre Ausgangsstellung zurückzogen.

Mit Alam Halfa wechselte die Initiative zu den britischen Divisionen. Während die deutsch-italienischen Truppen sich eingruben und die größten Minenfelder, die auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz je angelegt wurden, und befestigte Stellungen errichteten, breitete man sich auf britischer Seite auf den Angriff vor. Dieser begann am 23. Oktober 1942 mit einer massiven Überlegenheit an Mensch und Material. Die Zweite Schlacht von El Alamein dauerte  bis zum 4. November 1942. Bis zum 2. November gelang es den Verteidigern mit Glück und Geschick, allerdings unter immensen Verlusten, die Stellung zu halten, doch am 3. November erfolgte der britische Durchbruch im Norden der Front. Am 4. November begann der Rückzug der deutsch-italienischen Truppen, der erst im Februar 1943 jenseits der libysch-tunesischen Grenze enden sollte. Doch zu diesem Zeitpunkt war der afrikanische Brückenkopf der Achsenmächte bereits von zwei Seiten unter Beschuss. Denn während von Osten die britischen Verbände nachrückten, waren am 8. November 1942 amerikanische und britische Truppen in Marokko und Algerien gelandet (Opertion  Torch). Diese stießen nach Westen vor und konnten erst knapp vor Tunis gestoppt werden. Bis Mitte Dezember vermochten deutsch-italienische Truppen sich noch einmal im Osten Tunesiens zu behaupten.




Analyse:

Trotz oder gerade wegen der heftigen Kämpfe um die Gazala-Linie, zeigte sich dort die taktisch-operative Überlegenheit der deutschen Divisionen. Mit der Südumfassung gelang, die grundsätzliche Überraschung des britischen Gegners aber nicht. Und dennoch lag die Initiative bei den deutschen Divisionen, was umso erstaunlicher ist, wenn man bedenkt, dass sie zahlenmäßig unterlegen waren. Die Briten leisteten heftigen Widerstand. Es gibt keinen Zweifel an der Tapferkeit des einzelnen britischen Soldaten. Doch auch an taktischem Geschick waren sie ihren deutschen Gegnern unterlegen. Panzerangriffe wurden teilweise noch in Zugstärke (3 – 5 Panzer) durchgeführt, was den deutschen Verbänden ermöglichte, ihre kampfstärksten Einheiten immer wieder von einem Brennpunkt an den anderen zu verlegen. und diese abzufangen. Außerdem hatte man auf britischer Seite sich zu sehr auf die Leistungsfähigkeit der Gazala-Linie verlassen. Als den deutschen-italienischen beweglichen Verbänden, die östlich der Linie festlagen, der Nachschub auszugehen drohte, gelang an mehreren Stellen der frontale Durchbruch durch die Linie und Nachschubkonvois konnten die motorisierten Verbände erreichen. Tatsächlich trafen bei Gazala zwei Konzepte aufeinander: Auf britischer Seite das lineare Denken, geprägt von den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs und das Planen mit beweglichen Einheiten, womit deutsche Offiziere wie Heinz Guderian den Patt des Stellungskriegs von 1914/18 zu überwinden hofften. Hinzu kam, dass, obwohl Europäer sich immer wider vor Augen halten müssen, dass die Wüste nicht (nur) flach ist, der nordafrikanische Kriegsschauplatz sich geradezu perfekt für die bewegliche Kriegsführung eignete. Der deutsche Befehlshaber Erwin Rommel hatte dieses verinnerlicht, während seine Gegenspieler auf britischer Seite – Neil Ritchie und  Claude Auchinleck – zu zögerlich handelten.
Ein Punkt wird bei der Betrachtung der Schlacht von Gazala häufig übersehen, obwohl seine Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzen werden kann: die Truppen der Achse auf dem Boden konnten sich der Luftüberlegenheit ihrer fliegenden Verbände sicher sein. Diese hielten nicht nur die britische Desert Air Force in Schach, sie griffen auch immer wieder erfolgreich in die Bodenkämpfe ein. Schon 1940 in Frankreich und 1941 in der Sowjetunion hatten sich der Wert der taktischen Heersunterstützung der deutschen Luftwaffe erwiesen. In jener Phase hatten ihre Gegner dem nicht viel entgegenzusetzen. Doch die deutsche Luftwaffe, die niemals zu einem strategischen Luftkrieg, wie ihn die Royal Air Force und die USAAF(3) von 1942 bis 1945 führte, in der Lage war, kämpfte ständig an ihrer Belastungsgrenze. Im Sommer 1942 war diese überschritten. Denn nach der Schlacht von Gazala wurde ein großer Teil der Fliegerkräfte aus Nordafrika abgezogen, um die deutsche Sommeroffensive im Südabschnitt der Ostfront (Unternehmen Blau) zu unterstützen. Um auf beiden Kriegsschauplätzen präsent zu sein, dazu fehlte der Luftwaffe die Stärke. Für sie galt bereits das, was für das Heer erst ab 1943 zu einem ständigem Problem werden sollte: Truppenverschiebungen mussten nicht allein vertikal, d.h. innerhalb einer Front, sondern gleichfalls horizontal – von einem Kriegsschauplatz zu einem anderen - vorgenommen werden, zumal auch im nordfranzösischen Luftraum im Sommer 1942 die britische Royal Air Force sehr offensiv agierte. Das sich die Versorgungslage mit jedem Kilometer, den die deutsch-italienischen Verbände in Afrika nach Westen vorstießen, angespannter wurde, tat das seinige dazu, dass sich auch die Unterstützung durch die verbliebenen Fliegerkräfte erschwerte und zurückging.



Eines der bedeutendsten Ereignisse auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz war die Eroberung Tobruks am 21. Juni 1942. Dabei war es militärisch kein besonders schwieriges Manöver. Tobruk 1942 war mit Tobruk 1941 nicht vergleichbar. Die Truppenstärke war viel geringer, viele Stellungen nicht besetzt oder vernachlässigt worden. Fast alle Minen waren ausgegraben und in der Gazala-Linie verbaut worden. Dies galt im besonderen Maße für den Osten der Verteidigung von Tobruk, genau dort, wo die deutschen Divisionen ihren Angriff starteten. Nach der Eroberung stellte Tobruk sich als Enttäuschung heraus, trotz einer großen Beute an Nachschubgütern, hatte man auf deutscher Seite doch gehofft, einen weiter im Osten liegenden Ausladeplatz für den eigenen Nachschub zu erhalten. Allein war der Hafen von Tobruk dazu nicht in der Lage. Die logistischen Probleme verringerten sich kaum. Der Nachschub musste weiterhin von Bengasi (siehe Übersichtskarte) und Tripolis(sic!) bis an die Front transportiert werden.
Doch die Eroberung Tobruks hatte indes weitreichende strategische Bedeutung. Auf deutscher Seite begann man nun von einer Zangenoperation zu träumen, die von Nordafrika aus auf der einen Seite und dem Kaukasus auf der anderen den Nahen Osten zum Ziel hatte, um so den Sueskanal in die Hände zu bekommen und Großbritannien von seiner Kolonie Indien abzuschneiden. Schon im Sommer 1941, kurz nach dem Überfall auf die Sowjetunion, war das angedacht worden, damals noch unter der Prämisse, dass die Rote Armee bis September 1941 geschlagen sei. Die Rückschläge des Winters 1941/42 an der Ostfront beendeten diese operativen Fantasien. Tatsächlich schätzten viele Generale schon die Sommeroffensive 1942 an der Ostfront aufgrund der personellen Verluste der ersten 9 Monate des Krieges gegen die Sowjetunion und des Rohstoffmangels (Öl!) als hochriskante Operation ein. Und noch am 12. Juni 1942 notierte der Generalstabschef des Heeres Franz Halder in sein Tagebuch nach einem Vortrag von Vizeadmiral Fricke, der die Nordafrika-Kaukasus-Operation wieder thematisierte: „Die Leute träumen in Kontinenten.“(4) Nach der Einnahme Tobruks kehrte die Euphorie wieder zurück. Ägypten und der Sueskanal schienen zum greifen nah. Sowohl Hitler als auch Halder äußersten sich in diese Richtung, da man auch den Kaukasus glaubte erobern zu können. Dabei war es - nicht nur aus der Retrospektive - klar, dass es sich dabei nur um Fantastereien handelte. 9 Tage zuvor war Halder das noch klar gewesen.
Des weiteren wurde der Fall Tobruks von der deutschen Propaganda ausgenutzt, ähnlich wie die - durchaus kritisch zu betrachtende - kurz danach erfolgte Eroberung der Festung Sevastopol auf der Krim im Süden der Ostfront (Sevastopol Stadt 1. Juli 1942, Halbinsel Chersones 5. Juli 1942), und weit über ihre Bedeutung thematisiert, war sie doch nach den Rückschlägen des Winter 1941/42 - die Offensiven der Roten Armee konnten erst im März 1942 als abgeschlagen betrachtet werden - der erste größere Erfolg, der den "Volksgenossen" deutlich machen sollte, dass für die Wehrmacht wieder die Zeit der Siege gekommen war. Wie so oft weckte die deutsche Propaganda damit übertriebene Erwartungen, die nicht gehalten werden konnte und vor allem ab dem Jahre 1942 zu einer allmällichen Ernüchterung der Deutschen führte, allerdings ohne dass sich ein bedeutender Teil der Bevölkerung vom nationalsozialistischen System lossagen wollte.


Noch begeisterter war der italienische Diktator Benito Mussollini. Er rechnet mit einem so raschen Fall der britischen Stellung in Ägypten, dass er in die Cyrenaika reiste um sich auf einen triumphalen Einzug in die Hauptstadt Ägypten vorzubereiten. Dazu wurde ebenfalls ein Schimmel antransportiert. Das aus diesem Einzug nichts wurde, nahm Mussolini den Deutschen und besonders Rommel persönlich übel. Samt seinem seinem Schimmel reiste er zurück nach Italien. Das er 10 Monate später ganz andere Probleme haben sollte, ahnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Die wichtigen Entscheidungen wurden jedoch in Washington getroffen. Zum Zeitpunkt des Falls von Tobruk befand sich der britische Premierminister Winston Churchill zu Gesprächen beim amerikanischen Präsidenten. Als ihn die Nachricht von der Niederlage bei Gazala und Tobruk erreichte, war Churchill tief betroffen, empfand er sie doch als besonders schmachvoll. Dass er selbst – zwar nicht zu der Niederlage an sich, aber zu dem, was er als schmachvoll empfand – durch Funksprüche an die Generale Ritchie und Auchinleck und die damit verbundene versuchte Einmischung in die Operationsführung mit beigetragen hatte, kam dem mit einem robusten Selbstvertrauen ausgestatteten britischen Premier nicht in den Sinn. Spontan bot der am Theodore Roosevelt, der amerikanische Präsident, Hilfe an. Dabei war eher der Zeitpunkt des Hilfsangebots spontan, weniger die Tatsache an sich. Schon seit April 1942 machte man sich auf amerikanischer Seite Gedanken, Truppen in den Mittleren Osten zu verlegen. Aus politischen Gründen verzichtete man jedoch darauf. Das östliche Mittelmeer sollte britisches Einflussgebiet bleiben. Also wurde Material, hauptsächlich Panzer, Artillerie und Flugzeuge angeboten. Auch mithilfe dieses Angebots und damit, dass er Ritche und Auchinleck als die Sündenböcke für das Desaster von Gazala-Tobruk darstellte, gewann Churchill im Unterhaus am 2. Juli 1942 ein gegen ihn gerichtetes Misstrauensvotum mit Bravour.
Folgen hatte der Fall von Tobruk auch für die damals bereits im Nahen Osten, hauptsächlich in Palästina, lebenden Juden. Eine deutsche Besetzung schien nun nicht mehr unmöglich. Angst und Panik machten sich breit. Das diese berechtigt war, zeigt nicht nur ein Blick auf die Vernichtungslager, die zu jener Zeit begonnen wurden, im sogenannten Generalgouvernement, auf besetztem polnischen Gebiet, einzurichten. Als deutsche Truppen begannen, ab dem 9. November 1942 als Reaktion auf die amerikanisch-britischen Landungen in Marokko und Algerien in Tunis zu laden, legte General Walter Nehring (Befehlshaber Tunesien) der jüdischen Gemeinde von Tunesien eine Strafzahlung von 20 Millionen Francs auf, weil das "internationale Judentum" die Verantwortung für die alliierten Landungen träge. Der Abtransport und die Ermordung von Juden aus  Tunesien war geplant, wurde jedoch nur in Ansätzen durchgeführt.



Ab dem Nachmittag des 22. Juni 1942 begannen die deutsch-italienischen Truppen mit der Verfolgung des sich zurückziehenden Gegners. Dass dieser noch nicht vollkommen geschlagen war, dessen war man sich bewusst. Und auch wenn der genau Umfang der amerikanischen Lieferung der deutschen Führung in Nordafrika nicht bekannt war, wusste man doch, dass diese kommen würden (teilweise waren sie bereits eingetroffen) und allein wegen der Frage des Nachschubs und des zur Verfügung stehenden Materials, das Pendel zugunsten der Alliierten umschwenken würde. Aber noch glaubte man, dass ein schmales Zeitfenster existierte, während dessen man die Briten würde schlagen und endgültig aus Ägypten vertreiben können. Dazu galt es jedoch, den Gegner zum Bewegungskrieg zu zwingen und sein festsetzen an einer bestimmten Frontlinie zu verhindern, denn dies hätte den Übergang zu einer Abnutzungsschlacht bedeutet und man ahnte deutscherseits, dass man eine solche nicht würde gewinnen könnte. Man musste angreifen, weil man schwach war und weil man schwach war, mussten die Angriffe erfolgreich sein, weil sonst ein komplettes Scheitern der Operation, im schlimmsten Falle sogar die Vernichtung, drohte.
Indes hatte die Abnutzung den deutsch-italienischen Truppen schon erfasst. Während die Luftwaffe und italienische Flieger immer seltener am Himmel erschienen, sahen sich die Bodentruppen immer stärkeren Angriffen der Desert Air Force ausgesetzt. Die Verluste waren hoch. Als die Divisionen am 26. Juni 1942 bei Marsa Matruh zum Angriff antrat, taten sie dies mit 23 Panzern und 600 Infanteristen. Die britische Seite konnte allein 159 Panzer aufbieten, davon 60  "Grant"- Panzer, die den neusten deutschen Typen gegenüber gleichwertig und allen anderen überlegen waren. Es hätte den britischen Truppen schon bei Marsa Matruh gelingen können, die deutsch-italienischen Verbände aufzuhalten. Doch die Deutschen rette auf der einen Seite ihr Ruf und die ohne Zweifel vorhandene taktische Überlegenheit, welche die Briten schon oft genug erfahren hatten. Sie trauten sich noch nicht, offensiv gegen die Deutschen vorzugehen. Ein Rückzugsbefehl besiegelte ihre Niederlage.



El Alamein eignete sich hervorragend als Auffangstellung. Im Norden war das Meer und im Süden verhinderte die Qatarra-Senke, eine für Fahrzeuge undurchquerbare Salzwüste, die teilweise über 100 Meter unter NN liegt, ein Umfassung. Den ganzen Juli 1942 über versuchten die deutsch-italienischen Divisionen den Durchbruch. Sie scheiterten.
Am 13. August 1942 übernahm General  Bernard Montgomery den Oberbefehl über die britischen Verbände. In Nordafrika, aber auch im weiteren Verlauf des Kriegs wurde dem selbstbewussten und fast unbelehrbaren "Monty" immer wieder vorgeworfen, dass es ihm an operationeller Finesse fehle. Tatsächlich war das fast nie ein Kennzeichen der von ihm geleiteten Schlachten. Er setzte auf die materielle Überlegenheit und die sollte zugunsten der britischen Truppen bald erdrückend sein.

Doch noch einmal versuchten deutsch-italienische Truppen die Wende herbeizuführen. Die Schlacht von Alam-Halfa (30. August bis 6. September 1942) war ihr letzter großangelegte Angriffsversuch. Hier zeigt sich auch deutlich, warum das erst in den 80er Jahren des 20. Jhd. Gelüftete „Enigma“-Geheimnis, zwar wichtig, aber nicht entscheidend für den Verlauf des Zweiten Weltkriegs war. Die britische Seite war nämlich - in der ersten Kriegshälfte mehr oder weniger regelmäßig - in der Lage, die mit der Codemaschine "Enigma" verschlüsselten deutschen Funksprüche mitzulesen. Die Niederlagen bei Gazala, Tobruk und Marsa Matruh hatten so nicht verhindert werden können. Dort fehlte es den Briten nicht an Informationen, sondern an Kräften (bei Gazala die Luftwaffenstärke, s.o.) und taktischem und operativem Können. In der mittlerweile etablierten El Alamein-Stellung war Letzteres nicht nötig. Und Material stand mehr als ausreichend zur Verfügung. Der Briten verdanken den Sieg bei Alam Halfa zu einem großen Teil den amerikanischen Hilfslieferungen, vor allem bei Panzern und Artilleriegeschützen.
Die deutsch-italienischen Divisionen führten spätestens seit September 1942 einen "Krieg des armen Mannes". So ist z.B. Rommel später dafür kritisiert worden, dass er, entgegen dem ursprünglichen Plan, der dem von Gazala glich, bei Alam Halfa zu früh Richtung Norden eindrehte und so auf die am stärksten ausgebaute Stellung der Briten, eben auf dem Höhenrücken (an der höchsten Stelle 131 Meter über NN) von Alam Halfa, traf. Manche möchten bis heute darin eine Folge seiner angeschlagenen Gesundheit sehen. Tatsächlich tat er dies, weil die Versorgungslage der Achsentruppen derart kritisch war, dass ein weiteres Ausholen nach Osten bedeutet hätte, wenn der Angriff nicht erfolgreich gewesen wäre, was man auf deutscher Seite durchaus einkalkulierte, die Panzer ohne Treibstoff auf der falschen Seite der Front stehen geblieben wären. So gelang ihnen zwar noch der Rückzug, die Initiative ging jedoch endgültig zu den britischen Truppen über.
Die Zweite Schlacht von El Alamein (23. Oktober bis 4. November) war die größte und blutigste auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz. Sie war als Abnutzungsschlacht von britischer Seite konzipiert und so lief sie auch ab. Unter ständigem Feuer der weit überlegenen alliierten Artillerie und Luftwaffe konnten die deutsch-italienischen Truppen, gestützt auf gewaltige Minenfelder, in den ersten Tagen noch Abwehrerfolge verbuchen. Die Stärke der Fronttruppen sank jedoch rapide. Ausgefallene Panzer konnten nicht ersetzt werden, anders als auf der britischen Seite. Als sich der Durchbruch am 3. November im Norden abzeichnete, ließ ein unsinniger und pathetischer Haltebefehl Hitlers Rommel 24 Stunden lang zögern, bevor er den - vom "Führer" nachträglich genehmigten, obwohl er trotz aller anderslautenden Informationen bis zum Schluss glaubte, das Rommel bei El Alamein die Nerven verloren hätte und einfach kein "Steher" sei - Rückzug anordnete. Die Verluste waren enorm und die britischen Truppen blieben den sich Zurückziehenden stets auf den Fersen. Zwar konnten die sich einer Einkreisung immer wieder entziehen, doch stets geschah dies durch Rückzug. Seit der Landung der Alliierten in Marokko und Algerien sahen die deutsch-italienischen Truppen sich nicht nur von Osten, sondern auch von Westen bedroht. Die vollkommene Niederlage drohte. Im Mai 1943 trat sie in Tunis ein.




Fazit:

Nordafrika war für Hitler, das OKW(5) und das OKH(6) immer ein Nebenkriegsschauplatz. Seine Bekanntheit rührt auf deutscher Seite vor allem von dem großen propagandistischen Aufwand her, der um ihn getrieben wurde. Das hatte zur Folge, dass man sich keine großen Gedanken darum machte, was ein eventueller Sieg - an eine Niederlage dachte zu Beginn des deutschen Engagements im Jahre 1941 natürlich noch niemand - dort bedeuten würde. Man wollte ein italienisches Primat im Mittelmeerraum akzeptieren, der Rest blieb nebulös.
Ähnlich war es schon im Sommer 1940 nach dem Sieg gegen Frankreich gewesen. Man hatte zwar gesiegt, aber England stand noch im Krieg. Eine strategische Lösung, wie England niederzuringen sei, gab es nicht. Vergleicht man die deutschen Pläne zu einer Landung auf den britischen Inseln (Operation Seelöwe) mit den jahrelangen Planungen der Westalliierten für die Invasion in der Normandie (Operation Overlord bzw. Neptune, 6. Juni 1944), wirken diese in der Tat geradezu absurd (was auch daran liegt, dass man die Ernsthaftigkeit der Planer in Zweifel ziehen kann, bzw. wollten sie nur zeigen, wie unmöglich ein solches Unternehmen war). Auf eine solche Situation war man nicht vorbereitet. Das war jedoch kein Zufall. Hitler hatte als oberster Kriegsherr niemals Pläne für einen Krieg gegen die Briten, mit denen er sich in einer Art Hassliebe verbunden fühlte. Strategie bedeutetet für Hitler immer den Krieg gegen die Sowjetunion. Schon lange vor 1939 wurden, auch von der militärischen Führung, Pläne in diese Richtung angestellt. Bis 1938 hoffte man sogar auf eine Beteiligung Polens(sic!). Als diese sich nicht erfüllte, wurde Polen kurzerhand Ziel der deutschen Expansion. Als dann am 3. September 1939 Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg erklärten, kam es zu jener geisterhaften Episode, dass ein überraschter Hitler den Außenminister Ribbentrop - der, als selbsternannter Englandkenner, zugesichert hatte, dass dies nicht geschehen würde - verblüfft anschaute und fragte: "Was nun?" Für diese Situation gab es keine Pläne. Alle deutsche Strategie musste sich der Idee eines Krieges gegen die Sowjetunion (und später dem wirklichen Krieg) unterordnen.

Dabei fällt es schwer, von einer wirklichen Strategie zu sprechen. Denn weniger als ein absoluter Sieg war für Hitler inakzeptabel. Die Idee eines auch für ihn bindenden Verhandlungsfrieden war für den "Führer" nicht vorstellbar. Ob ein totaler Sieg hätte errungen werden können, war selbst in der Zeit von 1939 bis 1941 mehr als fraglich, in der Retrospektive und in der Zeit. So gab es zwar in einem kurzen Zeitraum im Juni 1940 im britischen Kriegskabinett einige Befürworter eines Friedensschluss - sie scheiterten letztendlich an der Haltung des am 10. Mai 1940 als Premierminister zurückgetretenen Neville Chamberlain - doch selbst diese sahen als Grundlage dafür ein "akzeptables" Friedensangebot des Deutschen Reichs an, das niemals kam und wohl auch niemals gekommen wäre.
Zu diesem politischem Problem kam für die deutschen Militärplaner noch das der deutschen Mittellage in Europa. Eine strategische Lösung (Bündnisse, Friedensverträge) konnte man von der obersten Führung nicht erwarten. In Ermangelung von strategischen Alternativen suchte man die Entscheidung in operativen Lösungen. Zahlenmäßig war man so gut wie allen Gegnern unterlegen. Einen Abnutzungskrieg wie 1914/18 durfte man nicht riskieren. Schnelle Vorstöße mit gepanzerten Verbände waren daher nicht nur eine taktische Neuerung. In dem, was heute (und zum Teil schon während des Krieges) Blitzkrieg genannt wird, erkannte man auf deutscher Seite nicht nur eine geniale Erneuerung der Operationskunst (für die meisten deutschen Generale galt das aber erst nach(sic!) dem erfolgreichen Frankreichfeldzug im Sommer 1940), sondern er wurde ein Notbehelf aufgrund der Nichtexistenz eines strategischen Gesamtplans, bzw. eines strategischen Gesamtplans, zu dessen Umsetzung das Reich auch nur in Ansätzen die Ressourcen verfügte. Man musste schnell siegen, wenn man überhaupt siegen wollte. Pläne für danach gab es nicht. Mehr als rudimentäre Allmachtsfantasien gab es auf strategischer Seite nicht. Der Blitzkrieg wurden zu einem operativen Ersatz für nicht vorhandene strategische Lösungen.

All das findet man verdichtet auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz. Die deutschen Truppen waren im Mai 1942 bis zu einer Stärke aufgebaut worden, dass sie ihre taktischen und operativen Vorteile den Briten gegenüber ausspielen konnten. Außerdem verfügten sie - wenigstens bei Gazala - über die Luftherrschaft, ein Vorausbedingung für alle erfolgreichen Schlachten im Zweiten Weltkrieg. Die Folge war ein hart erkämpfter Sieg gegen einen Gegner, der glaubte über ein Stellungssystem, die nötigen Reserven und die Überzahl zu  Verfügen, dass der Angreifer sich an ihm die Zähne ausbiss. Die Niederlage von Gazala-Tobruk traf die Briten hart und unerwartet.
Auf einmal interessierte sich die oberste deutsche Führung - Hitler vorneweg - für Nordafrika, träumte von Operationen, die sie noch wenige Monate zuvor, genau als das abgetan hatte: als Träume. Doch die Befehlshaber vor Ort - Rommel an erster Stelle - waren sich der eigenen Schwäche durchaus bewusst. Sie wussten: Es gab nur ein kurzes Zeitfenster, um einen strategisch bedeutsamen Sieg zu erringen, der allein mit operativen Mittel errungen werden musste. Beschäftigt man sich mit der deutschen Kriegsführung, findet man immer wieder Situationen, in denen deutsche Befehlshaber vor einem vergleichbaren Dilemma standen: Sie mussten ein bestimmtes Ziel in einer bestimmten Zeit erreichen, in der Hoffnung, einen Gegner derart zu schlagen, dass der seine grundsätzliche Stärke nicht ausspielen konnte, sonst drohte die Niederlage. Wie schon oben erwähnt: Man musste angreifen, weil man schwach war. Dabei war selbst den meisten deutschen Entscheidungsträger spätestens seit dem Winter 1941/42 klar, dass der Charakter des Krieges sich zu einem Abnutzungskrieg geändert hatte. Das in einem solchen die deutschen Chancen sehr schlecht standen, hat selbst Adolf Hitler immer wieder geäußert. Konsequenzen zog er daraus nicht.
Das zeigt sich auch im Zusammenhang mit der nordafrikanischen Front. Zwar erging sich Hitler nun in Tagträume über mögliche Operationen und substantielle Verstärkungen wurden Rommel auch wiederholt zugesagt, diese doch nie auf den Weg geschickt. Material und Menschen, die schon im Frühjahr 1942 auf deutscher Seite knapp wurden, gingen an die Ostfront, die Hitler stets mehr im Blick hatte, als alles andere. Können, Glück und ihr Ruf als uneingeschränkte  Herrscher im Bewegungskrieg bescherte den deutschen Truppen bei Marsa Matruh noch eine letzten Sieg. Doch Verluste und Ermattung der vorhandenen Truppen waren zu stark. Noch zwei Mal versuchte man die Initiative an sich zu reißen, zwei Mal scheiterte man. Dabei wurden die großen strategischen Entscheidungen nicht mehr von Hitler, dem OKW, dem OKH oder gar der Panzerarmee Afrika gefällt. Für den "Führer" mochte Nordafrika eine Nebenkriegsschauplatz sein, die amerikanische Hilfe - ein wesentlicher Bestandteil für den britischen Sieg - und die Entscheidung für eine Landung in Marokko und Algerien verwandelte diesen in einen von größter strategischer Bedeutung. Der deutschen Seite blieb nur übrig zu reagieren (was sie mit der Entsendung von Truppen nach Tunesien tat) und das Unvermeidliche hinauszuzögern. Mit der Kapitulation der deutsch-italienischen Streitkräfte in Tunesien im Mai 1943 lag die gesamte Südflanke der von deutscher Seite propagierten „Festung Europa“ offen da. Das kleine Unternehmen Sonnenblume, die Entsendung eines sogenannten Panzersperrverbandes im Februar 1941 zur Stützung der in Not geratenen italienischen Streitkräfte, für das Hitler kein großes Interesse zeigte, außer dass er darüber verärgert war, dass schnelle Truppen von dem geplanten Überfall auf die Sowjetunion abgezogen werden musste, hatte sich zu einer immensen Bedrohung gewandelt, auch weil man sich auf deutscher Seite weigert, ernsthafte strategische Überlegungen für diesen Raum anzustellen. Nordafrika war eben nicht die Sowjetunion.





Literatur:

Zu den Ereignissen:
Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43: Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer (Beitrag Stumpf); In: Boog, H., Rahn, W., Stumpf, R., Wegner, B.; Die Welt im Krieg, Bd. II, Von El Alamein bis Stalingrad; Freiburg i. Br. 1990; ND Frankfurt a. M. 1992; S. 659 – 873

Zur deutschen Kriegsführung und operativen Überlegenheit:
Frieser, Karl-Heinz; Blitzkrieg-Legende, Der Westfeldzug 1940; München 2005

Zur deutschen taktischen Überlegenheit:
Creveld, Martin van; Kampfkraft, Militärische Organisation und Leistung der deutschen und amerikanischen Armee 1939-1945; Westport 1982, ND Graz 2016

Zur Entscheidung des Zweiten Weltkriegs:
Ovrey, Richard; Die Wurzeln des Sieges, Warum die Alliierten den Zweiten Weltkrieg gewannen; London 1995; ND Hamburg 2005

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

(1) Der Einfachheit halber wird im Text in der von britischen Truppen gesprochen. In der Tat bestanden die britischen Verbände in der Wüste zu einem großen Teil aus Commenwealth-Truppen, Australiern, Neuseeländern, Indern, oder (weißen) Südafrikanern.
(2) In Nordafrika kämpften deutsche und italienische Truppen zusammen. Auch hier wird der Einfachheit halber in der Regel von deutschen Verbänden gesprochen, weil der tatsächliche Oberbefehl bei deutschen Kommandeuren lag.
(3) USAAF = United States Army Air Force. Nominell war die US-Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg noch keine eigenständige Waffengattung, sondern Teil des Heeres.
(4) "Die Leute träumen in Kontinenten" = aus Halders Tagebuch, zitiert nach:
Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43: Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer (Beitrag Stumpf); In: Boog, H., Rahn, W., Stumpf, R., Wegner, B.; Die Welt im Krieg, Bd. II, Von El Alamein bis Stalingrad; Freiburg i. Br. 1990; ND Frankfurt a. M. 1992; S. 880
(5) OKW = Oberkommando der Wehrmacht
(6) OKH = Oberkommando des Heeres


 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (26.11.2017)
Es ist natürlich für einen Laien auf dem Gebiet der Militärgeschichte sehr schwierig, deinen Essay fachlich zu bewerten.
Aber durch die sehr hilfreiche Erläuterung der Begrriffe taktisch, operativ und strategisch kann er nachvollziehen, warum der deutsche Feldzug in Nordafrika als Mikrokosmos repräsentativ für die deutsche Kriegsführung im Zweiten Weltkrieg war.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 26.11.2017:
Nachdem ich diesen Essay geschrieben hatte, wurde mir klar, wie sehr ich diese Begriffe verwende, bzw. dass sie entscheidend sind für das Verständnis. Außerdem werden sie auch in der zivilen Welt mittlerweile oft benutzt - gerne auch mal falsch -, so dass es wichtig ist, zu wissen, was Tatktik, das Operative und Strategie eigentlich bedeuten.
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (26.11.2017)
Der ursprüngliche Kommentar wurde am 26.11.2017 um 11:56 Uhr wieder zurückgezogen.
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Kommentar von Graeculus (69) (26.11.2017)
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 26.11.2017:
Das ist es richtig. In der Morderne ist es allerdings so, dass der Begriff "Schlacht" mehr umfasst, als in früheren Zeiten. Die Schlacht in der Normandie umfasst nach heutiger Perzeption den Zeitraum vom Beginn der Landung in der Normandie (6. Juni 1944) bis zur Befreiung von Paris (23. August 1944), mitthin 10 Wochen - und beinhaltet z. B. die Schlacht um die Halbinsel Cotentain oder die Schlacht von Falaise. Hier überschneiden sich die taktische und die operative Ebene.

Andere Beispiele:
-) Cannae hingen ist als Schlacht Taktik.

-) Der preußische Aufmarsch zu Königsgrätz - getrennt in mehreren Armeekolonnen mit Hilfe der Eisenbahn - ist operativ, die Schlacht Taktik, die von Bismarck durchgesetzte Entscheidung, NICHT in Wien einzumarschieren, ist Strategie.

-) Im Stellungskrieg des Ersten Weltkriegs ist die Taktik (Einsatz von Artillerie, das Fehlen von schnellen Truppen und vor allem moderner Kommunikation) derart übermächtig, dass das Operative untergeht. Falkenhayn wollte bei Verdun 1916 einfach mehr Franzosen töten und Ludendorffs Konzept für die "Michael"-Offensiven 1918 war "wir hauen ein Loch in die Front und dann sehen wir weiter". Beides ist nicht weniger als der Verzicht auf operatives Denken. Die französischen und britischen Befehlshaber agierten nicht anders. Und dennoch waren beide Seiten nicht willens ihre Strategie darauf einzustellen, bzw. abzuändern, z.B. durch einen Verhandlungsfrieden, weil eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld offensichtlich unmöglich war. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Ententemächte 1918 ebenso vom Krieg ausgelaugt waren wie das Deutsche Kaiserreich. Der Eintritt der USA in den Krieg und das damit verbundene Auftreten von US-amerikanischen Truppen haben den Krieg zu Gunsten der Ententemächte entschieden. Das war dann wiederrum eine Frage der Taktik, denn der kaiserlichen Armee fehlte das Material und die Truppen um den Krieg in der bis dahin geführten Art und Weise weiterzuführen. Sie war eben NICHT "im Felde unbesiegt". Sie befand sich auf dem Rückzug und nur der Waffenstillstand bewahrte sie vor dem - für jeden sichtbaren(sic!) - Zusammenbruch, der schon längst im Gange war.



Andere Autoren und manche Historiker unterscheiden die drei Ebene nahc den Ausführneden, bzw. jenen, die die Entscheidungen auf den entsprechenden Ebenen fällen. Damit ist zwar eine klarere Abgrenzung möglich, m.E. inhaltlich aber nicht viel gewonnen, weil z.B. die Besonderheiten verschiedener Kriegschauplätze (Ausdehnen, Kommandostuikturen etc.) unberücksichtigt bleiben.

Antwort geändert am 26.11.2017 um 15:55 Uhr
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Graeculus (69) schrieb daraufhin am 26.11.2017:
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 26.11.2017:
Das muss dich auch nicht grämen. Die operative Ebene als Kategorie (nicht was da geschieht) bzw. ihre Abgrenzung "nach unten" zur Taktik und "nach oben" zur Strategie ist mitunter schwierig zu verstehen, auch weil die Grenzen verschwimmen bzw. nicht auf den ersten Blick deutlich hervortreten.

Wenn man aber einmal gelernt hat, die drei Ebenen zu unterscheiden, ist das a) eine Erleichterung der Führung - ok, in der Verlegenheit Armeen anzuführen werden wir beide nie kommen und das ist auch gut so - b) ein hervorragendes Mittel zur Analyse von Handlungen der Entscheidungsträger.

Und hier kommt das ins Spiel, was ich in diesem Text Fazit genannt habe. Das alles sollte nicht nur Operationsgeschichte sein (und damit sehr fachspezifisch), sondern die Versäumnisse der deutschen strategischen Planungen offenlegen.

Womöglich sind in dieser Ausprägung nicht alle Historiker mit mir einer Meinung (obwohl die Deutungen in die selbe Richtung gehen), aber bei genauer Betrachtung erkennt man, dass Hitlers Denken eben keine ausformulierte Strategie zugrunde liegt. Er hatte ein diffuses Feindbild Sowjetunion, das auch eng mit seinem exterminatorischen Antisemitismus verbunden war, sah er im Judentum doch den Träger des Bolschewismus. Daraus ergab sich das krude "wo der Jude ist, ist der Bolschewist und wo der Bolschewist ist, ist der Jude. Was Hitler und Konsorten nicht daran hinderte, in den kapitalistischen Staaten ebenfalls die Juden am Werke zu ziehen. Der Antisemitismus Hitlers ist noch nicht einmal in sich homogen.

Und - wie es nach dem Krieg in apologetischer Absicht und teilweise heute noch getan wird - das kann man eben NICHT von der Kriegsführung des Deutschen Reichs trennen. Es ist noch nicht einmal so, dass der Zweite Weltkrieg deutscherseits ein "normaler" Krieg war und nur bestimmte Aspekte vom Nationalsozialismus/Adolf Hitler geprägt wurde. Die Wehrmacht führte diesen Krieg nach Hitlers Willen und seinen Absichten entsprechend. Dabei spielte es keine Rolle, dass diese Absichten weder homogen noch in sich schlüssig waren.

Damit komme ich zu dem Objekt des Textes, den Kämpfen in Nordafrika von Mai bis November 1942. Das, was dort geschah, kann man auf jene Pseudostartegie Hitlers zurückführen, bzw. diese wird an dem, was dort geschah, deutlich. Und darum ist die Operationsgeschichte auch nicht nur wertloser Spezialbereich für Militär-Nerds. Sie zeigt auf ihrer Ebene und an tatsächlichem Geschehen messbar nicht nur, was geschah, sondern auch warum es geschah. Es war die Operationsgeschichte, die die jahrzehntelang vorherrschende Idee des "Weltblitzkriegs" zu Fall brachte, bzw. als Überdeutung entlarvte.

Das man dazu ein Militär-Nerd sein muss, gebe ich gerne zu. Und ich bin ein Militär-Nerd, keine Frage.

Antwort geändert am 26.11.2017 um 17:53 Uhr
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Augustus ergänzte dazu am 26.11.2017:
Die Zusammenfassung historischer militärischer Ereignisse und die darauf aufbaunden Analsye und Fazit finden bei mir großes Gefallen. Ich habs mit Interesse gelesen.

Ave
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Augustus meinte dazu am 26.11.2017:
Interessant wäre zu wissen, inwiefern Öl, eine knappe Ressource damals, die Panzerdivisionen überall an den Kriegsschauplätzen beeinflusste und wie da die deutsche Strategie ausgesehen hat, Öl als Rohstoff zu sichern und wie die Allierten dabei vorgegangen sind, die Detuschen von den Ölresssourcen abzuschneiden, was ihnen auch gelungen ist.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 27.11.2017:
Feut mich, dass dir das gefallen hat und du auch den anlytischen Wert anerkennst. Das war die Absicht.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 27.11.2017:
Das Problem mit dem Öl ist natürlich, dass Deutschland in diesem Bereich niemals autark war, ist und es auch niemals sein wird. Wenn es sich dann in aggressiver Art und Weise, wie dies am 1. September 1939 geschah, selbst vom Weltmarkt abschneidet, wird dies sehr schnell zum Problem.

Bis zum Überfall auf die Sowjetunion konnte dies noch durch Lieferungen eben jener Sowjetunion überbrückt werden. Mit dem 22. Juni 1941 schnitt man sich dann selbst von dieser Zufuhr ab. Es blieb allein der Zugriff auf das rumänische Öl (bei dessen Bezahlung das DR immer im Rückstand blieb, auch bei Clearinggeschäften).

Damit entstand die Drucksituation also allein durch die deutsche Expansion. Hitler wollte die Sowjetunion erobern, aber um den Feldzug gegen die Sowjetunion zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen - wenn man einmal annimmt, dass das möglich gewesen wäre - brauchte er dazu den Zugriff auf die sowjetischen Erdölfördergebiete. Selbst wenn man die rassistsche Komponente des Ostfeldzuges einmal außer Betracht lässt, war dieser ein Hochrisikounternehmen.

Was einen hypothetischen Kriegsverlauf noch erschwert hätte, ist auch die Tatsache, dass eine Nutzbarmachung des kaukasischen Öls die deutsche Situation zwar verbessert hätte - die Förderung in Gang zubringen wäre nicht von heute auf morgen gegangen, bzw. wäre das größere Problem wohl der Abtransport gewesen, wegen dem nur in unzureichender Menge vorhandenem rollenden Material der Eisenbahn -, die Operationsfähigkeit der Roten Armee aber nicht entscheidend beeinflusst hätte.

Auch dieser Tatsache waren sich nicht wenigen mit de Wirtschaftsführung im Kriege beschäftigten deutsche Stelle im Frühjahr 1942 bewusst. Doch niemand wagte sich, ernsthaft gegen das Unternehmen Blau Eispruch zu erheben, erst recht nicht nachdem es beschlossen war. Zieht man die großen personellen Lücken der Wehrmacht - die die eigentlichen Kampfverbände am stärksten betrafen - noch hinzu und bedenkt die Engpässe bei der Transportlage und dem Nachschub, so wird deutlich, dass, nachdem die Wehrmacht im Süden der Sowjetunion 1942 in die Offensive gegangen war, als Ergebnis ein "Stalingrad" nicht überraschen durfte.

Und all das - um mal den Bogen zu spannen - findet man im kleineren Maßstab in Nordafrika wieder. Und weil dieser Kriegsschauplatz bis heute in Deutschland einen gewissen Bekanntheitsgrad hat, ist es m.E. durchaus angebracht, dieses hier einmal zu referieren, obwohl mir natürlich klar ist, dass KV nicht gerade der erste Ort ist, der einem für so etwas einfällt.
;-)
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Veröffentlicht am 26.11.2017, 11 mal überarbeitet (letzte Änderung am 07.12.2018). Dieser Text wurde bereits 236 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 15.12.2018.
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